Mann mit Brille schaut aus dem Fenster © iStock.com/ClarkandCompany

2. März 2021, 10:00 Uhr

Durch­at­men Corona-Förderung: Diese Hilfen gibt's für Selbst­stän­di­ge und Unter­neh­men

Überbrückungshilfe, außerordentliche Wirtschaftshilfe, November- und Dezemberhilfen: Die Bundesregierung hat inzwischen diverse Maßnahmen aufgelegt, um die finanziellen Auswirkungen der Corona-Pandemie für Gewerbetreibende abzumildern. Wir verschaffen dir einen Überblick, welche Hilfen für Unternehmen in Not es inzwischen gibt und wer worauf Anspruch hat.

Konzentriere du dich auf dein Business, Rechtsangelegenheiten nehmen wir dir ab. >>

Außer­or­dent­li­che Wirt­schafts­hil­fe: November- und Dezem­ber­hil­fe

Im November 2020 ging Deutschland in den zweiten Lockdown, das öffentliche Leben wurde weitgehend heruntergefahren. Um die finanziellen Einbußen der von den Schließungen betroffenen Unternehmen und Selbstständigen abzufedern, legte die Bundesregierung außerordentliche Wirtschaftshilfen auf. Diese sogenannte Novemberhilfe ist speziell für diejenigen gedacht, die im November den Betrieb einstellen mussten. Informationen zur Gewerberechtsschutzversicherung von ADVOCARD

Aber auch nur indirekt von den angeordneten Einschränkungen betroffenen Unternehmen wird die außerordentliche Wirtschaftshilfe gewährt. Nämlich dann, wenn sie regelmäßig mehr als 80 Prozent ihrer Umsätze mit direkt vom Lockdown betroffenen Betrieben machen. Das kann beispielsweise Lebensmittelgroßhändler betreffen, deren Hauptabnehmer Restaurants und Hotels sind, die allesamt schließen mussten.

Mit der Verlängerung des Lockdowns über den November hinaus wurden auch die außerordentliche Wirtschaftshilfe als sogenannte Dezemberhilfe verlängert. Die Voraussetzungen und Bedingungen für November- und Dezemberhilfe sind daher identisch:

  • Berech­tigt sind Unter­neh­men, Selbst­stän­di­ge und Vereine, die unmit­tel­bar oder indirekt von Schlie­ßun­gen im Rahmen des Lockdowns betroffen sind.
  • Gezahlt werden für die Dauer der Schlie­ßung bis zu 75 Prozent des Umsatzes der jewei­li­gen Vor­jah­res­mo­na­te, also November bezie­hungs­wei­se Dezember 2019.
  • Solo-Selbst­stän­di­ge dürfen alter­na­tiv auch den durch­schnitt­li­chen Wochen­um­satz 2019 als Ver­gleichs­um­satz her­an­zie­hen.
  • Ab November 2019 gegrün­de­te Unter­neh­men können den Monats­um­satz im Oktober 2020 oder den monat­li­chen Durch­schnitts­um­satz seit Gründung als Berech­nungs­grund­la­ge her­an­zie­hen.
  • Wurden November oder Dezember noch andere staat­li­che Corona-Hilfen bezogen, bei­spiels­wei­se Kurz­ar­bei­ter­geld oder Über­brü­ckungs­hil­fe, werden diese Zahlungen auf die außer­or­dent­li­che Wirt­schafts­hil­fe ange­rech­net.
  • Wurden trotz Schlie­ßung kleinere Umsätze erzielt, werden diese nicht auf die November- und Dezem­ber­hil­fe ange­rech­net, wenn sie unter 25 % des Ver­gleichs­um­sat­zes liegen.
Info

Sonderregelung für Restaurants: Bei Restaurants wird als Berechnungsgrundlage nur der Vorjahresumsatz angesetzt, der mit der Bewirtung vor Ort gemacht wurde. Außer-Haus-Verkäufe im November und Dezember 2019 werden nicht berücksichtigt. Im Gegenzug wird Umsatz, der während des Lockdowns mit Außer-Haus-Verkäufen erzielt wird, nicht auf die November- und Dezemberhilfe angerechnet.

Wichtig zu wissen: Wer seinen Betrieb erst ab Mitte Dezember einstellen musste, hat keinen Anspruch auf die Dezemberhilfe. Das betrifft vor allem Friseure und zahlreiche Einzelhändler.

