Nicht immer eindeutig Kzenon, Fotolia

7. Dezember 2015, 14:20 Uhr

Nicht immer eindeutig Min­dest­lohn berechnen: Diese Bestand­tei­le fließen mit ein

Wenn Arbeitgeber den Mindestlohn berechnen, kommt es oft zu Verwirrung. Denn viele Arbeitnehmer fragen sich, ob zusätzliche Bestandteile des Lohns, zum Beispiel ein dreizehntes Monatsgehalt oder ein Leistungsbonus, ebenfalls in die Berechnung einfließen oder nicht. Die Rechtslage ist nicht immer eindeutig. Deshalb hilft im Zweifelsfall die Beratung durch einen Experten weiter.

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Ver­wir­rung um den Min­dest­lohn

Seit dem 1. Januar 2015 gilt nach dem Mindestlohngesetz (MiLoG) der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro brutto pro Stunde für alle Arbeitnehmer. Wenn keine zusätzlichen Bestandteile hinzukommen, gilt dieser Stundenlohn. In einigen Branchen ist aber eine vergütungsabhängige Entlohnung üblich und es wird kompliziert, den Mindestlohn zu berechnen. Viele Arbeitgeber versuchen auch, durch Sachleistungen die Differenz auszugleichen. Das ist in der Regel aber nicht rechtens.

Diese Bestand­tei­le können ange­rech­net werden

Wenn es sich bei den variablen Vergütungsbestandteilen um eine Gegenleistung für die reguläre Tätigkeit des Arbeitnehmers handelt, können sie einbezogen werden, um den Mindestlohn zu berechnen. Das kann zum Beispiel für ein dreizehntes Monatsgehalt gelten. Ist dieses so berechnet, dass der Arbeitnehmer inklusive dreizehntem Monatsgehalt durchschnittlich den Mindestlohn erhält, obwohl die sonstige Festvergütung pro Stunde unter 8,50 Euro liegt, darf es auch einmalig pro Jahr ausgezahlt werden. Auch Provisionen können zum Mindestlohn zählen, wenn es einen monatlich garantierten Anteil gibt, der ausreicht, um den Mindestlohn zu erreichen.

Min­dest­lohn berechnen: Unzu­läs­si­ge Bestand­tei­le

Dagegen dürfen keine Vergütungsbestandteile herangezogen werden, um den Mindestlohn zu berechnen, die sich nicht direkt auf die reguläre Tätigkeit des Arbeitnehmers beziehen. Das sind zum Beispiel Überstunden, Schmutz- und Gefahrenzulagen. Auch Akkordprämien oder Qualitätsprämien dürfen in der Regel nicht einbezogen werden. Beiträge zur betrieblichen Altersvorsorge sind ebenfalls ausgenommen, wenn Arbeitgeber den Mindestlohn berechnen. Trinkgelder in der Gastronomie dürfen auch nicht in die Berechnung des Mindestlohns einfließen, weil sie nicht vom Chef, sondern von den Gästen gezahlt werden.

Der Arbeitgeber darf außerdem keine Abzüge für Sachleistungen vornehmen, die er gewährt. Schließlich handelt es sich beim Mindestlohn um einen Barlohn, der den Empfängern einen angemessenen Lebensstandard sichern soll. Wenn Sie also als Angestellter in einem Kino kostenlos Filme sehen dürfen, kann der Arbeitgeber deshalb nicht einen Lohn unterhalb des Mindestlohns auszahlen. Eine Ausnahme gilt allerdings bei der Unterkunft für Saisonarbeiter: Sie kann angerechnet werden.


Bitte lesen Sie zu dem Inhalt auch unsere Rechtshinweise.

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