Wenn ein Flug annulliert wird, ist die Airline den Passagieren gegenüber meistens zu Ersatzleistungen verpflichtet THANANIT, Fotolia

Airlines in der Verantwortung Flug annul­liert: Ihre Ansprüche bei Ausfall des Ersatz­fluges

12.10.2017

Es ist ärgerlich, wenn eine Airline einen Flug annul­liert, doch dann ist sie den Passa­gieren gegenüber meistens zu Ersatz­leis­tungen verpflichtet. Das gilt auch dann, wenn der angebotene Ersatzflug mit einer anderen Flugge­sell­schaft ebenfalls annul­liert wird.

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23 Stunden Verspätung nach Annul­lierung

In einem verhan­delten Fall hatten die Kläger einen Flug von Frankfurt über Singapur nach Sydney gebucht. Die beklagte Airline annul­lierte aller­dings den Flug von Frankfurt nach Singapur und bot den Klägern einen Ersatzflug mit einer anderen Airline an. So sollten sie etwa zur selben Zeit starten und landen. Dann wurde aber auch der Ersatzflug annul­liert, die Kläger verpassten ihren Anschluss in Singapur und erreichten Sydney mit rund 23 Stunden Verspätung. Aufgrund der Verspätung forderten die Kläger eine Ausgleichs­zahlung nach der Fluggast­rech­te­ver­ordnung (Fluggast­rechteVO), die ihnen bei einer Verspätung von mehr als zwei Stunden zugestanden hätte. Die Airline weigerte sich mit der Begründung, dass der angebotene Ersatzflug die Ansprüche der Kläger erfüllt hätte, wäre er nicht annul­liert worden.

Fluggast­rechte orien­tieren sich an der tatsäch­lichen Verspätung

Das Amtsge­richt hatte die Klage zunächst abgewiesen, das Landge­richt hatte den Klägern nach der Berufung antrags­gemäß 1.800 Euro nebst Verzugs­zinsen zugesprochen. Der X. Zivil­senat des Bundes­ge­richtshof wies die Revision der Airline zurück und erklärte: Nach Art. 5 Abs. 1 Buchst. c Nr. iii Fluggast­rechteVO sei die Airline nur dann nicht ersatz­pflichtig, wenn die Passa­giere ihr Ziel mit weniger als zwei Stunden Verspätung erreichen. Ob das theore­tisch hätte klappen können oder ob die Passa­giere womöglich zusätz­liche Ansprüche gegen das Flugun­ter­nehmen haben, das den Ersatzflug annul­liert hat, sei dabei nicht von Belang. Entscheidend sei allein die tatsäch­liche Ankunftszeit (AZ X ZR 73/​16).

Wann bestehen trotz Annul­lierung keine Ansprüche?

Nach der Fluggast­rech­te­ver­ordnung haben Sie nur dann keine Ausgleichs­an­sprüche, wenn Sie entspre­chend früh infor­miert werden, dass Ihr Flug annul­liert wird und die Airline gegebe­nen­falls entspre­chende Altna­tiven anbietet:

  • Annul­lierung mehr als zwei Wochen vor Abflug
  • Annul­lierung sieben bis 14 Tage vorher: Ersatzflug startet maximal zwei Stunden früher als geplant und Sie erreichen Ihr Endziel maximal vier Stunden später
  • Annul­lierung weniger als sieben Tage vorher: Abflug höchstens eine Stunde früher, Landung maximal zwei Stunden später als geplant

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