Eine Mutter sitzt am Laptop, während Kinder um sie herum spielen und sieht ver­zwei­felt aus © iStock.com/FamVeld

27. April 2021, 10:00 Uhr

Darf ich eigent­lich? Schule oder Kita geschlos­sen: Rege­lun­gen für berufs­tä­ti­ge Eltern

Berufstätige Eltern stehen während der Corona-Pandemie vor einer Herausforderung: Kitas sind im Lockdown geschlossen, Schulkinder müssen zu Hause unterrichtet werden. An Arbeit ist da oft nicht zu denken. Mittlerweile gibt es staatliche Entlastung für berufstätige Eltern: die Verdienstausfallentschädigung gemäß Infektionschutzgesetz (IfSG) sowie zusätzliche Kinderkrankentage in 2021. Hier erfährst du mehr zu deinen Rechten und Pflichten bei einem Betreuungsengpass.

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Betreu­ungs­not­fall: Rechte und Pflichten von Arbeit­neh­mern Die Arbeitsrechtsschutzversicherung von ADVOCARD

Wenn das Kind bei Kita- oder Schulschließung über Wochen oder gar Monate zu Hause bleiben muss, gibt es oft keine alternativen Betreuungsmöglichkeiten. Denn gerade jetzt stehen Großeltern, Nachbarn und Freunde wegen des Risikos einer Infektion mit dem Coronavirus in der Regel nicht (dauerhaft) zur Verfügung.

In einer solchen Situation geht Kinderbetreuung vor Arbeitspflicht: Wenn es keine andere Möglichkeit gibt und du dein Kind selbst betreuen musst, kann dein Chef nicht von dir verlangen, dass du arbeitest.

Du bist allerdings verpflichtet, deinen Arbeitgeber schnellstmöglich darüber zu informieren, dass du nicht zur Arbeit kommen kannst – allerspätestens zum Beginn deiner üblichen Arbeitszeit.

Aber auch Firmen sind gefordert, ihren Mitarbeitern entgegenzukommen: Viele sind im Zuge der Corona-Pandemie bereits von sich aus dazu übergegangen, ihren Mitarbeitern das Arbeiten im Homeoffice zu ermöglichen. Vorübergehend sind Arbeitgeber sogar per Gesetz dazu verpflichtet, ihren Mitarbeitern Homeoffice anzubieten, wenn es die Tätigkeit zulässt.

Arbeiten und nebenbei die Kinder betreuen oder beschulen – das ist für Eltern zwar auch keine ideale Situation, aber die Regelung bringt zumindest mehr Flexibilität und spart Pendelzeit zwischen Wohnung und Arbeitsplatz.

Was ist mit meinem Gehalt, wenn ich zu Hause bleiben muss?

Grundsätzlich gilt im Arbeitsrecht: Ohne Arbeitsleistung besteht kein Anspruch auf Bezahlung. Gemäß § 616 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) darf dein Arbeitgeber dir zwar das Gehalt nicht kürzen, wenn du kurzfristig ohne eigenes Verschulden „für eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit“ deiner Arbeit fernbleibst.

Eltern hilft dies in der Corona-Pandemie allerdings nicht wirklich weiter, denn in den meisten Fällen ist die Dauer, die sie ohne Kinderbetreuung zu überbrücken haben, sehr lang. Noch im Frühjahr 2020 blieb vielen Eltern daher oft nichts anderes übrig, als Urlaubstage zu opfern oder gar unbezahlten Urlaub zu nehmen.

Mittlerweile gibt es aber staatliche Hilfen für Eltern mit Betreuungsengpass, um die finanziellen Einbußen möglichst gering zu halten.

Schule oder Kita geschlossen: Regelungen für berufstätige Eltern

Schule oder Kita geschlos­sen: Ver­dienst­aus­fall­ent­schä­di­gung für Eltern

Für Eltern, die ihr Kind aufgrund coronabedingter Maßnahmen zu Hause betreuen müssen und deswegen nicht arbeiten können, gibt es zurzeit die Möglichkeit einer Verdienstausfallentschädigung nach dem Infektionsschutzgesetz (IfsG):

  • Für bis zu 6 Wochen, in denen Vater oder Mutter nicht arbeiten können, zahlt der Arbeit­ge­ber eine Ent­schä­di­gung in Höhe von 67 Prozent des ent­stan­de­nen Ver­dienst­aus­falls.
  • Diesen Betrag bekommt der Arbeit­ge­ber vom Staat erstattet.
  • Es steht dem Arbeit­ge­ber frei, die Ent­schä­di­gung aus eigener Tasche auf­zu­sto­cken.

Achtung: Ab der 7. Woche müssen Arbeitnehmer die Entschädigung direkt beim Staat beantragen, für Selbstständige gilt das direkt ab dem ersten Tag. Hier findest du weitere Infos dazu.

