17. Januar 2019, 10:02 Uhr

Urlaubs­an­spruch: Alles, was du wissen musst

Raus aus dem Büro und ab in den Urlaub – so heißt es für die meisten Arbeitnehmer mindestens einmal pro Jahr. Der Urlaubsanspruch, der Angestellten mindestens zusteht, ist gesetzlich geregelt. Darüber hinaus gibt es aber einigen Spielraum für individuelle Vereinbarungen mit dem Arbeitgeber. Wie viele Urlaubstage dir zustehen und welche Rechte du in Bezug auf die Urlaubsplanung im Betrieb hast, erfährst du auf unserer Themenseite.

 

Inhalt

 

>> Gesetzlicher Urlaubsanspruch: Wie werden Urlaubstage berechnet?

>> Mehr Urlaubstage für jugendliche und ältere Arbeitnehmer – stimmt das?

>> Streit bei der Urlaubsplanung: Was darf der Arbeitgeber bestimmen?

>> Urlaubsanspruch bei Kündigung: Das steht dir trotzdem zu

>> Urlaubsanspruch in Schwangerschaft, Mutterschutz und Elternzeit

>> Hochzeit, Umzug, Todesfall: Wann gibt es Sonderurlaub?

>> Besondere Urlaubsformen: Sabbatjahr, Bildungsurlaub und Co.

 

Urlaubs­an­spruch: Diese Begriffe solltest du kennen

 

Im Mindesturlaubsgesetz für Arbeitnehmer – kurz auch Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) genannt – steht, welchen Urlaubsanspruch ein Arbeitnehmer gegenüber seinem Arbeitgeber mindestens hat („gesetzlicher Urlaubsanspruch“). Der Arbeitgeber – oder ein Tarifvertrag, der für die jeweilige Branche gilt – kann darüber hinaus aber auch mehr Urlaubstage einräumen.

 

Der reguläre Urlaub, den jeder Arbeitnehmer per BUrlG in Anspruch nehmen darf, wird als Erholungsurlaub bezeichnet. Während dieser Tage musst du nicht arbeiten, wirst aber trotzdem vom Arbeitgeber bezahlt. In § 1 BurlG heißt es: „Jeder Arbeitnehmer hat in jedem Kalenderjahr Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub.“

 

Gesetz­li­cher Urlaubs­an­spruch: Wie werden Urlaubs­ta­ge berechnet?

Wie viele Urlaubstage hat man als Arbeitnehmer? Für Angestellte und Arbeiter in Vollzeit gilt gemäß § 3 BUrlG: „Der Urlaub beträgt jährlich mindestens 24 Werktage.“ Allerdings bezieht sich das auf die Annahme einer Sechstagewoche (Montag bis Samstag), wie sie 1963 – bei Inkrafttreten des Gesetzes – noch verbreitet war.

Das bedeutet:

  • 24 Tage gesetz­li­chen Urlaubs­an­spruch hast du, wenn du an sechs Tagen in der Woche arbeitest.
  • 20 Tage gesetz­li­chen Urlaubs­an­spruch hast du, wenn du an fünf Tagen in der Woche arbeitest – etwa von Montag bis Freitag, wie es für viele Arbeit­neh­mer üblich ist.

In der Praxis ist jedoch meist eine höhere Zahl von Urlaubstagen üblich – vor allem dort, wo ein Tarifvertrag dafür sorgt. Viele fest angestellte Arbeitnehmer erhalten in Deutschland zwischen 24 und 30 Tagen Erholungsurlaub pro Jahr.

Du wirst im Urlaub krank und kannst dich gar nicht erholen? Dann ist es dein gutes Recht, dich krankschreiben zu lassen und den Urlaub zu einer anderen Zeit nachzuholen.

 

Urlaub in der Probezeit:
Besteht ein Anspruch?

Viele Arbeitnehmer glauben, sie dürften in der Probezeit keinen Urlaub nehmen. Aber das stimmt nicht. Mehr zur genauen Regelung erfährst du in unserem Ratgeber

 

Urlaubstage berechnen: Teilzeit, Minijob, Praktikum und Co.

