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20. März 2020, 17:19 Uhr

Darf ich eigent­lich? Minus­stun­den: Was darf der Arbeit­ge­ber, was nicht?

Wie sie mit Überstunden umzugehen haben, wissen die meisten Arbeitnehmer. Beim Thema Minusstunden sind jedoch viele Angestellte unsicher. Spätestens bei der Kündigung können Minusstunden für Streit mit dem Arbeitgeber sorgen. Hier erfährst du, was erlaubt ist – und was nicht.

Dein Arbeitgeber legt dir Steine in den Weg? Wir räumen sie beiseite. >>

Defi­ni­ti­on: Was genau sind Minus­stun­den und wie werden sie erfasst?

Minusstunden oder auch Soll-, Minder- oder Unterstunden fallen an, wenn ein Arbeitnehmer weniger als vertraglich vereinbart arbeitet. Ein Beispiel: Laut Arbeitsvertrag hast du eine Wochenarbeitszeit von 40 Stunden. Kommst du aber mal nur auf 38 Stunden, dann sammelst du damit zwei Minusstunden an.

Jedenfalls theoretisch. Denn es kommt automatisch zu Unterstunden, wenn man weniger arbeitet, als im Arbeitsvertrag steht. Minusstunden können nur angerechnet werden, wenn der Arbeitnehmer selbst verantwortlich ist für die Minderarbeit. Sprich: Er hat zu wenig gearbeitet, obwohl er dazu in der Lage gewesen wäre. In der Praxis sammeln sich Minusstunden meist an durch:

  • ver­spä­te­ten Arbeits­be­ginn
  • Über­zie­hen der Mit­tags­pau­se
  • private Erle­di­gun­gen während der Arbeits­zeit
  • vor­ge­zo­ge­nen Fei­er­abend

Aber auch bei der Arbeitszeit gilt: Ohne Konto kein Minus. Werden in deiner Firma keine Arbeitszeitkonten geführt, gibt es theoretisch keine Minusstunden. Bei sogenannter Vertrauensarbeitszeit gleichst du eine längere Pause oder einen früheren Feierabend einfach selbstständig aus, indem du an einem anderen Tag länger arbeitest.

Übrigens: Minusstunden verfallen nicht. Du kannst sie nur loswerden, indem du sie nacharbeitest.

Wofür der Arbeit­ge­ber keine Minus­stun­den anrechnen darf

Es kommt allerdings vor, dass auf Arbeitszeitkonten Minusstunden unrechtmäßig stehen, weil sie nicht in der Verantwortung des Arbeitnehmers liegen. Nicht anrechnen darf der Arbeitgeber Minusstunden ...

  • bei Krankheit:Wer krank ist, kann nicht arbeiten. Das ist im Arbeits­recht klar geregelt: Wenn du aus gesund­heit­li­chen Gründen ausfällst und dich ord­nungs­ge­mäß krank­ge­mel­det hast, dürfen dir keine Nachteile entstehen. Tauchen für Krank­heits­ta­ge trotzdem Minus­stun­den auf deinem Arbeits­zeit­kon­to auf, handelt es sich häufig um einen Buchungs­feh­ler. Sprich deshalb erst die Per­so­nal­ab­tei­lung darauf an, bevor du dir recht­li­che Beratung 
  • durch Urlaub: Du hast einen gesetz­li­chen Anspruch auf Urlaub.  Der darf dir nicht als Fehlzeit ange­rech­net werden. Hier gilt das gleiche wie bei Krank­heits­ta­gen: Reißen Urlaubs­ta­ge dein Arbeits­zeit­kon­to ins Minus, ist das in den meisten Fällen ein unbe­ab­sich­tig­ter Fehler.
  • durch Feiertage: An gesetz­li­chen Fei­er­ta­gen wie dem 1. Mai oder Pfingst­mon­tag haben Arbeit­neh­mer im Regelfall frei. Minus­stun­den entstehen daher nicht. Musst du trotzdem arbeiten, hast du mög­li­cher­wei­se Anspruch auf einen Gehalts­zu­schlag.

Nicht ganz so eindeutig ist die Lage bei Fortbildungen. Hier kommt es auf die jeweilige Situation an. Ist die Weiterbildung vom Arbeitgeber angeordnet, liegt es nicht in deiner Verantwortung, dass die Arbeit während der Zeit liegen bleibt. Er kann dir also keine Sollstunden dafür aufdrücken. Auch wenn du deinen Anspruch auf Bildungsurlaub geltend machst, muss dich dein Arbeitgeber dafür bezahlt von der Arbeit freistellen. Bildest du dich allerdings auf eigene Faust während deiner regulären Arbeitszeit fort, kann es sein, dass du die Zeit nacharbeiten musst.

Mann mit Sonnenbrille liegt entspannt auf einem Steg

Kann mein Arbeit­ge­ber mich zu Minus­stun­den zwingen?

