Eine Mutter sitzt am Laptop, während Kinder um sie herum spielen und sieht ver­zwei­felt aus © iStock.com/FamVeld

2. Juli 2021, 8:00 Uhr

Darf ich eigent­lich? Corona: Rege­lun­gen und Unter­stüt­zung für berufs­tä­ti­ge Eltern

Berufstätige Eltern stehen während der Corona-Pandemie vor einer Herausforderung: Kitas waren im Lockdown lange geschlossen, Schulkinder mussten zu Hause unterrichtet werden. Auch jetzt kann jederzeit noch eine Quarantäne wegen eines Corona-Falls in der Einrichtung drohen – und bei steigenden Inzidenzen auch wieder eine Schließung. Dann gibt es eine staatliche Entlastung für Eltern: die Verdienstausfallentschädigung gemäß Infektionsschutzgesetz (IfSG) sowie zusätzliche Kinderkrankentage. Hier erfährst du mehr zu deinen Rechten und Pflichten bei einem Betreuungsengpass.

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Betreu­ungs­not­fall: Rechte und Pflichten von Arbeit­neh­mern Die Arbeitsrechtsschutzversicherung von ADVOCARD

Diese Nachricht fürchten wohl alle berufstätigen Eltern: Es gibt einen Corona-Fall in der Schulklasse oder der Kindergartengruppe – das eigene Kind muss sofort in Quarantäne. Wenn das passiert oder das Kind bei einer Kita- oder Schulschließung im Lockdown über Wochen oder gar Monate zu Hause bleiben muss, gibt es oft keine alternativen Betreuungsmöglichkeiten.

In einer solchen Situation geht Kinderbetreuung vor Arbeitspflicht: Wenn es keine andere Möglichkeit gibt und du dein Kind selbst betreuen musst, kann dein Chef nicht von dir verlangen, dass du arbeitest. Du bist allerdings verpflichtet, deinen Arbeitgeber schnellstmöglich darüber zu informieren, dass du nicht zur Arbeit kommen kannst – allerspätestens zum Beginn deiner üblichen Arbeitszeit.

Und was ist mit dem Gehalt? Grundsätzlich gilt im Arbeitsrecht: Ohne Arbeitsleistung besteht kein Anspruch auf Bezahlung.

Gemäß § 616 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) darf dein Arbeitgeber dir zwar das Gehalt nicht kürzen, wenn du kurzfristig ohne eigenes Verschulden „für eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit“ deiner Arbeit fernbleibst. Eltern hilft dies in der Corona-Pandemie allerdings nicht wirklich weiter, wenn eine 14-tägige Quarantäne angeordnet wird oder der nächste mehrwöchige Lockdown droht.

Zu Beginn der Pandemie blieb vielen Eltern daher oft nichts anderes übrig, als Urlaubstage zu opfern oder gar unbezahlten Urlaub zu nehmen. Mittlerweile gibt es aber staatliche Hilfen für Eltern mit Betreuungsengpass, um die finanziellen Einbußen möglichst gering zu halten.

Schule oder Kita geschlossen: Regelungen für berufstätige Eltern

Schule oder Kita geschlos­sen: Ver­dienst­aus­fall­ent­schä­di­gung für Eltern

Für Eltern, die ihr Kind aufgrund coronabedingter Maßnahmen zu Hause betreuen müssen und deswegen nicht arbeiten können, gibt es zurzeit die Möglichkeit einer Verdienstausfallentschädigung nach § 56 Infektionsschutzgesetz (IfSG):

  • Für bis zu 6 Wochen, in denen Vater oder Mutter nicht arbeiten können, zahlt der Arbeit­ge­ber eine Ent­schä­di­gung in Höhe von 67 Prozent des ent­stan­de­nen Ver­dienst­aus­falls, maximal jedoch 2.016 Euro monatlich.
  • Diesen Betrag bekommt der Arbeit­ge­ber vom Staat erstattet. Es steht dem Arbeit­ge­ber frei, die Ent­schä­di­gung aus eigener Tasche auf­zu­sto­cken.
  • Ab der 7. Woche müssen Arbeit­neh­mer die Ent­schä­di­gung direkt beim Staat bean­tra­gen, für Selbst­stän­di­ge gilt das direkt ab dem ersten Tag. Hier findest du weitere Infos dazu.

Die Entschädigung wird pro Elternteil für maximal 10 Wochen gezahlt, an Alleinerziehende für maximal 20 Wochen. Die Entschädigungsregelung gilt, so lange der Deutsche Bundestag eine sogenannte “epidemische Lage von nationaler Tragweite” feststellt. Vorerst ist dies befristet bis zum 30. September 2021 der Fall.

Wann bekomme ich als Eltern­teil die Ver­dienst­aus­fall­ent­schä­di­gung – und wann nicht?

Folgende grundlegende Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit Eltern die Verdienstausfallentschädigung nach dem IfSG erhalten:

  • Dem betreu­en­den Eltern­teil entsteht ein Ver­dienst­aus­fall.
  • Das zu betreu­en­de Kind ist maximal 11 Jahre alt oder auf besondere Hilfe ange­wie­sen, etwa wegen einer Behin­de­rung.
  • Die Schule oder Kita des Kindes wurde von den Behörden geschlos­sen, es gilt die Aus­set­zung der Prä­senz­pflicht – oder eine Behörde hat für das Kind eine Qua­ran­tä­ne ange­ord­net, etwa wegen eines Corona-Falls in der Ein­rich­tung.
  • Das Kind hat keinen Platz in einer Not­be­treu­ung und kann auch von niemand anderem ange­mes­sen betreut werden.

