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10. März 2021, 10:00 Uhr

Durch­at­men Ver­an­stal­tung abgesagt wegen Corona: Gibt es Geld zurück?

Nach einem Jahr Corona-Pandemie wird oder bleibt noch immer fast jede größere Veranstaltung abgesagt. Bundesligaspiele werden ohne Zuschauer ausgetragen, Konzerte und Theatervorstellungen fallen aus oder müssen verschoben werden. Dennoch kündigen optimistische Veranstalter weiterhin Events für die kommenden Monate an – in der Hoffnung, dass sie dann erlaubt sein werden. Doch was, wenn nicht? Wann du Geld zurück bekommst, wenn deine Veranstaltung ausfällt oder verschoben wird, liest du hier.

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Im Zuge der Corona-Pandemie haben die zuständigen Behörden der einzelnen Bundesländer jegliche Veranstaltungen, bei denen viele Menschen zusammenkommen, für geraume Zeit untersagt. Im Spätsommer und Herbst 2020 gab es Hoffnung, dass größere Veranstaltungen bald wieder erlaubt sein würden. Doch seit der zweiten Welle der Pandemie heißt es für Musik- und Sportfans erst einmal wieder: warten, bis die Infektionszahlen deutlich gesunken sind.

Die grundsätzliche Regelung bei Veranstaltungsausfall lautet:

  • Hast du eine Ein­tritts­kar­te für eine Ver­an­stal­tung, die wegen eines behörd­li­chen Verbots abgesagt wurde, bekommst du den Ticket­preis in der Regel erstattet.
  • Wenn der Ver­an­stal­ter seiner Leis­tungs­pflicht nicht nachkommt – also die verkaufte Leistung nicht liefert – haben Ticket­be­sit­zer gemäß §§ 346 Abs. 1, 326 Abs. 5 und 275 Bür­ger­li­ches Gesetz­buch (BGB) Anspruch auf eine Rück­erstat­tung. Das gilt unab­hän­gig vom Grund der Absage.

Im Mai 2020 hat die Bundesregierung eine Sonderregelung für die Zeit der Corona-Pandemie erlassen:

  • Demnach ist es Ver­an­stal­tern erlaubt, Besucher für eine aus­ge­fal­le­ne Ver­an­stal­tung mit einem Gutschein statt Geld zu ent­schä­di­gen.
  • Das gilt aber nur für Tickets, die bereits vor dem 8. März 2020 gekauft wurden.
  • Mehr zur Gutschein-Son­der­re­ge­lung liest du in diesem Streit­lot­se-Ratgeber.

Für Tickets, die nach dem 8. März 2020 gekauft wurden, gilt: Du musst keinen Gutschein als Entschädigung akzeptieren, wenn die Veranstaltung ausfällt, sondern kannst darauf bestehen, dein Geld zurückzuerhalten.

Wie gehe ich vor, um mein Geld zurück­zu­be­kom­men?

Vertragspartner sind zwar die Veranstalter, aber viele überlassen die Rückabwicklung den Vorverkaufsstellen. Für eine Erstattung wendest du dich am besten dorthin, wo du dein Ticket gekauft hast, also zum Beispiel an:

  • eine Online-Ticket­platt­form
  • die Vor­ver­kaufs­stel­le vor Ort
  • die Thea­ter­kas­se
  • den Ver­an­stal­ter

Wenn du dein Ticket online gekauft hast, kontaktiert dich der Veranstalter oder das Ticketportal bei einer Absage oft sogar von sich aus per Mail und informiert dich, was zu tun ist.

Manche Veranstalter haben in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) Klauseln, nach denen sie nicht haften, wenn ein Event aufgrund von unvorhersehbaren Ereignissen abgesagt werden muss. Derartige Klauseln sind nach Einschätzung der Verbraucherzentralen jedoch unwirksam. Weigert sich der Veranstalter mit dem Verweis auf höhere Gewalt, den Ticketpreis zu erstatten, kannst du notfalls rechtlich dagegen vorgehen.

©istock.com/Irina Velichkina

Was, wenn die Ver­an­stal­tung ersatz­wei­se online statt­fin­det?

