Frau liegt krank im Bett und putzt sich die Nase © Fotolia/AndreyPopov

1. Oktober 2021, 9:30 Uhr

Darf ich eigentlich? Krank­mel­dung: Rechte und Pflichten von Arbeitnehmern

Bei Husten, Schnupfen, Fieber und Co. ist eine Krankmeldung beim Arbeitgeber oft unumgänglich. Damit du dich in Ruhe auskurieren kannst, geben wir dir hier Antworten auf folgende Fragen: Wann muss die Krankmeldung beim Arbeitgeber vorliegen? Kann ich mich auch per WhatsApp krankmelden? Was darf ich alles machen, wenn ich krankgeschrieben bin? Und was passiert, wenn die Erkrankung länger dauert?

Inhalt

>> Krankmeldung: Diese Begriffe solltest du kennen

>> Krankmeldung beim Arbeitgeber: Was muss ich wann erledigen?

>> Wann muss man für eine Krankmeldung zum Arzt?

>> Darf ich einkaufen, Sport machen oder arbeiten trotz Krankmeldung?

>> Krankmeldung aus dem Urlaub: Das ist zu beachten

>> Krankmeldung für Eltern: Deine Rechte, wenn dein Kind krank wird

>> Länger krank: Folgebescheinigung, Krankengeld und Konflikte am Arbeitsplatz

Krank­mel­dung: Diese Begriffe solltest du kennen

Als offizielle Krankmeldung an den Arbeitgeber gilt die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) vom Arzt. Sie wird umgangssprachlich auch Krankschreibung oder Krankenschein genannt. Der Arbeitgeber erhält so Kenntnis darüber, von wann bis wann du voraussichtlich arbeitsunfähig bist. Die Diagnose erfährt aber nur deine Krankenkasse, die ebenfalls über die Arbeitsunfähigkeit informiert werden muss.

Seit Oktober 2021 wird schrittweise auf die  elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) umgestellt. Die Krankmeldung an Arbeitgeber und Krankenkasse soll damit nicht mehr Sache des Patienten sein. Ärzte übermitteln die eAU direkt an die Kassen. Die wiederum geben die Info an die Arbeitgeber weiter. Bis 30. Juni 2022 musst du die Krankmeldung aber noch selbst beim Arbeitgeber einreichen. Deshalb erhältst du beim Arzt bis dahin weiterhin eine Bescheinigung in Papierform.

Wer eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung fälscht, riskiert eine fristlose Kündigung.

Auch wenn du eine Woche lang mit Grippe im Bett liegst, bekommst du in dieser Zeit dein Gehalt: Arbeitnehmer haben in den meisten Fällen einen Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall. Die entsprechenden gesetzlichen Regelungen finden sich im Entgeltfortzahlungsgesetz (EFZG).

Wichtig dabei ist unter anderem:

  • Der Fort­zah­lungs­an­spruch besteht für maximal sechs Wochen. Anschlie­ßend springt die Kran­ken­kas­se ein und zahlt Kran­ken­geld – mehr dazu weiter unten.
  • Er gilt auch für Teil­zeit­kräf­te, Mini­job­ber und Aushilfen.
  • Vor­aus­set­zung ist eine Arbeits­un­fä­hig­keit, also die Unfä­hig­keit, die ver­trag­lich ver­ein­bar­te Arbeits­leis­tung zu erbringen.

Dein Chef macht Probleme, weil du krank bist? Wir stärken deine Rechte. >>

Krank­mel­dung beim Arbeit­ge­ber: Was muss ich wann erledigen?

Du hast dir den Fuß verknackst oder wachst morgens mit Husten und Schnupfen auf. Am liebsten würdest du im Bett bleiben und gar nichts tun – aber trotzdem muss dein Arbeitgeber zumindest informiert werden.

Krankmeldung – ab welchem Tag? Das richtige Vorgehen in Kürze:

  • Du musst dem Arbeit­ge­ber deine Arbeits­un­fä­hig­keit sofort melden, wenn du fest­stellst, dass du zu krank bist, um deinen Job zu erledigen.
  • Für die ersten ein bis zwei Tage reicht den meisten Firmen eine formlose Krank­mel­dung ohne ärzt­li­ches Attest – zum Beispiel per Telefon. Auch eine Krank­mel­dung per SMS oder WhatsApp ist möglich, wenn diese Kom­mu­ni­ka­ti­ons­we­ge bei euch gängig sind und du dir sicher sein kannst, dass dein Chef oder deine Chefin die Nachricht recht­zei­tig liest.
  • Wenn du länger als drei Kalen­der­ta­ge ausfällst, brauchst du gemäß § 5 EFZG eine offi­zi­el­le Krank­mel­dung in Form einer Arbeits­un­fä­hig­keits­be­schei­ni­gung. Aus­führ­li­che Infos dazu liefert dir unser Ratgeber „Krank­schrei­bung: Ab wann ist ein Attest nötig?“.
  • Achtung: Dein Arbeit­ge­ber kann im Arbeits­ver­trag eine andere Regelung treffen und die Krank­mel­dung auch ab dem ersten Tag verlangen.

