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21. Januar 2026, 17:11 Uhr
Darf ich eigentlich? Minusstunden durch Arbeitgeber verursacht: Was sagt das Arbeitsrecht?
Was für Überstunden gilt, wissen die meisten Arbeitnehmer. Beim Thema Minusstunden sind viele jedoch unsicher. Spätestens bei der Kündigung können Minusstunden für Streit mit dem Arbeitgeber sorgen. Vor allem, wenn die Minusstunden durch den Arbeitgeber verursacht wurden. Hier erfährst du, was laut Arbeitsrecht erlaubt ist – und was nicht.
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Minusstunden im Arbeitsrecht: Wie werden Minusstunden berechnet?
Minusstunden oder auch Soll-, Minder- oder Unterstunden fallen an, wenn ein Arbeitnehmer weniger als vertraglich vereinbart arbeitet. Ein Beispiel: Laut Arbeitsvertrag hast du eine Wochenarbeitszeit von 40 Stunden. Kommst du aber mal auf nur 38 Stunden, dann sammelst du damit theoretisch zwei Minusstunden an.
Diese Minusstunden können jedoch nur angerechnet werden, wenn du für die Minderarbeit selbst verantwortlich bist. Sprich: Wenn du zu wenig gearbeitet hast, obwohl du mehr hättest arbeiten können.
In der Praxis sammeln sich Minusstunden meist an durch:
- verspäteten Arbeitsbeginn
- Überziehen der Mittagspause
- private Erledigungen während der Arbeitszeit
- vorgezogenen Feierabend
Aber auch bei der Arbeitszeit gilt: Ohne Arbeitszeitkonto kein Minus. Bei sogenannter Vertrauensarbeitszeit gleichst du eine längere Pause oder einen früheren Feierabend einfach selbstständig aus, indem du an einem anderen Tag länger arbeitest.
Minusstunden in der Ausbildung
Befindest du dich in der Ausbildung, kann dir dein Arbeitgeber ebenfalls keine Minusstunden anrechnen. Auszubildende haben prinzipiell kein reguläres Arbeitsverhältnis, sondern werden angelernt. Dein Ausbildungsbetrieb muss die vereinbarten Ausbildungsstunden also gewährleisten.
Schickt dein Chef dich mal früher nach Hause, darfst du das als bezahlte Freistunden betrachten. Denn dafür darf er dir gemäß § 19 Abs. 1 Nr. 2a Berufsbildungsgesetz (BBiG) keine Minusstunden anrechnen.
Keine Minusstunden bei Krankheit, Urlaub und Feiertagen
Es kommt vor, dass Beschäftigten Minusstunden angerechnet werden, obwohl die Minusstunden unverschuldet sind.
In folgenden Fällen darf der Arbeitgeber keine Minusstunden anrechnen:
- Minusstunden durch Krankheit: Wer krank ist, kann nicht arbeiten. Das ist im Arbeitsrecht klar geregelt. Wenn du aus gesundheitlichen Gründen ausfällst und dich ordnungsgemäß krankgemeldet hast, dürfen dir keine Nachteile entstehen. Tauchen für Krankheitstage trotzdem Minusstunden auf deinem Arbeitszeitkonto auf, handelt es sich häufig um einen Buchungsfehler. Sprich deshalb erst die Personalabteilung darauf an, bevor du dir eventuell rechtliche Beratung suchst.
- Minusstunden durch Urlaub: Du hast einen gesetzlichen Anspruch auf Urlaub. Dieser darf dir nicht als Fehlzeit angerechnet werden. Hier verhält es sich wie mit den Krankheitstagen: Ziehen Urlaubstage dein Arbeitszeitkonto ins Minus, dürfte das ein Fehler sein.
- Minusstunden durch Feiertage: An gesetzlichen Feiertagen wie dem 1. Mai oder Pfingstmontag haben Arbeitnehmer im Regelfall frei. Minusstunden entstehen daher nicht. Musst du trotzdem arbeiten, hast du möglicherweise Anspruch auf einen Gehaltszuschlag.
Nicht ganz so eindeutig ist die Lage bei Fortbildungen. Hier kommt es auf die jeweilige Situation an.