Wenn es nicht genug zu tun gibt, schicken Chefs ihre Mitarbeiter manchmal früher in den Feierabend. Nach der ersten Begeisterung stellt sich gegebenenfalls die Frage, welche Auswirkungen das auf den Stundenzettel und womöglich auch auf das Gehalt hat.

In diesem Fall sind die Minusstunden durch den Arbeitgeber verursacht. Der Arbeitnehmer kann nichts dafür, dass zu wenig Arbeit da ist. Er hat seine Arbeitskraft angeboten und damit seine vertraglichen Pflichten erfüllt. In diesem Fall gilt gemäß § 615 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB): Angeordnete Minusstunden muss der Arbeitgeber voll bezahlen. Sie dürfen nicht zulasten des Arbeitnehmers gehen und auch nicht auf dem Arbeitszeitkonto vermerkt werden. Du kannst aufgezwungene Minusstunden also entspannt und ohne Sorge um dein Gehalt genießen.

Etwas anders ist die Lage, wenn laut Arbeitsvertrag Schwankungen bei der Wochenarbeitszeit über ein Arbeitszeitkonto erfasst werden. Zum Beispiel, weil es in deinem Job eine Haupt- und eine Nebensaison gibt. Dann können in der Nebensaison mehr oder weniger geplant Minusstunden anfallen, die sich in der Hauptsaison wieder ausgleichen. Mehr Informationen zum Thema Arbeitsrechtsschutz

Wie viele Minus­stun­den sind zulässig?

Eine pauschale gesetzliche Regelung, wie viele Minusstunden erlaubt sind, gibt es nicht. Entscheidend ist, was im Arbeits- oder Tarifvertrag steht. Gibt es darin keine entsprechenden Vorgaben, sind Minusstunden streng genommen gar nicht möglich. Dann verstößt du schlichtweg gegen deine vertraglichen Pflichten, wenn du weniger als die vereinbarte Wochenarbeitszeit ableistest. Dafür kannst du dir eine Abmahnung oder eine Gehaltskürzung einfangen.

Arbeitgeber können die Zahl der zulässigen Minusstunden vorübergehend erhöhen, um ihren Mitarbeitern mehr Flexibilität zu ermöglichen. Das kann unter anderem dann helfen, wenn du deine Kinder für einen längeren Zeitraum zu Hause betreuen musst, weil Kitas oder Schulen geschlossen sind. Sprich deinen Chef oder die Personalabteilung auf diese Möglichkeit an, wenn du mit deinen erlaubten Minusstunden nicht auskommst. Aber bedenke dabei, dass du die Zeit irgendwann nacharbeiten musst.

Nahaufnahme von Frau, die auf die Uhr schaut

Darf die Firma bei Minus­stun­den das Gehalt kürzen?

Ja, allerdings nur, wenn du damit gegen vertragliche Vereinbarungen verstößt. Beispielsweise wenn du ...

  • mehr Minus­stun­den anhäufst als ggf. erlaubt sind.
  • Minus­stun­den nicht im ver­ein­bar­ten Zeitraum aus­gleichst.
  • weniger arbeitest als ver­trag­lich vor­ge­se­hen (s. o.).

Dürfen Minus­stun­den mit Urlaub ver­rech­net werden?

Vor allem kurz vor Ende des Ausgleichszeitraums kommt manch findiger Angestellter auf die Idee, Minusstunden einfach mit dem Urlaub zu verrechnen, anstatt sie nachzuarbeiten. Das ist allerdings nicht möglich. Denn Urlaub kann nicht rückwirkend genommen werden, sondern nur für einen Zeitraum in der Zukunft. Auch dein Arbeitgeber darf dir einen solchen Deal nicht aufdrücken.

Was passiert bei einer Kündigung mit etwaigen Minus­stun­den?

Besonders häufig kommt es im Zusammenhang mit einer Kündigung zum Streit um Minusstunden. Nämlich dann, wenn der Chef dir Minderarbeit vom letzten Gehalt abziehen will. Ob das rechtens ist, hängt von mehreren Faktoren ab:

  • Wer hat die Minus­stun­den ver­ur­sacht?
  • Besteht ein Arbeits­zeit­kon­to?
  • Gibt es dazu ver­trag­li­che Ver­ein­ba­run­gen?

Prinzipiell gilt: Unter bestimmten Voraussetzungen dürfen Minusstunden mit dem letzten Gehalt verrechnet werden. Letztendlich kommt es immer darauf an, was im Vertrag vereinbart ist. Dort muss explizit festgehalten sein, dass ein Arbeitszeitkonto geführt wird, das auch ins Minus rutschen kann.  Und auch dabei gilt § 615 BGB: Nur für Minusstunden, die vom Arbeitnehmer selbst verursacht wurden, ist ein Lohnabzug zulässig.

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