Pati­en­ten­ver­fü­gung oder Vor­sor­ge­voll­macht: Was ist besser? © Kyril Lis / Fotolia

29. März 2019, 12:58 Uhr

So geht's richtig Pati­en­ten­ver­fü­gung und Vor­sor­ge­voll­macht: Der Unter­schied

Unfälle und schwere Erkrankungen können eine Patientenverfügung oder eine Vorsorgevollmacht plötzlich sehr wichtig machen – und das in jedem Alter. Es ist nie zu früh, um für den Fall vorzusorgen, dass du dich nicht mehr selbst zu deiner medizinischen Behandlung äußern kannst. Vielen stellt sich hier die Frage, welche Form der Vorsorge dafür besser geeignet ist: Patientenverfügung oder Vorsorgevollmacht? Wir erklären die Unterschiede und geben Tipps für die konkrete Umsetzung.

Wir schützen deine Rechte – auch in schwierigen Lebenslagen. >>

Pati­en­ten­ver­fü­gung und Vor­sor­ge­voll­macht: Der Unter­schied

So funktionieren Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht grundsätzlich:

  • In einer Pati­en­ten­ver­fü­gung bestimmst du weit­ge­hend alle medi­zi­ni­schen Ange­le­gen­hei­ten für den Fall, dass du schwer krank oder pfle­ge­be­dürf­tig wirst und nicht mehr allein ent­schei­den kannst.
  • Mit der Vor­sor­ge­voll­macht legst du eine Ver­trau­ens­per­son fest, die dich in allen recht­li­chen Belangen vertreten kann, falls du einmal nicht mehr für dich selbst ent­schei­den kannst.

Pati­en­ten­ver­fü­gung: Formale Vor­aus­set­zun­gen beachten

In einer Patientenverfügung kannst du im Voraus festlegen, welche Therapien und Behandlungen du im Falle einer Erkrankung wünschst. Du kannst bestimmte Behandlungen auch ausdrücklich ablehnen. Vor allem deine Einstellung zu lebensverlängernden Maßnahmen ist ein wichtiger Bestandteil der Verfügung.

  • 1901 a Bür­ger­li­ches Gesetz­buch (BGB) bestimmt, dass man eine Pati­en­ten­ver­fü­gung grund­sätz­lich schrift­lich verfassen muss.
  • Gemäß § 1901 b BGB kann unter Umständen auch eine mündlich bekundete Pati­en­ten­ver­fü­gung rechtlich bindend sein, wenn zum Beispiel Ange­hö­ri­ge oder Vertraute den Willen des Patienten glaubhaft bezeugen können.
  • Zu dem Zeitpunkt, an dem du die Pati­en­ten­ver­fü­gung verfasst, musst du voll­jäh­rig und ein­wil­li­gungs­fä­hig
  • Eine Pati­en­ten­ver­fü­gung kann formlos wider­ru­fen Hier ist keine Schrift­form vor­ge­schrie­ben.

Wie konkret muss die Pati­en­ten­ver­fü­gung for­mu­liert sein?

Damit deine Wünsche deutlich werden, darf deine Patientenverfügung nicht zu vage formuliert sein. Sie muss mögliche Erkrankungen und Behandlungen möglichst konkret benennen – sonst kann sie im Zweifel sogar unwirksam sein. Entsprechend hat 2016 der Bundesgerichtshof (BGH) geurteilt (AZ XII ZB 61/16).

Diese Punkte müssen konkret benannt sein:

  • Medi­zi­ni­sche Maßnahmen, die du nicht wünschst: zum Beispiel künst­li­che Ernährung, künst­li­che Beatmung oder Blut­trans­fu­si­on. Nur zu schreiben „Ich wünsche keine lebens­ver­län­gern­den Maßnahmen“, reicht gemäß dem BGH-Urteil nicht aus.
  • Rege­lun­gen für konkrete Behand­lungs­si­tua­tio­nen und Krank­heits­bil­der: zum Beispiel Demenz, Unfall oder End­sta­di­um einer unheil­ba­ren Krankheit.
Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht: Der Unterschied

sorcerer11 / Fotolia

Wo sollte man die Pati­en­ten­ver­fü­gung hin­ter­le­gen?

