Mutter fühlt ihrem fie­ber­kran­ken Kind die Stirn ©Fotolia/Kaspars Grinvalds

26. März 2021, 10:00 Uhr

Darf ich eigent­lich? Wenn das Kind krank ist: Krank­mel­dung für Eltern

Das Kind ist krank und ein Elternteil muss zu Hause bleiben – das erfordert Organisation. Hier liest du, welchen Anspruch auf Krankentage und Kinderkrankengeld es gibt, welche Sonderregelungen angesichts der Corona-Pandemie gelten und was du tun kannst, wenn deine Kinderkrankentage aufgebraucht sind.

Dein Arbeitgeber behandelt dich unfair? Ein Berufs-Rechtsschutz kann helfen. >>

Kin­der­kran­ken­geld und Kin­der­kran­ken­ta­ge: Darauf haben Eltern Anspruch

Das Kind ist stark erkältet und kann nicht in die Schule oder in die Kita gehen: Bei berufstätigen Eltern bricht dann häufig die Tagesplanung zusammen. Dass sie in einem solchen Fall für gewisse Zeit zu Hause bleiben dürfen, um das Kind zu betreuen, ist ihr gutes Recht. Wie lange darfst du zu Hause bleiben, wenn dein Kind krank ist? Alle Informationen zur Arbeitsrechtsschutz von ADVOCARD

  • Leben die Eltern zusammen, darf sich jeder Eltern­teil pro Kind und Jahr maximal für 10 Arbeits­ta­ge unbezahlt vom Arbeit­ge­ber frei­stel­len lassen.
  • Allein­er­zie­hen­de haben Anspruch auf 20 Tage.
  • Aufgrund der Corona-Pandemie gelten für 2021 einige Ausnahmen: Mehr dazu liest du in der Infobox (s. unten).

Die gesetzliche Grundlage dafür findet sich in §45 Fünftes Sozialgesetzbuch (SGB V), der den Krankengeldanspruch bei Erkrankung des Kindes regelt. Das Kind und der betreuende Elternteil müssen dafür gesetzlich krankenversichert sein. Privatversicherte haben nicht automatisch einen Anspruch auf Krankengeld und müssen sich für solche Fälle nach Möglichkeit zusätzlich absichern.

Wichtig: Der Anspruch auf Kinderkrankentage und Kinderkrankengeld besteht für Arbeitnehmer nur dann, wenn keine weitere Person im Haushalt lebt, die das Kind betreuen könnte – etwa ein Elternteil, der nicht berufstätig ist.

Kinderfuß mit Verband. Daneben ein Teddybein, ebenfalls mit Verband

©istockphoto.com/Annashou

Bis zu welchem Alter des Kindes gilt die Regelung?

Der Anspruch, bei einem kurzfristig erkrankten Kind zu Hause zu bleiben und dafür Kinderkrankengeld zu beziehen, besteht grundsätzlich nur bis zum 12. Geburtstag des Kindes. Wer als berufstätiger Elternteil ein krankes Kind ab 12 Jahren zu Hause betreuen möchte, muss eine andere Lösung gemeinsam mit dem Arbeitgeber finden – zum Beispiel Urlaubstage, Homeoffice oder eine freiwillige unbezahlte Freistellung.

Bei Kindern, die eine Behinderung haben und grundsätzlich auf Hilfe angewiesen sind, gilt der Anspruch über das 12. Lebensjahr hinaus.

CORONA-SON­DER­RE­GELN: Anspruch für 2021 aus­ge­wei­tet

Dein Kind ist selbst nicht krank, aber die Kita wegen Corona geschlossen – und das wochenlang? Der Staat hat auf die massive Belastung berufstätiger Eltern durch die Corona-Krise reagiert und den Anspruch auf Kinderkrankengeld und Kinderkrankentage für das Jahr 2021 ausgeweitet. Wichtige Neuerung: Der Anspruch besteht auch dann, wenn das Kind keine Symptome zeigt. Als Nachweis gegenüber der Krankenkasse reicht die Bestätigung, dass Kita oder Schule geschlossen sind und die Betreuung ausfällt.

Alle wichtigen Infos dazu findest du im Streitlotse-Ratgeber “Schule oder Kita geschlossen: Regelungen für berufstätige Eltern”.

Auch interessant: “Keine Betreuung: Darf ich mein Kind mit zur Arbeit nehmen?

Kind krank: Lohn­fort­zah­lung oder Kin­der­kran­ken­geld?

Die Lohnfortzahlung an Kinderkrankentagen ist seitens des Arbeitgebers eine rein freiwillige Angelegenheit und abhängig vom Arbeitsvertrag. Wichtig: Erhältst du an den Kinderkrankentagen das volle Gehalt, dann hast du für diese Tage keinen Anspruch auf Kinderkrankengeld.