- Ist die Weiterbildung vom Arbeitgeber angeordnet, liegt es nicht in deiner Verantwortung, dass die Arbeit während dieser Zeit liegen bleibt. Er kann dir also keine Sollstunden dafür aufdrücken.
- Auch wenn du deinen Anspruch auf Bildungsurlaub geltend machst, muss dich dein Arbeitgeber dafür bezahlt von der Arbeit freistellen.
Am besten klärst du im Zweifel vor einer Fortbildung ausdrücklich mit deinem Arbeitgeber, ob sie als Arbeitszeit zählt oder nicht.

Darf mein Arbeitgeber Minusstunden anordnen?
Du wirst von deinem Chef nach Hause geschickt, weil es nichts mehr zu tun gibt? In diesem Fall sind die Minusstunden durch den Arbeitgeber verursacht. Der Arbeitnehmer kann nichts dafür, dass zu wenig Arbeit da ist. Er hat seine Arbeitskraft angeboten und damit seine vertraglichen Pflichten erfüllt.
Hier gilt gemäß § 615 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB): Verluste durch angeordnete Minusstunden muss der Arbeitgeber tragen, denn er ist in Annahmeverzug der angebotenen Arbeitsleistung durch den Angestellten geraten.Minusstunden dürfen nicht zulasten des Arbeitnehmers gehen und auch nicht auf dem Arbeitszeitkonto vermerkt werden. Du kannst aufgezwungene Minusstunden also entspannt und ohne Sorge um dein Gehalt genießen.
Etwas anders ist die Lage, wenn laut Arbeitsvertrag Schwankungen bei der Wochenarbeitszeit über ein Arbeitszeitkonto erfasst werden. Zum Beispiel, weil es in deinem Job eine Haupt- und eine Nebensaison gibt. Dann können in der Nebensaison mehr oder weniger geplante Minusstunden anfallen, die sich in der Hauptsaison wieder ausgleichen.
Dürfen Minusstunden mit Urlaub verrechnet werden?
Minusstunden können nicht mit Urlaub verrechnet werden. Vor allem kurz vor Ende des Ausgleichszeitraums kommst du vielleicht auf die Idee, Minusstunden einfach mit dem Urlaub zu verrechnen, anstatt sie nachzuarbeiten. Das ist allerdings nicht möglich.
Denn Urlaub kann nicht rückwirkend genommen werden, sondern nur für einen Zeitraum in der Zukunft. Auch dein Arbeitgeber darf dir einen solchen Deal nicht anbieten oder aufzwingen.
Wie viele Minusstunden sind zulässig?
Eine pauschale gesetzliche Regelung, wie viele Minusstunden erlaubt sind, gibt es nicht. Entscheidend ist, was im Arbeits- oder Tarifvertrag steht. Gibt es darin keine entsprechenden Vorgaben, sind Minusstunden streng genommen gar nicht möglich. Leistest du in diesem Fall weniger als die vereinbarte Wochenarbeitszeit, sammelst du keine Minusstunden an, sondern verstößt schlichtweg gegen deine vertraglichen Pflichten. Dafür kannst du eine Abmahnung oder eine Gehaltskürzung bekommen.
Arbeitgeber dürfen die Anzahl der zulässigen Minusstunden vorübergehend erhöhen, um ihren Beschäftigten mehr Flexibilität zu ermöglichen. Das kann unter anderem dann helfen, wenn du deine Kinder für einen längeren Zeitraum zu Hause betreuen musst, weil Kitas oder Schulen geschlossen sind. Sprich deinen Chef oder die Personalabteilung auf diese Möglichkeit an, wenn du mit deinen erlaubten Minusstunden nicht auskommst. Aber bedenke dabei, dass du die Minusstunden irgendwann nacharbeiten musst.
Ob du dein Kind einfach mit zur Arbeit nehmen darfst, erfährst du hier.

Minusstunden nacharbeiten: Welche Frist gilt?
Wenn Minusstunden durch den Arbeitgeber verursacht wurden, musst du diese nicht nacharbeiten. Wenn du selbstverschuldet nur ein paar Minusstunden angesammelt hast, kannst du diese manchmal durch früheren Arbeitsbeginn oder späteren Feierabend ausgleichen. Doch wie sieht es bei erheblich mehr Minusstunden aus? Und bis wann musst du diese nachgearbeitet haben?
