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19. August 2020, 15:32 Uhr

So geht’s richtig Neue Corona-Arbeits­schutz­re­ge­lun­gen – auch fürs Home­of­fice

Die Bundesregierung hat die Arbeitsschutzregeln überarbeitet, die gelten, solange das Coronavirus unseren Job-Alltag beeinflusst. Nun sind einige wichtige Punkte genauer gefasst als bisher. Die Maßnahmen und Verhaltensvorschriften betreffen sowohl die Tätigkeit in den Betrieben als auch im Homeoffice. Daran müssen sich Arbeitgeber ebenso halten wie ihre Beschäftigten.

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Corona-Regeln zum Arbeits­schutz kon­kre­ti­siert

Die Neufassung der sogenannten SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel konkretisiert die Anforderungen an den Arbeitsschutz. Grundlage ist das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG). An der Reform waren das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) sowie die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) beteiligt.

Dein Chef soll sich zwar an die Vorgaben halten, ist aber nicht verpflichtet, sie eins zu eins umzusetzen. Dazu heißt es: “Wählt der Arbeitgeber eine andere Lösung, muss er damit mindestens die gleiche Sicherheit und den gleichen Gesundheitsschutz für die Beschäftigten erreichen.”

Die Einführung und Umsetzung der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel ist allerdings keine reine Chefsache. Der Arbeitgeber muss auch die Sicherheitsbeauftragten und Betriebsärzte daran beteiligen. Sofern vorhanden, soll auch der Betriebsrat mitreden. Gibt es keine Arbeitnehmervertretung in deinem Betrieb, muss die Unternehmensführung stattdessen dich und deine Kollegen direkt einbeziehen. Mehr Informationen zum Thema Arbeitsrechtsschutz

Hast du den Eindruck, dass die Corona-Arbeitsschutzregelungen nicht eingehalten werden, kannst du dich an die zuständigen Aufsichtsbehörden wenden. Die prüfen dann in deinem Unternehmen, ob dort in dieser Hinsicht alles mit rechten Dingen zugeht.

Dieser Ratgeber fasst die wichtigsten Punkte der neuen SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel zusammen. Das komplette Werk kannst du online einsehen. Die Vorschriften bleiben vorerst bis zum Ende der Corona-Pandemie bestehen.

Erster Schritt ist die Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung

Nach dem Ausbruch des Coronavirus war in vielen Betrieben schnelles Handeln angesagt. Nun, wo allmählich wieder etwas mehr Normalität in den Arbeitsalltag einzieht, gilt es, die schnell umgesetzten Entscheidungen genauer unter die Lupe zu nehmen. Welche bisherigen Maßnahmen entsprechen den neuen Anforderungen an den Arbeitsschutz? Welche müssen angepasst oder eingeführt werden? Diese Fragen muss dein Arbeitgeber jetzt prüfen und beantworten. Und zwar im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung bezogen auf:

  • die Gestal­tung der Arbeits­auf­ga­ben
  • die Gestal­tung der Arbeits­zeit
  • den Einsatz von Home­of­fice
  • die Inte­gra­ti­on der Home­of­fice-Arbeiter in die betrieb­li­chen Abläufe
  • psy­chi­sche Belas­tungs­fak­to­ren, die sich für die Beschäf­tig­ten aus der unge­wohn­ten Situation ergeben können
  • Tätig­kei­ten, die ein erhöhtes Corona-Infek­ti­ons­ri­si­ko haben
  • indi­vi­du­el­le Maßnahmen für schutz­be­dürf­ti­ge Beschäf­tig­te oder bei beson­de­ren Arbeits­stät­ten und Arbeits­plät­zen

Nach § 15 Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG) bist du bei Bedarf dazu verpflichtet, dich an der Gefährdungsbeurteilung zu beteiligen. Nach dem Willen der Verfasser der neuen Regeln sollst du als Mitarbeiter so “ein Sicherheitsbewusstsein entwickeln und dieses aufrechterhalten”. Diese Einstellung sollen alle Beschäftigten teilen, die sich in dem Unternehmen aufhalten. Also auch Leiharbeiter, Kollegen mit Dienst- oder Werkverträgen sowie Mitarbeiter aus anderen Betrieben – sogar, wenn sie nur für kurze Zeit vor Ort sind.

All­ge­mei­ne Schutz­maß­nah­men

Für den Arbeitsschutz vor Corona-Infektionen ist der Arbeitgeber verantwortlich. Zu seinen grundlegenden Aufgaben gehört es, aus den einzelnen Vorschriften der SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregeln ein individuell auf seinen Betrieb abgestimmtes Sicherheitskonzept zu erstellen. Geeignete Lösungen sind beispielsweise:

  • die Ein­hal­tung der Abstands­re­geln
  • Aufteilen der Beleg­schaft in kleinere, feste Arbeits­grup­pen
  • die Iso­lie­rung der “Atem­be­rei­che” von­ein­an­der, etwa durch Trenn­wän­de zwischen den Arbeits­plät­zen
  • vermehrte Nutzung von Tele­kom­mu­ni­ka­ti­on, also Telefon, Video­kon­fe­ren­zen u. Ä.
  • häufiges Lüften
  • gründ­li­che Reinigung von Ober­flä­chen (Türgriffe, Schreib­ti­sche oder Arbeits­ge­rä­te)
  • zusätz­li­che Hän­de­hy­gie­ne
  • Diese Maßnahmen gelten nicht nur für die Arbeits­plät­ze selbst, sondern auch für andere betrieb­li­che Bereiche wie Pau­sen­räu­me, Kantinen, Umklei­de­räu­me, Wasch­räu­me und Duschen.

