Junge Familie sucht sich glücklich ein neues Auto aus ©istock.com/skynesher

16. März 2021, 8:10 Uhr

Darf ich eigent­lich? Gebraucht­wa­gen­kauf: Deine Rechte als Käufer

Für dich muss es nicht zwingend ein Neuwagen sein, du möchtest lieber ein gebrauchtes Auto kaufen? Das macht die Anschaffung auf jeden Fall weniger kostspielig. Aber fährst du damit auch auf lange Sicht günstiger? Was ist, wenn der Wagen sein Geld nicht wert ist oder nach dem Kauf Mängel auftreten? Hier erfährst du, worüber der Verkäufer dich informieren muss, wie es mit deinem Gewährleistungsanspruch aussieht und was eine Garantie zusätzlich leisten kann.

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Gebraucht­wa­gen-Check: Diese Infos sind wichtig für Käufer

Beim Gebrauchtwagenkauf solltest du dich nicht vom günstigen Preis oder der neuen Lackierung blenden lassen. Achte vor dem Kauf auf die Details – beim Fahrzeug und bei der Probefahrt. Du bist technischer Laie und fürchtest, dass dir eine Rostlaube aufgeschwatzt wird? Nimm zur Besichtigung des Wagens jemanden mit, der sich gut auskennt und mögliche Mängel entdecken kann.

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Der Verkäufer – egal, ob privat oder gewerblich – ist verpflichtet, dir über die Eigenschaften des Wagens auf Nachfrage genau Auskunft zu geben. Gibt es am Fahrzeug Unfallschäden, muss der Verkäufer von sich aus darüber informieren. Tut er dies wider besseres Wissen nicht, besteht eine arglistige Täuschung und du kannst nachträglich vom Kaufvertrag zurücktreten.

Gewähr­leis­tung beim Gebraucht­wa­gen­kauf von privat

Ein privater Verkäufer kann die Gewährleistung für den Gebrauchtwagen im Kaufvertrag ausschließen. Dort findet sich dann zum Beispiel der Satz: “Der Verkauf erfolgt unter Ausschluss jeglicher Gewährleistung.” beziehungsweise “... jeglicher Sachmängelhaftung.”

Das ist zulässig – sofern der Verkäufer dir nicht wissentlich Mängel verschwiegen oder falsche Angaben gemacht hat, etwa zum Kilometerstand. In solchen Fällen hast du trotzdem ab Kauf zwei Jahre lang ein Gewährleistungsrecht. Der Verkäufer muss auftretende Mängel auf eigene Kosten beheben lassen. Bei erheblichen Mängeln kannst du vom Kaufvertrag zurücktreten.

“Gekauft wie gesehen” – was bedeutet diese Klausel im Vertrag für deine Rechte als Gebrauchtwagenkäufer? Das erfährst du in diesem Streitlotse-Ratgeber. >>

Männerhand übergibt einer Frauenhand Autoschlüssel. Im Hintergrund ist ein Auto zu sehen

© Fotolia/kalcutta

Gewähr­leis­tung beim Gebraucht­wa­gen­kauf vom Auto­händ­ler

Gewerbliche Händler sind grundsätzlich zu einer Gewährleistung verpflichtet. Zeigen sich bereits kurz nach dem Kauf Mängel am Auto, hast du als Kunde Anspruch auf

  • Nach­bes­se­rung: Du kannst vom Händler zunächst eine kos­ten­lo­se Reparatur verlangen.
  • oder Kauf­preis­min­de­rung: Weigert sich der Händler, den Wagen zu repa­rie­ren, kannst du den Kaufpreis mindern. Dabei solltest du dich von einem Sach­ver­stän­di­gen oder einem Fach­an­walt für Ver­kehrs­recht beraten lassen.
  • oder Rücktritt vom Kauf­ver­trag, wenn die Mängel erheblich sind und innerhalb einer von dir gesetzten Frist keine Reparatur oder sonstiges Ent­ge­gen­kom­men erfolgt ist.

