Andrey Popov, Fotolia

11. März 2019, 14:22 Uhr

Auf­ge­klärt Krank­mel­dung: Alles, was du wissen musst

Bei Husten, Schnupfen, Fieber und Co. ist eine Krankmeldung beim Arbeitgeber oft unumgänglich. Damit du dich in Ruhe auskurieren kannst, geben wir dir hier Antworten auf folgende Fragen: Wann muss die Krankmeldung beim Arbeitgeber vorliegen? Kann ich mich auch per WhatsApp krankmelden? Was darf ich alles machen, wenn ich krankgeschrieben bin? Und was passiert, wenn die Erkrankung länger dauert?

Inhalt

>> Krankmeldung: Diese Begriffe solltest du kennen

>> Ab wann ist die Krankmeldung an den Arbeitgeber notwendig?

>> Krankmeldung per E-Mail, WhatsApp oder SMS: Was ist erlaubt?

>> Darf ich einkaufen, Sport machen oder arbeiten trotz Krankmeldung?

>> Krankmeldung für Eltern: Deine Rechte, wenn dein Kind krank wird

>> Länger krank: Folgebescheinigung, Krankengeld und Konflikte am Arbeitsplatz

 

Krank­mel­dung: Diese Begriffe solltest du kennen

Die offizielle Krankmeldung an den Arbeitgeber erfolgt meist, indem du dort eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vom Arzt vorlegst. Sie wird umgangssprachlich auch Krankschreibung oder Krankenschein genannt. Der „gelbe Schein“ im DIN-A5-Format enthält unter anderem Angaben zu

  • deiner Kran­ken­kas­se,
  • Beginn und vor­aus­sicht­li­chem Ende deiner Arbeits­un­fä­hig­keit
  • und dazu, ob es sich um einen Arbeits­un­fall handelt.

Die Diagnose des Arztes steht (in codierter Form) nur auf den Ausfertigungen für die Krankenkasse und für dich als Versicherten. Der Arbeitgeber erhält einen Durchschlag ohne nähere Infos zu deiner Erkrankung.

Wer eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung fälscht, riskiert eine fristlose Kündigung.

Auch wenn du eine Woche lang mit Grippe im Bett liegst, bekommst du in dieser Zeit dein Gehalt: Arbeitnehmer haben in den meisten Fällen einen Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall. Die entsprechenden gesetzlichen Regelungen finden sich im Entgeltfortzahlungsgesetz (EFZG). 

Wichtig dabei ist unter anderem:

  • Der Anspruch besteht für maximal sechs Wochen. Anschlie­ßend springt die Kran­ken­kas­se ein und zahlt Kran­ken­geld – mehr dazu weiter unten.
  • Er gilt auch für Teil­zeit­kräf­te, Mini­job­ber und Aushilfen.
  • Vor­aus­set­zung ist eine Arbeits­un­fä­hig­keit, also die Unfä­hig­keit, die ver­trag­lich ver­ein­bar­te Arbeits­leis­tung zu erbringen.

 

Dein Chef macht Probleme, weil du krank bist? Wir stärken deine Rechte. >>

Ab wann ist die Krank­mel­dung an den Arbeit­ge­ber notwendig?

Du hast dir den Fuß verknackst oder wachst morgens mit Husten und Schnupfen auf. Am liebsten würdest du im Bett bleiben und gar nichts tun – aber trotzdem muss dein Arbeitgeber zumindest informiert werden.

Krankmeldung – ab welchem Tag? Das richtige Vorgehen in Kürze:

  • Wenn du dir recht sicher bist, dass du nach ein bis zwei Tagen wieder fit sein wirst, reicht in der Regel eine formlose Krank­mel­dung ohne ärzt­li­ches Attest – per Telefon oder auf anderen innerhalb der Firma genutzten Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ka­nä­len. Eine Krank­mel­dung für einen einzigen Tag brauchst du nur, wenn dein Arbeit­ge­ber das aus­drück­lich verlangt.
  • Eine offi­zi­el­le Krank­mel­dung in Form einer Arbeits­un­fä­hig­keits­be­schei­ni­gung brauchst du gemäß § 5 EFZG, wenn du aufgrund deiner Erkran­kung länger als drei Kalen­der­ta­ge ausfällst. Also: Ab dem vierten Krank­heits­tag muss das Attest beim Arbeit­ge­ber vorliegen.
  • Achtung: Dein Arbeit­ge­ber kann im Arbeits­ver­trag eine andere Regelung treffen und die Krank­mel­dung auch ab dem ersten Tag verlangen.

Ausführliche Infos liefert dir unser Ratgeber „Krankschreibung: Ab wann ist ein Attest nötig?“.

Übrigens: Unter bestimmten Umständen ist eine Krankmeldung sogar rückwirkend möglich.

Alles Wichtige dazu erfährst du hier.

