Junge Frau räumt Super­markt­re­gal ein © iStock.com/Tempura

5. März 2021, 8:00 Uhr

Darf ich eigent­lich? Corona-Son­der­re­geln: So viel Geld darfst du dazu verdienen

Die Corona-Pandemie hat Auswirkungen auf die Wirtschaft: Kurzarbeiter sind verstärkt auf Nebenverdienste angewiesen, Minijobber und Frührentner haben die Chance, bei Personalknappheit aufgrund von Erkrankungen oder Quarantäne mit anzupacken. Beim Hinzuverdienst gibt es seit April 2020 einige Corona-Sonderregelungen. Wer darf wie viel mehr Geld dazuverdienen? Hier erfährst du mehr.

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Neben­ver­dienst bei Kurz­ar­beit: Diese Regeln gelten aktuell

In der aktuellen Situation haben viele Betriebe Kurzarbeit angemeldet. Arbeitnehmer erhalten dann ein verringertes Gehalt plus Kurzarbeitergeld. Ein Nebenverdienst, um das Einkommen aufzustocken, klingt da verlockend. Alle Informationen zur Arbeitsrechtsschutz von ADVOCARD

Die Kombination aus Kurzarbeit und Nebenjobs gab es natürlich bereits vor der Corona-Krise. Damals durften Arbeitnehmer, deren Hauptbeschäftigung zur Kurzarbeit angemeldet wurde, aber nur dann einen Minijob ausüben, wenn sie diesen schon zuvor hatten. Wurde der Nebenverdienst erst während der Kurzarbeit aufgenommen, wurde er bei der Berechnung des Kurzarbeitergeldes berücksichtigt. Dieses konnte dann gekürzt werden.

Das hat sich aufgrund von Corona zum Teil geändert. Das Sozialschutz-Paket I regelt seit April 2020 Ausnahmen bei der Berechnung des Kurzarbeitergeldes, wenn Arbeitnehmer parallel zur Kurzarbeit einen Job annehmen. Aktuell gilt:

  • Was neben der Kurz­ar­beit in einem Minijob verdient wird, wird nicht auf das Kurz­ar­bei­ter­geld ange­rech­net.
  • Auch sonstige Neben­ver­diens­te bleiben anrech­nungs­frei, wenn sie bereits vor Beginn der Kurz­ar­beit auf­ge­nom­men werden.

Einkünfte aus Nebentätigkeiten, die über den Umfang eines Minijobs hinausgehen, bleiben anrechnungsfrei, wenn

  • sie bereits 2020 während der Kurz­ar­beit auf­ge­nom­men wurden
  • und zusammen mit dem redu­zier­ten Arbeits­ent­gelt und dem Kurz­ar­bei­ter­geld die Höhe des normalen Gehalts aus der Haupt­be­schäf­ti­gung nicht über­schrei­ten.

Die Regelungen zum Hinzuverdienst während der Kurzarbeit sollen noch für das gesamte Kalenderjahr 2021 gelockert bleiben (Stand: März 2021).

Minijobber und Saisonarbeiter durften vorübergehend mehr dazuverdienen

Minijobs sind geringfügige Beschäftigungsverhältnisse, die

  • entweder über einen längeren Zeitraum ausgeübt werden und dann ein monat­li­ches Arbeits­ent­gelt von nicht mehr als 450 Euro erbringen
  • oder auf kurze Dauer angelegt sind – etwa bei Sai­son­kräf­ten – und innerhalb eines Kalen­der­jah­res für insgesamt nicht länger als drei Monate oder 70 Tage ausgeübt werden.

Übersteigt das Arbeitsentgelt in einem längerfristig ausgeübten Minijob ausnahmsweise einmal die 450 Euro, dann wird die Beschäftigung dadurch nicht automatisch sozialversicherungspflichtig: Bis zu dreimal im Jahr darf dies in unvorhergesehenen Fällen vorkommen. Der Minijob-Status bleibt trotzdem erhalten.

Laut einer Corona-Sonderregelung war vom 1. März bis zum 31. Oktober 2020 ein fünfmaliges unvorhergesehenes Überschreiten der Verdienstgrenze erlaubt. Im selben Zeitraum waren auch die Zeitgrenzen für Saison-Minijobs auf fünf Monate bzw. 115 Tage erhöht. Dies war etwa für den Fall von Erkrankungen oder Quarantäne-Maßnahmen von Kollegen aufgrund von Covid-19 vorgesehen, für die ein Minijobber einspringen musste.

Seit dem 1. November 2020 gelten wieder die vorherigen Bedingungen – ohne Corona-Ausnahme (Stand: März 2021).

© iStock.com/Ababsolutum

Du möchtest neben deinem Minijob einen weiteren annehmen, um deinen Nebenverdienst zu erhöhen? Was du dabei beachten musst, erfährst du im Streitlotse-Ratgeber “Mehrere Minijobs gleichzeitig – was ist erlaubt?”

Nebenverdienst für Frührentner: So viel Geld dürfen sie dazuverdienen

Frührentner ist, wer an seinem 63. Geburtstag oder später in Rente gegangen ist, aber das reguläre Renteneintrittsalter noch nicht erreicht hat. Wer als Frührentner nebenbei noch jobben möchte, darf in den Jahren 2020 und 2021 mehr dazuverdienen als in den Jahren zuvor:

  • Im Kalen­der­jahr 2020 blieb ein Hin­zu­ver­dienst von bis zu 44.590 Euro anrech­nungs­frei.
  • In 2021 liegt der mögliche Hin­zu­ver­dienst bei 46.060 Euro für das gesamte Jahr.

Die Grenze für ein anrechnungsfreies Einkommen bei der Frührente lag zuvor bei 6.300 Euro im Jahr und soll ab 2022 voraussichtlich wieder auf diesen Wert gesenkt werden (Stand: März 2021).

Steuerfrei ist der Nebenverdienst nicht, dennoch gibt es ein “Wiedersehen” mit einem Teil der Abgaben: Die fließen nämlich in die Rentenkasse ein. Die Altersrente, die zum regulären Renteneintritt dann ausgezahlt wird, erhöht sich somit.

Wer bereits das reguläre Rentenalter erreicht hat, für den ändert sich durch die Corona-Regelungen nichts an den Hinzuverdienstmöglichkeiten.

Mehr zu den Auswirkungen der Corona-Krise auf die Rente liest du in diesem Streitlotse-Ratgeber.

FAZIT
  • Das Sozi­al­schutz-Paket I macht es einigen Arbeit­neh­mern in der Corona-Krise leichter, etwas dazu­zu­ver­die­nen.
  • Kurz­ar­bei­ter können während der Corona-Krise leichter Geld dazu­ver­die­nen, ohne dass es auf das Kurz­ar­bei­ter­geld ange­rech­net wird.
  • Mini­job­ber durften in 2020 die Ein­kom­mens­gren­ze von 450 Euro pro Monat vor­über­ge­hend häufiger über­schrei­ten und Sai­son­ar­bei­ter län­ger­fris­tig beschäf­tigt sein. Diese Regelung ist aktuell wieder auf­ge­ho­ben (Stand: März 2021).
  • Die Grenzen für anrech­nungs­frei­en Zuver­dienst sind für Früh­rent­ner in 2020 und 2021 deutlich erhöht.
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