3. April 2019, 10:10 Uhr

Auf­ge­klärt Pflege: Infos für Pfle­ge­be­dürf­ti­ge und Ange­hö­ri­ge

Das Thema Pflege ist für immer mehr Menschen relevant: Etwa 3,41 Millionen Menschen in Deutschland galten laut der Erhebung des Statistischen Bundesamtes zum Ende des Jahres 2017 als pflegebedürftig – und eine noch weit größere Zahl von Angehörigen ist dadurch ebenfalls betroffen. Was ist ein Pflegegrad, welche Leistungen gibt es von der Pflegeversicherung, wer trägt die Pflegeheimkosten und wie können pflegende Angehörige entlastet werden? Die wichtigsten Basis-Infos haben wir hier für dich zusammengefasst.

Inhalt

>> Wichtige Begriffe rund um die Pflege

>> Vorsorgen für den Ernstfall: Patientenverfügung und Co.

>> Einstufung in Pflegegrade: So ist sie gesetzlich geregelt

>> Häusliche Pflege: Pflegezeit, Pflegegeld und Rentenbeiträge

>> Anspruch auf Entlastung für pflegende Angehörige

>> Pflegeheim: So sind Kosten und Eigenanteil geregelt

>> Die neuesten Artikel zum Thema Pflege

Wichtige Begriffe rund um die Pflege

  • Der Begriff der Pfle­ge­be­dürf­tig­keit ist im Elften Sozi­al­ge­setz­buch (SGB XI) definiert. Dort heißt es: „Pfle­ge­be­dürf­tig (…) sind Personen, die gesund­heit­lich bedingte Beein­träch­ti­gun­gen (…) aufweisen und deshalb der Hilfe durch andere bedürfen. Es muss sich um Personen handeln, die kör­per­li­che, kognitive oder psy­chi­sche Beein­träch­ti­gun­gen oder gesund­heit­lich bedingte Belas­tun­gen oder Anfor­de­run­gen nicht selb­stän­dig kom­pen­sie­ren oder bewäl­ti­gen können. Die Pfle­ge­be­dürf­tig­keit muss auf Dauer, vor­aus­sicht­lich für min­des­tens sechs Monate (…) bestehen.

 

  • Der Pfle­ge­grad (1 bis 5) zeigt an, in welchem Maße eine bestimmte Person pfle­ge­be­dürf­tig ist und Anspruch auf Leis­tun­gen der Pfle­ge­kas­se hat. Bis 2016 gab es statt der Pfle­ge­gra­de die Pfle­ge­stu­fen 1 bis 3.

 

  • Die bei den Kran­ken­kas­sen ange­sie­del­ten Pfle­ge­kas­sen sind Träger der gesetz­li­chen Pfle­ge­ver­si­che­rung, in die jeder gesetz­li­che Kran­ken­ver­si­cher­te auto­ma­tisch einzahlt. Wer pfle­ge­be­dürf­tig wird, hat Anspruch auf Leis­tun­gen.

 

  • Ambulante Pflege bedeutet, dass ein Patient zu Hause gepflegt wird oder regel­mä­ßig die ambulante Abteilung eines Kran­ken­hau­ses aufsucht. Anders als bei der sta­tio­nä­ren Pflege ist er nicht dauerhaft in einem Kran­ken­haus oder in einem Pfle­ge­heim unter­ge­bracht.

 

 

Vorsorgen für den Ernstfall: Pati­en­ten­ver­fü­gung und Co.

Niemand denkt gern daran, dass er selbst einmal schwer krank oder pflegebedürftig werden könnte. Dennoch müssen im Ernstfall Entscheidungen zu medizinischen Behandlungen und anderen rechtlichen Angelegenheiten getroffen werden – idealerweise in deinem Sinne. Mit Vorsorgedokumenten wie Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung ist das Wichtigste geregelt.

Vorsorgedokumente individuell erstellen: Mit dem Vorsorge-Generator von ADVOCARD geht‘s ganz einfach. >>

Ausführliche Infos zu den einzelnen Vorsorgemöglichkeiten erhältst du in unseren Ratgebern:

Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht:
Der Unterschied
Mehr erfahren

Mutter und Tochter schauen aus dem Fenster

Vorsorgevollmacht: Diese Vorteile bietet sie
Mehr erfahren

Betreuungsverfügung:
Inhalt und Wirksamkeit
Mehr erfahren

 

Ein­stu­fung in Pfle­ge­gra­de: So ist sie gesetz­lich geregelt

Mit der Pflegereform 2017 wurde das bis dahin gültige System der Pflegestufen in ein System der Pflegegrade umgewandelt. Grundlage war das Pflegestärkungsgesetz III. Unter anderem sollte damit die wachsende Zahl der Demenzkranken bessergestellt werden, da das alte Pflegestufensystem stärker auf körperliche als auf geistige Einschränkungen ausgerichtet war.