 

Verloren im Dickicht der Fördermöglichkeiten? Fragen zu den vielen Programmen? Mit der Online-Plattform MACHER HILFE bekommst du einen umfassenden Überblick über alle Hilfsprogramme auf Bundesebene und in den Ländern. Du verpasst keine neue politische Entwicklung und kein passendes Förderprogramm. Wöchentliche Updates rund um Corona-Hilfen, zahlreiche FAQs und echte Experten beantworten Deine dringendsten Fragen. Die Plattform, unterstützt von der Generali, bietet kleinen und mittleren Unternehmen eine kostenlose und schnelle Orientierungshilfe und erleichtert den Zugang zu staatlichen Förder- und Hilfsprogrammen.

Mehr erfahren. >>

Mann in Kochjacke steht in leerem Restaurant

Außer­or­dent­li­che Wirt­schafts­hil­fe bean­tra­gen – so geht’s

Solo-Selbstständige können die Corona-Hilfe direkt online über das Überbrückungshilfe-Portal des Bundes beantragen, sofern sie:

  • nicht mehr als 5.000 Euro För­der­sum­me bean­tra­gen wollen und
  • bislang keinen Antrag auf Über­brü­ckungs­hil­fe gestellt haben.

Unternehmen und Solo-Selbstständige, die oben genannten Voraussetzungen nicht erfüllen, müssen den Antrag über einen sogenannten prüfenden Dritten stellen. Darunter fallen:

  • Steu­er­be­ra­ter
  • Wirt­schafts­prü­fer
  • ver­ei­dig­te Buch­prü­fer
  • Rechts­an­wäl­te

Die Antragsfrist für die November- und Dezemberhilfe endet am 30. April 2021.

Über­brü­ckungs­hil­fen für Unter­neh­men und Selbst­stän­di­ge

Förderung durch die sogenannten Überbrückungshilfen können grundsätzlich alle Unternehmen, Solo-Selbstständige und Freiberufler beantragen, die infolge der Corona-Pandemie erhebliche Umsatzeinbußen verzeichnen. Also nicht nur diejenigen, die unmittelbar oder zumindest indirekt von Schließungen betroffen sind. Bei der Leistung handelt es sich in erster Linie um einen Fixkosten-Zuschuss, die Verwendung der Förderung ist also zweckgebunden.

Die Bundesregierung hat das Hilfsprogramm inzwischen zweimal verlängert. Für die drei Phasen gelten jeweils eigene Regelungen. Das macht die Sache etwas komplizierter, bedeutet aber auch, dass die Leistung mehrfach beantragt werden kann. Wer bereits Überbrückungshilfe I erhalten hat, kann also beispielsweise unter Umständen auch noch Überbrückungshilfe II oder III beantragen.

Die erste Phase der Überbrückungshilfe ist inzwischen abgeschlossen. Überbrückungshilfe I konnte bis zum 9. Oktober 2020 für die Monate Juni bis August beantragt werden.

Über­brü­ckungs­hil­fe II: Vor­aus­set­zun­gen, Fristen und Höhe

Die Überbrückungshilfe II wird für die Monate September bis Dezember 2020 gezahlt. Bereitgestellt wird sie für Solo-Selbstständige, Freiberufler, kleine und mittlere Unternehmen sowie gemeinnützige Organisationen, die eine der folgenden Voraussetzungen erfüllen:

  • Min­des­tens 50 Prozent Umsatz­ein­bu­ßen im Vergleich zum Vor­jah­res­mo­nat in zwei zusam­men­hän­gen­den Monaten zwischen April und August 2020
  • Im Schnitt min­des­tens 30 Prozent Umsatz­ein­bu­ßen in der Zeit von April bis August 2020 im Vergleich zum Vor­jah­res­zeit­raum

Gedacht ist die Überbrückungshilfe zur Deckung fixer Betriebskosten in den Fördermonaten. Dazu zählen unter anderem:

  • Mieten und Pachten
  • Energie-, Heiz- und Was­ser­kos­ten
  • Ausgaben für Reinigung und Hygie­ne­maß­nah­men
  • Ver­si­che­rungs­kos­ten
  • Per­so­nal­kos­ten
  • Zins­kos­ten von Krediten

Die Höhe der Überbrückungshilfe II orientiert sich an den Fixkosten und an den Umsatzeinbrüchen im Förderungszeitraum von September bis Dezember 2020.

