Reisen und Corona: Diese Regeln müssen Urlauber beachten © iStock.com/Yarostav Astakkov

23. März 2022, 10:00 Uhr

Darf ich eigentlich? Reisen und Corona: Diese Regeln müssen Urlauber beachten

Die Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie machten das Verreisen lange Zeit komplizierter als sonst. Urlauber mussten sich nicht nur bei der Einreise nach Deutschland, sondern auch am Urlaubsort an viele Regeln halten. Auch führten Reisewarnungen und als Risikogebiet eingestufte Urlaubsziele vielfach zu Frust bei Urlaubern und zu Stress mit den Reiseveranstaltern. Mittlerweile sind aber viele Corona-Reiseregelungen entfallen.

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Einreise aus dem Ausland: Nach­weis­pflicht für alle ab zwölf Jahren

Seit Mai 2021 regelt die Coronavirus-Einreiseverordnung (CoronaEinreiseV), was bei der Einreise nach Deutschland zu tun ist, insbesondere im Hinblick auf Risikogebiete. Die Verordnung gilt auch für Deutsche, die von Urlaubsreisen im Ausland zurückkehren. Sie wurde zwischenzeitlich mehrfach der aktuellen Situation angepasst und ist in der aktuellsten Version vom 18. März 2022 vorerst bis zum 28. April 2022 gültig. Daneben gelten weiter die individuellen Regelungen der Bundesländer.

Da derzeit keine Reiseregion als Hochrisiko- oder Virusvariantengebiet definiert ist (mehr dazu unter “Was sind Corona-Risikogebiete?”), entfallen einige zuvor nötige Schritte für Urlaubsrückkehrer nach Deutschland (Stand: 22. März 2022). Sie müssen keine digitale Einreiseanmeldung mehr vornehmen und auch nicht mehr vorsorglich in Quarantäne – egal, ob geimpft oder ungeimpft. Dies dürfte Reisewilligen einigen Stress nach dem Urlaub ersparen.

Dennoch gilt bei Einreise nach Deutschland bis vorerst 28. April 2022: Jede Person ab zwölf Jahren, die aus dem Ausland nach Deutschland einreist, muss einen der folgenden Nachweise parat haben.

  • einen aktuellen, von medi­zi­ni­schem Fach­per­so­nal durch­ge­führ­ten negativen Coro­na­test, der zum Ein­rei­se­zeit­punkt maximal 48 Stunden zurück­lie­gen darf – bei Virus­va­ri­an­ten­ge­bie­ten ist ein PCR-Test vorgeschrieben –,
  • einen Beleg über voll­stän­di­gen, also min­des­tens zwei­fa­chen Impf­schutz (Impfheft oder digitaler Impf­nach­weis) oder
  • einen Genesenen-Nachweis, der eine über­stan­de­ne Covid-19-Infektion belegt.

Das gilt auch für Menschen, die an einem deutschen Flughafen lediglich umsteigen (Transitpassagiere). Die Kosten für alle notwendigen Corona-Tests, die im Ausland anfallen, müssen Einreisende grundsätzlich selbst tragen.

Gut zu wissen: Wurdest du zweifach geimpft, wird dein Impfnachweis bei Einreise bis zu neun Monate nach der letzten Impfung akzeptiert. Das heißt, wenn deine zweite Impfung bereits länger als neun Monate her ist, musst du bei Einreise einen aktuellen Corona-Test vorlegen. Für Dreifach-Geimpfte gibt es derzeit keine zeitliche Beschränkung.

Personen, die sich für weniger als 24 Stunden im Ausland aufgehalten haben und nicht mit dem Flugzeug reisen, brauchen keinen 3G-Nachweis zu erbringen.

Für Kinder unter zwölf Jahren gelten die 3G-Regeln bei Einreise grundlegend nicht mehr. Das heißt, sie müssen keinerlei Nachweis über eine Testung, eine Impfung oder Genesung erbringen.

Fällt dein Test vor der Rückreise positiv aus, darfst du beispielsweise als Flugreisender gemäß der aktuellen Einreiseverordnung vorerst nicht nach Deutschland einreisen. Das ist erst wieder möglich, wenn du nachweislich wieder negativ getestet werden. Gegebenenfalls musst du dich also am Urlaubsort in Quarantäne begeben. Die genauen Modalitäten für diesen möglichen Fall – insbesondere, was die Kosten angeht – solltest du vor der Reise mit dem Reiseveranstalter klären.

Covid-19-Testbereich des Flughafens
© iStock.com/franckreporter

Was sind Corona-Risikogebiete?

