© iStock.com/Tempura

11. September 2020, 8:36 Uhr

Darf ich eigent­lich? Corona-Son­der­re­geln: So viel Geld darfst du dazu verdienen

Die Corona-Pandemie hat Auswirkungen auf die Wirtschaft: Kurzarbeiter, Mini-Jobber und Rentner sind verstärkt auf Nebenverdienst angewiesen. Die Bundesregierung hat daher Corona-Sonderregelungen erlassen, die es ihnen erleichtern sollen, ihr Einkommen aufzustocken. Aber welche gesetzlichen Neuerungen gibt es – und wie viel Geld dürfen Arbeitnehmer dazuverdienen? Hier erfährst du mehr.

Sicherheit am Arbeitsplatz: Wir stehen dir zur Seite

In der aktuellen Situation melden viele Betriebe Kurzarbeit an. Arbeitnehmer erhalten dann ein verringertes Gehalt plus einer Lohnersatzleistung. Das sogenannte Kurzarbeitergeld wird von der Arbeitsagentur bezahlt und umfasst bis zu 60 Prozent (mit Kindern bis zu 67 Prozent) der Differenz zwischen dem normalen und dem reduzierten Arbeitsentgelt. Der Satz erhöht sich ab dem vierten Monat in Corona-Kurzarbeit auf 70 beziehungsweise 77 Prozent. Ab dem siebten Monat auf 80 bis 87 Prozent. Für einige Arbeitnehmer bedeutet das monatelange finanzielle Einbußen. Ein Nebenverdienst, um das Einkommen aufzustocken, klingt da verlockend.

Kurz­ar­bei­ter und Zusatz­ver­dienst: Das hat sich geändert

Die Kombination aus Kurzarbeit und Nebenjobs gab es natürlich bereits vor der Corona-Krise. Damals durften Arbeitnehmer, deren Hauptbeschäftigung zur Kurzarbeit angemeldet wurde, aber nur dann einen Minijob ausüben, wenn sie diesen schon zuvor hatten. Wurde der Nebenverdienst erst während der Kurzarbeit aufgenommen, wurde er bei der Berechnung des Kurzarbeitergeldes berücksichtigt. Dieses konnte dann gekürzt werden.

Das hat sich aufgrund von Corona geändert. Das sogenannte Sozialschutz-Paket, § 421c Drittes Buch Sozialgesetzbuch (SGB III), wurde am 27. März 2020 erlassen. Demnach galt vom 1. April 2020 bis zum 31. Oktober 2020 eine Ausnahme bei der Berechnung des Kurzarbeitergelds. Nahmen Arbeitnehmer parallel zur Kurzarbeit einen Minijob an, wurde dieses Gehalt nicht mehr auf das Kurzarbeitergeld angerechnet. Voraussetzung: Der Zusatzverdienst entstammte systemrelevanten Branchen (etwa im Gesundheitswesen oder im Lebensmittelhandel). Im Mai 2020 wurde das Sozialschutz-Paket ergänzt. Die Ausnahmeregelung wurde bis zum 31. Dezember 2020 verlängert und gilt nun für Nebenjobs aus allen Branchen.

Wichtig: Die Einkünfte aus dem Minijob sind nur dann anrechnungsfrei, wenn dein vorheriges Gehalt aus der Hauptbeschäftigung nicht überschritten wird. Verdienst du

  • mit dem redu­zier­ten Arbeits­ent­gelt,
  • dem Kurz­ar­bei­ter­geld und mit
  • dem Hin­zu­ver­dienst

mehr als dein bisheriges Monatseinkommen, dann wird das Gehalt aus dem Nebenverdienst doch auf das Kurzarbeitergeld angerechnet.