  • Du arbeitest in Teilzeit und möchtest deinen antei­li­gen Urlaubs­an­spruch berechnen? Kein Problem: In unserem Ratgeber erklären wir dir, wie du vorgehen musst. Übrigens: Wenn du nur weniger Stunden, aber trotzdem von Montag bis Freitag arbeitest, gilt für dich der gesetz­li­che Min­dest­an­spruch von 20 Tagen – wie bei deinen Vollzeit-Kollegen.
  • Du arbeitest im Öffent­li­chen Dienst? Dann musst du nicht lange rechnen: Für dich gelten die Bestim­mun­gen der Tarif­ver­trä­ge TVöD bezie­hungs­wei­se TV-L. In der Regel beträgt dein Urlaubs­an­spruch 30 Tage pro Jahr, sobald du deine Aus­bil­dung hinter dir hast.
  • Du hast einen Minijob? Hier erfährst du alles zu deinem Urlaubs­an­spruch.
  • Du machst ein frei­wil­li­ges Praktikum und in deinem Vertrag steht kein Wort von Urlaub? Trotzdem hast du in vielen Fällen Anspruch darauf – mehr dazu liest du hier.

 

Mehr Urlaubs­ta­ge für Jugend­li­che und ältere Arbeit­neh­mer – stimmt das?

Jugendliche haben einen höheren gesetzlichen Urlaubsanspruch als Volljährige. Gemäß § 19 Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbschG) gilt ein Mindestanspruch von

  • 30 Tagen für Jugend­li­che, die zu Jah­res­be­ginn (Kalen­der­jahr) noch nicht 16 Jahre alt waren,
  • 27 Tagen für Jugend­li­che, die zu Jah­res­be­ginn unter 17 waren,
  • und 25 Tagen für Arbeit­neh­mer, die zu Jah­res­be­ginn noch unter 18 waren.

Stimmt das? Die 6 größten Urlaubsmythen

Wer im Urlaub krank wird, braucht kein Attest? Wenn der Chef anruft, muss der Urlaub abge­bro­chen werden? Hier erfährst du, was wirklich gilt. Artikel lesen

Für ältere Arbeitnehmer gilt allerdings keine entsprechende Regelung. Es ist ein Mythos, dass sich beim Urlaubsanspruch ab 50 Jahren gesetzlich automatisch etwas ändert und man dann mehr Urlaubstage bekommt.

Allerdings: Unter bestimmten Voraussetzungen kann der Arbeitgeber älteren Arbeitnehmern freiwillig mehr Urlaubstage geben als ihren jüngeren Kollegen. Das muss aber gut begründet sein, sonst können die Kollegen wegen Altersdiskriminierung klagen.

In einem solchen Fall hatte 2014 das Bundesarbeitsgericht (BAG) zu entscheiden. Eine Schuhfabrik in Rheinland-Pfalz räumte allen Beschäftigten ab 58 Jahren zwei Urlaubstage extra pro Jahr ein und begründete dies erfolgreich mit den körperlichen Anstrengungen, die der Job erfordere. Die Klage jüngerer Kollegen, die sich ungerecht behandelt fühlten, wies das BAG ab (AZ 9 AZR 956/12).

 

Streit bei Urlaubs­pla­nung: Was darf der Arbeit­ge­ber bestimmen?

 

Urlaubsplanung: Was darf der Arbeitgeber vorschreiben? Mehr erfahren

Wie viele Urlaubstage ein Arbeitnehmer zur Verfügung hat, ist das eine. Aber wann darf er sie in Anspruch nehmen?

Grundsätzlich gilt laut § 7 BUrlG: „Bei der zeitlichen Festlegung des Urlaubs sind die Urlaubswünsche des Arbeitnehmers zu berücksichtigen“.

Es sei denn, betriebliche Gründe oder andere Urlaubswünsche, die aus sozialer Sicht schwerer wiegen (zum Beispiel von Eltern schulpflichtiger Kinder zur Ferienzeit), stehen dem entgegen.

