Mann mit Brille schaut aus dem Fenster © iStock.com/ClarkandCompany

7. Juli 2021, 8:00 Uhr

Durch­at­men Corona-Förderung: Diese Hilfen gibt's für Selbst­stän­di­ge und Unter­neh­men

Überbrückungshilfe I bis III und jetzt auch noch III Plus, Neustarthilfe, Härtefallhilfe und Restart-Prämie: Es gibt mittlerweile diverse Maßnahmen, um die finanziellen Auswirkungen der Corona-Pandemie für Gewerbetreibende abzumildern. Einige Programme sind inzwischen ausgelaufen, aber auch neue hinzugekommen. Wir verschaffen dir einen Überblick, welche Hilfen für Unternehmen in Not derzeit angeboten werden und wer worauf Anspruch hat.

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Über­brü­ckungs­hil­fen für Unter­neh­men und Selbst­stän­di­ge

Förderung durch die sogenannten Überbrückungshilfen können grundsätzlich alle Unternehmen, Solo-Selbstständigen und Freiberufler beantragen, die infolge der Corona-Pandemie erhebliche Umsatzeinbußen verzeichnen. Also nicht nur diejenigen, die unmittelbar oder zumindest indirekt von Schließungen betroffen sind. Bei der Leistung handelt es sich in erster Linie um einen Fixkosten-Zuschuss, die Verwendung der Förderung ist also zweckgebunden.Alle Informationen zur Arbeitsrechtsschutz von ADVOCARD

Die Bundesregierung hat das Hilfsprogramm inzwischen mehrfach verlängert. Für die drei Phasen gelten jeweils eigene Regelungen. Das macht die Sache etwas komplizierter, bedeutet aber auch, dass die Leistung mehrfach beantragt werden kann. Wer bereits Überbrückungshilfe I oder II erhalten hat, kann also unter Umständen auch noch III oder III Plus beantragen.

Die ersten Phase der Überbrückungshilfe sind inzwischen abgeschlossen. Überbrückungshilfe I und II können nicht mehr beantragt werden.

 

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Über­brü­ckungs­hil­fe III geht mit zusätz­li­chen Maßnahmen in die Ver­län­ge­rung

Die Überbrückungshilfe III galt ursprünglich für den Förderzeitraum von November 2020 bis Juni 2021. Für Unternehmen, die darüber hinaus von coronabedingten Umsatzeinbußen betroffen sind und die Förderbedingungen weiter erfüllen, wird der Zeitraum bis Ende September 2021 verlängert. Sie können im Rahmen der Überbrückungshilfe III Plus erneut Fördermittel beantragen. Dabei gelten die gleichen Bedingungen wie für die das Vorgängerprogramm.

Wer bekommt Überbrückungshilfe III / III Plus?

Beantragt werden kann die Überbrückungshilfe III sowie III Plus von

  • Solo-Selbst­stän­di­gen
  • Frei­be­ruf­lern
  • Start-ups, die vor November 2020 gegründet wurden
  • gemein­nüt­zi­gen Unter­neh­men und Orga­ni­sa­tio­nen
  • Unter­neh­men bis 750 Millionen Euro Jah­res­um­satz. Die Umsatz­gren­ze entfällt bei unmit­tel­bar vom Lockdown betrof­fe­nen Unter­neh­men des Ein­zel­han­dels, der Ver­an­stal­tungs- und Kul­tur­bran­che, der Hotel­le­rie, der Gas­tro­no­mie und der Pyro­tech­nik­bran­che. Auch Groß­han­dels- und Rei­se­un­ter­neh­men sind von der Höchst­gren­ze aus­ge­nom­men.

Voraussetzung ist ein Umsatzeinbruch von mindestens 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Mann in Kochjacke, steht in leerem Restaurant

© iStock.com/ClarkandCompany

Wie viel Geld gibt es wofür?

Der Staat zahlt für die betreffenden Monate einen Fixkostenzuschuss. Wie hoch dieser ausfällt, hängt vom Ausmaß der Umsatzeinbußen in diesem Zeitraum ab:

  • Bis zu 100 Prozent der för­der­fä­hi­gen Fixkosten bei Umsatz­ein­bu­ßen von mehr als 70 Prozent im För­der­mo­nat
  • Bis zu 60 Prozent der för­der­fä­hi­gen Fixkosten bei Umsatz­ein­bu­ßen von 50 bis 70 Prozent im För­der­mo­nat
  • Bis zu 40 Prozent der för­der­fä­hi­gen Fixkosten bei Umsatz­ein­bu­ßen von min­des­tens 30 Prozent im För­der­mo­nat

Geförderte Unternehmen, Organisationen und Selbstständige können im Regelfall maximal 10 Millionen Euro pro Monat erhalten. Ausnahmen gelten für Betriebe, die aufgrund einer behördlichen Anordnung schließen mussten.

Förderfähig sind fixe Betriebskosten wie

  • Mieten und Pachten
  • Energie-, Heiz- und Was­ser­kos­ten
  • Ausgaben für Reinigung und Hygie­ne­maß­nah­men
  • Ver­si­che­rungs­kos­ten
  • Per­so­nal­kos­ten
  • Zins­kos­ten von Krediten

Erstattet werden können unter anderem auch:

  • Kosten für Moder­ni­sie­rungs- und Umbau­maß­nah­men im Rahmen von Hygi­e­ne­kon­zep­ten (bis zu einer Höhe von 20.000 Euro pro Monat, rück­wir­kend bis März 2020)
  • Ausgaben für Digi­ta­li­sie­rungs­maß­nah­men, bei­spiels­wei­se das Aufsetzen eines Online­shops (einmalig bis zu 20.000 Euro)

Die Überbrückungshilfe III und III Plus kann ausschließlich über prüfende Dritte auf dem Überbrückungshilfe-Portal des Bundes beantragt werden. Du brauchst also Unterstützung durch einen Steuerberater, Anwalt, Wirtschafts- oder Buchprüfer. Zu den Kosten, die dir dadurch entstehen, zahlt der Bund ebenfalls einen Zuschuss. Die Antragsfrist endet am 31. Oktober 2021.

