Wer wegen Über­bu­chung nicht mit­flie­gen kann, erhält neben der Umbuchung auch eine Ent­schä­di­gung anya­b­erkut, Fotolia

8. Juni 2017, 10:04 Uhr

Ärger auf Reisen: Flieger voll Flug überbucht: Das sind Ihre Rechte als Fluggast

Hat eine Airline Ihren Flug überbucht, können Sie eventuell nicht mitfliegen, obwohl Sie ein gültiges Ticket haben. Im Fall einer solchen Überbuchung stehen Ihnen eine Umbuchung und eine Entschädigung zu. Wenn Sie Ihre Fluggastrechte genau kennen und Sie hinsichtlich der Ankunft am Zielort flexibel sind, kann sich die Nicht-Mitnahme sogar rechnen.

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Wie kommt es zu einer Über­bu­chung von Flügen?

Erfahrungsgemäß werden auch auf ausgebuchten Flügen selten alle Plätze gebraucht, weil Passagiere kurzfristig ihre Reisepläne ändern, sich Flieger verspäten oder Flüge ganz annulliert werden. Da leere Plätze finanzielle Einbußen für die Fluggesellschaft bedeuten, verkaufen die Airlines zum Teil mehr Tickets, als das Flugzeug Sitze hat. Wollen dann doch alle Kunden mitfliegen, kommt es zu Platzproblemen.

Wer darf bei Über­bu­chung mit­flie­gen?

In der Praxis hat oft der Letzte das Nachsehen. Es kann also gut sein, dass es die letzten Passagiere in der Schlange am Gate trifft. Dabei kann es auch passieren, dass mehrere Personen, die zusammen reisen, getrennt werden. Hier kommt es auf die individuelle Zumutbarkeit an. Kindern zum Beispiel kann nicht zugemutet werden, allein zu reisen. Ehepartner hingegen können durchaus getrennt werden und zum Beispiel einige Stunden versetzt abfliegen. In der Regel erkennt die Airline das Problem frühzeitig und spricht schon vor dem Boarding Kunden an, ob sie bereit wären, einen anderen Flug zu nehmen. Egal, ob freiwillig oder nicht – wenn es Sie trifft, ist es wichtig, dass Sie Ihre Fluggastrechte kennen.

Flug­gast­rech­te laut EU-Ver­ord­nung

Sie gehen beim Kauf eines Flugtickets einen Beförderungsvertrag mit der Fluggesellschaft ein. Im Falle einer Überbuchung kann die Airline ihren Teil des Vertrags nicht einhalten. Daher stehen Ihnen eine Umbuchung auf einen anderen Flug und eine Entschädigung zu. Nach der EU-Verordnung 261/2004 staffelt sich diese wie folgt:

  • 250 Euro für Kurz­stre­cken (bis 1.500 km)
  • 400 Euro für Mit­tel­stre­cken (innerhalb der EU oder bis 3.500 km)
  • 600 Euro für Lang­stre­cken (außerhalb der EU oder ab 3.500 km)

Da EU-Recht über den individuellen Vertragsbedingungen der Fluggesellschaft steht, kann die Airline Ihre Fluggastrechte nicht durch Vertragsklauseln schwächen.

Müssen Sie aufgrund von Überbuchung einen anderen Flug nehmen, stehen Ihnen (abhängig von der Wartezeit, die bis zum neuen Flug vergeht) mitunter zusätzliche Leistungen zu, etwa für Essen und Getränke. Geht der neue Flug erst am nächsten Tag, muss die Fluggesellschaft Ihnen auch ein Hotel zahlen.

Angebote der Airline

Ist ein Flug überbucht, versuchen die Mitarbeiter der Airline meist, das Problem zur Zufriedenheit aller Beteiligten vor Ort zu lösen. So werden mitunter sehr großzügige Reisegutscheine als Entschädigung für die Umbuchung angeboten. Der Wert beträgt nicht selten mehr als das Doppelte des ursprünglichen Flugpreises. Mitunter wird das Angebot noch verlockender, wenn Sie sich nicht direkt überzeugen lassen. Wenn Sie Ihre Entschädigungsansprüche nach EU-Recht kennen, können Sie also abwägen, was sich mehr für Sie lohnt. Das hängt natürlich auch davon ab, ob Sie mit einem Reisegutschein genauso viel anfangen können wie mit dem Geld, das Ihnen laut Ihrer Fluggastrechte zusteht. Nehmen Sie das Angebot der Airline an, müssen Sie eine Erklärung unterschreiben, in der Sie auf Ihre Fluggastrechte nach EU-Verordnung verzichten. Sie können also nicht zweimal für dieselbe Überbuchung entschädigt werden.

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