Da die Patientenverfügung sich im Ernstfall an den behandelnden Arzt und an deinen Bevollmächtigten oder Betreuer richtet, sollten diese Personen sie selbstverständlich kennen. Du solltest also offen mit deinen Angehörigen, Freunden und Ärzten über deine Wünsche sprechen und ihnen sagen, dass du eine Patientenverfügung verfasst hast.

  • Du kannst die Pati­en­ten­ver­fü­gung zu Hause Dann sollte ein Ange­hö­ri­ger oder Freund wissen, wo sie zu finden ist.
  • Dein Hausarzt kann eine Kopie der Verfügung erhalten und in deinen Pati­en­ten­da­ten auch gleich deine Wünsche vermerken.
  • Außerdem ist es möglich, das Dokument gegen eine Gebühr im Vor­sor­ge­re­gis­ter der Bun­des­no­tar­kam­mer regis­trie­ren zu lassen – so ist ein Zugriff schnell möglich.

Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht direkt erstellen? Der Vorsorge-Generator hilft dabei. >>

Vor­sor­ge­voll­macht regelt, wer die Ent­schei­dun­gen trifftMehr Informationen zum Thema Rechtsschutz

Die Patientenverfügung regelt also, was du möchtest und was nicht – und die Vorsorgevollmacht regelt, welche Person für dich Entscheidungen treffen darf beziehungsweise dafür sorgen muss, dass deinen Wünschen entsprochen wird. Hier gilt:

  • Aus Beweis­grün­den solltest du die möglichst detail­lier­te Vor­sor­ge­voll­macht schrift­lich
  • Die Vollmacht sollte – wie die Pati­en­ten­ver­fü­gung – allen wichtigen Personen bekannt und für sie verfügbar sein. Auch dafür kannst du das Vor­sor­ge­re­gis­ter der Bun­des­no­tar­kam­mer nutzen.
  • Bevor du zur Tat schrei­test, solltest du jedoch in aller Ruhe mit der Ver­trau­ens­per­son deiner Wahl über deine Pläne sprechen – das gibt beiden Seiten ein gutes Gefühl.

Was du bei der Vorsorgevollmacht außerdem beachten solltest, erfährst du in diesem Streitlotse-Ratgeber.

Entweder-oder? Am besten beides!

Nachdem du nun den Unterschied zwischen Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht kennst, kommst du vielleicht zu dem Schluss, dass beide Vorsorgemöglichkeiten außerordentlich wichtig für dich werden könnten. Nichts spricht dagegen, sowohl eine Patientenverfügung als auch eine Vorsorgevollmacht zu formulieren, um bestmöglich abgesichert zu sein. Bei Unsicherheiten solltest du dich von einem Fachanwalt beraten lassen.

FAZIT
  • Eine Pati­en­ten­ver­fü­gung regelt, welche medi­zi­ni­schen Behand­lun­gen du wünschst oder aus­schließt, falls du dich nicht mehr selbst dazu äußern kannst.
  • Sie sollte schrift­lich und möglichst konkret for­mu­liert sein.
  • Eine Vor­sor­ge­voll­macht regelt, welche Person für dich im Ernstfall Ent­schei­dun­gen treffen darf und dich in recht­li­chen Belangen vertritt.
  • Verwandte oder Vertraute sowie der Hausarzt sollten darüber infor­miert sein, wenn du dich für eine oder beide Vor­sor­ge­for­men ent­schie­den hast.
Artikel teilen

Bitte lesen Sie zu dem Inhalt auch unsere Rechtshinweise.

So einfach ist Rechts­schutz

Ein Rechtsstreit, ganz gleich in welchem Bereich, kommt oft unverhofft. Darum hat ADVOCARD mit dem 360°-Rechtsschutz einen besonders leistungsstarken Rundumschutz geschaffen.

Mehr erfahren

Mediation

Vertragen statt klagen: mit Mediation rechtliche Konflikte ohne Gerichts­ver­fahren lösen.

Strei­tatlas

Streit in Berlin? Zoff in München? Der interaktive Atlas zeigt, wo die deutschen Streithähne leben.

ADVOCARD-Service

Kompetente Beratung und professionelle Unterstützung rund um die Uhr.