Beim Bezug von Kinderkrankengeld ist ansonsten die oberste Regel: Du musst ein ärztliches Attest über Erkrankung und Betreuungsbedarf des Kindes bei der Krankenkasse vorlegen. Dieses muss bereits ab dem ersten Tag der Erkrankung ausgestellt sein – anders als bei eigenen Krankmeldungen des Arbeitnehmers.

Wie hoch ist das Kinderkrankengeld?

Das Kinderkrankengeld beträgt in der Regel 90 Prozent des Nettoentgelts, das du sonst für den jeweiligen Arbeitstag bekommen hättest.

Es gibt aber eine Deckelung, sofern der Betrag 70 Prozent der jährlichen Beitragsbemessungsgrenze – umgerechnet auf Kalendertage – übersteigt. Für 2021 liegt der Höchstsatz für einen Tag Kinderkrankengeld demnach bei 112,88 Euro.

Kin­der­kran­ken­ta­ge auf­ge­braucht: Was tun?

Gerade Kita-Kinder fangen sich häufig harmlose, aber langwierige Infekte ein. Wenn sämtliche Kinderkrankentage für das aktuelle Jahr schon aufgebraucht sind, aber die Nase schon wieder läuft, müssen Eltern das Gespräch mit dem Arbeitgeber suchen. Alternativen können auch hier Urlaubstage oder eine unbezahlte Freistellung sein.

Was, wenn die Kita coronabedingt länger geschlossen ist und die Kinderkrankentage nicht reichen? Das Bundesfamilienministerium teilt dazu aktuell mit, dass die Bundesregierung die Situation im Auge behalte und je nach Infektionsgeschehen weitere Corona-Sonderregelungen für 2021 prüfe (Stand: 26. März 2021).

Vater und Tochter sitzen zusammen auf dem Sofa zu Hause und haben eine gute Zeit

©istockphoto.com/svetikd

Kinderkrankentage können unter bestimmten Umständen auf den anderen Elternteil übertragen werden. Ein gesetzlicher Anspruch darauf besteht aber nicht. Der Arbeitgeber darf ein Veto einlegen.

  • Beispiel: Das Kind wird krank. Die Eltern berat­schla­gen, dass es sinnvoll wäre, wenn der Vater zu Hause bleibt, da die Mutter gerade beruflich stärker gefordert ist.
  • Der Vater hat aber seine Kin­der­kran­ken­ta­ge für das laufende Jahr schon auf­ge­braucht. Die Mutter möchte ihm einige der ihr zuste­hen­den Tage über­tra­gen.
  • Zunächst müssen die Arbeit­ge­ber beider Eltern sich mit diesem Vorgehen ein­ver­stan­den erklären.
  • Anschlie­ßend muss die Über­tra­gung noch bei der Kran­ken­kas­se offiziell beantragt werden. Viele Kassen bieten dafür vor­ge­fer­tig­te Formulare an – am besten infor­mie­ren sich Eltern direkt dort.

Sich einfach selbst krankzumelden, wenn eigentlich das Kind krank ist – davon ist abzuraten: Kommt die Mogelei heraus, ist das Vertrauensverhältnis zum Arbeitgeber geschädigt, im schlimmsten Fall kann eine Abmahnung drohen.

Eine Sonderregelung für die Dauer des Kinderkrankengeldbezugs gilt, wenn ein Kind schwerst erkrankt und eine Heilung aus ärztlicher Sicht ausgeschlossen ist. Während der palliativen Behandlung des Kindes hat ein Elternteil unbegrenzten Anspruch auf Kinderkrankentage und Kinderkrankengeld.

FAZIT
  • Gesetz­lich kran­ken­ver­si­cher­te Eltern dürfen sich für eine bestimmte Anzahl an Tagen im Jahr unbezahlt vom Arbeit­ge­ber frei­stel­len lassen, um ihr krankes Kind zu betreuen. Sie erhalten für diese Tage Kran­ken­geld von der Kran­ken­kas­se.
  • Während der Corona-Pandemie gilt ein erwei­ter­ter Anspruch. Eltern können 2021 auch dann Kin­der­kran­ken­ta­ge nehmen, wenn das Kind gesund ist, aber wegen behörd­li­cher Auflagen nicht in die Kita oder Schule gehen kann.
  • Sind die Kin­der­kran­ken­ta­ge eines Eltern­teils auf­ge­braucht, können sich die Partner unter bestimm­ten Umständen gegen­sei­tig Tage über­tra­gen.
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