Pflegebedürftige Menschen werden in einen Pflegegrad auf einer Skala von 1 bis 5 eingestuft. Kurz zusammengefasst lässt sich sagen: Je höher die Zahl, desto höher auch der Pflegebedarf.

Nur wer in einen Pflegegrad eingestuft ist, hat auch Ansprüche auf Leistungen der Pflegekassen. Eine erste Übersicht über die Geld- und Sachleistungen bei den einzelnen Pflegegraden gibt das Bundesgesundheitsministerium in diesem Flyer zum Download.

Pflegegrade: Das sollten Betroffene wissen

Wer entscheidet über die Einstufung in einen bestimmten Pflegegrad? Die Grundlage dafür bildet die Beurteilung eines Gutachters.

Zu den Kriterien bei der sogenannten Pflegebegutachtung gehören die körperliche Mobilität, aber auch die geistige Leistungsfähigkeit und die Fähigkeit, den Alltag zu bewältigen.

Mehr zum Thema Pflegegrade erfährst du in unserem Ratgeber.

Wie und wo kann man einen Pflegegrad beantragen?

  • Den soge­nann­ten „Antrag auf Pfle­ge­leis­tun­gen“ kann man bei der gesetz­li­chen Kran­ken­kas­se der pfle­ge­be­dürf­ti­gen Person stellen – mit dem Hinweis, diesen bitte an die zustän­di­ge Pfle­ge­kas­se wei­ter­zu­lei­ten.
  • Privat Kran­ken­ver­si­cher­te wenden sich an die private Pfle­ge­ver­si­che­rung.
  • Vor­aus­set­zung für den Anspruch ist, dass der Pfle­ge­be­dürf­ti­ge innerhalb der letzten zehn Jahre min­des­tens für zwei Jahre in die Pfle­ge­ver­si­che­rung ein­ge­zahlt hat.
  • Der Antrag kann formlos erfolgen – per Telefon, per Mail oder per Post. Du musst zunächst gar nicht viele Angaben machen: nur, dass du einen Antrag auf Leis­tun­gen der Pfle­ge­kas­se stellst.
  • Daraufhin sendet die Pfle­ge­kas­se dir alle not­wen­di­gen Unter­la­gen zu und ver­an­lasst, dass ein Gutachter ins Haus kommt und die Pfle­ge­be­dürf­tig­keit offiziell fest­stellt.

Wann erhalte ich die „Hilfe zur Pflege“?

In manchen Fällen greift die Pflegeversicherung nicht, etwa wegen einer zu kurzen Beitragszeit. Manche Menschen erhalten (noch) keinen Pflegegrad, obwohl sie körperlich oder geistig etwas beeinträchtigt sind. Oder es wird über die bewilligten Pflegeleistungen hinaus finanzielle Hilfe benötigt.

In solchen Fällen kann das Sozialamt den Patienten mit der Hilfe zur Pflege unterstützen. Wer Anspruch hat und wie man die Leistung beantragt, liest du in unserem Ratgeber.

Bestens abgesichert: Wir unterstützen dich auch bei Ärger mit Behörden. >>

Häusliche Pflege: Pfle­ge­zeit, Pfle­ge­geld und Ren­ten­bei­trä­ge

Die häusliche Alten- und Krankenpflege leisten häufig Angehörige mit Unterstützung durch einen ambulanten Pflegedienst, der in bestimmten Zeitabständen vorbeikommt.

Pflegende Angehörige sind oft einer großen körperlichen und emotionalen Belastung ausgesetzt. Noch dazu erleiden sie Nachteile in Bezug auf die eigene Altersvorsorge, wenn sie nicht arbeiten gehen und somit nicht in die Rentenversicherung einzahlen können. Auch ihre Situation wird seit der Pflegereform 2017 rechtlich stärker berücksichtigt.

Welche Ansprüche haben pflegende Angehörige?