Die Entschädigung wird pro Elternteil für maximal 10 Wochen gezahlt, an Alleinerziehende für maximal 20 Wochen. Wichtig: Für Tage, an denen die Schule oder Kita auch in Nicht-Corona-Zeiten geschlossen wäre – etwa an gesetzlichen Feiertagen oder in den Ferien – gibt es keinen Entschädigungsanspruch.

Folgende Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit Eltern die Verdienstausfallentschädigung nach dem Infektionsschutzgesetz erhalten:

  • Das Kind ist maximal 11 Jahre alt oder auf besondere Hilfe ange­wie­sen, etwa wegen einer Behin­de­rung.
  • Die Schule oder Kita des Kindes wurde von den Behörden geschlos­sen, es gilt die Aus­set­zung der Prä­senz­pflicht oder eine Feri­en­ver­län­ge­rung.
  • Das Kind hat keinen Platz in einer Not­be­treu­ung erhalten und kann auch von niemand anderem innerhalb desselben Haushalts betreut werden.

Die Entschädigungsregelung gilt so lange der Deutsche Bundestag eine sogenannte “epidemische Lage von nationaler Tragweite” feststellt. Vorerst ist dies befristet bis längstens zum 30. Juni 2021 der Fall.

Eltern können 2021 doppelt so viele Kin­der­kran­ken­ta­ge nehmen

Der Anspruch auf Kinderkrankengeld wurde angesichts der Corona-Pandemie für das Jahr 2021 deutlich erhöht: Statt der sonst üblichen 10 beziehungsweise 20 Tage bei Alleinerziehenden, stehen gesetzlich krankenversicherten Eltern in diesem Jahr dreimal so viele Kinderkrankentage zu:

  • Bei Eltern­paa­ren mit einem Kind kann also jeder Eltern­teil 30 Kin­der­kran­ken­ta­ge nehmen, Allein­er­zie­hen­de mit einem Kind dürfen 60 Tage ein­rei­chen.
  • Bei mehreren Kindern erhöht sich die Zahl der möglichen Kin­der­kran­ken­ta­ge auf 65 pro Eltern­teil, für Allein­er­zie­hen­de auf 135

Abweichend von den normalerweise gültigen Regelungen zum Kinderkrankengeld gilt 2021: Das Kind muss nicht krank sein. Gegenüber der Krankenkasse reicht der nachgewiesene Betreuungsbedarf, etwa aufgrund der geschlossenen Kita.

Kinderkrankentage dürfen auch genommen werden, wenn die Eltern parallel im Homeoffice arbeiten.

Schule oder Kita geschlossen: Regelungen für berufstätige Eltern

Wichtig: Verdienstausfallentschädigung und Kinderkrankentage dürfen nicht gleichzeitig in Anspruch genommen werden. Für Tage, an denen ein Elternteil “kindkrank” ist, hat auch der andere keinen Anspruch auf Verdienstausfallentschädigung – denn er kann ja theoretisch arbeiten, während der andere Elternteil die Kinder betreut.

Gemeinsam mit dem Arbeit­ge­ber eine Lösung finden

In der Praxis sehen sich Eltern trotz dieser Erleichterungen häufig mit hohen Anforderungen konfrontiert. Denn gerade kleine Kinder haben ihren eigenen Kopf: Vielleicht hat der Vater extra einen Kinderkrankentag genommen, damit die Mutter im Homeoffice in Ruhe arbeiten kann, aber das Kind spielt nicht mit und möchte jetzt unbedingt bei Mama sein.

Hier hilft nur Durchatmen und offene Kommunikation mit dem Arbeitgeber, denn dass die gegenwärtige Situation für niemanden einfach ist, ist ja mittlerweile bekannt. Am besten suchst du gemeinsam mit deinem Chef oder der Personalabteilung nach Lösungen. Vielleicht hilft es schon, die Arbeitszeiten flexibler zu gestalten, damit du dich mit deinem Partner besser abwechseln kannst.

Fazit
  • Berufs­tä­ti­ge Eltern, die coro­nabe­dingt ihr Kind selbst betreuen müssen und in dieser Zeit nicht arbeiten können, haben in vielen Fällen Anspruch auf staat­li­che Unter­stüt­zung.
  • Die Ver­dienst­aus­fall­ent­schä­di­gung (Regelung vor­aus­sicht­lich befristet bis 30. Juni 2021) kann für maximal 10 Wochen gewährt werden. Sie beträgt 67 Prozent des Ver­dienst­aus­falls.
  • Gesetz­lich kran­ken­ver­si­cher­te Eltern haben 2021 zudem vor­über­ge­hend einen erhöhten Anspruch auf Kin­der­kran­ken­geld und können für das erste Kind die dreifache Zahl an Kin­der­kran­ken­ta­gen nehmen. Dafür muss das Kind nicht krank sein, der nach­ge­wie­se­ne Betreu­ungs­eng­pass reicht aus.
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