  • Bis zu 90 Prozent der Fixkosten bei Umsatz­ein­bu­ßen von mehr als 70 Prozent im För­der­mo­nat
  • Bis zu 60 Prozent der Fixkosten bei Umsatz­ein­bu­ßen von 50 bis 70 Prozent im För­der­mo­nat
  • Bis zu 40 Prozent der Fixkosten bei Umsatz­ein­bu­ßen von mehr als 30 Prozent im För­der­mo­nat

Beantragt werden kann die Überbrückungshilfe II bis zum 31. März 2021. Anträge dürfen grundsätzlich nur durch prüfende Dritte wie Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer gestellt werden.

Über­brü­ckungs­hil­fe III: Ver­ein­fach­te Rege­lun­gen und erwei­ter­te Ver­wen­dung

Förderzeitraum ist November 2020 bis Juni 2021, beantragt kann die Überbrückungshilfe III nun zusätzlich auch von großen Unternehmen mit bis zu 500 Millionen Euro Jahresumsatz. Voraussetzung ist ein Umsatzeinbruch von mindestens 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Die Höhe des Kostenzuschusses entspricht der oben beschriebenen Staffelung für die Überbrückungshilfe II. Neu ist allerdings, dass bei der Überbrückungshilfe III die Fixkosten um einige Positionen erweitert wurden. Erstattet werde können unter anderem auch:

  • Kosten für Moder­ni­sie­rungs- und Umbau­maß­nah­men im Rahmen von Hygi­e­ne­kon­zep­ten (bis zu einer Höhe von 20.000 Euro pro Monat, rück­wir­kend bis März 2020)
  • Ausgaben für Digi­ta­li­sie­rungs­maß­nah­men, bei­spiels­wei­se das Aufsetzen eines Online­shops (einmalig bis zu 20.000 Euro)

Die Überbrückungshilfe III kann ausschließlich über prüfende Dritte beantragt werden. Die Antragsfrist endet am 31. August 2021.

Gut zu wissen: Wenn November- oder Dezemberhilfen bewilligt wurden, kann für diese Monate nicht noch zusätzlich Überbrückungsgeld III beantragt werden.

Neu­start­hil­fe für Solo-Selbst­stän­di­ge

Viele Solo-Selbstständige, darunter auch Künstler und Kulturschaffende, haben nur geringe Fixkosten, aber enorme coronabedingte Umsatzeinbußen. Sie können statt des Fixkostenzuschusses im Rahmen der Überbrückungshilfe III auch die sogenannte Neustarthilfe beantragen. Sie beträgt 50 Prozent eines sechsmonatigen Vergleichsumsatzes aus dem Jahr 2019. Maximal werden 7.500 Euro gezahlt.

Voraussetzungen für die Antragstellung:

  • Die selbst­stän­di­ge Tätigkeit ist dein Haupt­er­werb.
  • Die Tätigkeit als Solo-Selbst­stän­di­ger oder Frei­be­ruf­ler ist beim Finanzamt ange­mel­det.
  • Du warst schon vor Mai 2020 selbst­stän­dig.
  • Es wurde kein Antrag auf Fix­kos­ten­er­stat­tung durch Über­brü­ckungs­hil­fe III gestellt.

Ähnlich wie die Soforthilfe zu Beginn der Pandemie wird die Neustarthilfe zeitnah nach der Antragstellung als Vorschuss gezahlt. Liegen deine Umsatzeinbußen im Förderzeitraum von Januar bis Juni 2021 bei über 60 Prozent des Referenzumsatzes aus 2019, steht dir der volle Betrag zu. Stellt sich heraus, dass die Umsatzeinbußen geringer sind, muss zu viel geleistete Neustarthilfe anteilig zurückgezahlt werden. Dafür haben Betroffene bis zum 30. Juni 2022 Zeit.

Die Neustarthilfe kannst du direkt online beantragen. Voraussetzung ist ein gültiges Elster-Zertifikat.

Artikel teilen

Bitte lesen Sie zu dem Inhalt auch unsere Rechtshinweise.

So einfach ist Rechts­schutz

Ein Rechtsstreit, ganz gleich in welchem Bereich, kommt oft unverhofft. Darum hat ADVOCARD mit dem 360°-Rechtsschutz einen besonders leistungsstarken Rundumschutz geschaffen.

Mehr erfahren

Mediation

Vertragen statt klagen: mit Mediation rechtliche Konflikte ohne Gerichts­ver­fahren lösen.

Strei­tatlas

Streit in Berlin? Zoff in München? Der interaktive Atlas zeigt, wo die deutschen Streithähne leben.

ADVOCARD-Service

Kompetente Beratung und professionelle Unterstützung rund um die Uhr.