Frau liegt krank auf dem Sofa und telefoniert. © istock.com/MangoStar_Studio

4. Oktober 2021, 10:00 Uhr

So geht’s richtig Krank­schrei­bung: Ab wann ist ein Attest nötig?

Vor dem dritten Tag braucht man keinen “gelben Schein”? Oder kann das schon zu spät sein? Darüber, ab welchem Tag die Krankschreibung beim Arbeitgeber sein muss, herrscht bei Angestellten oft Unsicherheit. Kein Wunder, denn eine pauschale Antwort gibt es nicht. Dafür allerdings viele verbreitete Irrtümer. Hier erfährst du, worauf du achten musst, um dich ordnungsgemäß krankzumelden.Alle Informationen zur Arbeitsrechtsschutz von ADVOCARD

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Regel Nummer 1: Krank­mel­dung beim Arbeit­ge­ber immer sofort

Regel Nummer 1, wenn du krank bist – unabhängig von der Krankschreibung: Gib deinem Arbeitgeber schnellstmöglich Bescheid, sobald du merkst, dass du nicht in der Lage bist, deinen Job zu erledigen. Im Idealfall schon vor Beginn deiner üblichen Arbeitszeit, damit dein Chef entsprechend umplanen kann. Die Krankmeldung kann unter Umständen auch per E-Mail außerhalb der Geschäftszeiten erfolgen. Damit hast du deine erste Pflicht als Arbeitnehmer schon einmal erfüllt.

Gesetz­li­che Regelung: Krank­schrei­bung ab dem vierten Krankheitstag

Wenn du aus gesundheitlichen Gründen länger bei der Arbeit ausfallen solltest, brauchst du früher oder später eine Krankschreibung vom Arzt. Die ist Voraussetzung dafür, dass der Arbeitgeber dir auch bei Krankheit dein Gehalt zahlt. Geregelt ist das im Entgeltfortzahlungsgesetz (EntgFG oder EFZG). Gemäß § 5 Absatz 1 sind Arbeitnehmer verpflichtet, eine ärztliche Bescheinigung vorzulegen, wenn sie länger als drei Kalendertage arbeitsunfähig sind.

Spätestens ab dem vierten Krankheitstag brauchst du also im Regelfall eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) vom Arzt. Kümmere dich am besten rechtzeitig um einen Arzttermin, eine rückwirkende Krankschreibung ist nämlich nur in Ausnahmefällen möglich.

Wichtig zu wissen: Arbeit­ge­ber kann frühere Krank­schrei­bung fordern

Du solltest dich aber nicht darauf verlassen, dass du im Krankheitsfall drei Tage ohne “gelben Schein” zu Hause bleiben kann, um dich auszukurieren. Denn Arbeitgeber können gemäß § 5 EFZG abweichende Regelungen festlegen, ab wann ein Attest notwendig ist. Auch wenn es eher unüblich ist, kann zum Beispiel im Arbeits- oder Tarifvertrag festgelegt sein, dass bereits früher eine Krankschreibung eingereicht werden muss.

Arbeitgeber dürfen auch ohne weitere Angabe von Gründen bei einer Krankmeldung eine AU ab dem ersten Krankheitstag fordern. Das hat das Bundesarbeitsgericht (BAG) 2012 in einem Urteil bestätigt (AZ 5 AZR 886/11). Nur wenn der Arbeitsvertrag, ein Tarifvertrag oder eine Betriebsvereinbarung dieses Recht des Arbeitgebers ausdrücklich ausschließt, darf er keine Krankschreibung ab dem ersten Tag verlangen.

Wann muss das Attest im Per­so­nal­bü­ro vorliegen?

  • 5 EFZG ver­pflich­tet Arbeit­neh­mer nicht nur, die Arbeits­un­fä­hig­keit durch einen Arzt bestä­ti­gen zu lassen, sondern auch dazu, dem Arbeit­ge­ber die ent­spre­chen­de Beschei­ni­gung am vierten Krank­heits­tag vor­zu­le­gen. Es reicht also nicht aus, die AU erst nach deiner Genesung im Per­so­nal­bü­ro abzugeben. Sie sollte sofort nach der Aus­stel­lung auf den Weg zum Arbeit­ge­ber gebracht werden.

Um auf Nummer sicher zu gehen, empfiehlt es sich, direkt ein Foto der Bescheinigung per Mail an das Personalbüro zu senden, bevor du den Ausdruck in die Post gibst. Voraussichtlich ab Juli 2022 soll die Übermittlung der AU automatisiert auf digitalem Weg erfolgen, sodass du dich als Arbeitnehmer nicht mehr selbst kümmern musst.

FAZIT
  • Nach gesetz­li­cher Regelung muss dem Arbeit­ge­ber am vierten Krank­heits­tag eine Krank­schrei­bung vorliegen.
  • Arbeit­ge­ber dürfen abwei­chen­de Rege­lun­gen festlegen und schon früher ein ärzt­li­ches Attest fordern. Solche Ver­ein­ba­run­gen können in Verträgen oder Betriebs­ver­ein­ba­run­gen fest­ge­hal­ten sein.
  • Arbeit­ge­ber können auch grund­sätz­lich eine Arbeits­un­fä­hig­keits­be­schei­ni­gung ab dem ersten Tag fordern.
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