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12. März 2020, 18:09 Uhr

Darf ich eigent­lich? Coro­na­vi­rus: Was gilt für Arbeit­neh­mer bei Kita- und Schul­aus­fall

Wenn es wegen des Verdachts auf eine Infektion mit dem Coronavirus zu einem Kita- oder Schulausfall kommt, stehen viele berufstätige Eltern vor einer echten Herausforderung. Denn dann bleibt die Einrichtung nicht nur tageweise geschlossen, sondern über einen längeren Zeitraum. Welche Rechte und Pflichten Arbeitnehmer haben, wenn ihr Kind zu Hause bleiben muss, erfährst du hier.

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Mehr­wö­chi­ger Kita- oder Schul­aus­fall möglich

Berufstätige Eltern jüngerer Kinder sind Kummer gewohnt: Mal bleibt die Kita aufgrund von Personalmangel geschlossen oder es kommt wegen eines Lehrerstreiks zum Schulausfall. Oft lässt sich die Betreuung an einem solchen Tag mit Unterstützung von Familie und Freunden noch irgendwie organisieren.

Doch wenn dein Kind gleich eine ganze Woche oder sogar zwei zu Hause bleiben muss, funktioniert das oft nicht mehr. Erst recht, wenn die Großeltern und auch manche öffentliche Betreuungsangebote, beispielsweise von Kirchen, aus Angst vor einer Infektion mit dem Coronavirus ebenfalls nicht zu Verfügung stehen.

Rechte und Pflichten von Arbeit­neh­mern bei Betreu­ungs­not­fall

Die gute Nachricht: Wenn sich tatsächlich keine andere Möglichkeit finden lässt und du dein Kind selbst betreuen musst, kann dein Chef nicht von dir verlangen, dass du zur Arbeit kommst. Einfach zu Hause bleiben darfst du aber nicht. Auch wenn es bei dir angesichts der anspannten Situation drunter und drüber geht: Du bist verpflichtet, deinen Arbeitgeber schnellstmöglich darüber zu informieren, dass du nicht zur Arbeit kommen kannst. Im Idealfall machst du das sofort nach Bekanntgabe der Kita- oder Schulschließung. Allerspätestens zum Beginn deiner üblichen Arbeitszeit muss er Bescheid wissen. Sonst kannst du dir im schlimmsten Fall eine Abmahnung wegen unentschuldigten Fernbleibens von der Arbeit einhandeln. Mehr Informationen zum Thema Arbeitsrechtsschutz

Was ist mit meinem Gehalt, wenn ich zu Hause bleiben muss?

Wenn du zu Hause bleiben musst, weil dein Kind krank ist, ist die Sache klar: Als Arbeitnehmer hast du Anspruch auf Kinderkrankengeld oder sogar Lohnfortzahlung vom Arbeitgeber. Wird eine Schule oder Kita jedoch vorsorglich geschlossen, um eine mögliche Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern, gilt das nicht. Es sei denn, dein Kind ist infiziert und damit krank.
Grundsätzlich gilt im Arbeitsrecht: Ohne Arbeitsleistung besteht kein Anspruch auf Bezahlung. Möglicherweise hast du aber einen Vergütungsanspruch nach § 616 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB). Demnach darf dein Arbeitgeber dir das Gehalt nicht kürzen, wenn du kurzfristig ohne eigenes Verschulden „für eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit“ deiner Arbeit fernbleibst.

Frau Sitzt vor dem Laptop, neben ihr ein Kind

Problem dabei: die verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit. Deren Dauer wird nirgendwo definiert. Du solltest jedoch nicht davon ausgehen, dass dein Chef dir für mehr als zwei oder drei Tage eine Lohnfortzahlung gewährt. Wird die Kita oder Schule gleich für zwei Wochen geschlossen, ist das definitiv keine vorübergehende Verhinderung mehr und du hast keinen Vergütungsanspruch nach § 616 BGB. Zumindest nicht für die gesamte Zeit. Wenn du am ersten Tag der Schließung zu Hause bleibst, um die Betreuung für die kommenden Wochen zu organisieren, sieht das womöglich anders aus.

Wichtig: Der Anspruch auf Entgeltfortzahlung gemäß § 616 BGB kann im Arbeitsvertrag explizit ausgeschlossen werden.

Nach Alter­na­ti­ven suchen ist Pflicht

Um den Betreuungsengpass ohne Gehaltseinbußen zu meistern, bleibt Arbeitnehmern deshalb häufig nichts anderes übrig, als ihren Urlaub zu opfern. Reicht der dafür nicht aus, musst du wohl oder übel unbezahlten Urlaub nehmen. Doch nicht nur aus finanziellen Gründen heraus solltest du versuchen, eine Betreuungsalternative zu finden.  Du bist sogar dazu verpflichtet, die Auswirkungen auf deinen Arbeitgeber so gering wie möglich zu halten.

Am besten suchst du gemeinsam mit deinem Chef oder der Personalabteilung nach Lösungen. Viele Firmen haben angesichts der Corona-Gefahr inzwischen Notfallpläne. Vielleicht ist eine der folgenden Optionen möglich:

  • Arbeiten aus dem Home-Office
  • Erhöhung der möglichen Minus­stun­den
  • Ver­schie­bung der Arbeits­zeit, sodass du dich mit deinem Partner besser abwech­seln kannst
FAZIT
  • Berufs­tä­ti­ge Eltern haben ein Recht auf Frei­stel­lung von der Arbeit, wenn Kita oder Schule geschlos­sen bleiben.
  • Du bist ver­pflich­tet, den Arbeit­ge­ber frü­hest­mög­lich zu infor­mie­ren und dich um Betreu­ungs­al­ter­na­ti­ven zu bemühen.
  • Ein län­ger­fris­ti­ger Anspruch auf Lohn­fort­zah­lung besteht nicht, wenn du dein Kind zu Hause betreuen musst.
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