Nah­auf­nah­me von Medi­zi­ni­schem Mund-Nasen­schutz © istock.com/mihalec

30. Juni 2021, 8:00 Uhr

Corona: Was du jetzt über deine Rechte und Pflichten wissen musst

Das Coronavirus hat nach wie vor massiven Einfluss auf unser Leben. Und das in nahezu allen Bereichen: im Job, in der Familie, in der Freizeit und im Alltag. Wir mussten uns schon an viele neue Vorgaben gewöhnen und uns darauf einstellen, dass sich Regelungen häufig ändern. Reisen ist nur eingeschränkt möglich, viele Unternehmen waren lange in Kurzarbeit und mussten teilweise Mitarbeiter entlassen, einen Mundschutz sollte man sicherheitshalber immer dabeihaben. All das sorgt für Unsicherheit. Wir geben einen Überblick darüber, was in Zeiten der Corona-Krise für dich als Arbeitnehmer, als Verbraucher und natürlich als Bürger dieses Landes wichtig ist.

Inhalt:

Die jüngsten Ent­wick­lun­gen09.05.2021

30.06.2021

Die sogenannte Bundes-Notbremse mit einem einheitlichen Maßnahmenkatalog bei einer 7-Tage-Inzidenz über 100 läuft zum 30. Juni 2021 aus. Ohnehin kam sie in den letzten Wochen kaum noch zum Tragen, da sich die Inzidenzen in fast allen Regionen mittlerweile weit unter diesem Grenzwert eingependelt haben.

Liegt die 7-Tage-Inzidenz stabil unter 100, ist es Sache der Bundesländer, über entsprechende Regelungen oder auch Lockerungen zu entscheiden. Bei weiter sinkenden Inzidenzen, etwa unter 50 oder unter 10, können die Länder bestimmte Beschränkungen auch ganz aufheben. Vielerorts ist das bereits geschehen

Seit Mai 2021 gelten Lockerungen für vollständig gegen das Coronavirus Geimpfte und für Genesene. Dazu gehört unter anderem:

  • Kon­takt­be­schrän­kun­gen gelten für Geimpfte und nach­weis­lich Genesene nicht. Sie werden bei privaten Treffen mit anderen Personen nicht mit­ge­zählt.
  • Keine Qua­ran­täne­pflicht für Geimpfte und Genesene nach Kontakt mit Infi­zier­ten (Ausnahme: Kontakte mit Personen, die mit in Deutsch­land noch nicht ver­brei­te­ten Virus­va­ri­an­ten infiziert sind) und bei Einreisen aus dem Ausland (Ausnahme: Einreise aus Virus­va­ri­an­ten­ge­bie­ten).
  • Keine Test­pflicht für Geimpfte und Genesene in Geschäf­ten und Ein­rich­tun­gen, die sonst nur nach Vorlage eines negativen Test­ergeb­nis­ses besucht werden dürfen.
  • Aus­gangs­be­schrän­kun­gen aufgrund hoher örtlicher Infek­ti­ons­zah­len müssen von voll­stän­dig Geimpften und Genesenen nicht ein­ge­hal­ten werden.

Grundsätzlich sind Geimpfte und Genesene negativ getesteten Personen gleichgestellt. Die üblichen Abstands- und Hygieneregeln gelten allerdings für jeden – egal ob geimpft, genesen oder getestet.

Als geimpft gelten Personen erst, wenn sie den vollständigen Impfschutz haben. Seit der letzten erforderlichen Einzelimpfung – in der Regel der zweiten, ausgenommen Impfstoffe, bei denen nur eine einzige Impfung erforderlich ist – müssen dabei mindestens 14 Tage vergangen sein. Außerdem dürfen sie keine Covid-19-typischen Symptome haben. Nachweisen können sie das durch den Eintrag im gelben Impfheft oder per Smartphone mit dem digitalen Impfpass.

Als genesen gelten Personen, die eine Covid-19-Infektion durchgemacht haben und wieder symptomfrei sind. Dies müssen sie durch einen Genesenennachweis belegen. Das kann ein positiver PCR-Test sein, der vor mindestens 28 Tagen und maximal 6 Monaten durchgeführt wurde. Auch Gesundheitsämter stellen vielerorts solche Nachweise aus.

Die komplette Verordnung zu den Erleichterungen und Ausnahmeregelungen für Geimpfte und Genesene findest du im Bundesanzeiger.

