Nacht­zu­schlag: Anspruch auf bis zu 30 Prozent möglich Nightman1965, Fotolia

15. Januar 2016, 11:06 Uhr

Bun­des­ar­beits­ge­richt Nacht­zu­schlag: Anspruch auf bis zu 30 Prozent möglich

Nachtarbeit ist eine besondere Belastung für Arbeitnehmer. Wer nachts arbeitet, hat daher Anspruch auf einen Nachtzuschlag – so sieht es das Arbeitszeitgesetz vor. Laut einem aktuellen Urteil des Bundesarbeitsgerichts (BAG) ist ein Zuschlag von mindestens 25 Prozent des Bruttolohns angemessen, sofern ein Tarifvertrag keine anderen Regelungen festsetzt. Dauerhafte Nachtarbeit kann laut BAG auch einen höheren Nachtzuschlag rechtfertigen.

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Nacht­ar­beit ist in vielen Berufen Alltag

Für viele Arbeitnehmer gehören Schichtdienst und Nachtarbeit zu ihrem Arbeitsalltag. Als Nachtzeit gilt dabei nach § 2 des Arbeitszeitgesetzes (ArbZG) in der Regel die Zeit zwischen 23 und 6 Uhr, für Bäckereien und Konditoreien zwischen 22 und 5 Uhr. Als Nachtarbeit gilt jede Tätigkeit in diesem Zeitraum, die mehr als zwei Stunden umfasst. Sie muss nach § 6 ArbZG durch eine "angemessene Zahl bezahlter freier Tage" oder einen "angemessenen Zuschlag" auf das Bruttogehalt ausgeglichen werden.

Nacht­zu­schlag: Gericht legt konkrete Werte fest

Am Fall eines Lkw-Fahrers, der für einen nicht tarifgebundenen Paketlieferdienst tätig ist und regelmäßig nachts arbeitet, hat das Bundesarbeitsgericht Ende 2015 diese Werte konkretisiert (AZ 10 AZR 423/14). Der Fahrer hatte für Arbeit zwischen 21 und 6 Uhr einen Nachtzuschlag von zunächst 11 Prozent, später in Höhe von 20 Prozent erhalten. Er forderte jedoch einen Zuschlag in Höhe von 30 Prozent oder alternativ zwei Tage Freizeitausgleich für je 90 Stunden Nachtarbeit.

Bei Arbeitsrechtsfragen sind wir Ihr Partner!Das BAG bestätigte ihm einen grundsätzlichen gesetzlichen Anspruch auf mindestens 25 Prozent Zuschlag auf den Bruttolohn oder auf entsprechenden Freizeitausgleich für die Arbeitszeit zwischen 23 und 6 Uhr. Im konkreten Fall sei auch die Forderung nach einem Nachtzuschlag in Höhe von 30 Prozent oder entsprechend mehr Freizeitausgleich rechtens, urteilten die Richter. Da der Lkw-Fahrer dauerhaft nachts arbeite, sei die Arbeitsbelastung besonders hoch. Die Höhe des Stundenlohns sei in diesem Zusammenhang nicht relevant, und auch der gezahlte Zuschlag für die Zeit zwischen 21 und 23 Uhr dürfe nicht auf den Nachtzuschlag angerechnet werden, so das Gericht.

Redu­zier­ter Anspruch bei gerin­ge­rer Belastung

Höhere Belastung durch Dauernachtarbeit kann also einen höheren Nachtzuschlag von bis zu 30 Prozent rechtfertigen. Genauso kann der Zuschlag laut BAG allerdings geringer ausfallen, wenn die Arbeitsbelastung nachts nachweislich spürbar geringer ist als am Tage – etwa dann, wenn der Arbeitnehmer nachts lediglich Bereitschaftsdienst hat.

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