Ein Mädchen sitzt im Dunkel vor einem weißen Notebook-Monitor. ber­nard­bo­do, Fotolia

12. Januar 2016, 15:50 Uhr

Digitaler Nachlass Urteil: Eltern erben Facebook-Account des Kindes

Wenn ein minderjähriges Kind verstirbt, dürfen die Eltern auf seinen Facebook-Account zugreifen. Das Landgericht Berlin hat in einem Fall so entschieden, nachdem Facebook selbst den Eltern zunächst den Zugang verweigert hatte. Es handelt sich um das erste Urteil dieser Art in Deutschland.

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Laut dem Landgericht Berlin ist der digitale Nachlass minderjähriger Kinder nicht anders zu behandeln als zum Beispiel Briefe oder Tagebücher (AZ 20 O 172/15). Somit erben Eltern auch den Facebook-Account ihres Kindes.

Die Mutter eines unter ungeklärten Umständen tödlich verunglückten Mädchens hatte gehofft, im Account der Tochter Hinweise auf einen möglichen Suizid zu finden. Facebook verweigerte ihr jedoch den Zugang. Das Unternehmen berief sich dabei auf die Privatsphäre Dritter, die durch die Einsicht der Eltern verletzt werden könnte. Diese Gefahr sah das Gericht aber nicht als gegeben an, da auch vertrauliche Briefe von Dritten nach dem Tod des Empfängers von den Erben gelesen werden können.

PrivatrechtsschutzDas Landgericht Berlin entschied im Sinne der Mutter, dass Facebook ihr Zugang zu dem Konto ihrer Tochter gewähren muss. Deren Persönlichkeitsrechte werden nach Auffassung der Richter dadurch nicht verletzt, weil es sich bei den Eltern um die Sorgeberechtigten handelt. Diese hätten sowohl zu Lebzeiten als auch nach dem Tod ihrer Tochter das Recht, sich über ihre Kommunikation im Internet zu informieren. Der Nutzungsvertrag der Tochter mit Facebook sei außerdem nach ihrem Tod an ihre Eltern als Erben übergegangen, wie es auch bei anderen schuldrechtlichen Verträgen der Fall sein.

Es gibt bisher keine gesetzliche Regelung dazu, ob es möglich ist, einen Facebook-Account zu erben. Auch nach diesem Urteil bleibt unklar, ob auch der Facebook-Account eines verstorbenen Erwachsenen seinen Erben zugänglich gemacht werden muss.

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