Wichtige Begriffe rund um das Thema Corona

AHA-Formel / AHA+A+L: Unter diesen Begriffen werden die grundlegenden Infektionsschutzmaßnahmen zusammengefasst, die im Alltag beachtet werden sollen. Die Buchstaben stehen für Abstand halten, Hygiene beachten, Alltagsmaske tragen. Zum Herbst wurde die Formel um die Punkte „Corona-Warn-App benutzen“ und „regelmäßiges Lüften geschlossener Räume“ erweitert.

Inzidenzwert / 7-Tage-Inzidenz: Dieser Wert gibt die Anzahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner eines bestimmten Gebietes innerhalb der vergangenen sieben Tage an. Die Zahl ist relevant für das Inkrafttreten weiterer Schutzmaßnahmen und wird deshalb auch als Corona-Warnwert bezeichnet. Dabei geht es um mehrere Grenzwerte: Eine Inzidenz ab 35 gilt grundsätzlich als Vorwarnstufe, in der die Bevölkerung zu besonderer Vorsicht ermahnt wird. Ab einem Inzidenzwert von 50 treten strengere Schutzmaßnahmen in Kraft. Mit fortdauernder Pandemie wurden auch die Werte 100, 150, 165 und 200 relevant, ab denen regional jeweils noch strengere Maßnahmen galten.

Ausgangssperren können bei stark erhöhter 7-Tage-Inzidenz für einen bestimmten Zeitraum, beispielsweise nachts ab 22 Uhr, verhängt werden. Was konkret erlaubt und was verboten ist, legen die zuständigen Behörden individuell fest.

Mehr darüber erfährst du in diesem Streitlotse-Ratgeber. >>

Quarantäne ist eine behördlich angeordnete Isolierung von Personen nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG). Wer etwa innerhalb der letzten 14 Tage in einem Risikogebiet war oder Kontakt mit COVID-19-Erkrankten hatte, wird bestimmte Zeit unter häusliche Quarantäne gestellt. Die Anordnung ist verbindlich, bei Missachtung drohen Sanktionen. Mehr darüber erfährst du in diesem Streitlotse-Ratgeber. >>

Corona-Hotspot / Risikogebiet: Diese beiden Begriffe bezeichnen Regionen, in denen es sehr viele Corona-Neuinfektionen gibt. Als Hotspot gelten Regionen in Deutschland ab einer 7-Tage-Inzidenz von mindestens 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. Bei allgemein hohen Inzidenzen wurden jedoch allgemeinsprachlich eher Regionen mit „Ausreißerwerten“ nach oben (etwa ab 200 oder 300) als Hotspots bezeichnet.

Als Risikogebiete werden Regionen im Ausland bezeichnet, in denen die Zahl der Neuinfektionen signifikant hoch ist. Das hat Auswirkungen auf mögliche Urlaubsreisen dorthin.

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All­ge­mei­ne Ver­hal­tens­re­geln und gesetz­li­che Vorgaben: Wo ist was geregelt?

Im Zuge der Corona-Pandemie wurden zahlreiche Regeln aufgestellt, um die unkontrollierte Ausbreitung des Virus zu verhindern. Grundsätzlich gilt:

  • Min­des­tens 1,5 Meter Abstand zu anderen Personen halten.
  • Überall dort, wo dieser Abstand nicht sicher ein­ge­hal­ten werden kann, müssen Mund und Nase bedeckt werden, bei­spiels­wei­se in Geschäf­ten oder öffent­li­chen Ver­kehrs­mit­teln, aber teilweise auch draußen an belebten öffent­li­chen Orten und Plätzen.
  • Besonders auf Hygiene achten: Häufiges gründ­li­ches Hän­de­wa­schen und ggf. Des­in­fi­zie­ren, in Taschen­tuch niesen oder Ellen­beu­ge husten.
  • Beim Auf­ent­halt in geschlos­se­nen Räumen mit mehreren Personen regel­mä­ßig lüften.
  • Die Zahl der per­sön­li­chen Begeg­nun­gen mit anderen Personen sollte möglichst gering gehalten werden, größere Men­schen­men­gen solltest du besser meiden.
  • Bei Symptomen einer Atem­wegs­er­kran­kung auf jeden Fall zu Hause bleiben.

Da sich die Situation permanent ändert, werden auch die Regelungen und Vorschriften immer wieder an das aktuelle Infektionsgeschehen angepasst. Das geschieht teilweise recht kurzfristig: Was gestern noch erlaubt war, kann übermorgen schon verboten sein. Andersherum werden aber auch Maßnahmen wieder verworfen; teilweise sogar, bevor sie überhaupt richtig umgesetzt wurden. Stichwort Beherbungsverbot.