Die Regeln zum richtigen Abstand

Der Sicherheitsabstand zwischen den Beschäftigten gehört zu den wichtigsten Maßnahmen im betrieblichen Arbeitsschutz. Ihn legen die neuen Bestimmungen auf mindestens 1,5 Meter zwischen den einzelnen Beschäftigten fest. Hast du einen Job mit einem erhöhten Luftausstoß, zum Beispiel beim Singen, musst du unter Umständen größere Distanz halten.

Der Arbeitgeber muss dafür die Voraussetzungen schaffen. Gegebenenfalls ist das Mobiliar am Arbeitsplatz anders anzuordnen. Oder die Beschäftigten weichen auf andere Flächen aus, die zum Betrieb gehören oder eventuell angemietet werden müssen.

Ist der erforderliche Abstand trotzdem nicht einzuhalten, sind zwischen den Arbeitsplätzen transparente Trennwände aufzustellen. Die müssen bei sitzenden Tätigkeiten wenigstens 1,5 Meter hoch sein, bei stehenden Tätigkeiten wenigstens zwei Meter.

Wann Masken Pflicht sind

Wenn der vorgeschriebene Sicherheitsabstand zwischen dir und deinen Kollegen nicht durch technische oder organisatorische Maßnahmen gewährleistet werden kann, musst du eine Maske tragen. Abhängig vom individuellen Infektionsrisiko am Arbeitsplatz können unterschiedliche Arten von Masken vorgeschrieben sein. Bei leichtem Infektionsrisiko reicht eine einfache Mund-Nase-Bedeckung (MNB), besser bekannt als Community-Maske, aus. Bei höherem Infektionsrisiko sind filtrierende Halbmasken (ohne Ausatemventil, mindestens FFP2) als persönliche Schutzausrüstung erforderlich. Wie bei der Arbeitsschutzkleidung auch gilt hier: Der Arbeitgeber muss Masken für seine Mitarbeiter bereitstellen oder die Kosten dafür übernehmen.

Weil die Masken das Atmen erschweren und unter ihnen Feuchtigkeit sowie Wärme entstehen, sollen die Beschäftigten gegebenenfalls öfter Pausen machen oder zwischenzeitlich Tätigkeiten übernehmen, die ohne Maske möglich sind.

Vor­schrif­ten für das Lüften im Betrieb

Das Coronavirus wird überwiegend über die Luft verbreitet. Deshalb ist es sinnvoll, sie möglichst oft auszutauschen. Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten.

  • Die ein­fachs­te Art des Luft­aus­tau­sches ist die Fens­ter­lüf­tung. Dazu schreiben die Tech­ni­schen Regeln für Arbeits­stät­ten (ASR) grund­sätz­lich vor, dass Fenster zu Beginn einer Arbeit sowie anschlie­ßend in regel­mä­ßi­gen Abständen geöffnet werden. In Büro­räu­men sollen die Inter­val­le bei 60 Minuten liegen, in Bespre­chungs­räu­men bei 20 Minuten. Diese Frequenz ist während der Corona-Pandemie möglichst zu erhöhen. Dazu heißt es in der neuen Ver­ord­nung: “Eine soge­nann­te Stoß­lüf­tung über die gesamte Öff­nungs­flä­che der Fenster ist anzu­wen­den. Es wird eine Lüf­tungs­dau­er von 3 bis 10 Minuten empfohlen.”
  • Sind soge­nann­te raum­luft­tech­ni­sche Anlagen (RLT-Anlagen) – also Kli­ma­an­la­gen – vorhanden, sollen sie während der gesamten Arbeits­zeit laufen. Aller­dings nur, wenn sie über Filter verfügen (z. B. Schweb­stoff­fil­ter), die Viren zurück­hal­ten, oder sie der Luft einen hohen Außen­luft­an­teil hin­zu­mi­schen. Kli­ma­an­la­gen ohne diese Mög­lich­kei­ten sollten nicht ein­ge­schal­tet werden, denn sie würden Viren nur zusätz­lich verteilen.

Arbeits­schutz im Home­of­fice

Viele Beschäftigte wurden mit dem Lockdown und wegen der damit eingeführten Kontaktbeschränkungen (vorübergehend) ins Homeoffice beordert. Auch dort sind die Vorschriften des ArbSchG und des Arbeitszeitgesetzes einzuhalten. Dafür ist der Arbeitgeber zuständig. Schickt dich dein Chef zum Arbeiten nach Hause, muss er dich unter anderem auf Folgendes hinweisen:

  • ein­zu­hal­ten­de Arbeits­zei­ten
  • Arbeits­pau­sen
  • die ergo­no­mi­sche Arbeits­platz­ge­stal­tung
  • richtige und wech­seln­de Sitz­hal­tung und Bewe­gungs­pau­sen

Außerdem ist die Firma dafür verantwortlich, dass dir dort  alle erforderlichen Arbeits- und Kommunikationsmittel zur Verfügung stehen.

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