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4. Dezember 2018, 10:11 Uhr

Rück­ga­be­recht: Alles, was du wissen musst

Du hast etwas gekauft, möchtest es umtauschen – und fragst dich: Welches Rückgaberecht habe ich eigentlich online und im Laden? Was ist der Unterschied zwischen Widerrufsrecht, Gewährleistung und Garantie? Und was, wenn die Ware reduziert war oder kaputt ist? Antworten findest du hier.

 

Inhalt

>> Wichtige Begriffe rund um das Rückgaberecht

>> Vom Widerrufsrecht Gebrauch machen: Regeln für Online-Käufer

>> Rückgaberecht im Einzelhandel: Mit und ohne Kassenbon – das gilt

>> Rückgaberecht beim Privatverkauf: Die Regeln bei Ebay und auf dem Flohmarkt

>> Kaffeefahrt und Haustürgeschäft: Deine Rechte als Käufer

>> Gesetzliche Gewährleistung bei Mängeln: Das Steht dir zu

 

 

Wichtige Begriffe rund um das Rück­ga­be­recht

 

Ein grundsätzliches gesetzliches Rückgaberecht oder Umtauschrecht gibt es nicht – zumindest nicht für Waren, die im Laden gekauft wurden und keine Mängel haben.

Räumt ein Einzelhändler zum Beispiel 14 Tage Rückgaberecht für jegliche Ware ein, geschicht das rein aus Kulanz.

Ein 14-tägiges Widerrufsrecht haben Kunden beim Online-Shopping und bei Kaufverträgen, die am Telefon abgeschlossen wurden.
Die Grundlage für das gesetzliche Widerrufsrecht: § 355 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB).

 

Eine Garantie gewährt der Händler – oder der Hersteller – freiwillig: Er sichert dem Käufer damit zu, dass die Ware über einen bestimmten Zeitram hält oder funktioniert. Mehr zum Unterschied zwischen Garantie und Gewährleistung liest du hier.

Zur Gewährleistung (auch Mängelhaftung genannt) ist der Verkäufer verpflichtet, wenn die Ware schon beim Kauf mangelhaft war. Das gilt auch, wenn der Mangel sich erst später zeigt.

Innerhalb der EU gilt: Der Kunde hat ab dem Kauf mindestens zwei Jahre lang einen Gewährleistungsanspruch gegenüber dem Verkäufer. Für Deutschland ist das in § 438 BGB geregelt.

 

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Vom Wider­rufs­recht Gebrauch machen: Regeln für Online-Käufer

 

Du kennst das vielleicht: Zum Shoppen in der Stadt hast du wenig Zeit, daher kaufst du lieber bequem online vom Sofa aus. Dann hast du die Ware zwar nicht sofort – aber dafür ein gesetzliches Widerrufsrecht innerhalb von 14 Tagen. Die Frist beginnt, sobald die Ware bei dir eintrifft.

Wichtig: Auch Wochenenden und Feiertage zählen mit! Die Frist beträgt also zwei Kalenderwochen, nicht 14 Werktage.

Nicht alle Waren kannst du per Widerruf einfach zurückgeben. Ausgeschlossen sind zum Beispiel:

  • Maß­an­fer­ti­gun­gen (Kleidung, Möbel und Co.)
  • ver­derb­li­che Waren (zum Beispiel Lebens­mit­tel)
  • Hygie­ne­ar­ti­kel
  • CDs und DVDs mit geöff­ne­ter Schutz­fo­lie
  • häufig auch Dienst­leis­tun­gen

 

 

Online-Shopping: Wer zahlt das Porto bei einer Rücksendung?

Hast du einen Anspruch auf kostenlose Rücksendung? Hier erfährst du es.

Warum gibt es dieses Rückgaberecht bei Online-Käufen und nicht beim Kauf im Einzelhandel? Das liegt daran, dass du bei einem Online-Kauf – anders als im Laden – nicht die Gelegenheit hast, die Ware vorher genau anzuschauen und (bei Kleidungsstücken) anzuprobieren.

Auch bei noch so genauer Beschreibung des Händlers kannst du bei einer Online-Bestellung nicht wissen, ob das Kleid bei dir wirklich gut sitzt oder die Schuhe vielleicht eine halbe Nummer zu klein ausfallen.

Bei vielen großen Online-Händlern ist die Rückgabe einfach: Retourenschein ausfüllen, Ware wieder verpacken und ab damit zum zuständigen Paketdienstleister. Oft ist das für den Kunden sogar kostenlos, wenn der Händler kulanterweise einen Retourenaufkleber beigelegt hat.

 

 

 

Normalerweise musst du bei Online-Käufen aber deinen Widerruf schriftlich erklären – so sieht es das Gesetz vor. Ein vorformulierter Rücksendeschein des Händlers reicht aus. Gibt es den nicht, musst du selbst eine kurze Widerrufserklärung schreiben. So geht’s:

1. Ware wieder verpacken. Es muss übrigens nicht der Originalkarton sein: Laut einem Urteil des Oberlandesgerichts Frankfurt (AZ 1 U 127/05) muss der Händler die Ware auch in anderer geeigneter Verpackung zurücknehmen.