Was die Sache zusätzlich kompliziert macht: Die Regeln sind nicht bundesweit einheitlich. Die jeweils gültige Corona-Verordnung oder Allgemeinverfügung findest du auf den Websites der Bundesländer:

Und sogar innerhalb eines Bundeslandes kann es abweichende Regeln geben. Wenn das Infektionsgeschehen die kritischen Marken der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen überschreitet, müssen betroffene Kommunen die Schutzmaßnahmen verschärfen. Möglich sind dann unter anderem:

  • Beschrän­kun­gen, wie viele Personen sich in der Öffent­lich­keit treffen dürfen.
  • Teil­neh­mer­be­gren­zun­gen für private Feiern, sowohl in öffent­li­chen Ein­rich­tun­gen als auch im privaten Bereich.
  • Sperr­stun­den für Kneipen und Bars
  • Alko­hol­ver­kaufs­ver­bo­te
  • Schlie­ßung bestimm­ter Ein­rich­tun­gen und Verbot von Dienst­leis­tun­gen

Im äußersten Fall können die Maßnahmen bis zu einem kompletten Lockdown reichen. Das kann so weit gehen, dass Menschen ihre privaten vier Wände nur noch verlassen dürfen, um zur Arbeit zu gehen, wichtige Besorgungen oder einen Arztbesuch zu machen.

Auch in schwierigen Zeiten: Wir setzen uns für deine Rechte ein! >>

Was passiert bei Verstößen gegen die Corona-Regeln?

Rechtliche Grundlage für das bundesweite Kontaktverbot ist das Infektionsschutzgesetz (IfSG). Und das sieht Geld- und sogar Freiheitsstrafen von bis zu zwei Jahren bei Zuwiderhandlung vor. Darunter fallen nach § 75 Absatz 1 Nr.1 IfSG unter anderem auch Verstöße gegen behördliche Maßnahmen im Zusammenhang mit Zutrittsbeschränkungen und Einschränkungen der Versammlungsfreiheit.

Wer sich nicht an die gesetzlichen Regelungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie hält, muss mit Sanktionen rechnen. Das hat Bundeskanzlerin Angela Merkel betont. Wichtig: Wer bei einem Verstoß nachweislich andere mit dem Coronavirus infiziert, dem droht nach § 75 Absatz 3 IfSG eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren.

Wegen Regelverstößen zur Kasse gebeten werden können sowohl Verbraucher als auch Anbieter von Dienstleistungen, Betreiber von Gastronomiebetrieben, Inhaber von Geschäften, Veranstalter, Vereine etc.

Welche Verstöße wie geahndet werden, entscheidet jedes Bundesland für sich. Regional können die Bußgelder daher stark variieren. Ein grundsätzlicher Trend: Waren die Bußgelder bei Maskenverstößen zu Beginn der Pandemie noch vergleichsweise niedrig, so liegen sie mittlerweile fast überall im dreistelligen Bereich.

Detaillierte Infos zur Sanktionierung von Maskenverstößen findest du im Streitlotse-Ratgeber „Maskenpflicht: Für wen gelten Ausnahmen, wann droht Bußgeld?“

Corona und Job: Was Arbeit­neh­mer wissen müssen

Das Coronavirus wirkt sich erheblich auf die Arbeitswelt aus und verunsichert viele Beschäftigte. Sei es, weil langfristig Kurzarbeit angesagt ist, du aus Infektionsschutzgründen nicht mehr ins Büro darfst oder nun Job und Kinderbetreuung parallel gestemmt werden müssen.

Angesichts der noch nie dagewesenen Lage müssen für viele arbeitsrechtliche Fragestellungen neue Lösungen gefunden werden. Denn manche vorhandenen gesetzlichen Regelungen sind in dieser Ausnahmesituation nur bedingt anwendbar oder greifen zu kurz. Einige Änderungen, beispielsweise beim Kurzarbeitergeld hat es bereits gegeben, weitere Ausnahmeregelungen und Anpassungen sind möglich. Die folgenden Antworten auf wichtige arbeitsrechtliche Fragen bieten eine Orientierung nach aktuellem Stand (Juli 2021).

Muss ich weiter zur Arbeit gehen?

Sofern du nicht krank oder unter Quarantäne gestellt bist: Ja! Aus deinem Arbeitsvertrag ergibt sich eine Verpflichtung gegenüber dem Arbeitgeber. Nur aus Angst vor einer Ansteckung darfst du nicht daheim bleiben. Dein Arbeitgeber muss allerdings Maßnahmen ergreifen, um die Ansteckungsgefahr im Betrieb so gering wie möglich zu halten.

