Arbeits­zeit­kon­to im Minijob: So funk­tio­niert die Regelung ©kerkezz/Fotolia

9. Juli 2019, 7:06 Uhr

So geht's richtig Arbeits­zeit­kon­to im Minijob: So funk­tio­niert die Regelung

Ein Arbeitszeitkonto, das die geleisteten Arbeitsstunden erfasst, kann für Minijobber mehr Flexibilität bedeuten. Vor allem für Saisonkräfte kann ein solches Zeitkonto hilfreich sein, um in bestimmten Monaten mehr arbeiten zu können, aber den Minijob-Status trotzdem aufrecht zu erhalten. Welche Voraussetzungen dabei gelten, erfährst du hier.

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Min­dest­lohn und 450-Euro-Grenze begrenzen Stun­den­zahl im Minijob

Für geringfügig Beschäftigte gelten zwei wichtige Regelungen, die die potenzielle Arbeitszeit einschränken:

  • Mini­job­ber dürfen höchstens 450 Euro pro Monat sozi­al­ver­si­che­rungs­frei verdienen.
  • Und sie haben Anspruch auf den Min­dest­lohn: Ihre Arbeit­ge­ber müssen ihnen min­des­tens 9,19 Euro (ab 2020: 9,35 Euro) pro Stunde zahlen.

Grundsätzlich ergibt sich daraus, wie viele Stunden pro Monat man im Minijob arbeiten kann. Zahlt der Arbeitgeber exakt den Mindestlohn, sind es abgerundet 48 Stunden (Stand: Juli 2019). Ungünstig ist das zum Beispiel für Saisonkräfte, die im Sommer am Strand Eis verkaufen oder im Winter auf einer Skihütte kellnern. Sie könnten zu den Spitzenzeiten deutlich mehr als 48 Stunden pro Monat arbeiten und so mehr als 450 Euro verdienen, dürfen es im Minijob aber nicht.

 

Arbeits­zeit­kon­to ermög­licht Mini­job­bern mehr Fle­xi­bi­li­tät

Es sei denn, es wird ein Arbeitszeitkonto genutzt. Diese Regelung ermöglicht es, auf genau solche Spitzenzeiten flexibel zu reagieren.

Ein Arbeitszeitkonto funktioniert grundsätzlich so:

  • Die tat­säch­lich geleis­te­te Arbeits­zeit eines Arbeit­neh­mers wird erfasst und mit der ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Arbeits­zeit abge­gli­chen.
  • Hat der Arbeit­neh­mer mehr gear­bei­tet als ver­ein­bart, baut er Pluss­tun­den auf. Hat er weniger gear­bei­tet, entstehen Minus­stun­den.
  • Bei einem auf Kurzzeit aus­ge­rich­te­ten Konto (Über­stun­den­kon­to) sollen Plus- und Minus­stun­den einander zeitnah aus­glei­chen.
  • Es gibt auch Lang­zeit­kon­ten wie etwa Lebens­ar­beits­zeit­kon­ten. Diese sind darauf ausgelegt, über einen langen Zeitraum Pluss­tun­den anzu­sam­meln, um dann zum Beispiel früher in Rente gehen zu können.

Je nachdem, wie stark der Arbeitsanfall saisonal schwankt und wie viele Plusstunden aufgebaut werden, kann ein Arbeitszeitkonto bei Minijobbern dafür sorgen, dass sie außerhalb der Saison bis zu drei Monate lang von der Arbeit freigestellt werden, aber trotzdem ihren vereinbarten Lohn bis zu einer Höhe von 450 Euro pro Monat erhalten.

Arbeitszeitkonto im Minijob: So funktioniert die Regelung

 

Arbeits­zeit­kon­to im Minijob: Darauf muss der Arbeit­ge­ber achten

Wenn im Minijob ein Arbeitszeitkonto geführt werden soll, müssen Arbeitgeber und Arbeitnehmer das schriftlich vereinbaren.

