Kur und Reha: Auszeit für pflegende Ange­hö­ri­ge ©istock.com/alvarez

20. September 2019, 8:18 Uhr

Durch­at­men Kur und Reha: Auszeit für pflegende Ange­hö­ri­ge

Eine Kur oder eine Reha kann dafür sorgen, dass pflegende Angehörige neue Kraft für ihren anstrengenden Alltag schöpfen. Hier erfährst du, wie es mit dem Anspruch auf diese Maßnahmen aussieht, wie du sie beantragst und wie sich die Pflege deiner Angehörigen für die Dauer der Kur oder Reha regeln lässt.

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Pflegende Ange­hö­ri­ge haben Anspruch auf Ent­las­tung und Behand­lung

Viele pflegende Angehörige sind fast 24 Stunden am Tag eingespannt, die Pflegesituation bestimmt komplett den Alltag. Die Folge können zum Beispiel körperliche Beschwerden sein – oder auch das Gefühl, ständig völlig überlastet zu sein. Aber: In solchen Fällen besteht grundsätzlich ein Anspruch auf Entlastung durch Kuren oder stationäre Reha-Maßnahmen bei Erkrankungen. 

Seit 2019 ist es für pflegende Angehörige einfacher geworden, eine Reha oder eine Kur zu beantragen:

  • Zuvor galt, dass zunächst alle ambu­lan­ten medi­zi­ni­schen Maßnahmen aus­ge­schöpft sein mussten.
  • Jetzt reicht es aus, dass ein Arzt die gesund­heit­li­chen Probleme attes­tiert, die durch die Pflege ent­stan­den sind. Eine Kur oder Reha kann dann direkt bewilligt werden, auch wenn statt­des­sen prin­zi­pi­ell eine ambulante Behand­lung infrage kommen würde.

Übrigens: Eine Kur dient eher der Vorbeugung von Erkrankungen, während eine stationäre Rehabilitation – umgangssprachlich kurz Reha genannt – eine Maßnahme ist, um die bereits angeschlagene körperliche oder seelische Gesundheit wiederherzustellen. Rein rechtlich wird dabei aber bei pflegenden Angehörigen kein Unterschied gemacht. Entscheidend ist die Empfehlung des Arztes.

Wer zahlt die Reha für pflegende Ange­hö­ri­ge?

Die Kur oder Rehabilitation wird je nach Anlass und Situation von verschiedenen Trägern finanziert:

  • Bei pfle­gen­den Ange­hö­ri­gen, die nicht berufs­tä­tig sind, ist es übli­cher­wei­se die Kran­ken­kas­se, ebenso bei Eltern­tei­len mit pfle­ge­be­dürf­ti­gen Kindern unter 18 Jahren ("Mutter-Kind-Kur mit Schwer­punkt Pflege").
  • Bei Berufs­tä­ti­gen, die zu Hause Ange­hö­ri­ge pflegen, ist in der Regel die Ren­ten­kas­se zuständig.
  • Bei Reha-Maßnahmen infolge eines Unfalls springt die Unfall­ver­si­che­rung ein.

Ist die Kur oder Reha bewilligt, dann wird ein Großteil der Kosten vom Träger übernommen. In der Regel ist noch ein Eigenanteil von zehn Euro pro Tag zu zahlen.

Wie wird eine Kur für pflegende Ange­hö­ri­ge beantragt?

Die Notwendigkeit einer Kur oder Reha-Maßnahme muss von einem Arzt attestiert werden, zum Beispiel vom Hausarzt. Als pflegender Angehöriger musst du dort deine Erschöpfungs- oder Krankheitssymptome ehrlich und ausführlich schildern, denn der Arzt muss in seinem Attest darlegen können, welche Symptome aus der Pflege resultieren – dazu gehört auch die seelische Belastung.

Der Attest musst du dann zusammen mit einem Antrag auf die Kur- oder Reha-Maßnahme bei der Krankenkasse, Rentenkasse oder gegebenenfalls einem anderen zuständigen Kostenträger einreichen. In der Regel erfährst du innerhalb eines Monats, ob die Maßnahme bewilligt wird oder nicht.

Reha abgelehnt? Innerhalb von vier Wochen Wider­spruch einlegen

Lehnt der Kostenträger – zum Beispiel die Krankenkasse – den Antrag ab, dann besteht die Möglichkeit, innerhalb von vier Wochen Einspruch einzulegen. Dazu kannst du nochmals Rücksprache mit dem Arzt halten, um die Notwendigkeit der Reha oder Kur noch besser begründen zu können. Alternativ können dir auch Mitarbeiter einer Pflegeberatungsstelle dabei helfen, den Widerspruch zu formulieren.

Wird die Reha trotz Widerspruchs abgelehnt, kann dir ein Anwalt dabei helfen, die Bewilligung notfalls einzuklagen.

Wer übernimmt die Pflege während der Reha oder Kur?Mehr Informationen zum Thema Rechtsschutz

In einigen Kur- oder Reha-Kliniken besteht die Möglichkeit, dass die pflegebedürftigen Familienmitglieder mitkommen und parallel vor Ort untergebracht und gepflegt werden. Allerdings sollten pflegende Angehörige immer ehrlich abwägen: Können sie dann wirklich abschalten und sich erholen?

Mögliche Alternativen sind zum Beispiel

Wer unsicher ist, was die beste Lösung für ihn und seinen pflegebedürftigen Angehörigen ist, kann sich dazu beraten lassen. Beratungsstellen in deiner Nähe findest du zum Beispiel in der Online-Datenbank der Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP).

 

FAZIT
  • Pflegende Ange­hö­ri­ge können eine Kur oder eine Reha-Maßnahme bean­tra­gen, wenn sie Erholung brauchen oder durch die Pflege selbst erkrankt sind.
  • Die Not­wen­dig­keit der Maßnahme stellt der behan­deln­de Arzt fest. Dazu müssen alle rele­van­ten Krank­heits- und Erschöp­fungs-Symptome geschil­dert werden.
  • Kos­ten­trä­ger ist in vielen Fällen die Kran­ken­kas­se, bei Berufs­tä­ti­gen in der Regel die Ren­ten­kas­se.
  • In bestimm­ten Kur- oder Reha-Kliniken ist es möglich, dass die pfle­ge­be­dürf­ti­ge Person zeit­gleich mit auf­ge­nom­men wird.
  • Alter­na­tiv bieten sich zum Beispiel eine Ver­hin­de­rungs­pfle­ge oder Kurz­zeit­pfle­ge an.
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