Vorübergehend waren Arbeitgeber verpflichtet, ihren Mitarbeitern die Arbeit aus dem Homeoffice zu erlauben, sofern die jeweilige Tätigkeit dies zulässt. Gemäß der Bundes-Notbremse mussten Arbeitnehmer dieses Angebot annehmen, sofern keine zwingenden Gründe dagegen sprachen. Ab Juli 2021 gilt die Homeoffice-Pflicht jedoch nicht mehr.

Aber: Unternehmen müssen ihren Mitarbeitern vor Ort medizinische Masken zur Verfügung stellen, wenn der erforderliche Mindestabstand nicht eingehalten werden kann und es keine Trennwände oder Ähnliches gibt. Außerdem müssen sie für regelmäßige Schnelltests und ein funktionierendes Hygienekonzept sorgen. Kann ein Arbeitgeber diese Auflagen nicht einhalten, kann er nicht verlangen, dass alle wieder ins Büro kommen.

Du musstest wegen der Schließung von Kitas und Schulen dein Kind selbst betreuen? Das entbindet dich nicht automatisch von deinen Pflichten gegenüber deinem Arbeitgeber. Gleiches kann gelten, wenn du unter Quarantäne stehst, aber nicht erkrankt bist: Unter Umständen musst du von zu Hause arbeiten.

Warum du dein Kind bei Kita-Schließung nicht einfach mit ins Büro nehmen kannst. >>

Das gilt natürlich nicht, wenn du krankgeschrieben bist: In dem Fall bist du offiziell arbeitsunfähig und sollst dich auf deine Genesung konzentrieren und nicht arbeiten – auch nicht im Homeoffice. Wenn du Erkältungssymptome hast, musst du für den gelben Schein nicht zwingend zum Arzt. Um Ansteckungen zu vermeiden, erlaubt der Gesetzgeber bei Atemwegserkrankungen in Phasen hoher Corona-Fallzahlen vorübergehend telefonische Krankschreibungen ohne Arztbesuch.

Berufstätige Eltern, die coronabedingt ihr Kind zu Hause betreuen müssen, können dafür eine Verdienstausfallentschädigung beantragen. Außerdem wurde die Zahl der möglichen Kinderkrankentage für 2021 bereits mehrfach erhöht.

Mehr dazu erfährst du in diesen Streit­lot­se-Ratgebern:

Eine Mutter sitzt am Laptop, während Kinder um sie herum spielen und sieht verzweifelt aus

Schule oder Kita geschlossen: Regelungen für berufstätige Eltern

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Corona und Arbeitsschutz: Diese Vorgaben gelten aktuell

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Was ist mit meinem Gehalt, wenn es keine Arbeit gibt oder die Firma schließen muss?

Das kommt auf die jeweilige Situation an. Grundsätzlich gilt: Eine Betriebsschließung – egal ob behördlich angeordnet oder freiwillig – darf nicht zulasten der Belegschaft gehen, die ihre Arbeitskraft ja weiterhin anbietet. Du hast also trotzdem Anspruch auf dein Gehalt.

Unternehmen, die direkt oder indirekt von den Auswirkungen der Corona-Krise betroffen sind, können für ihre Angestellten Kurzarbeitergeld beantragen. Wenn dein Arbeitgeber dies nicht aufstockt, musst du mit 60 bis 67 Prozent deines üblichen Netto-Gehalts auskommen. Ab dem vierten Monat in Kurzarbeit kann sich das Kurzarbeitergeld unter bestimmten Voraussetzungen auf 70 beziehungsweise 77 Prozent für Arbeitnehmer mit Kind erhöhen, ab dem siebten Monat auf 80 oder 87 Prozent. Diese schrittweise Erhöhung gilt nur vorübergehend während der Corona-Pandemie und ist vorerst bis Ende 2021 befristet.

Eine Frau sitzt am Laptop und schaut auf die Armbanduhr

Kurzarbeit und Kurzarbeitergeld 2021: Infos für Arbeitnehmer

Um Entlassungen während der Corona-Krise zu verhindern, können Unternehmen für Mitarbeiter Kurzarbeit beantragen. Die müssen in der Regel Gehaltseinbußen hinnehmen. Mehr erfahren

Darf mich mein Chef zu Minusstunden, Überstundenabbau oder Urlaub zwingen?