Die gesetzliche Verjährungsfrist für Gewährleistungsansprüche beträgt zwei Jahre ab Übergabe. Bis vor Kurzem war bei Gebrauchtwagen die Verkürzung dieser Frist auf ein Jahr gang und gäbe. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat aber 2017 entschieden, dass solche Klauseln im Kaufvertrag unwirksam sind (C 133/16).

  • Der Händler darf lediglich seine Haf­tungs­frist auf ein Jahr verkürzen, das heißt: den Zeitraum, in dem ein Mangel auf­ge­tre­ten sein muss, um unter die Gewähr­leis­tungs­frist zu fallen.
  • Gewähr­leis­tungs­an­sprü­che anmelden darf der Käufer aber insgesamt bis zu zwei Jahre lang.

Hierzu solltest du einen genauen Blick in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) werfen.

Welche Rechte haben Käufer, wenn Mängel am Auto erst später auftreten?

Innerhalb der ersten sechs Monate nach Übergabe des Fahrzeugs wird bei Sachmängeln gemäß § 476 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) davon ausgegangen, dass sie bereits vor dem Kauf vorlagen.

Nach Ablauf dieses Zeitraums muss der neue Besitzer beweisen, dass der Mangel schon vor dem Kauf bestand. Dabei kann ein Kfz-Sachverständiger helfen. Wichtig zu wissen dabei: Das Recht auf Gewährleistung umfasst nur tatsächliche Mängel, nicht aber normale Verschleißerscheinungen. Der Unterschied ist für Laien oft schwer zu erkennen, auch deshalb kann Unterstützung durch einen Sachverständigen sinnvoll sein.

Technician check the engine daily, maintenance and repair conc

©istock.com/Tatomm

Die Frage, ob ein gewährleistungspflichtiger Mangel vorliegt oder nicht, war schon häufig Anlass für gerichtliche Auseinandersetzungen zwischen Gebrauchtwagenkäufern und -verkäufern. Im Fall eines klemmenden Kupplungspedals musste beispielsweise 2016 der Bundesgerichtshof (BGH) entscheiden. Das Urteil: Der Verkäufer muss nachbessern, auch wenn das Pedal nur gelegentlich klemmt. Es handele sich um einen sicherheitsrelevanten Mangel und das Unfallrisiko sei hoch, so die Richter (AZ VIII ZR 240/15).

Garantie beim Gebraucht­wa­gen­kauf: Diese Mög­lich­kei­ten gibt es

Eine Garantie müssen weder private noch gewerbliche Gebrauchtwagenverkäufer geben, dies ist stets eine freiwillige Leistung.

Autohäuser bieten für Gebrauchtwagen häufig eine Garantie gegen Aufpreis an. Sie sichern damit bestimmte Leistungen zu für den Fall, dass das Auto innerhalb eines bestimmten Zeitraums reparaturbedürftig wird. Dein Vorteil als Kunde: Du bist auf der sicheren Seite und ab dem siebten Monat nach Kauf nicht sofort in der Beweispflicht. Je nach Garantiebedingungen und Kaufpreis des Autos solltest du überlegen, ob das für dich infrage kommt.

Ist der Wagen erst wenige Jahre alt, profitierst du eventuell noch von einer fahrzeuggebundenen Neuwagengarantie. Dafür müssen in der Regel bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, zum Beispiel Einhaltung der vorgeschriebenen Wartungs- und Inspektionsintervalle.

FAZIT
  • Beim Gebraucht­wa­gen­kauf von privat darf der Verkäufer die Gewähr­leis­tung aus­schlie­ßen, sofern er nicht wis­sent­lich falsche Angaben zum Zustand des Wagens macht.
  • Beim Gebraucht­wa­gen­kauf vom Händler hat der Käufer grund­sätz­lich zwei Jahre lang einen Gewähr­leis­tungs­an­spruch.
  • Tritt mehr als sechs Monate nach Kauf ein Mangel auf, muss der Käufer beweisen, dass der Mangel schon beim Kauf vor­ge­le­gen hat – sonst hat er keinen Anspruch auf Gewähr­leis­tung.
  • Eine Garantie wird stets frei­wil­lig ver­ein­bart und kann dem Käufer eine zusätz­li­che Absi­che­rung bieten.
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