Eine einheitliche Frist, bis wann Minusstunden nachgearbeitet werden müssen, gibt es nicht. Der sogenannte Ausgleichszeitraum, in dem die Arbeitsstunden nachgeholt werden müssen, findet sich in der Regel im Arbeitsvertrag. Diese Nachholfrist ist also von Arbeitgeber zu Arbeitgeber verschieden. Sollte sich keine genaue Frist in deinem Vertrag finden, sprich unbedingt deinen Chef an oder frage in der Personalabteilung nach. Damit bist du auf der sicheren Seite.
Achtung: Minusstunden verfallen nicht mit einem Jahreswechsel. Es erfolgt wie bei Überstunden eine Übertragung von einem ins nächste Jahr.
Darf der Arbeitgeber Minusstunden vom Gehalt abziehen?
Ja, Arbeitgeber dürfen Minusstunden auch vom Gehalt abziehen. Das ist allerdings nur dann zulässig, wenn du mit den Minusstunden gegen vertragliche Vereinbarungen verstößt. Dies kann der Fall sein, wenn du …
- mehr Minusstunden ansammelst als laut Vertrag erlaubt sind.
- Minusstunden nicht im vereinbarten Zeitraum ausgleichst.
- weniger arbeitest als vertraglich vorgesehen.
Will dir dein Arbeitgeber Minusstunden vom Gehalt abziehen, obwohl er diese selbst zu verantworten hat, ist dies nicht rechtens. Anders sieht es aus, wenn du in dem Zeitraum der Minderarbeiteine zusätzliche Tätigkeit in einem anderen Unternehmenaufgenommen hast. In diesem Fall ist dein Arbeitgeber berechtigt, dir die Minusstunden aus deiner eigentlichen Tätigkeit vom Lohn abzuziehen.
Minusstunden bei Kündigung: Muss man sie zurückzahlen?
Du hast oder dir wurde gekündigt und du fragst dich, ob du deine Minusstunden jetzt zurückzahlen musst? Eine berechtigte Frage, denn oftmals kommt es in diesem Punkt zum Streit zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Nämlich dann, wenn der Chef dir Minderarbeit vom letzten Gehalt abziehen will. Ob das rechtens ist, hängt von mehreren Faktoren ab:
- Wer hat die Minusstunden verursacht?
- Besteht ein Arbeitszeitkonto?
- Gibt es dazu vertragliche Vereinbarungen?
Prinzipiell gilt: Unter bestimmten Voraussetzungen dürfen Minusstunden mit dem letzten Gehalt verrechnet werden. Letztendlich kommt es immer darauf an, was im Vertrag vereinbart ist. Dort muss explizit festgehalten sein, dass ein Arbeitszeitkonto geführt wird, das auch ins Minus geraten kann. Und auch hierbei gilt § 615 BGB: Nur für Minusstunden, die von den Beschäftigten selbst verursacht wurden, ist ein Lohnabzug zulässig.
FAQ
- Darf der Arbeitgeber Minusstunden anordnen?
Ja, aber nur in engen Grenzen. Schickt dich der Arbeitgeber wegen Arbeitsmangel früher nach Hause, darf er gemäß § 615 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) daraus grundsätzlich keine Minusstunden ableiten. Minusstunden zulasten der Beschäftigten sind meist nur möglich, wenn vertraglich ein Arbeitszeitkonto vereinbart ist.
- Wie viele Minusstunden darf der Arbeitgeber anordnen?
Eine feste gesetzliche Obergrenze gibt es nicht. Entscheidend sind Regelungen im Arbeitsvertrag, Tarifvertrag oder in einer Betriebsvereinbarung zum Arbeitszeitkonto (z. B. zulässiger Negativsaldo und Ausgleichszeitraum). Fehlen solche Vorgaben, sind „Minusstunden“ rechtlich meist nicht wirksam.
- Muss ich Minusstunden nacharbeiten?
Nur, wenn du die Minderarbeit selbst verursacht hast und ein Arbeitszeitkonto mit Ausgleichsregeln gilt. Wurdest du wegen fehlender Arbeit nach Hause geschickt, musst du diese Stunden in der Regel nicht nacharbeiten (§ 615 BGB). Die Frist zum Ausgleich ergibt sich meist aus dem Arbeits- oder Tarifvertrag.
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