Pflegezeit: Wer einen nahen Angehörigen zu Hause pflegt und dafür eine Zeitlang im Job kürzertreten will, kann unter Umständen Pflegezeit beantragen. Das regeln das Pflegezeitgesetz (PflegeZG) und das Familienpflegezeitgesetz (FPfZG).

  • Arbeit­neh­mer können im akuten Fall bis zu zehn Tage lang von der Arbeit frei­ge­stellt werden – oder sie können bis zu sechs Monate Pfle­ge­zeit für Ange­hö­ri­ge in Anspruch nehmen.
  • Seit 2015 haben pflegende Ange­hö­ri­ge, die sich in akuten Fällen kurz­zei­tig von der Arbeit frei­stel­len lassen, für diesen Zeitraum Anspruch auf das soge­nann­te Pfle­ge­un­ter­stüt­zungs­geld.

Pflegegeld und Pflegesachleistungen: Beide Leistungen stellen eine Unterstützung für Menschen dar, die im häuslichen Umfeld gepflegt werden. Ihre Höhe hängt jeweils vom Pflegegrad ab.

Wie du Pflegegeld beantragen kannst, was Pflegesachleistungen genau sind und unter welchen Voraussetzungen überhaupt ein Anspruch besteht, erfährst du in unseren Ratgebern:

Pflegegeld beantragen:
Voraussetzungen und Höhe
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Pflegesachleistungen:
Definition und Anspruch
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Rente: Dass pflegende Angehörige weniger Rentenansprüche erarbeiten können, wird berücksichtigt: Für Menschen, die ein Familienmitglied unentgeltlich pflegen, zahlt die Pflegeversicherung unter bestimmten Bedingungen in die Rentenversicherung ein. Unter diesen Voraussetzungen ist die Pflegetätigkeit von Angehörigen rentenversicherungspflichtig:

  • Die zu pflegende Person hat min­des­tens den Pfle­ge­grad 2.
  • Die unent­gelt­li­che Pflege dauert min­des­tens 10 Stunden pro Woche (bis 2017 galt: 14 Stunden) und wird auf min­des­tens 2 Tage pro Woche verteilt.
  • Die Pflege findet in häus­li­cher Umgebung statt.
  • Neben der Pflege ist die pflegende Person nicht mehr als 30 Stunden pro Woche berufs­tä­tig.

 

Anspruch auf Ent­las­tung für pflegende Ange­hö­ri­ge

Verhinderungspflege: So wichtig pflegenden Angehörigen das Wohlergehen des Pflegebedürftigen auch ist: Manchmal muss man selbst einfach mal raus und neue Energie tanken. Die meisten Arbeitnehmer können Urlaub nehmen und sich erholen – aber was ist mit pflegenden Angehörigen, die Tag und Nacht gefordert sind?

  • Sie können Ver­hin­de­rungs­pfle­ge bean­tra­gen, wenn sie eine Auszeit von der Pflege brauchen oder mal selbst erkrankt oder ver­hin­dert sind.
  • Das geht stun­den­wei­se oder auch über längere Zeit.
  • Die Pfle­ge­ver­si­che­rung bezahlt dann zum Beispiel eine Ver­tre­tung – etwa einen ambu­lan­ten Pfle­ge­dienst – oder übernimmt die Kosten für die vor­über­ge­hen­de sta­tio­nä­re Unter­brin­gung der pfle­ge­be­dürf­ti­gen Person.
  • Der Antrag auf Ver­hin­de­rungs­pfle­ge ist auch rück­wir­kend möglich – und das mehrere Jahre lang. Denn die Pfle­ge­per­son kann schließ­lich auch mal spontan ausfallen.

In § 39 SGB XI finden sich die rechtlichen Grundlagen für die Verhinderungspflege – und in unserem Streitlotse-Ratgeber liest du, was du beim Antrag auf Verhinderungspflege alles beachten musst.

Tagespflege und Nachtpflege: Pflege ist häufig ein 24-Stunden-Job – etwa, wenn ein Familienmitglied dement wird und praktisch ständig beaufsichtigt werden muss. Viele Angehörige sind in einer Zwickmühle: Sie möchten einerseits dem pflegebedürftigen Menschen so lange wie möglich ein Leben in der Familie und in den eigenen vier Wänden ermöglichen. Andererseits müssen oder wollen sie sich auch noch anderen Dingen im Leben widmen.

Abhilfe kann eine teilstationäre Pflege (Tagespflege oder Nachtpflege) schaffen.