Das legt die Bundesregierung in Zusammenarbeit mit dem Robert-Koch-Institut (RKI) fest: Besteht in einem Land oder auch nur in bestimmten Landesteilen ein erhöhtes Risiko für eine Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2, dann wird dieser Bereich unter anderem auf die regelmäßig aktualisierte Risikogebiet-Liste des RKI gesetzt. Ebenso, wenn dort neue Virusvarianten aufgetreten sind.

Solche Hochrisikogebiete und Virusvariantengebiete werden jedoch seit März 2022 vorerst nicht mehr ausgewiesen. Seit dem 20. März 2022 gilt, dass Länder und Regionen nur noch als Hochrisikogebiet eingestuft werden, wenn vor Ort eine hohe Ansteckungsgefahr durch Virusvarianten vorherrscht, die aggressiver als die Omikron-Variante sind (z. B. die Delta-Variante).

Hoch­ri­si­ko- und Virus­va­ri­an­ten­ge­bie­te: Wer muss wie lange in Quarantäne?

Sollten bestimmte Regionen oder Länder wieder als Hochrisiko- oder Virusvariantengebiete eingestuft werden, gelten für dich bei der Rückreise nach Deutschland bestimmte Regeln.

Bei Einreise aus einem Hochrisikogebiet:

Wer aus einem Hochrisikogebiet nach Deutschland einreist oder sich in den letzten zehn Tagen vor Einreise dort aufgehalten hat (ausgenommen ist die bloße Durchreise ohne Aufenthalt), hat folgende Pflichten:

  • Ausfüllen einer digitalen Ein­rei­se­an­mel­dung vor der Ankunft in Deutschland
  • Zehn Tage in häusliche Qua­ran­tä­ne auf direktem Weg nach der Einreise. Eine vor­zei­ti­ge Been­di­gung ist frü­hes­tens fünf Tage nach der Einreise möglich, wenn du innerhalb dieser Zeit ein weiteres negatives Test­ergeb­nis bezie­hungs­wei­se einen Impf- oder Genesenen-Nachweis über das digitale Ein­rei­se­por­tal der Bun­des­re­gie­rung hochlädst.
  • Kinder unter sechs Jahren sind von der Qua­ran­tä­ne-Pflicht nach Einreise befreit, es sei denn, sie wurden nach­weis­lich positiv auf Corona getestet.

Bei der Einreise aus einem Virusvariantengebiet:

Die allgemeinen Auflagen für Urlauber bei Einreise aus Virusvariantengebieten:

  • Es ist immer ein negativer PCR-Test­nach­weis vor­zu­le­gen, der maximal 48 Stunden alt sein darf – das gilt auch für geimpfte und genesene Personen. Daneben ist auch hier die digitale Ein­rei­se­an­mel­dung erforderlich.
  • Die häusliche Qua­ran­tä­ne­pflicht beträgt 14 Tage und gilt auch für voll­stän­dig Geimpfte und Genesene. Sie kann nicht vorzeitig beendet werden.

Verstöße gegen die Einreiseauflagen können mit einem hohen Bußgeld geahndet werden.

Gut zu wissen: Wenn ein Virusvariantengebiet, in dem du dich aufgehalten hast, während deiner Quarantänezeit zu einem Hochrisikogebiet herabgestuft wird, gelten für dich ab diesem Zeitpunkt die Regeln für das Hochrisikogebiet. Das heißt zum Beispiel, dass du dich nach fünf Tagen „freitesten” kannst.

Außerdem endet die Quarantäne immer dann automatisch, wenn sich die Situation in deinem Reisegebiet mittlerweile schon so weit entspannt hat, dass das RKI es von der Liste der Risikogebiete streicht (sogenannte Entlistung).

Selbst­ver­schul­de­te Qua­ran­tä­ne: Lohn­fort­zah­lung kann gefährdet sein

Nimmst du die Infektionsgefahr in einem Risikogebiet bewusst in Kauf, kannst du für die Dauer der häuslichen Quarantäne deinen Lohnanspruch verlieren. Arbeitnehmer sind grundsätzlich verpflichtet, bei ihren Urlaubsplänen auf bekannte Reisewarnungen zu achten. Ignorieren sie das und können deswegen nach ihrer Rückkehr nicht oder erst verspätet arbeiten, darf ihnen ihr Unternehmen für die ausgefallene Zeit das Gehalt verweigern.

Achtung: Für einen solchen Zeitraum selbstverschuldeter Quarantäne steht dir keine Verdienstausfallentschädigung nach dem Infektionsschutzgesetz zu, auch wenn du deine Kinder zu Hause betreuen musst. Anders sieht es aus, wenn du in einem Land im Urlaub warst, das vom Robert-Koch-Institut erst nach deinem Urlaubsantritt zum Risikogebiet erklärt wurde.

