Pflege von Ange­hö­ri­gen: Wann können Sie Pfle­ge­zeit bean­tra­gen? Kzenon, Fotolia

12. Oktober 2019, 10:01 Uhr

Durch­at­men Pfle­ge­zeit bean­tra­gen: Diese Mög­lich­kei­ten haben Ange­hö­ri­ge

Die Pflege von Angehörigen bedeutet hohen zeitlichen Aufwand. Das führt für Berufstätige nicht selten zu Stress. Angst um deinen Arbeitsplatz musst du aber nicht gleich haben: Du hast das Recht, Pflegezeit in Anspruch nehmen oder dich kurzfristig freistellen zu lassen, wenn ein naher Angehöriger pflegebedürftig wird. Hier erfährst du mehr zu den gesetzlichen Bestimmungen und den möglichen Regelungen mit dem Arbeitgeber.

Du kannst dich mit deinem Chef nicht über die Pflegezeit einigen? Wir beraten dich gern. >>

 

Pfle­ge­zeit für Ange­hö­ri­ge – und mögliche Alter­na­ti­ven

So ist die Pflegezeit für bis zu sechs Monate geregelt: Wenn ein Angehöriger pflegebedürftig wird, kannst du bei deinem Arbeitgeber Pflegezeit beantragen. Mit dieser hast du einen Rechtsanspruch auf unbezahlte Freistellung von der Arbeit im Zeitraum von bis zu sechs Monaten. Anschließend kannst du zu den Bedingungen, die vor der Pflegezeit galten, in den Job zurückkehren.

Daneben gibt es noch weitere Möglichkeiten, die Pflege von Angehörigen mit dem Beruf zu vereinbaren. Je nach Lebenssituation kommen sie eventuell als Ergänzung oder Alternative zur Pflegezeit infrage.

  • „Pfle­ge­zeit“ für zehn Tage – offiziell „Frei­stel­lung durch kurz­zei­ti­ge Arbeits­ver­hin­de­rung“: Wird ein Ange­hö­ri­ger plötzlich und akut pfle­ge­be­dürf­tig – etwa durch einen Schlag­an­fall –, haben Berufs­tä­ti­ge das Recht, sich spontan für bis zu zehn Tage von der Arbeit frei­stel­len zu lassen. Dieses Recht hat jeder, unab­hän­gig von der Unter­neh­mens­grö­ße.
  • Fami­li­en­pfle­ge­zeit: Sie ermög­licht es, für bis zu zwei Jahre teilweise aus dem Job aus­zu­stei­gen, um den nötigen Freiraum für die Pflege von Ange­hö­ri­gen zu haben. Aller­dings gilt der Rechts­an­spruch nur in Unter­neh­men ab 26 Beschäf­tig­ten.
  • Beglei­tung in der letzten Lebens­pha­se: Diese besondere Form der Pfle­ge­zeit kann für bis zu drei Monate in Anspruch genommen werden, wenn abzusehen ist, dass ein Ange­hö­ri­ger bald stirbt.

 

Pfle­ge­zeit: Vor­aus­set­zun­gen und Folgen für Berufs­tä­ti­ge

Diese Voraussetzungen müssen gegeben sein, damit du einen Anspruch auf die Pflegezeit für bis zu sechs Monate hast:

  • Dein Arbeit­ge­ber beschäf­tigt mehr als 15 Personen.
  • Es muss um die Pflege eines nahen Ange­hö­ri­gen Welche Personen das sind, ist in § 7 Pfle­ge­zeit­ge­setz (PflegeZG) geregelt. Unter anderem gehören der Partner oder Ehegatte, die eigenen Eltern, Groß­el­tern und Kinder, aber auch die Schwie­ger­el­tern dazu.
  • Du darfst die Pfle­ge­zeit nicht unter­bre­chen – der gesamte Zeit­ab­schnitt, ob nun sechs Monate oder weniger, muss am Stück in Anspruch genommen werden.

Du kannst grundsätzlich während der Pflegezeit in Teilzeit arbeiten. Dein Arbeitgeber kann das aber mit dem Hinweis auf dringende betriebliche Belange verweigern.

Diese Auswirkungen hat die Pflegezeit auf deine Vergütung und Sozialversicherung:

  • Du erhältst während der Pfle­ge­zeit keine Vergütung vom Arbeit­ge­ber.
  • Es gibt keine Sozi­al­leis­tung, die du ersatz­wei­se in Anspruch nehmen kannst – anders als bei der kurz­zei­ti­gen Frei­stel­lung für maximal zehn Tage: Hier ist ein Antrag auf Pfle­ge­un­ter­stüt­zungs­geld möglich.
  • Auch deine eigene Kranken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung entfällt während der Pfle­ge­zeit. Du musst dich selbst ver­si­chern, sofern du nicht über deinen Ehe­part­ner fami­li­en­ver­si­chert bist.
  • Arbeits­lo­sen­ver­si­chert bist du während der Pfle­ge­zeit in der Regel aber weiterhin.

Pfle­ge­zeit bean­tra­gen: Schrift­lich und recht­zei­tigMehr Informationen zum Thema Rechtsschutz

Deinem Arbeitgeber musst du deine geplante Pflegezeit spätestens zehn Tage vor Beginn schriftlich ankündigen. Handelt es sich um einen akuten Fall, kannst du zunächst die Freistellung durch kurzfristige Arbeitsverhinderung nutzen. Gleichzeitig kündigst du an, dass du im Anschluss Pflegezeit beantragen willst.

Am besten ist es generell, wenn du deinen Vorgesetzten so früh wie möglich benachrichtigst. So kann auch dein Arbeitgeber frühzeitig planen, denn schließlich muss er deinen Ausfall über mehrere Monate kompensieren. Wenn möglich, solltest du zunächst das persönliche Gespräch suchen und deine private Situation erklären, damit es nicht aufgrund von Unklarheiten zu Streit kommt.

In der Regel musst du deinem Arbeitgeber zusammen mit dem Antrag auf Pflegezeit einen Nachweis über die Pflegebedürftigkeit des Angehörigen vorlegen. Ist schon ein Pflegegrad anerkannt, dann ist das der Nachweis. Andernfalls solltet ihr die Einstufung in einen Pflegegrad umgehend bei der Pflegekasse beantragen – und dabei darauf hinweisen, dass du Pflegezeit beantragt hast oder dies planst. Das beschleunigt in der Regel die Prüfung und Erteilung des Pflegegrades.

 

FAZIT
  • Berufs­tä­ti­ge, die einen nahem Ange­hö­ri­gen pflegen, können unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen Pfle­ge­zeit bean­tra­gen und sich dadurch für bis zu sechs Monate von der Arbeit frei­stel­len lassen
  • In dieser Zeit erhält der pflegende Ange­hö­ri­ge keine Vergütung vom Arbeit­ge­ber, auch die Kranken- und Pfle­ge­ver­si­che­rung entfällt
  • Die Pfle­ge­zeit muss min­des­tens zehn Tage vor Beginn schrift­lich beim Arbeit­ge­ber beantragt werden. Ein Nachweis über die Pfle­ge­be­dürf­tig­keit des Ange­hö­ri­gen ist oft notwendig
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