Die neuen Rege­lun­gen des Pau­schal­rei­se­rechts gelten jetzt auch für Online­an­bie­ter sebra, Fotolia

3. Juli 2018, 10:58 Uhr

Darf ich eigent­lich? Pau­schal­rei­se­recht: Sechs Neue­run­gen für Urlauber

Seit 1. Juli 2018 gilt das neue Pauschalreiserecht in Deutschland. Das seit 1990 gültige Reiserecht wird damit modernisiert: Die neuen Regelungen gelten jetzt auch für Onlineanbieter.

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Neuerung 1: Die ver­bun­de­ne Rei­se­leis­tung

Eine sogenannte verbundene Reiseleistung entsteht, wenn ein Urlauber im Abstand von weniger als 24 Stunden mindestens zwei unterschiedliche Leistungen für dieselbe Reise bucht – zum Beispiel Hotel und Mietwagen –, das Reisebüro die jeweiligen Vertragspartner benennt und getrennte Rechnungen ausstellt.

In einem solchen Fall muss der Vermittler, üblicherweise das Reisebüro oder -portal, den Kunden darüber informieren, ob eine Pauschalreise oder eine verbundene Reiseleistung vorliegt. Und: Der Vermittler muss gegen Insolvenz versichert sein, wenn der Kunde die gebuchten Leistungen bei ihm bezahlt und nicht direkt beim Anbieter.  Das gilt gleichermaßen für Reiseportale im Internet als auf für herkömmliche Reisebüros.

Damit weiß der Reisende zum einen, ob er die umfassenden Rechte eines Pauschalurlaubers genießt oder sich im Fall von Mängeln mit den einzelnen Dienstleistern auseinandersetzen muss. Zum anderen hat er die Gewissheit, im Falle einer Pleite des Vermittlers sein Geld zurückzubekommen.

Neuerung 2: Ver­mitt­ler werden Ver­an­stal­ter

Verkauft ein Reiseanbieter mehrere Leistungen für eine Reise im Paket und berechnet dafür einen Gesamtpreis, wird er automatisch zum Veranstalter und der Kunde zum Pauschaltouristen. Urlauber profitieren so von den rechtlichen Regelungen für Pauschalreisen. Im Fall von Reisemängeln  ist dann das Reisebüro oder -portal haftbar, da es gleichzeitig auch Reiseveranstalter ist.

Auch aus verbundenen Onlinebuchungen kann eine Pauschalreise entstehen. Beispiel: Eine Flugbörse bietet nach der Flugbuchung einen Link zu einem Hotel am Zielort an und überträgt die Daten des Kunden dorthin. Bucht dieser nun innerhalb von 24 Stunden über diesen Link ein Hotel, hat er eine Pauschalreise erworben.

Neuerung 3: Feri­en­häu­ser und -wohnungen fallen raus

Reiseveranstalter bieten häufig auch Ferienwohnungen oder -häuser an, die bislang auch unter deutsches Pauschalreiserecht fielen. Das gilt künftig nicht mehr. Für Urlauber ist das ein erheblicher Nachteil, denn jahrzehntelang konnten sie als Pauschalreisende bei Mängeln nicht nur eine Minderung des Reisepreises verlangen, sondern auch Schadenersatz wegen entgangener Urlaubsfreude.

Außerdem gilt unter Umständen bei der Anmietung einer Ferienimmobilie künftig das Recht des Urlaubslandes. Damit wird es deutlich schwerer seine Ansprüche geltend zu machen, schon wegen der Sprachbarrieren.

Neuerung 4: Tages­rei­sen selten Pau­schal­rei­sen

Auch bei Tagesreisen sind Verbraucher künftig aus rechtlicher Sicht schlechter gestellt: Das Pauschalreiserecht gilt nur noch bei Preisen ab 500 Euro pro Person. Da die wenigsten Tagesreisen oberhalb dieser Grenze liegen, werden sich Tagesausflügler nur noch sehr selten darauf berufen können.

Neuerung 5: Urlauber muss stärkere Preis­er­hö­hun­gen hinnehmen

Bislang konnten Reiseveranstalter die Preise bis vier Monate vor Reisebeginn um maximal fünf Prozent erhöhen, wenn diese Erhöhung zum Beispiel durch gestiegene Treibstoffpreise oder geänderte Wechselkurse gerechtfertigt war.

In dieser Hinsicht verschlechtert das neue Pauschalreiserecht die Verbraucherrechte beträchtlich. Künftig dürfen Urlauber eine gebuchte Reise wegen nachträglicher Preiserhöhung nur noch dann kostenfrei stornieren, wenn die Steigerung mindestens acht Prozent beträgt. Und: Die Erhöhung kann noch bis zu 20 Tage vor Reiseantritt erfolgen.

Innerhalb dieser kurzen Frist wird es für Urlauber schwer, eine Alternative finden zu finden. Sie müssen Preiserhöhung vermutlich in vielen Fällen zähneknirschend akzeptieren müssen. Dies dürfte insbesondere für Familien gelten, die eine Reise in den Ferien gebucht haben.

Neuerung 6: Män­gel­an­zei­ge innerhalb von zwei Jahren

Bei Mängeln im Urlaub profitieren Urlauber hingegen vom neuen Pauschalreiserecht.  Fortan haben sie zwei Jahre nach Ende der Reise Zeit, um ihre Ansprüche geltend zu machen. Bislang musste dies innerhalb eines Monats geschehen. Wichtig: Reisende müssen die Mängel dem Veranstalter bereits im Urlaub gemeldet haben, damit dieser die Gelegenheit hat, für Abhilfe zu sorgen.

Inwieweit sich diese verlängerte Frist in der Praxis auswirken wird, muss sich allerdings noch zeigen. Klar ist: Je länger der Urlaub her ist, umso schwieriger wird es, Mängel nachzuweisen.


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