INFO

Reisewarnung wegen Corona

Eine offizielle Reisewarnung des Auswärtigen Amtes ist eine gravierende Maßnahme. Im März 2020 sprach das Auswärtige Amt angesichts der rasanten Verbreitung des Coronavirus erstmals eine weltweite Reisewarnung aus. Die Reisewarnung ist kein Reiseverbot, aber eine dringende offizielle Empfehlung, Urlaubsreisen in das betreffende Gebiet zu unterlassen. Sie soll Urlauber auf „Gefahr für Leib und Leben” am Urlaubsort hinweisen.

Für Gebiete innerhalb Deutschlands spricht das Auswärtige Amt grundsätzlich keine Reisewarnungen aus.

Reisewillige und Urlauber sollten sich vor und während der Reise laufend über die Situation in ihrem Urlaubsgebiet informieren, um über Reisewarnungen und sonstige Sicherheitshinweise auf dem Laufenden zu sein. Infos gibt es beim Auswärtigen Amt und bei der Europäischen Union (für Ziele innerhalb der EU).

Eine bestehende Reisewarnung kann bedeuten, dass der Schutz durch deine private Auslandsreisekrankenversicherung oder deine Reiserücktrittsversicherung erlischt, wenn du trotzdem verreist. Das solltest du dringend vorher prüfen.

Kann ich bei einer Rei­se­war­nung meine Reise stornieren?

Eine offizielle Reisewarnung des Auswärtigen Amtes ermöglicht üblicherweise die kostenfreie Stornierung von Pauschalreisen in das betroffene Gebiet. Denn eine solche Warnung wird von Gerichten meist als Hinweis auf das Vorliegen höherer Gewalt (genauer: eines unvermeidbaren, außergewöhnlichen Ereignisses) gewertet. Und das rechtfertigt nach dem Pauschalreiserecht eine gebührenfreie Stornierung.

Allerdings dürfte dieses Argument nach über zwei Jahren Pandemie nicht mehr in jedem Fall greifen. Im April 2021 entschied beispielsweise das Amtsgericht Leipzig in einem solchen Fall zugunsten des Reiseveranstalters (AZ 102 C 7217/20). Höchstrichterliche Entscheidungen zur kostenfreien Stornierung wegen einer Corona-Reisewarnung gibt es aber noch nicht (Stand: März 2022). Am besten klärst du daher noch vor der Buchung mit dem Reiseveranstalter, welche Möglichkeiten er dir für diesen Fall anbietet – vielleicht kann auch eine kostenlose Umbuchung eine Alternative sein.

Bei Individualreisen, also zum Beispiel auch Ferienhausbuchungen mit eigener Anreise, berechtigt die Reisewarnung allein in der Regel nicht zur kostenfreien Stornierung. Hier kommt es auf die Bedingungen des Reisevertrages oder die AGB des Anbieters an.

Anders sieht es aus, wenn Leistungen tatsächlich abgesagt werden oder etwa die Unterkunft aufgrund von Einreiseverboten nicht erreichbar ist.

  • Nach deutschem Recht kannst du dann die Kosten für die jewei­li­gen Ein­zel­leis­tun­gen, die du nicht in Anspruch nehmen kannst, zurückfordern.
  • Aber: Bei einer Buchung im Ausland direkt beim dortigen Anbieter kann aus­län­di­sches Recht gelten und es können ent­spre­chend andere Rege­lun­gen zur Anwendung kommen.
Strandkörbe von hinten in der Abendsonne
© istock.com/Rike_

Reisen innerhalb Deutsch­lands: Worauf muss ich achten?

Deutsche Regionen mit besonders aktivem Pandemiegeschehen werden offiziell nicht als Risikogebiet bezeichnet, sondern in der Regel als Corona-Hotspot. Das RKI gibt auf seinem Covid-19-Dashboard eine tagesaktuelle und detaillierte Übersicht über die Infektionslage in den einzelnen Regionen. Mittlerweile wurden aber viele der geltenden Corona-Schutzmaßnahmen aufgehoben, auch werden Regionen jetzt nur noch unter bestimmten Umständen als Hotspot eingestuft.

Mehr zu den aktuellen Corona-Regeln und Schutzmaßnahmen liest du hier >>

Wenn deine gebuchte Unterkunft zu deinem Reisezeitpunkt keine Touristen beherbergen darf, weil vor Ort entsprechende Corona-Maßnahmen in Kraft getreten sind, brauchst du dir zumindest keine Sorgen um die Kosten zu machen. Bereits geleistete Zahlungen müssen dir in einem solchen Fall vollständig erstattet werden, da die gebuchte Leistung nicht erbracht werden kann.

Gut zu wissen: Wenn du innerhalb Deutschlands mit dem Flugzeug verreist, dann entfällt für dich die 3G-Regel. Maskenpflicht herrscht aber nach wie vor im Terminal-Bereich wie auch im Flugzeug selbst.

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