Mann sitzt mit Gips-Bein auf dem Sofa

Keine Kündigung während Krankheit: Mythos oder wirklich wahr?

Wer krankgeschrieben ist, darf nicht gekündigt werden – oder doch? Was das Arbeitsrecht dazu sagt, erfährst du hier.

 

Krankmeldung bei mehr als drei Tagen: Wie ist das mit dem Wochenende?

Manche Arbeitnehmer fragen sich: Wann muss die Krankmeldung beim Arbeitgeber vorliegen, wenn man sich am Freitag etwas unwohl fühlt und zu Hause bleibt, aber am Montag immer noch krank ist? Wenn das Wochenende dazwischen liegt, zählt es zur Drei-Tage-Frist mit dazu – denn es geht dabei um Kalendertage, nicht um Werktage.

Das bedeutet: Wenn du ab Freitag krank zu Hause bleibst und am Montag noch immer arbeitsunfähig bist, muss das Attest am Montag dem Arbeitgeber vorliegen – auch dann, wenn Samstag und Sonntag für dich freie Tage sind. Das kann schnell in Stress ausarten.

Besser ist es daher, sofort am Freitag zum Arzt zu gehen, wenn du absehen kannst, dass du am Montag noch nicht fit bist. Zu spät? Dann kannst du immer noch mit dem Arbeitgeber reden und versuchen, eine andere Lösung mit ihm zu vereinbaren.

Apropos freie Tage: Wenn du während des genehmigten Urlaubs krank wirst, kannst du dich krankschreiben lassen und dir die Urlaubstage zurückholen. Alles Wichtige zum Thema „Krankmeldung im Urlaub“ erfährst du hier.

 

Wer muss die Krankmeldung an die Krankenkasse schicken?

Nicht vergessen: Auch deiner Krankenkasse musst du eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zukommen lassen, und zwar innerhalb einer Woche, nachdem du beim Arzt warst. Wenn du Glück hast, übernimmt das deine Arztpraxis als Service für dich. Grundsätzlich bist du dafür aber selbst zuständig. Viele Kassen haben dafür mittlerweile auch Apps, sodass du nicht extra zur Post musst, sondern den gelben Schein einfach abfotografieren kannst.

Was passiert, wenn man die Krankmeldung nicht zur Krankenkasse schickt – oder viel zu spät? Spätestens beim Krankengeldbezug kann es dann Probleme geben. Mehr dazu liest du in unserem Ratgeber zum Thema Krankmeldung an die Krankenkasse.

 

Krank­mel­dung per E-Mail, WhatsApp oder SMS: Was ist erlaubt?

Du bist morgens krank aufgewacht? Bei der ersten Kontaktaufnahme mit dem Arbeitgeber ist jedes Kommunikationsmittel erlaubt, das bei euch im Unternehmen gängig ist und täglich genutzt wird. Die Krankmeldung per E-Mail, SMS oder WhatsApp an den Vorgesetzten reicht aus – aber nur, wenn du dir sicher sein kannst, dass die Nachricht pünktlich zum Arbeitsbeginn gelesen wird. Dann hast du damit deine Pflicht, die Arbeitsunfähigkeit unverzüglich zu melden, erfüllt. Mehr dazu liest du hier.

Bei Unsicherheit: Greif lieber zum Telefon, sobald der Chef oder die Chefin am Schreibtisch sitzt.

Du bist länger als drei Tage krank? Dann muss deine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung spätestens am vierten Tag dem Arbeitgeber vorliegen – und zwar im Original. Da bleiben nur zwei Möglichkeiten: Krankmeldung per Post schicken oder persönlich abgeben.

Das wird zeitlich schwierig? Spricht deinen Vorgesetzten oder die Personalabteilung an. Je nach Entfernung zum Arbeitsort und Schwere deiner Erkrankung zeigt sich der Arbeitgeber vielleicht kulant und akzeptiert zunächst einen Scan oder eine Kopie deiner Krankmeldung per E-Mail, sodass du das Original später nachreichen kannst. Die Entscheidung darüber liegt aber allein beim Arbeitgeber.

Nur eins solltest du nicht tun: den gelben Schein vergessen. Wird die Krankmeldung nicht abgegeben, fehlst du unentschuldigt – dafür kann dich der Arbeitgeber abmahnen. Wer wiederholt nachlässig mit seiner Pflicht zur Krankmeldung umgeht, riskiert eine verhaltensbedingte Kündigung.

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Vorsorgeterim oder plötzliches Unwohlsein: Wann du während der Arbeitszeit zum Arzt gehen darfst, liest du in unserem ratgeber. Mehr erfahren

Damit auch bei der Krankmeldung alles glatt läuft: Mit einem Berufs-Rechtsschutz bist du abgesichert. >>

 

Darf ich einkaufen, Sport machen oder arbeiten trotz Krank­mel­dung?