Über die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung kann der Arbeitgeber künftig die benötigten Daten von der Krankenkasse abfragen, sobald er weiß, dass du für ein paar Tage krank ausfällst. Bis zum 30. Juni 2022 (Übergangsfrist) sind Arbeitnehmer aber weiterhin verpflichtet, parallel dazu den gelben Schein beim Arbeitgeber einzureichen.

Wird die Krankmeldung nicht rechtzeitig abgegeben, fehlst du unentschuldigt. Dafür kann dich dein Arbeitgeber abmahnen. Wer wiederholt nachlässig mit seiner Pflicht zur Krankmeldung umgeht, riskiert eine verhaltensbedingte Kündigung.

Übrigens: Unter bestimmten Umständen ist eine Krankmeldung auch rückwirkend möglich.

Arzt und Patient unterhalten sich an einem Schreibtisch.

© Fotolia/kazoka303030

Darf ich während der Arbeitszeit zum Arzt gehen?

Vorsorgetermin oder plötzliches Unwohlsein: Wann du während der Arbeitszeit zum Arzt gehen darfst, liest du hier.

Wann muss man für eine Krank­mel­dung zum Arzt?

Normalerweise sollte dich ein Arzt persönlich sehen und untersuchen, um zuverlässig feststellen zu können, ob du arbeitsfähig bist oder nicht. Für die Zeit der Corona-Pandemie – mindestens noch bis zum 31. März 2022 – ist es aber bei leichten Atemwegserkrankungen möglich, sich telefonisch krankschreiben zu lassen. Grund ist, dass Kontakte und Ansteckungsrisiken – zum Beispiel im vollen Wartezimmer – vermieden werden sollen.

Ärztin telefoniert mit Patient.

© istock.com/brankokosteki

Krankmeldung bei mehr als drei Tagen: Wie ist das mit dem Wochenende?

Manche Arbeitnehmer fragen sich: Wann muss die Krankmeldung beim Arbeitgeber vorliegen, wenn man sich am Freitag etwas unwohl fühlt und zu Hause bleibt, aber am Montag immer noch krank ist?

Wenn das Wochenende zwischen zwei Krankheitstagen liegt, zählt es zur Drei-Tage-Frist mit dazu – denn es geht dabei um Kalendertage, nicht um Werktage. Das bedeutet: Wenn du ab Freitag krank zu Hause bleibst und am Montag noch immer arbeitsunfähig bist, muss das Attest am Montag dem Arbeitgeber vorliegen – auch dann, wenn Samstag und Sonntag für dich freie Tage sind. Das kann schnell in Stress ausarten.

Besser ist es daher, sofort am Freitag zum Arzt zu gehen, wenn du absehen kannst, dass du am Montag noch nicht fit bist. Zu spät? Dann kannst du immer noch mit dem Arbeitgeber reden und versuchen, eine andere Lösung mit ihm zu vereinbaren.

Damit auch bei der Krankmeldung alles glatt läuft: Mit einem Berufs-Rechtsschutz bist du abgesichert. >>

Wer muss die Krank­mel­dung an die Kran­ken­kas­se schicken?

Auch deine Krankenkasse braucht eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Mit der elektronischen AU kannst du dir das Porto und den Weg zum Briefkasten sparen: Die Arztpraxis übernimmt die Meldung an die Krankenkasse für dich.

Theoretisch gilt das seit dem 1. Oktober 2021. Arztpraxen ist es aber für die Dauer einer Übergangsfrist bis zum 31. Dezember 2021 erlaubt, weiter ausschließlich den gelben Schein im DIN-A5-Format auszugeben, bis sie technisch für die eAU ausgestattet sind. In diesem Fall musst du bis dahin selbst die Krankmeldung an die Kasse schicken.

Kommt die Meldung zu spät bei der Kasse an, kann es bei einem möglichen Krankengeldbezug Probleme geben. Mehr dazu liest du in unserem Ratgeber zum Thema Krankmeldung an die Krankenkasse.

Darf ich einkaufen, Sport machen oder arbeiten trotz Krankmeldung?

Der Arzt hat dich für eine Woche krankgeschrieben, aber du fühlst dich nach drei Tagen eigentlich schon wieder ganz gut. Der verlockende Gedanke: Das wäre doch die Gelegenheit, in Ruhe den Wocheneinkauf zu erledigen. Oder mal wieder zum Sport zu gehen, schließlich ist das auch gesund.

Hier musst du gut aufpassen und abwägen, denn was Krankgeschriebenen erlaubt ist, kommt stark auf den Einzelfall an. Zum Beispiel darauf, woran du erkrankt bist und ob die Aktivität für deine Genesung förderlich ist. Mehr dazu verrät dir unser Ratgeber “Krankgeschrieben: 7 Dinge, die trotzdem erlaubt sind

Oder der Fall liegt anders: Du fühlst dich schon früher wieder fit und brennst geradezu darauf, das wichtige Projekt für die Arbeit fertigzustellen. Schließlich hast du durch die Erkrankung schon genügend Zeit verloren. Aber darf man trotz Krankmeldung arbeiten gehen? Das erfährst du hier.