 

In diesen Fällen gibt es erhöhten Abstimmungsbedarf mit Kollegen und dem Chef:

 

Und hier droht richtig Ärger: Der Chef streicht dir den bereits genehmigten Urlaub, verhängt gar eine allgemeine Urlaubssperre oder ordnet bei schlechter Auftragslage Zwangsurlaub an. Mehr zu deinen Rechten in diesen Situationen erfährst du in diesen Ratgebern:

 

Darf genehmigter Urlaub gestrichen werden?

 Artikel lesen

Wann ist eine Urlaubssperre rechtens?

Artikel lesen

Wann darf es Zwangsurlaub geben?

Artikel lesen

 

Stress mit dem Chef? Ein Berufs-Rechtsschutz sichert dich ab. >>

Urlaubs­an­spruch bei Kündigung: Das steht dir trotzdem zu

Du wurdest gekündigt oder hast dir auf eigene Faust einen neuen Job gesucht – und verlässt das Unternehmen. Eine wichtige Unterscheidung in Bezug auf deinen Urlaubsanspruch: Erfolgte die Kündigung im zweiten Halbjahr oder verlässt du den alten Arbeitgeber bereits in der ersten Jahreshälfte? Welchen Unterschied das macht, verraten wir dir in unserem Ratgeber.

 

Urlaubs­an­spruch in Schwan­ger­schaft, Mut­ter­schutz und Eltern­zeit

Eine Schwangerschaft ist ein aufregender Lebensabschnitt – und drum herum sind jede Menge Formalitäten zu erledigen. Auch rechtlich gibt es für schwangere Arbeitnehmerinnen einiges zu beachten. Was den Urlaubsanspruch angeht, können sich werdende Mütter jedoch beruhigt zurücklehnen. Weder die Schwangerschaft selbst noch der Mutterschutz haben Auswirkungen auf die Zahl ihrer Urlaubstage.

Anders verhält es sich mit der Elternzeit: Für diesen Zeitraum darf der Arbeitgeber den Jahresurlaubsanspruch kürzen. Mehr dazu erfährst du in unserem Ratgeber.

©drubig-photo, Fotolia

 

Hochzeit, Umzug, Todesfall: Wann gibt es Son­der­ur­laub?

Für nicht alltägliche private Ereignisse im Leben eines Arbeitnehmers kann es zuweilen Sonderurlaub geben. Dieser wird dann im konkreten Fall ausnahmsweise zusätzlich zum Jahres-Urlaubsanspruch gewährt.

Wie ist das bei der eigenen Hochzeit, der Geburt eines Kindes oder bei einem Todesfall in der Familie? Und muss der Arbeitgeber wirklich Sonderurlaub gewähren, wenn man umzieht? In unseren Ratgebern schildern wir die Rechtslage.

Sonderurlaub bei Hochzeit und Geburt

Artikel lesen

Sonderurlaub bei Umzug

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Sonderurlaub bei Todesfall

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Besondere Urlaubs­for­men: Sab­bat­jahr, Bil­dungs­ur­laub und Co.

Manchmal reicht der gesetzliche Urlaubsanspruch nicht aus, um den Akku wieder aufzuladen, sich von einem stressigen Projekt zu erholen oder sich in schwierigen Phasen persönlich neu zu orientieren. Du hast das Gefühl, du brauchst mal länger Abstand von der Arbeit, und denkst über ein Sabbatjahr („Sabbatical“) nach? Wie das in der Praxis funktioniert, steht in unserem Ratgeber.

Eng damit verbunden ist das Thema unbezahlter Urlaub. Wir verraten dir,

Du willst gar nicht so lange aus dem Job raus, hättest aber gern ein paar Tage bezahlten Bildungsurlaub obendrauf? Wenn du Glück hast, legt dein Arbeitgeber ebenfalls wert darauf, dass seine Mitarbeiter wissenstechnisch immer auf dem neuesten Stand sind. Wichtig: Du solltest plausibel erklären können, welchen Mehrwert die Fortbildung für deine Arbeit bringt und was auch der Arbeitgeber davon hat.

 

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Bitte lesen Sie zu dem Inhalt auch unsere Rechtshinweise.

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