Dabei ist es wichtig, dass ein fester monatlicher Verdienst bis zu einer Höhe von 450 Euro festgelegt wird. Teilt man diese Summe durch den Stundenlohn, ergibt sich eine bestimmte Anzahl von Arbeitsstunden, die der Minijobber monatlich leisten muss. Beispiel: Der vereinbarte Verdienst beträgt 440 Euro, der Stundenlohn 11 Euro. Daraus ergeben sich pro Monat 40 Arbeitsstunden. Mit Arbeitszeitkonto darf der Minijobber in diesem Beispiel anschließend auch deutlich mehr oder deutlich weniger als 40 Stunden pro Monat arbeiten. Wichtig dabei ist: Der ausgezahlte Lohn liegt in diesem Fall jeden Monat bei 440 Euro – egal, ob 40, 60, 10 oder gar keine Stunden geleistet wurden.

Dabei sind folgende Einschränkungen zu beachten:

  • Der maximale Jah­res­ver­dienst beträgt 5.400 Euro (450 Euro mal 12). In diesem Beispiel dürfte der gering­fü­gig Beschäf­tig­te, der 11 Euro pro Stunde erhält, über das gesamte Kalen­der­jahr verteilt nur etwa 490 Stunden arbeiten.
  • Wenn ein Mini­job­ber pro Stunde nicht mehr als den geltenden Min­dest­lohn erhält, darf gemäß § 2 Absatz 2 Min­dest­lohn­ge­setz (MiLoG) die ver­ein­bar­te Anzahl von
  • Arbeits­stun­den monatlich höchstens um die Hälfte über­schrit­ten werden. Bei 40  ver­ein­bar­ten Arbeits­stun­den dürfen also dann pro Monat höchstens 60 Stunden tat­säch­lich gear­bei­tet werden. Bei Stun­den­löh­nen über dem Min­dest­lohn – wie die 11 Euro im obigen Beispiel – gilt diese Ein­schrän­kung nicht.

Der Arbeitgeber muss bei der Verwendung von Arbeitszeitkonten grundsätzlich immer das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) beachten, insbesondere die Regelungen zu Überstunden und Mehrarbeit.

 

Muss der Arbeit­ge­ber Mini­job­bern ein Arbeits­zeit­kon­to anbieten?Mehr Informationen zum Thema Arbeitsrechtsschutz

Nein, dazu ist er gesetzlich nicht verpflichtet – aber vielleicht lässt er sich ja mit Argumenten überzeugen. Das Arbeitszeitkonto für Minijobber hat nämlich grundsätzlich auch für den Arbeitgeber Vorteile: Er ist zum Beispiel in Spitzenzeiten bei der Personalplanung flexibler, ohne den Minijobber fest anstellen und sozialversicherungspflichtig beschäftigen zu müssen. So kann er möglicherweise auch längere Service-Betriebszeiten gewährleisten und entsprechend mehr Umsatz machen.

Allerdings muss der Arbeitgeber unter anderem auch dafür Sorge tragen, dass wirklich jeder Mitarbeiter seine Arbeitszeiten
zuverlässig erfasst. Wenn ein Arbeitgeber diesen Aufwand scheut und lieber mehr Minijobber beschäftigt, um den hohen Arbeitsanfall in Spitzenzeiten aufzufangen, ist das sein gutes Recht. Unbezahlte Überstunden musst du aber als Minijobber nicht leisten – auch wenn es im Betrieb mal hoch hergeht.

FAZIT
  • Arbeit­ge­ber und Mini­job­ber können schrift­lich ver­ein­ba­ren, dass ein Arbeits­zeit­kon­to geführt wird.
  • Basis ist ein fester monat­li­cher Verdienst, auf dessen Grundlage eine monat­li­che Soll-Arbeits­zeit fest­ge­setzt wird.
  • Die tat­säch­li­che Arbeits­zeit pro Monat kann anschlie­ßend darüber oder darunter liegen – wichtig ist, dass die Bilanz über das Jahr gesehen stimmt und die Jah­res­ver­dienst-Höchst­gren­ze von 5.400 Euro nicht über­schrit­ten wird.
  • Der Arbeit­ge­ber ist aller­dings nicht ver­pflich­tet, Mini­job­bern ein Arbeits­zeit­kon­to ein­zu­rich­ten.
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