Reiserücktrittsgründe stehen im Versicherungsvertrag Antonioguillem, Fotolia

Versicherungsvertrag genau lesen Reise­rück­tritts­gründe: Schule gilt nicht als Arbeits­platz

10.10.2017

Gehört ein Arbeits­platz­wechsel zu den abgesi­cherten Reise­rück­tritts­gründen, ist damit nur eine tatsäch­liche Arbeits­stelle gemeint. Führt ein Schul­wechsel zum Reise­rück­tritt, kann sich der Versi­cherte nicht darauf berufen, die Schule wäre der Arbeits­platz des Kindes. Das zeigt ein aktuelles Urteil.

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Grund für den Reise­rück­tritt: Spontane Zusage der Schule

Im aktuellen Fall hatte der Kläger eine Reise­rück­tritts­ver­si­cherung für sich und seine minder­jährige Tochter abgeschlossen. Das Mädchen hatte sich für ein einjäh­riges Schul­pro­gramm im Jahr 2016/​2017 beworben und im November 2015 von der Schule eine Absage erhalten. Der Kläger buchte daraufhin Flüge von Dresden nach San Francisco für sich und seine Tochter: Hinflug Ende September 2016  und Rückflug Anfang Oktober 2016. Im Februar 2016, nachdem die Flüge bereits gebucht waren, bekam das Mädchen nun doch noch eine Zusage der Schule: Der Unter­richts­beginn fiel auf Anfang August 2016, sodass sie die bereits gebuchte USA-Reise nicht antreten konnte. Der Vater stornierte daher die Flugti­ckets der Tochter.

Reise­rück­tritts­gründe stehen im Versi­che­rungs­vertrag

Die Stornie­rungs­kosten von 887,62 Euro wollte der Kläger nach dem Reise­rück­tritt bei der Versi­cherung geltend machen, denn im Versi­che­rungs­vertrag wird ein Arbeits­platz­wechsel als abgesi­cherter Reise­rück­tritts­grund aufge­führt: "Arbeits­platz­wechsel der versi­cherten Person oder einer mitrei­senden Risik­o­person (…).". Der Kläger ging davon aus, es handele sich um einen Versi­che­rungsfall, und argumen­tierte, dass die Schule der Arbeits­platz seiner Tochter sei – schließlich sei die Schule das Zentrum der Beschäf­tigung seines Kindes. Ein Schul­wechsel wäre nach dieser Logik mit einem Arbeits­platz­wechsel gleich­zu­setzen.

Die Versi­cherung sah das aller­dings anders und wollte nicht für die Storno­kosten aufkommen. Das Amtsge­richt München bestä­tigte diese Haltung und wies die Klage des Vaters ab: Versi­chert sind die im Versi­che­rungs­vertrag aufge­führten Reise­rück­tritts­gründe. Der Schul­besuch bereitet auf eine Ausbildung vor und ermög­licht es, später einen Arbeits­platz zu erlangen, jedoch ist die Schule selbst kein Arbeits­platz, sodass ein Schul­wechsel kein Arbeits­platz­wechsel und daher keiner der von der Versi­cherung abgedeckten Reise­rück­tritts­gründe ist (AZ 273 C 2376/​17).

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