Kein Anspruch auf die Verdienstausfallentschädigung besteht aber beispielsweise in folgenden Situationen:

  • Der betreu­en­de Eltern­teil wird vom Arbeit­ge­ber bezahlt frei­ge­stellt, um sich um das Kind kümmern zu können, oder kann dafür ange­sam­mel­te Über­stun­den einsetzen.
  • Der betreu­en­de Eltern­teil befindet sich aktuell in Kurz­ar­beit.
  • Es wurde eine Qua­ran­tä­ne aufgrund einer Urlaubs­rei­se in eine Region ange­ord­net, die schon bei der Abreise als Corona-Risi­ko­ge­biet ein­ge­stuft war.

Für Beamte gilt die Regelung zur Verdienstausfallentschädigung grundsätzlich nicht.

INFOBOX

Welche Regelung gilt in den Ferien?

Für Tage, an denen die Schule oder Kita auch in Nicht-Corona-Zeiten geschlossen wäre – etwa an gesetzlichen Feiertagen oder in den Ferien – gibt es keinen Entschädigungsanspruch nach dem IfSG.
Eltern können aber nach Angaben des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales bei coronabedingten Betreuungsproblemen nicht verpflichtet werden, erst ihren gesamten Jahresurlaub aufzubrauchen, bevor sie die Verdienstausfallentschädigung in Anspruch nehmen können. Es ist also legitim, dass sich Eltern den Jahresurlaub für die Ferienzeiten aufsparen, um dann Zeit für ihre Kinder zu haben.

Eltern können 2021 doppelt so viele Kin­der­kran­ken­ta­ge nehmen

Der Anspruch auf Kinderkrankengeld wurde angesichts der Corona-Pandemie für das Jahr 2021 deutlich erhöht. Statt der sonst üblichen 10 beziehungsweise 20 Tage bei Alleinerziehenden stehen gesetzlich krankenversicherten Eltern in diesem Jahr dreimal so viele Kinderkrankentage zu:

  • Bei Eltern­paa­ren mit einem Kind kann also jeder Eltern­teil 30 Kin­der­kran­ken­ta­ge nehmen, Allein­er­zie­hen­de mit einem Kind dürfen 60 Tage ein­rei­chen.
  • Bei mehreren Kindern erhöht sich die Zahl der möglichen Kin­der­kran­ken­ta­ge auf 65 pro Eltern­teil, für Allein­er­zie­hen­de auf 135

Abweichend von den normalerweise gültigen Regelungen zum Kinderkrankengeld gilt 2021: Das Kind muss nicht krank sein. Gegenüber der Krankenkasse reicht der nachgewiesene Betreuungsbedarf, etwa aufgrund der geschlossenen Kita.

Kinderkrankentage dürfen auch genommen werden, wenn die Eltern parallel im Homeoffice arbeiten.

Schule oder Kita geschlossen: Regelungen für berufstätige Eltern

© iStock.com/Aron M

Wichtig: Verdienstausfallentschädigung und Kinderkrankentage dürfen nicht gleichzeitig in Anspruch genommen werden. Für Tage, an denen ein Elternteil “kindkrank” ist, hat auch der andere keinen Anspruch auf Verdienstausfallentschädigung – denn er kann ja theoretisch arbeiten, während der andere Elternteil die Kinder betreut.

Gemeinsam mit dem Arbeit­ge­ber eine Lösung finden

In der Praxis sehen sich Eltern trotz dieser Erleichterungen häufig mit hohen Anforderungen konfrontiert. Hier hilft nur Durchatmen und offene Kommunikation mit dem Arbeitgeber, denn dass die gegenwärtige Situation für niemanden einfach ist, ist ja mittlerweile bekannt. Am besten suchst du gemeinsam mit deinem Chef oder der Personalabteilung nach Lösungen. Vielleicht hilft es schon, die Arbeitszeiten flexibler zu gestalten, damit du dich mit deinem Partner besser abwechseln kannst.

Fazit
  • Berufs­tä­ti­ge Eltern, die coro­nabe­dingt ihr Kind selbst betreuen müssen und in dieser Zeit nicht arbeiten können, haben in vielen Fällen Anspruch auf staat­li­che Unter­stüt­zung.
  • Die Ver­dienst­aus­fall­ent­schä­di­gung (Regelung derzeit befristet bis 30. September 2021) kann für maximal 10 Wochen gewährt werden, für Allein­er­zie­hen­de bis zu 20 Wochen. Sie beträgt 67 Prozent des Ver­dienst­aus­falls.
  • Gesetz­lich kran­ken­ver­si­cher­te Eltern haben 2021 zudem vor­über­ge­hend einen erhöhten Anspruch auf Kin­der­kran­ken­geld. Dafür muss das Kind nicht krank sein, der nach­ge­wie­se­ne coro­nabe­ding­te Betreu­ungs­eng­pass reicht aus.
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