Wichtig zu wissen: Wenn November- oder Dezemberhilfen (offiziell: außerordentliche Wirtschaftshilfe) bewilligt wurden, kann für diese Monate nicht noch zusätzlich Überbrückungsgeld III beantragt werden.

Restart-Prämie für Per­so­nal­kos­ten

Unternehmen, die zwischen Juli und September 2021 ihre Angestellten aus der Kurzarbeit zurückholen oder sogar neue Mitarbeiter einstellen, erhalten im Rahmen der Überbrückungshilfe III Plus einen Zuschuss zu den Personalkosten. Diese sogenannte Restart-Prämie wird auf Basis der Differenz der Personalkosten im Fördermonat zu denen im Mai 2021 errechnet. Der Zuschuss beträgt ...

  • für Juli 60 Prozent der Kos­ten­dif­fe­renz zum Mai,
  • für August 40 Prozent der Kos­ten­dif­fe­renz zum Mai,
  • für September 20 Prozent der Kos­ten­dif­fe­renz zum Mai.
Mann schaut sich besorgt Unterlagen vor dem Laptop an

© iStock.com/sturti

Neu­start­hil­fe für Solo-Selbst­stän­di­ge

Viele Solo-Selbstständige, darunter auch Künstler und Kulturschaffende, haben nur geringe Fixkosten, aber enorme coronabedingte Umsatzeinbußen. Sie können statt des Fixkostenzuschusses im Rahmen der Überbrückungshilfe III auch die sogenannte Neustarthilfe beantragen. Die Neustarthilfe steht auch Schauspielern mit kurz befristeten Beschäftigungsverhältnissen zur Verfügung.

Ausgezahlt werden dabei 50 Prozent eines sechsmonatigen Vergleichsumsatzes aus dem Jahr 2019. Allerdings ist der Betrag gedeckelt, und zwar bei

  • 250 Euro pro Monat für den ursprüng­li­chen För­der­zeit­raum von Januar bis Juni 2021. Insgesamt können Solo-Selbst­stän­di­ge für das erste Halbjahr 2021 also maximal 7.500 Euro Neu­start­hil­fe erhalten
  • 500 Euro pro Monat für den ver­län­ger­ten Zeitraum von Juli bis September 2021 als Neu­start­hil­fe Plus, also maximal 4.500 Euro.

Im Höchstfall sind über die Neustarthilfe und die Neustarthilfe Plus insgesamt 12.000 Euro drin.

Voraussetzungen für die Antragstellung:

  • Die selbst­stän­di­ge Tätigkeit ist dein Haupt­er­werb.
  • Die Tätigkeit als Solo-Selbst­stän­di­ger oder Frei­be­ruf­ler ist beim Finanzamt ange­mel­det.
  • Du warst schon vor November 2020 selbst­stän­dig.
  • Es wurde kein Antrag auf Fix­kos­ten­er­stat­tung durch Über­brü­ckungs­hil­fe III gestellt.

Ähnlich wie die Soforthilfe zu Beginn der Pandemie wird die Neustarthilfe zeitnah nach der Antragstellung als Vorschuss gezahlt. Liegen deine Umsatzeinbußen im Förderzeitraum von Januar bis Juni 2021 bei über 60 Prozent des Referenzumsatzes aus 2019, steht dir der volle Betrag zu.

Stellt sich heraus, dass die Umsatzeinbußen geringer ausgefallen sind, muss zu viel geleistete Neustarthilfe anteilig zurückgezahlt werden. Die Abrechnung musst du bis 31. Dezember 2021 machen, für eine etwaige Rückzahlung haben Betroffene bis zum 30. Juni 2022 Zeit.

Die Neustarthilfe kann bis zum 31. Oktober 2021 direkt online beantragt werden. Voraussetzung ist ein gültiges Elster-Zertifikat.

Här­te­fall­hil­fen für besonders schwer getrof­fe­ne Ein­zel­fäl­le

Unternehmen und Selbstständige, die durch die Corona-Krise besonders schwer getroffen wurden, können von ihrem Bundesland durch Härtefallhilfen unterstützt werden. Dabei handelt es sich um individuelle Leistungen, die je nach Einzelfall vergeben werden. Sowohl die Höhe der Förderung als auch die Zugangsvoraussetzungen legen die Länder selbst fest. Ausführliche Informationen dazu findest du auf der offiziellen Webseite zum Förderprogramm der Länder.

Im Allgemeinen gilt:

  • Die Programme richten sich an Unter­neh­men und Selbst­stän­di­ge, die keinen Anspruch auf die die Corona-Hilfen der Bun­des­re­gie­rung
  • Es werden maximal 100.000 Euro gezahlt. In begrün­de­ten Aus­nah­me­fäl­len sind aller­dings höhere Här­te­fall­hil­fen möglich.
  • För­de­rungs­zeit­raum ist 1. März 2020 bis 30. September 2021.
  • Här­te­fall­hil­fe kann nur über prüfende Dritte beim jewei­li­gen Bun­des­land beantragt werden.
  • Es besteht kein Rechts­an­spruch auf die Förderung, Här­te­fall­hil­fe wird nur im Ein­zel­fall nach gründ­li­cher Prüfung gewährt.
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