Der Arzt hat dich für eine Woche krankgeschrieben, aber du fühlst dich nach drei Tagen eigentlich schon wieder ganz gut. Der verlockende Gedanke: Das wäre doch die Gelegenheit, in Ruhe den Wocheneinkauf zu erledigen oder die Wohnung zu putzen. Oder mal wieder zum Sport zu gehen, schließlich ist das auch gesund.

Hier musst du gut aufpassen und abwägen, denn es kommt stark auf den Einzelfall an – zum Beispiel darauf, was genau du hast und ob die Tätigkeit deiner Genesung förderlich ist. Mehr dazu verrät dir unser Ratgeber.

Oder der Fall liegt anders: Du fühlst dich schon früher wieder fit und brennst geradezu darauf, das wichtige Projekt für die Arbeit fertigzustellen. Schließlich hast du durch die Erkrankung schon genügend Zeit verloren. Aber darf man trotz Krankmeldung arbeiten gehen? Das erfährst du in unserem Ratgeber.

Achtung: Bei falscher Krankmeldung können ernste arbeitsrechtliche Folgen drohen.

  • Soge­nann­tes „Krank­fei­ern“ kann je nach Fall eine Abmahnung oder Kündigung nach sich ziehen.
  • Wer krank­ge­schrie­ben ist, sollte mit Posts in sozialen Netz­wer­ken vor­sich­tig sein: Entsteht der Eindruck, dass du feierst, statt dich zu schonen, sieht der Chef das gar nicht gern.

Krank­mel­dung für Eltern: Deine Rechte, wenn dein Kind krank wird

Eine Herausforderung für berufstätige Eltern: Das Kind wird krank und kann nicht in die Schule, in den Kindergarten oder zur Tagesmutter gehen – und Großeltern, Freunde oder Nachbarn können nicht spontan einspringen. Neben der Pflege von Sohn oder Tochter müssen Eltern dann auch dem Arbeitgeber erklären, was Sache ist.

Dein gutes Recht als Vater oder Mutter: Wenn keine Betreuung für das kranke Kind da ist, kannst du dich gemäß § 45 Fünftes Sozialgesetzbuch (SGB V) für einige Tage im Jahr von der Arbeit freistellen lassen. Die genauen Bedingungen verrät dir unser Ratgeber.

Achtung, bei der „Krankmeldung“ wegen eines Kindes gilt: Eine Bescheinigung vom Arzt brauchst du in der Regel schon ab dem ersten Tag der Abwesenheit vom Arbeitsplatz.

 

Länger krank: Fol­ge­be­schei­ni­gung, Kran­ken­geld und Konflikte am Arbeits­platz

Wenn deine Erkrankung hartnäckiger ist als vermutet, solltest du noch mal zum Arzt gehen und die Krankmeldung verlängern lassen. Auf deiner neuen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ist dann der Begriff „Folgebescheinigung“ angekreuzt.

Manche fragen sich: Muss man bei einer ursprünglichen Krankmeldung bis Freitag erst am Montag wieder zum Arzt, wenn man noch nicht gesund ist? Ja, nach aktueller Regelung genügt das. Seit 2015 werden Samstag und Sonntag – vorausgesetzt, sie sind sowieso arbeitsfrei – nicht mehr mit dazu gezählt, wenn es um eine lückenlose Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung geht.

Diese lückenlose Bescheinigung wird wichtig beim Antrag auf Krankengeld. Wenn du sechs Wochen lang ohne Unterbrechung krank warst, muss dein Arbeitgeber dir kein Gehalt mehr zahlen. Stattdessen springt die Krankenkasse ein und ersetzt dein wegfallendes Gehalt zum Teil. Wie das genau geregelt ist, erfährst du in unserem Ratgeber zum Krankengeld.

Wiedereingliederung nach längerer Krankheit: Das Hamburger Modell

Nach einem Unfall oder längerer Erkrankung sofort wieder von 0 auf 100 – das schafft kaum jemand. Das sogenannte Hamburger Modell ermöglicht die stufenweise Wiedereingliederung in den Job. Wer darauf Anspruch hat und wie es funktioniert, liest du hier.

 

Eine längere Erkrankung belastet dich nicht nur gesundheitlich. Auch arbeitsrechtlich können Probleme auftreten.

● Dein Arbeitgeber macht Druck: Wenn du noch länger oder öfter krank ausfällst, will er dir kündigen. Darf er das? Hier liest du mehr dazu.
● Du bist wegen Burn-out länger krankgeschrieben – musst du deinem Arbeitgeber die Diagnose nennen? Was das Arbeitsrecht dazu bestimmt, erfährst du hier.

Vorsorgen für den Ernstfall: Mit uns bist du abgesichert, auch wenn ein Unfall oder eine schwere Erkrankung deine Pläne durchkreuzt. >>

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