2. Widerrufsschreiben formulieren. Das kann kurz und formlos geschehen. Folgende Punkte sollten enthalten sein:

  • „Hiermit mache ich von meinem Wider­rufs­recht Gebrauch …“
  • Angaben zur Ware, die du zurück­sen­dest: Beschrei­bung, Bestell­num­mer, Preis, Bestell­da­tum und das Datum, an dem du sie erhalten hast
  • Widerruf der Ein­zugs­er­mäch­ti­gung vom Konto, wenn du eine erteilt hast
  • Bitte um schrift­li­che Bestä­ti­gung des Widerrufs und der Rück­sen­dung

3. Ware und Widerrufsschreiben absenden

Außerdem: Jeder Online-Kauf begründet einen sogenannten Fernabsatzvertrag. Was es damit auf sich hat, liest du in unserem Ratgeber: „Fernabsatzvertrag: Was Verbraucher wissen sollten“.

 

 

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Rück­ga­be­recht im Ein­zel­han­del: Mit und ohne Kassenbon – das gilt

 

Gut zu wissen: Auch mit Bon hast du im Einzelhandel nicht automatisch Anspruch auf Rückgabe einwandfreier Ware. Bei Kleidung, Elektronik und Co. sind die meisten Händler aber kulant und räumen dem Kunden von sich aus ein Umtauschrecht innerhalb von 14 oder auch 28 Tagen ein – unter Vorlage des Kassenbons.

Aber wie sieht es beim Umtausch reduzierter Ware und beim Umtausch ohne Kassenbon aus? Das erfährst du in unseren Ratgebern.

 

Reduzierte Ware ist vom Umtausch ausgeschlossen – stimmt das?

Weiterlesen

Umtausch ohne Kassenbon: Ist das möglich?

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Alle Jahre wieder geht es auch um den Umtausch von Weihnachtsgeschenken. Das Buch hast du schon, Mützen trägst du nicht und den roten Pulli findest du einfach hässlich? Auch hier kommt es in puncto Rückgaberecht darauf an, ob das Präsent im Laden oder online gekauft wurde.

Oder du hast etwas auf dem Weihnachtsmarkt gekauft, was nun kaputt ist? Hier findest du Infos zum Rückgaberecht in solchen Fällen.

 

Rück­ga­be­recht im Ein­zel­han­del: Die Regeln bei Ebay und auf dem Flohmarkt

 

„Privatverkauf – kein Umtausch, keine Garantie“: Das liest man oft unter privaten Kleinanzeigen. Aber ist dieser Hinweis auch wirksam?

  • Beim Pri­vat­ver­kauf hat der Käufer kein 14-tägiges Wider­rufs­recht – egal, ob auf dem Flohmarkt oder per Online-Kauf.
  • Die Angabe „Keine Garantie“ ist über­flüs­sig – denn die gibt der Verkäufer sowieso frei­wil­lig, es besteht kein gesetz­li­cher Anspruch darauf.
  • Pri­vat­ver­käu­fer können die Gewähr­leis­tung aus­schlie­ßen, indem sie zum Beispiel schreiben: „Der Verkauf erfolgt unter Aus­schluss jeglicher Gewähr­leis­tung.“
  • Der private Verkäufer ist aber trotzdem zur Gewähr­leis­tung ver­pflich­tet, wenn die Ware zum Beispiel nicht der Beschrei­bung ent­spricht oder wenn sie defekt ist und der Verkäufer das nicht erwähnt hat.

 

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Kaf­fee­fahrt und Haus­tür­ge­schäft: Deine Rechte als Käufer

 

Du hast dir von einem Vertreter an der Haustür einen Staubsauger oder ein Zeitungsabo andrehen lassen, aber jetzt kommen dir Zweifel? Deine Tante hat an einer Kaffeefahrt teilgenommen und ist dort zum Kauf überteuerter Produkte gedrängt worden? Welche Möglichkeiten ihr jetzt habt, steht in unseren Ratgebern:

 

Gesetz­li­che Gewähr­leis­tung bei Mängeln: Das steht dir zu

 

Gewährleistung bedeutet: Ist die gekaufte Ware nicht wie beschrieben, hat sie Mängel oder ist beschädigt, dann hast du gemäß § 438 BGB Ansprüche gegenüber dem Händler – und das für mindestens zwei Jahre nach dem Kauf.

 

Rückrufaktion: Das gilt bei mangelhaften Produkten

Autoteile falsch verbaut, Lebensmittel verunreinigt? In solchen Fällen wird meist ein Produktrückruf gestartet. Infos zu deinen Ersatzansprüchen findest du hier.

Das Rückgaberecht bei beschädigter Ware räumt dir zunächst einen Anspruch auf Nacherfüllung ein. Das heißt: Der Händler muss versuchen, die Ware zu reparieren – oder er schickt gleich Ersatz.

Wichtig: Dafür solltest du ihm eine Frist von etwa zwei Wochen setzen.

Gemäß § 440 BGB sieht die gesetzliche Gewährleistung vor, dass der Verkäufer zwei Versuche hat, um nachzubessern. Andernfalls kann der Käufer vom Vertrag zurücktreten und sein Geld zurückverlangen.

Gut zu wissen: Für Handwerkerleistungen kann eine Gewährleistungsfrist von fünf statt zwei Jahren gelten. Bei Neubauten und damit zusammenhängenden Arbeiten ist die Frist länger als bei Reparaturen.

Und wie sieht es mit der Gewährleistung beim Autokauf aus? Ein Auto kauft man nicht mal so eben nebenbei – entsprechend soll dann auch alles stimmen. In unseren Ratgebern liest du, wann du vom Autokauf zurücktreten kannst und ob beim Gebrauchtwagenkauf wirklich gilt: „Gekauft wie gesehen“.

 

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