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30. September 2014, 10:01 Uhr

Fotos, Videos, Zeugen und Co. Rei­se­män­gel doku­men­tie­ren: Tipps zum Män­gel­pro­to­koll

Ihr Urlaub sollte vor allem eines sein: stressfrei. Reisemängel können die Stimmung allerdings gründlich vermiesen. Schädlinge im Hotelzimmer, Baustellenlärm neben der Ferienwohnung oder Schimmel in der Dusche – als Urlauber haben Sie grundsätzlich die Möglichkeit zu einer Reisepreisminderung, wenn der Urlaub nicht das hält, was er verspricht. Wichtig ist jedoch, dass Sie die Reisemängel dokumentieren, um sie später auch nachweisen zu können.

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Rei­se­män­gel – erheblich oder uner­heb­lich?

Aus juristischer Sicht bezeichnet ein Mangel eine Abweichung der sogenannten Ist- von der Soll-Beschaffenheit. Entspricht die gebuchte Reise nicht den versprochenen Konditionen, können Reisemängel beanstandet werden und eine Reisepreisminderung möglich sein. Dabei lassen sich erhebliche Mängel, wie verdorbenes Essen oder eine defekte Dusche, und unerhebliche Mängel, wie ein fehlender Duschvorhang oder fehlender Schnee im Urlaub, unterscheiden.

Rei­se­män­gel doku­men­tie­ren: Urlauber tragen Beweis­last

Zu den häufigsten Reisemängeln, etwa bei Pauschalreisen, gehören Lärmbelästigung, schlechte Zustände im gebuchten Hotel, mangelhaftes Essen und mieser Service. Wenn Ihnen diese oder andere Reisemängel während Ihres Urlaubs auffallen, sollten Sie Ihren Reiseveranstalter oder -leiter darüber informieren. Eine Auflistung der Mängel sowie eine damit verbundene mögliche Minderung finden Sie in der sogenannten Frankfurter Tabelle des Landgericht Frankfurt. Bleiben Sie dabei ruhig und sachlich, statt direkt mit einem Anwalt zu drohen.

Ein Rechtsstreit ist in den meisten Fällen nicht nötig. Stattdessen sollten Sie die Reisemängel dokumentarisch festhalten. Mit einem ausführlichen Mängelprotokoll stehen Sie auf der sicheren Seite und können Ihre Beschwerden belegen. Sollte es später ernst werden, tragen Sie als Urlauber nämlich die Beweislast. Dies bezieht sich sowohl auf die Mängel als auch auf deren Umfang.

Im Urlaub Män­gel­pro­to­koll erstellen: Dies sollte drin­ste­hen

Wenn Sie die Reisemängel dokumentieren, sollten Sie auf Vollständigkeit achten. Fügen Sie Ihrem Mängelprotokoll am besten Fotos hinzu, auf denen etwa Schädlinge, Schimmel oder Verunreinigungen im Hotelzimmer deutlich zu erkennen sind. Videos sind ebenfalls empfehlenswert. Achten Sie aber darauf, dass das Bildmaterial nicht nur die Kakerlake auf der Spüle zeigt, sondern auch den Standort der Spüle in Ihrem gebuchten Hotelzimmer.

Des Weiteren sollte die Art der Mängel detailliert und unmissverständlich formuliert sein. Schreiben Sie genau auf, was Sie stört und wie es Sie beeinträchtigt. Wenn Sie etwa über Baulärm klagen, erwähnen Sie diesen nicht nur, sondern erklären Sie beispielsweise auch, dass Sie nachmittags auf dem Balkon nicht in Ruhe lesen können. Ebenfalls wichtig: Adressen von Zeugen. Sollten Zeugen die Reisemängel bestätigen, dokumentieren Sie ihre Namen und Adressen. Tipp: Wenn Sie dem Reiseleiter Ihr Mängelprotokoll vorlegen, lassen Sie es idealerweise von ihm unter dem Punkt „zur Kenntnis genommen“ unterschreiben.

Män­gel­an­zei­ge aufgrund der Rei­se­män­gel und Preis­min­de­rung

Der Reiseveranstalter sichert den Reiseteilnehmern die durch den Reisevertrag vereinbarten Leistungen in vollem Umfang zu. Dieser dient auch als Basis für die Anzeige der Mängel.

Nach der Mängelanzeige ist der Reiseveranstalter in der Verantwortung. Er kann die Mängel beseitigen oder ein Ersatzangebot unterbreiten. Es ist ratsam, dieses nur anzunehmen, wenn es den gebuchten Leistungen entspricht oder diese sogar übertrifft. Urlauber sollten dem Reiseveranstalter eine Frist zur zeitnahen Behebung der Mängel setzen. Lässt er diese verstreichen, kann vor Ort selbst Abhilfe geschaffen werden – beispielsweise durch die Reinigung eines Zimmers bei unzumutbarem Schmutz. Wenn die Selbsthilfe gerechtfertigt war, können Sie vom Reiseveranstalter anschließend Ersatz für die erforderlichen Aufwendungen verlangen.

Wer seinen Urlaub mit Mängeln verbringen muss, kann häufig nach Rückkehr einen Teil des gezahlten Reisepreises zurückverlangen. Diese Forderung muss schriftlich und nachweisbar, zum Beispiel per Einschreiben mit Rückschein, innerhalb eines Monats nach Rückreise geltend gemacht werden. Der Anspruch entfällt, wenn das Ersatzangebot des Veranstalters während des Urlaubs angenommen wurde.

Eine Reisepreisminderung kann dabei nur für die tatsächliche Dauer der mangelhaften Leistungen geltend gemacht werden. Da die Mängel von Fall zu Fall verschieden sind und die Umstände variieren, gibt es keine festen Minderungssätze.

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