Viele Künstler zeigen sich in der Krise auch organisatorisch kreativ: Sie möchten ihren Fans trotz Verbots großer Publikumsveranstaltungen etwas bieten – und natürlich auch Geld verdienen. Daher verlegen sie ihre Auftritte als Livestream ins Internet. Zahlende Zuschauer erhalten einen Link mit Freischaltcode und können dann die Veranstaltung am heimischen Rechner verfolgen.

Wer jedoch schon ein Ticket für ein Live-Konzert mit Publikum gekauft hatte, darf sich sein Geld zurückerstatten lassen, wenn das Konzert stattdessen nur im Livestream stattfindet. Als gleichwertiger Ersatz gilt die Online-Veranstaltung nämlich nicht.

Was, wenn die Ver­an­stal­tung ver­scho­ben wird?

Viele Konzerte, die wegen des Veranstaltungsverbots nicht wie geplant stattfinden können, werden zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt. Dein Ticket ist dann automatisch für den neuen Termin gültig. Kannst du den Nachholtermin nicht wahrnehmen, muss der Veranstalter die Karte zurücknehmen und dir den Ticketpreis erstatten.

Wichtig: Das gilt nur, wenn die Veranstaltung ursprünglich an einem festgelegten Datum stattfinden sollte und nicht lediglich ein Zeitraum oder mehrere mögliche Termine genannt wurden.

Was, wenn ich aus Angst vor einer Infektion nicht hingehen möchte?

Wenn die Veranstaltung stattfindet, aber du wegen der möglichen Infektionsgefahr lieber doch nicht hingehen möchtest, bekommst du den Ticketpreis deswegen nicht erstattet.

Auch Ticketversicherungen, die man bei Vorverkaufsstellen und Ticketportalen beim Kauf abschließen kann, bringen in diesem Fall nichts. Sie greifen nur, wenn du wegen Krankheit, eines Todesfalls in der Familie oder aus einem anderen wichtigen Grund nicht teilnehmen kannst. Die Angst vor einer Infektion gilt jedoch nicht als wichtiger Grund.

Einzige Möglichkeit, um nicht auf den Kosten sitzen zu bleiben: Du verkaufst deine Konzertkarte.

©istock.com/Yazovskikh

Was gilt für Dau­er­kar­ten­be­sit­zer von Bun­des­li­ga-Clubs?

In der Fußballbundesliga werden derzeit alle Partien als „Geisterspiele“ ausgetragen; die Fans müssen draußen bleiben. Als Dauerkartenbesitzer kannst du dir vom Verein anteilig den Eintrittspreis für jedes Spiel erstatten lassen, das du deshalb nicht besuchen kannst. Pro Spiel entspricht das in der Regel einem Siebzehntel des Kaufpreises, da es pro Saison 17 Heimspiele gibt. Dauerkarten, die bereits vor dem 8. März 2020 gekauft wurde, fallen unter die Gutschein-Sonderregelung (siehe oben).

Wie die Rückerstattung funktioniert, erfährst du auf der Homepage deines Bundesliga-Clubs. Dort werden oft auch Alternativen angeboten, zum Beispiel der Verzicht auf die Rückerstattung gegen Vergünstigungen im Fanshop oder Rabatte auf künftige Eintrittskarten. Ob du diese Angebote annimmst oder dir lieber das Geld erstatten lässt, kannst du natürlich selbst entscheiden.

FAZIT
  • Wird ein Konzert oder eine Auf­füh­rung seitens des Ver­an­stal­ters abgesagt, bekommst du den Ticket­preis erstattet.
  • Einen Gutschein anstelle von Geld musst du als Erstat­tung nur akzep­tie­ren, wenn du dein Ticket schon vor dem 8. März 2020 gekauft hast.
  • Gibt es einen Ersatz­ter­min, der dir nicht passt, kannst du deine Karte zurück­ge­ben.
  • Online-Konzerte gelten nicht als gleich­wer­ti­ger Ersatz für ein Vor-Ort-Konzert.
  • Dau­er­kar­ten­in­ha­ber haben bei Geis­ter­spie­len Anspruch auf anteilige Kos­ten­er­stat­tung.
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