Grundsätzlich können Firmen nicht ohne Weiteres einseitig Zwangsurlaub oder Minusstunden anordnen. Ihre Mitarbeiter gerade jetzt zum Überstundenabbau anzuregen, ist jedoch nicht verboten. Angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Situation wegen der Corona-Epidemie, kann es sinnvoll sein, seinem Arbeitgeber entgegenzukommen und einvernehmliche Lösungen zu finden.

Corona und Geld: Muss ich für Leis­tun­gen zahlen, die ich nicht nutzen kann?

Aufgrund des Coronavirus fallen viele bereits bezahlte Leistungen aus. Oft ist die Rechtslage eindeutig. Aber manchmal sind Juristen sich unsicher, weil es bislang noch keine vergleichbaren Fälle gab.

  • Ein­tritts­kar­ten für abgesagte Ver­an­stal­tun­gen: Ver­brau­cher können eine Erstat­tung des Ticket­prei­ses verlangen oder einen Alter­na­tiv­ter­min wahr­neh­men. Der Anbieter darf dir statt­des­sen aber auch einen Wert­gut­schein über den gezahlten Preis aus­stel­len. Diese Gut­schein­lö­sung gilt aller­dings nur für Tickets, die vor dem 8. März 2020 gekauft wurden und auch nur vor­über­ge­hend. Wenn du den Gutschein bis Ende 2021 nicht eingelöst hast, bekommst du dein Geld zurück.
  • Beiträge fürs Fit­ness­stu­dio: Das Studio musste zwi­schen­zeit­lich zwangs­wei­se schließen? Dann hast du keinen Anspruch auf die komplette gebuchte Leistung. Aber nach § 326 Bür­ger­li­ches Gesetz­buch darfst du als Kunde deine Beiträge für die Zeit der Schlie­ßung zurück­zu­ver­lan­gen. Viele Studios bieten auch an, diesen Zeitraum am Ende der Ver­trags­lauf­zeit nach­zu­ho­len.
  • Ver­eins­bei­trä­ge: Bei Vereinen ist die Lage nicht so eindeutig wie bei Fit­ness­stu­di­os. Denn der Mit­glieds­bei­trag ist an keine besondere Leistung oder konkrete Ver­eins­ak­ti­vi­tä­ten gekoppelt. Daher sehen viele Juristen im coro­nabe­ding­ten Brach­lie­gen des Ver­eins­le­bens keinen Grund für Bei­trags­min­de­run­gen oder Son­der­kün­di­gun­gen.
  • Pay-TV-Bun­des­li­ga-Abo: Für die Zeit, in der keine Bun­des­li­ga­spie­le statt­fan­den, konnten Bezahl­sen­der und Streaming-Dienste wie Sky, DAZN und Telekom Magenta-Sport die bezahlte Leistung nicht erbringen. Damit liegt der Fall ähnlich wie beim Fit­ness­stu­dio: Der Kunde verliert seinen Anspruch auf die Leistung, der Anbieter den auf die Bezahlung.
  • Rein rechtlich gesehen hast du also Anspruch auf anteilige Erstat­tung. Die meisten Anbieter haben prag­ma­ti­sche Lösungs­an­sät­ze gefunden, etwa indem sie Abos für die Zeit der coro­nabe­ding­ten Bun­des­li­ga-Unter­bre­chung bei­trags­frei gestellt haben, ihren Kunden statt­des­sen andere Angebote frei­ge­schal­tet haben oder die Gebühren erstattet haben. Wenn dein Anbieter nicht von sich aus mit einem akzep­ta­blen Angebot auf dich zukommt, solltest du nachhaken und einen Ausgleich fordern.

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Corona und Reisen: Was ist mit meinem Urlaub?

Dank niedriger örtlicher Inzidenzen an vielen deutschen Reisezielen ist der Sommerurlaub 2021 zwischen norddeutscher Küste und Alpen grundsätzlich fast überall möglich. Aber: Die örtlichen Corona-Vorschriften sind nach wie vor zu beachten, allen voran die geltende Test- und Maskenpflicht.

Das Coronavirus hat daneben weiter Einfluss auf den weltweiten Reiseverkehr:

  • In vielen Ländern ist die Einreise nicht oder nur mit Ein­schrän­kun­gen möglich, etwa einer Qua­ran­täne­pflicht unmit­tel­bar nach der Ankunft.
  • Wer per Flug wieder nach Deutsch­land einreist, muss vorher grund­sätz­lich einen negativen Corona-Test vorweisen können.
  • Wer in einem Risi­ko­ge­biet Urlaub macht und wieder nach Deutsch­land einreist, muss besondere Auflagen erfüllen. Mehr dazu erfährst du in diesem Streit­lot­se-Ratgeber.

