Urlaubs­an­spruch bei Ren­ten­ein­tritt: So ist er geregelt bnenin, Fotolia

19. Februar 2019, 10:16 Uhr

So geht's richtig Urlaubs­an­spruch bei Ren­ten­ein­tritt: So ist er geregelt

Der verbleibende Urlaubsanspruch scheint kurz vor dem Renteneintritt vielleicht gar nicht mehr so wichtig zu sein – immerhin gibt es demnächst jede Menge Freizeit. Dabei lohnt es sich durchaus, genau zu planen und so noch einige Vorteile zu genießen.

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Datum des Ren­ten­ein­tritts bestimmt den Urlaubs­an­spruch

Wichtig für die Höhe des Urlaubsanspruchs ist vor allem das Datum des Renteneintritts:

  • Ist der letzte Arbeits­tag am 30. Juni oder früher, besteht ein antei­li­ger Urlaubs­an­spruch: Bei Ren­ten­ein­tritt im Januar ein Zwölftel des Jah­res­ur­laubs, im Februar zwei Zwölftel, im März drei Zwölftel und so weiter. Halbe Tage werden auf­ge­run­det.
  • Liegt der letzte Arbeits­tag in der zweiten Jah­res­hälf­te (1. Juli oder später), besteht ein Anspruch auf den vollen Jah­res­ur­laub.
  • Vor­aus­set­zung: Das Arbeits­ver­hält­nis besteht schon länger als sechs Monate – andern­falls wird immer gestü­ckelt. Die recht­li­che Grundlage bildet § 5 Bun­des­ur­laubs­ge­setz (BUrlG).
  • Falls der Arbeit­ge­ber Urlaubs­geld zahlt, besteht auch darauf Anspruch im selben Maße wie auf Urlaubs­ta­ge. Weih­nachts­geld hingegen fällt aus dieser Regelung heraus, auch wenn der Ren­ten­be­ginn in der zweiten Jah­res­hälf­te liegt.

Von der Krankheit in die Rente: Urlaub kann verfallen

Auch krankgeschriebene Arbeitnehmer erlangen Urlaubsansprüche. Bei lange andauernder Krankheit ist es allerdings schwierig, diese Urlaubstage auch zu nehmen. Ein unbegrenztes Ansammeln für später ist nicht möglich: Urlaubsansprüche verfallen nach spätestens 15 Monaten – immer zum 31. März. Diese Regelung betrifft das normale Berufsleben genauso wie Fälle von vorübergehender Erwerbsminderungsrente und den altersbedingten Renteneintritt.

Was können erwerbsunfähige Arbeitnehmer kurz vor Rentenbeginn also tun? Wenn ein Arbeitsverhältnis beendet wird – und das ist beim Renteneintritt der Fall –, hat der Arbeitnehmer Anspruch auf Abgeltung des Urlaubs; sprich: Die nicht genommenen Urlaubstage werden ausbezahlt. Diese Regelung steht in § 7 BUrlG. Achtung: Auch der Abgeltungsanspruch erlischt nach 15 Monaten! Wer länger krank ist, muss seinen Arbeitgeber also zwischendurch um Ausbezahlung bitten und nicht bis zur Rente warten.

Grundlage für diese Regelung ist ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts (BAG), das sich wiederum an der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) orientiert (AZ 9 AZR 353/10).

Ulraubsanspruch bei Renteneintritt: So ist er geregelt

Darren Baker, Fotolia

Timing: Klug planen, um mehr raus­zu­ho­len

Der Renteneintritt kommt eher selten spontan, sodass im Vorfeld meist genug Zeit bleibt, um sich Gedanken über das Ende des Arbeitslebens zu machen. Eine häufige Lösung: Die restlichen Urlaubstage werden zum Jobende hin genommen, sodass der Ruhestand gefühlt ein paar Wochen früher beginnt. Bei rechtzeitiger Planung sollte das von der Arbeitgeberseite aus kein großes Problem sein. Die jährliche Urlaubsplanung ist auch ein guter Zeitpunkt, um eventuelle Missverständnisse zu klären, was die Höhe des Urlaubsanspruches angeht.

Eine weitere Überlegung: Wer im Juli noch arbeitet, hat Anspruch auf den kompletten Jahresurlaub. Liegt der Renteneintritt im Mai oder Juni, kann es sich lohnen, ihn um ein paar Wochen nach hinten zu verschieben und noch von zusätzlichen freien Tagen und Urlaubsgeld zu profitieren.

Details zu Urlaubs­an­sprü­chen beim Ren­ten­ein­tritt in Arbeits- und Tarif­ver­trä­gen

Wie so oft können in individuellen Verträgen Vereinbarungen getroffen werden, die vom gesetzlichen Regelfall abweichen. So kann es zum Beispiel sein, dass der Arbeitsvertrag eine sofortige Verrentung bei Privat-Rechtsschutz von ADVOCARDErwerbminderung verlangt oder die Stückelung des Urlaubs auch in der zweiten Jahreshälfte in Zwölftel vorsieht. Letzteres ist allerdings nur für die Urlaubstage zulässig, die über den gesetzlichen Mindesturlaub hinausgehen.

Auch Tarifverträge enthalten oft spezielle Reglungen zu Urlaub und Rente – im öffentlichen Dienst des Bundes (TVöD) und der Länder (TV-L) zum Beispiel ist eine Stückelung auch in der zweiten Jahreshälfte Standard.

Wirf deshalb unbedingt einen Blick in alle wichtigen Vertragswerke, bevor du deinen ehemaligen Arbeitgeber mit Ansprüchen konfrontierst – das gilt für den Urlaubsanspruch zum Renteneintritt ebenso wie für andere Streitigkeiten im Job.

FAZIT
  • Auch im Jahr des Ren­ten­ein­tritts bestehen Urlaubs­an­sprü­che.
  • ie Anzahl der Urlaubs­ta­ge ist abhängig vom Datum des Ren­ten­be­ginns. Auch die Beschäf­ti­gungs­dau­er spielt manchmal eine Rolle.
  • Rest­ur­laub aus den Vorjahren kann verfallen, wenn du vor Ren­ten­ein­tritt längere Zeit krank oder erwerbs­un­fä­hig bist.
  • Arbeits- und Tarif­ver­trä­ge können Son­der­re­ge­lun­gen enthalten.

Bitte lesen Sie zu dem Inhalt auch unsere Rechtshinweise.

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