Gewähr­leis­tungs­recht Con­tra­werk­statt

26. August 2019, 10:10 Uhr

So geht’s richtig Gewähr­leis­tung bei defekter Ware: Diese Rechte haben Kunden

Der brandneue Laptop funktioniert nicht oder die gerade erworbene Jacke hat schon einen kaputten Reißverschluss? In solchen Fällen kommt die Gewährleistung zum Tragen. Dabei kommt es darauf an, die defekte Ware beim Händler richtig und innerhalb der geltenden Frist zu reklamieren, um weiteren Ärger zu vermeiden.

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Gewähr­leis­tungs­an­spruch besteht min­des­tens zwei Jahre ab Kauf

Jedes Produkt muss zum Zeitpunkt des Kaufs exakt so beschaffen sein, wie es vom Verkäufer beschrieben wurde. Wenn es sich um defekte Ware handelt, liegt ein Mangel vor, für den der Händler im Sinne der Gewährleistung haften muss.

Gemäß § 438 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) hast du als Käufer mindestens zwei Jahre lang einen Gewährleistungsanspruch. Bei Handwerkerleistungen können es zum Beispiel auch fünf Jahre sein.

Das Gewährleistungsrecht bei Mängeln greift auch, wenn der Händler die Ware ausdrücklich “vom Umtausch ausgeschlossen” hat. Denn eine Rückgabe defekter Ware ist nicht mit einem Umtausch wegen Nichtgefallen gleichzusetzen.

Allerdings: War dir der Mangel beim Kauf bereits bekannt und du hast das Produkt trotzdem gekauft, hast du gemäß § 442 BGB anschließend keinen Gewährleistungsanspruch mehr aufgrund dieses Mangels.

Manche Händler geben ihren Kunden zudem eine freiwillige Garantie für ihre Produkte. Wo der Unterschied zur Gewährleistung liegt, erfährst du in diesem Streitlotse-Ratgeber.

 

Gewähr­leis­tung: Diese Rechte hast du gegenüber dem Händler

Im Rahmen des Gewährleistungsrechts muss der Verkäufer innerhalb der ersten zwei Jahre nach Kauf der Ware für die Mangelfreiheit einstehen.

Besteht ein Mangel, kannst du vom Händler gemäß § 437 BGB zunächst verlangen, dass er die defekte Ware repariert oder dir ein neues, mängelfreies Produkt liefert. Diese sogenannte Nacherfüllung ist genauer in § 439 BGB geregelt. Der Händler muss in diesem Fall auch das Porto für eine Rücksendung der Ware übernehmen.

Wichtig: Du solltest dem Verkäufer schriftlich eine Frist setzen, in welcher dieser die Ware reparieren oder umtauschen muss. Üblich sind ein bis zwei Wochen.

 

Sollte der Händler nicht auf deine Reklamation reagieren oder die vereinbarten Fristen nicht einhalten, kannst du als Kunde gemäß § 437 BGB weitere Rechte geltend machen und beispielsweise vom Kaufvertrag zurücktreten oder gemäß § 441 BGB den Kaufpreis mindern.

INFO

Müssen Kunden nachweisen, dass die Ware mangelhaft war?

  • Nein – sofern der Mangel sich schon innerhalb der ersten sechs Monate nach dem Kauf zeigt. In einem solchen Fall ist gemäß § 477 BGB (“Beweis­last­um­kehr”) davon aus­zu­ge­hen, dass der Mangel bereits beim Kauf bestand. Der Bun­des­ge­richts­hof (BGH) hat dies auch 2016 am Beispiel eines Gebrauchs­wa­gen­kaufs bestätigt (AZ VIII ZR 103/15).
  • Das heißt im Umkehr­schluss: Tritt der Mangel später als sechs Monate nach dem Kauf erstmals auf, muss der Kunde beweisen, dass das Produkt schon beim Kauf man­gel­haft war. Der Händler kann natürlich aus Kulanz auf diesen Nachweis ver­zich­ten.

 

Rekla­ma­ti­on defekter Ware: Besser schrift­lich?

Damit es nicht zu Streit mit dem Händler kommt, solltest du darauf achten, richtig und unmissverständlich zu reklamieren.

  • Am besten tust du das schrift­lich per Brief oder E-Mail, um im Pro­blem­fall etwas in der Hand zu haben.
  • Dabei solltest du die Mängel möglichst genau beschrei­ben.

Wenn du das defekte Produkt im Laden um die Ecke gekauft hast, erscheint eine mündliche Reklamation oft einfacher. Auch das ist möglich, um dein Gewährleistungsrecht zu wahren.

  • Vorteil: Du kannst die kaputte Ware gleich mitnehmen, sodass sich kleinere Mängel viel­leicht direkt vor Ort beheben lassen.
  • Tipp: Fertige trotzdem eine Notiz zum Gespräch an. In dieser sollten die Rekla­ma­ti­ons­grün­de, Name des Gesprächs­part­ners, Datum sowie das Ergebnis des Gesprächs fest­ge­hal­ten werden.
FAZIT
  • Wenn die Ware schon beim Kauf defekt war oder einen Mangel hatte, hast du als Kunde einen Gewähr­leis­tungs­an­spruch. Dieser gilt gemäß 438 BGB min­des­tens zwei Jahre ab dem Kauf.
  • Dieser umfasst zunächst die Nach­er­fül­lung (Reparatur oder Umtausch). Klappt das nicht, kannst du vom Kauf­ver­trag zurück­tre­ten oder den Kaufpreis mindern.
  • Dass ein Produkt man­gel­haft war, musst du als Kunde nur beweisen, wenn sich der Mangel erst sechs Monate oder später nach dem Kauf zeigt.
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