 

Sagt der Reiseveranstalter die Reise ab oder wird dein Flug oder dein Hotelzimmer vom Anbieter aufgrund der Corona-Beschränkungen storniert, hast du Anspruch auf eine Rückerstattung des Preises.

Für Länder, die aufgrund hoher Infektionszahlen oder neu aufgetretener Virusformen als Hochrisiko- oder Virusvariantengebiet eingestuft sind, gilt eine Reisewarnung für touristische Reisen. Eine solche offizielle Warnung des Auswärtigen Amtes hat rechtliche Konsequenzen. Sie ermöglicht es Verbrauchern, gebuchte Pauschalreisen kostenfrei zu stornieren – in der Regel jedoch nur, wenn die Reisewarnung nicht schon bei der Buchung galt.

Das gilt allerdings nur für aktuell anstehende Urlaube, nicht zwingend für Reisen, die erst in einigen Wochen oder Monaten stattfinden sollen. Schließlich ist noch nicht klar, ob zum Reisezeitpunkt immer noch außergewöhnliche Umstände vorliegen, die eine kostenlose Stornierung rechtfertigen. Sollte zum geplanten Reisetermin weiterhin eine Reisewarnung für das Zielland bestehen, kannst du dir die Stornogebühren nachträglich erstatten lassen.

Wie sieht es mit dem Versicherungsschutz auf Reisen in Corona-Zeiten aus?

  • Wer trotz Rei­se­war­nung in ein betrof­fe­nes Land reist, ist unter Umständen nicht mehr durch seine Rei­se­kran­ken­ver­si­che­rung
  • Rei­se­rück­tritt­ver­si­che­run­gen sind nicht in der Pflicht, wenn du eine Reise vor­sorg­lich aus Angst vor einer Infektion mit dem Coro­na­vi­rus absagst.

Diese Streit­lot­se-Ratgeber bieten aus­führ­li­che­re Infor­ma­tio­nen zum Thema:

Eine junge Frau steht an einen Fluss, trägt eine Maske und schaut auf das Smartphone

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Was hat es mit der digitalen Einreiseanmeldung auf sich?

Wer aus einem Risikogebiet nach Deutschland einreist, muss sich im Normalfall unverzüglich für einen bestimmten Zeitraum in Quarantäne begeben – entweder zu Hause oder in einer „anderen geeigneten Unterkunft“. Das gilt auch, wenn du zwar nicht direkt aus einem Risikogebiet kommst, dich aber unmittelbar vor deiner Rückreise in einem aufgehalten hast.

Wichtig: Vor Urlaubsbeginn auf dem Laufenden bleiben

 

Die Lage ändert sich derzeit fortlaufend. Langfristige, verbindliche Urlaubspläne sind deshalb schwierig, auch bei Reisen im eigenen Land. Die Liste der aktuellen Risikogebiete sieht fast täglich anders aus. Informiere dich deshalb vor Antritt deiner Urlaubsreise am besten regelmäßig über die Lage an deinem Reiseziel und die aktuell geltenden rechtlichen Regelungen für Reisende.

 

Einige nützliche Links:

Bei Einreise aus einem Risikogebiet musst du den Gesundheitsbehörden alle relevanten Infos mitteilen. Dafür gab es eine Zeitlang die sogenannte Aussteigekarte – ein Formular, das üblicherweise vom Beförderungsunternehmen verteilt, ausgefüllt wieder eingesammelt und an die Gesundheitsämter gesendet wurde.

Mittlerweile hat die digitale Einreiseanmeldung die Aussteigekarte abgelöst. Sie soll die Gesundheitsämter entlasten und die Infos schnell und übersichtlich bündeln. Dort meldet sich jeder Einreisende selbst an. Hier gelangst du zur digitalen Einreiseanmeldung.

Sich nach dem Aufenthalt in einem Risikoland einfach nicht bei den Behörden zu melden, um die Quarantäne zu umgehen, ist übrigens keine gute Idee. Das kann eine Ordnungswidrigkeit sein, die mit hohen Geldbußen geahndet wird.

Mehr zur Einreise nach Deutschland aus einem Risikogebiet erfährst du in diesem Streitlotse-Ratgeber: „Urlaub in Corona-Risikogebieten: Das droht nach der Rückkehr“

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