Mini-Jobber und Sai­son­ar­bei­ter in der Corona-Krise: Das gilt für ihr Gehalt

Mini-Jobs sind nicht sozial- bzw. steuerpflichtig Beschäftigungsverhältnisse, die einen Verdienst von 450 Euro pro Monat nicht übersteigen. Vor Corona durftest du diese monatliche Einkommensgrenze dreimal im Jahr übertreten. Laut der Corona-Sonderregel ist vom 1. März 2020 bis zum 31. Oktober 2020 nun ein fünfmaliges Überschreiten der Verdienstgrenze erlaubt. Voraussetzung: Die Verdiensterhöhung ist nicht geplant. Mögliche Gründe sind etwa Erkrankungen von Kollegen aufgrund von COVID-19, für die du dann einspringen musst.

Auch bei Saisonarbeitern gibt es coronabedingte Änderungen im Beschäftigungsverhältnis. Bislang durften sie drei Monate oder 70 Arbeitstage im Jahr tätig sein, etwa in der Landwirtschaft. Dieser Zeitraum wurde nun verlängert: Vom 1. März 2020 bis zum 31. Oktober 2020 dürfen sie fünf Monate oder maximal 115 Tage arbeiten.

Neben­ver­dienst für Früh­rent­ner: So viel Geld dürfen sie dazu­ver­die­nen

Wer 2020 mit 63 oder älter (65 Jahre und neun Monate für 1955 Geborene) in Rente geht und sich trotz Ruhestand noch etwas dazuverdienen will, darf sich freuen. Dank des Sozialschutz-Packets darfst du trotz Rente einen höheren Hinzuverdienst einstreichen als in den Jahren zuvor. Frührentner können rückwirkend zum 1. Januar 2020 und bis zum Ende des Jahres ein Jahreseinkommen von 44.590 Euro erzielen. Und das Ganze, ohne Kürzungen bei der Rente in Kauf nehmen zu müssen. Vorher lag die Einkommensgrenze bei 6.300 im Jahr. Ein ziemlich großer Sprung.Mehr Informationen zum Thema Arbeitsrechtsschutz

Doch steuerfrei ist der Nebenverdienst nicht. Dennoch gibt es ein “Wiedersehen” mit den Abgaben. Die fließen nämlich in die Rentenkasse ein. Die Altersrente, die zum regulären Renteneintritt dann ausgezahlt wird, erhöht sich somit.

Hast du die Regelaltersgrenze erreicht, ändert sich erst einmal nichts für dich. Denn für diese Fälle gibt es generell keine Beschränkungen in Sachen Hinzuverdienst zur Altersrente.

 

FAZIT
  • Das Sozi­al­schutz-Paket macht es Arbeit­neh­mern in der Corona-Krise leichter, etwas dazu­zu­ver­die­nen.
  • Kurz­ar­bei­ter können neue Minijobs annehmen. Dieser Neben­ver­dienst wird nicht ange­rech­net, falls das Vor-Corona-Monats­ein­kom­men in Summe nicht über­schrit­ten wird.
  • Mini-Jobber dürfen die Ein­kom­mens­gren­ze von 450 Euro pro Monat nun fünfmal im Jahr über­schrei­ten. Sai­son­ar­bei­ter dürfen län­ger­fris­tig beschäf­tigt sein.
  • Früh­rent­ner dürfen statt bislang 6.300 im Jahr nun 44.590 Euro im Jahr hin­zu­ver­die­nen. Dieses Einkommen ist jedoch steu­er­pflich­tig.
Artikel teilen

Bitte lesen Sie zu dem Inhalt auch unsere Rechtshinweise.

So einfach ist Rechts­schutz

Ein Rechtsstreit, ganz gleich in welchem Bereich, kommt oft unverhofft. Darum hat ADVOCARD mit dem 360°-Rechtsschutz einen besonders leistungsstarken Rundumschutz geschaffen.

Mehr erfahren

Mediation

Vertragen statt klagen: mit Mediation rechtliche Konflikte ohne Gerichts­ver­fahren lösen.

Strei­tatlas

Streit in Berlin? Zoff in München? Der interaktive Atlas zeigt, wo die deutschen Streithähne leben.

ADVOCARD-Service

Kompetente Beratung und professionelle Unterstützung rund um die Uhr.