Krank­mel­dung aus dem Ausland: Das ist zu tun @istock.com/Cameravit

13. Dezember 2019, 10:42 Uhr

So geht's richtig Krank­mel­dung aus dem Ausland: Das ist zu tun

Wirst du auf einer Auslandsreise krank, musst du rechtzeitig an die Krankmeldung bei deinem Arbeitgeber denken. Das immer dann notwendig, wenn du unterwegs aus gesundheitlichen Gründen arbeitsunfähig bist.

Bei Konflikten mit dem Arbeitgeber sind wir an deiner Seite. >>

Krank im Aus­lands­ur­laub? Wann die Krank­mel­dung Pflicht ist

Wirklich ärgerlich: Du hast dich lange auf deine Auslandsreise gefreut, und dann wirst du am Urlaubsort krank. Wenn du sogar zum Arzt oder ins Krankenhaus musst, ist der erste Gedanke meist: Zahlt meine Krankenversicherung die Behandlung im Ausland? Infos dazu findest du in diesem Streitlotse-Ratgeber.

Auch die Krankmeldung an deinen Arbeitgeber ist sehr wichtig. Die ist bei einem Auslandsaufenthalt dann verpflichtend, wenn du dich mit derselben Erkrankung zu Hause arbeitsunfähig melden würdest.

Entsprechend regelt es § 5 Absatz 2 Entgeltfortzahlungsgesetz (EFZG): "Hält sich der Arbeitnehmer bei Beginn der Arbeitsunfähigkeit im Ausland auf, so ist er verpflichtet, dem Arbeitgeber die Arbeitsunfähigkeit, deren voraussichtliche Dauer und die Adresse am Aufenthaltsort in der schnellstmöglichen Art der Übermittlung mitzuteilen."

Deine Krankenkasse musst du bei Krankheit im Ausland gemäß § 5 Absatz 2 EFZG ebenfalls über deine Arbeitsunfähigkeit und deren voraussichtliche Dauer informieren.

Arbeit­ge­ber muss Kosten für Über­mitt­lung der Krank­mel­dung tragen

Die "schnellstmögliche Art der Übermittlung" ist in der Regel ein Anruf beim Arbeitgeber. Hohe Kosten musst du dabei auch außerhalb der EU nicht fürchten, denn gemäß EFZG muss diese der Arbeitgeber tragen.

Je nachdem, welche Kommunikationskanäle in deiner Firma gängig sind, kann auch eine E-Mail oder SMS die "schnellstmögliche Art der Übermittlung" sein. Wichtig ist nur, dass sie direkt an den Vorgesetzten oder die Personalabteilung geht. Die Benachrichtigung des Arbeitgebers kann auch ein Reisebegleiter für dich übernehmen.

Ist eine schrift­li­che Krank­mel­dung notwendig?

Ja. Bist du arbeitsunfähig, dann kommst du bei einem Auslandsurlaub nicht um einen Besuch beim Arzt herum – und das ab dem ersten Tag der Krankheit. Denn nur so kannst du nachweisen, an wie vielen Urlaubstagen du insgesamt krank warst und sie dir anschließend wieder gutschreiben lassen.

Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung von einem ausländischen Arzt hat grundsätzlich denselben Beweiswert wie eine Krankschreibung, die ein Arzt in Deutschland ausstellt. Das hat das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz 2010 entschieden (AZ 11 Sa 178/10). Voraussetzung ist allerdings, dass die Bescheinigung alle notwendigen Angaben enthält. Es muss zum Beispiel ausdrücklich daraus hervorgehen, dass du nicht "nur" krank, sondern arbeitsunfähig bist. Ist das der Fall, dann muss der Arbeitgeber die ausländische Krankschreibung in der Regel akzeptieren – es sei denn, er kann berechtigte Zweifel geltend machen.

Mehr Informationen zum Thema Reiserechtsschutz

Muss ich die Krank­schrei­bung sofort an den Arbeit­ge­ber schicken?

Nein. Ist der Arbeitgeber vom Urlaubsort aus informiert, dann solltest du zwar die schriftliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung so schnell wie möglich nachreichen. Eine gesetzliche Frist dafür gibt es aber nicht. Deshalb kannst du das in der Regel direkt nach deiner Rückkehr aus dem Urlaub erledigen.

Alternativ steht dir ein vereinfachtes Verfahren zur Übermittlung deiner schriftlichen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung offen, wenn du innerhalb der EU Urlaub machst: Du gibst die Bescheinigung bei einer Krankenkasse im Urlaubsland ab. Diese leitet sie nach Deutschland an deine Krankenkasse weiter, und die wiederum schickt sie an deinen Arbeitgeber.

Dieses vereinfachte Verfahren ist auch möglich in Ländern, die nicht der EU angehören, aber mit Deutschland ein entsprechendes Sozialversicherungsabkommen haben – zum Beispiel Norwegen, die Schweiz und die Türkei (Stand: Dezember 2019).

Wenn du dann schließlich aus dem Urlaub zurück, aber weiter arbeitsunfähig erkrankt bist, musst du das gemäß § 5 Absatz 2 EFZG deinem Arbeitgeber und der Krankenkasse unverzüglich melden.

FAZIT
    Wer im Ausland erkrankt und arbeits­un­fä­hig ist, muss seinen Arbeit­ge­ber so schnell wie möglich darüber infor­mie­ren, zum Beispiel tele­fo­nisch. Außerdem ist eine schrift­li­che Arbeits­un­fä­hig­keits­be­schei­ni­gung vom Arzt Pflicht. Diese muss aber nicht sofort an den Arbeit­ge­ber geschickt werden.Zur Über­mitt­lung der Beschei­ni­gung können deutsche Urlauber innerhalb der EU ein ver­ein­fach­tes Verfahren nutzen.
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