Achtung: Bei falscher Krankmeldung können ernste arbeitsrechtliche Folgen drohen.

  • Soge­nann­tes „Krank­fei­ern“ kann je nach Fall eine Abmahnung oder Kündigung nach sich ziehen.
  • Wer krank­ge­schrie­ben ist, sollte mit Posts in sozialen Netz­wer­ken vor­sich­tig sein: Entsteht der Eindruck, dass du feierst, statt dich zu schonen, sieht der Chef das gar nicht gern.
Frau entspannt sich in tropischer Atmosphäre am Pool.

© istock.com/increaivemedia

Krank­mel­dung aus dem Urlaub: Das ist zu beachten

Wenn du während deines Urlaubs krank wirst, kannst du dir die entgangenen Urlaubstage über eine Krankschreibung zurückholen. Alles Wichtige zum Thema „Krankmeldung im Urlaub“ erfährst du hier.

Wenn dich eine dicke Erkältung oder eine Magen-Darm-Grippe erwischt, während du schon unter der langersehnten Mittelmeer-Sonne weilst, ist mehr als ärgerlich. Und außerdem mit der Pflicht verbunden, sich beim Arbeitgeber krank zu melden. Wie du bei der Krankmeldung aus dem Ausland vorgehst, liest du hier.

Krank­mel­dung für Eltern: Deine Rechte, wenn dein Kind krank wird

Eine Herausforderung für berufstätige Eltern: Das Kind wird krank und kann nicht in die Schule, in den Kindergarten oder zur Tagesmutter gehen – und Großeltern, Freunde oder Nachbarn können nicht spontan einspringen. Neben der Pflege von Sohn oder Tochter müssen Eltern dann auch dem Arbeitgeber erklären, was Sache ist.

Dein gutes Recht als Vater oder Mutter: Wenn andere keine Betreuung für das kranke Kind da ist, kannst du dich gemäß § 45 Fünftes Sozialgesetzbuch (SGB V) für einige Tage im Jahr von der Arbeit freistellen lassen (“Kinderkrankentage”). Die genauen Bedingungen – auch zur Lohnfortzahlung in dem Fall – verrät dir unser Ratgeber.

Achtung, bei der „Krankmeldung“ wegen eines Kindes gilt: Eine Bescheinigung vom Arzt brauchst du in der Regel schon ab dem ersten Tag der Abwesenheit vom Arbeitsplatz.

Für die Zeit der Corona-Pandemie gelten teils abweichende Regeln. Damit soll besser auf die schwierige Situation berufstätiger Eltern eingegangen werden – unter anderem bei Quarantäne des Kindes.

Mann sitzt mit Gips-Bein auf dem Sofa

© Fotolia/VadimGuzhva

Keine Kündigung während Krankheit: Mythos oder wirklich wahr?

Wer krankgeschrieben ist, darf nicht gekündigt werden – oder doch? Was das Arbeitsrecht dazu sagt, erfährst du hier.

Länger krank: Fol­ge­be­schei­ni­gung, Kran­ken­geld und Konflikte am Arbeitsplatz

Wenn deine Erkrankung hartnäckiger ist als vermutet, solltest du noch mal zum Arzt gehen und die Krankmeldung verlängern lassen. Auf deiner neuen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ist dann der Begriff „Folgebescheinigung“ angekreuzt.

Manche fragen sich: Muss man bei einer ursprünglichen Krankmeldung bis Freitag erst am Montag wieder zum Arzt, wenn man noch nicht gesund ist? Ja, nach aktueller Regelung genügt das. Samstag und Sonntag werden für die lückenlose Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung nicht mitgezählt. Vorausgesetzt, diese Tage sind für dich normalerweise sowieso arbeitsfrei.

Vorsorgen für den Ernstfall: Mit uns bist du abgesichert, auch wenn ein Unfall oder eine schwere Erkrankung deine Pläne durchkreuzt. >>

Diese lückenlose Bescheinigung wird wichtig beim Antrag auf Krankengeld. Wenn du sechs Wochen lang ohne Unterbrechung krank warst, muss dein Arbeitgeber dir kein Gehalt mehr zahlen. Stattdessen springt die Krankenkasse ein und ersetzt dein wegfallendes Gehalt zum Teil. Wie das genau geregelt ist, erfährst du in unserem Ratgeber zum Krankengeld.

Gut zu wissen: Auch bei Arbeitslosigkeit kann es möglich sein, Krankengeld zu erhalten.

Eine Person tippt mit eingegipster linker Hand auf einer Tastatur.

© Fotolia/RioPatuca Images

Wiedereingliederung nach längerer Krankheit: Das Hamburger Modell

Nach einem Unfall oder längerer Erkrankung sofort wieder von 0 auf 100 – das schafft kaum jemand. Das sogenannte Hamburger Modell ermöglicht die stufenweise Wiedereingliederung in den Job. Wer darauf Anspruch hat und wie es funktioniert, liest du hier.

Eine längere Erkrankung belastet dich nicht nur gesundheitlich. Auch arbeitsrechtlich können Probleme auftreten.

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Bitte lesen Sie zu dem Inhalt auch unsere Rechtshinweise.

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