  • Die Tages­pfle­ge (nicht zu ver­wech­seln mit der Kurz­zeit­pfle­ge, s. u.) findet in der Regel in einer Pfle­ge­ein­rich­tung statt. Pfle­ge­be­dürf­ti­ge Menschen werden dort am Tag versorgt, solange die Ange­hö­ri­gen arbeiten müssen oder aus anderen Gründen Ent­las­tung benötigen. Bei der Nacht­pfle­ge wird stationär die Ver­sor­gung über Nacht sicher­ge­stellt, sodass Ange­hö­ri­ge in Ruhe schlafen und sich erholen können.
  • Auf Tages- oder Nacht­pfle­ge besteht gemäß § 41 SGB XI Anspruch ab Pfle­ge­grad 2 oder höher, wenn die Pflege nicht komplett im häus­li­chen Umfeld geleistet werden kann.
  • Die pfle­ge­be­ding­ten Kosten für Tages­pfle­ge oder Nacht­pfle­ge übernimmt dann die Pfle­ge­kas­se bis zu einem fest­ge­leg­ten Satz, der sich mit stei­gen­dem Pfle­ge­grad erhöht.

Kurzzeitpflege: Wer einen pflegebedürftigen Angehörigen vorübergehend nicht zu Hause betreuen kann, kann für bis zu acht Wochen pro Jahr Kurzzeitpflege beantragen. Alles Wichtige zu Voraussetzungen, Kosten und Eigenanteil bei der Kurzzeitpflege liest du in unserem Ratgeber.

Pfle­ge­heim: So sind Kosten und Eigen­an­teil geregelt

Wenn häusliche Pflege nicht möglich oder von den Angehörigen nicht (mehr) leistbar ist, steht bei schwerer Pflegebedürftigkeit irgendwann das Thema Pflegeheim im Raum. Und ist die Entscheidung getroffen und die richtige Pflegeeinrichtung gefunden, geht es als Nächstes um die Kosten.

Was zahlt die Pflegeversicherung, wie hoch ist der Eigenanteil und wann müssen Angehörige einspringen? Einen ersten Überblick gibt unser Ratgeber „Pflegeheim: Wer trägt die Kosten?“

Grundsätzlich gilt: Die Pflegeheimkosten setzen sich aus verschiedenen Positionen zusammen, die der Träger der Pflegeeinrichtung einzeln aufführen muss:

  1. Pfle­ge­kos­ten: Diese übernimmt die Pfle­ge­kas­se, aller­dings nur bis zur gesetz­lich vor­ge­se­he­nen Höchst­gren­ze für den vor­lie­gen­den Pfle­ge­grad. Dar­über­hin­aus­ge­hen­de Pfle­ge­kos­ten müssen die Pfle­ge­be­dürf­ti­gen oder die Ange­hö­ri­gen selbst tragen.
    Seit der Pfle­ge­re­form 2017 ist dabei von Bewohnern mit den Pfle­ge­gra­den 2 bis 5 jeweils ein soge­nann­ter ein­rich­tungs­ein­heit­li­cher Eigen­an­teil (EEE) zu zahlen. Dieser Anteil variiert von Pfle­ge­heim zu Pfle­ge­heim – ein Vergleich lohnt sich also.
  2. Kosten für Unter­kunft und Ver­pfle­gung: Sie sind vom Pfle­ge­be­dürf­ti­gen in der Regel selbst zu tragen.
  3. Weitere Kosten, etwa für Zusatz­leis­tun­gen, Inves­ti­ti­ons­kos­ten oder eine Aus­bil­dungs­um­la­ge: Hier gelten unter­schied­li­che Rege­lun­gen; zum Teil ist auch eine Unter­stüt­zung durch das Sozialamt möglich, wenn Pfle­ge­be­dürf­ti­ge die in Rechnung gestell­ten Kosten nicht selbst auf­brin­gen können.

Pflegebedürftige müssen sich also auf einen nicht unerheblichen Eigenanteil bei den Pflegeheimkosten einstellen. Kann der Pflegebedürftige diesen nicht selbst aufbringen, müssen Angehörige für ihn einstehen – zunächst der Ehe- oder Lebenspartner, anschließend die Kinder.

Sowohl Pflegebedürftigen als auch Angehörigen wird jedoch ein Selbstbehalt zugestanden. Über die genaue Höhe informiert die Düsseldorfer Tabelle im Abschnitt „Verwandtenunterhalt“.

Manche Pflegekosten sind zudem als „außergewöhnliche Belastungen“ von der Steuer absetzbar.

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