Flug verpasst wegen Sicher­heits­kon­trol­le: Ihre Rechte Monkey Business, Fotolia

9. März 2017, 15:10 Uhr

Wann der Flughafen haftet Flug verpasst wegen Sicher­heits­kon­trol­le: Ihre Rechte

Die Sicherheitskontrolle am Flughafen dauert so lange, dass der Reisende seinen Flug verpasst – das allein ist schon ärgerlich genug. Aber haben Sie in einem solchen Fall Anspruch auf Entschädigung? Lesen Sie, wann der Flughafen haften muss.

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Zu lange Sicher­heits­kon­trol­le: Flughafen haftet in manchen Fällen

Rechtzeitig vor Ort und trotzdem den Flug verpasst: Wenn ein Reisender durch die Sicherheitskontrolle am Flughafen unverhältnismäßig lange oder zu Unrecht aufgehalten wird, sodass der Flieger ohne ihn abhebt, kann es sein, dass der Flughafen haften muss. Das Amtsgericht Erding entschied beispielsweise Anfang 2017, dass der Münchener Flughafen einem Passagier, der wegen schlechter Organisation der Flughafen-Sicherheitskontrollen seinen Flug verpasst hatte, die Mehr- und Umbuchungskosten für seine Reise zu 80 Prozent erstatten muss (AZ 8 C 1143/16). Der Mann wollte mit seiner Familie in den Urlaub fliegen, verpasste den Flug aber wegen einer langen Warteschlange an der Sicherheitskontrolle und konnte erst einen Tag später fliegen.

Auch das Oberlandesgericht Frankfurt am Main urteilte 2013 im Sinne eines Flugpassagiers. Dieser war an der Sicherheitskontrolle unverhältnismäßig lange aufgehalten worden, weil aufgrund von Überlagerungen auf dem Röntgenbild der Verdacht aufgekommen war, dass er gefährliche Gegenstände im Handgepäck mit sich führte. Dies traf nicht zu, der Mann verpasste jedoch seinen Flug und musste neue Tickets für einen anderen Flug kaufen. Das Gericht erkannte eine mangelhafte Organisation der Kontrolle und sprach dem Passagier Ersatzansprüche zu (AZ 1 U 276/12).

Flug verpasst wegen Sicher­heits­kon­trol­le: Reisende haben Mit­ver­ant­wor­tung

Voraussetzung für eine Haftung des Flughafens ist, dass den Reisenden selbst keine Schuld an der Verspätung trifft. Für die Sicherheitskontrolle am Flughafen sollten Sie daher immer einen ausreichenden Zeitpuffer einkalkulieren. In einem aktuellen Bericht der "Süddeutschen Zeitung" rät ein Sprecher des Frankfurter Flughafens, an Hauptreisetagen und in der Ferienzeit immer zwei bis zweieinhalb Stunden vor Abflug am Flughafen zu sein und vor Ort Informationen zu den Wartezeiten zu beachten. Der Nachteil für Passagiere, die Online-Check-in nutzen: Sie können bei einem Rechtsstreit im Zweifel schlecht nachweisen, wann sie am Flughafen waren. Auch in dem Fall aus München erkannte das Gericht eine Mitschuld des Reisenden: Er hätte demnach das Personal deutlicher darauf hinweisen müssen, dass sein Flug bald starte und er daher unter Zeitdruck stehe.

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