Lawi­nen­ge­fahr: Ist ein Rei­se­rück­tritt möglich? Ein Lawinen-Warn­schild vor einer bergigen Schnee­land­schaft. tunedin, Fotolia

15. Januar 2019, 9:30 Uhr

Höhere Gewalt Lawi­nen­ge­fahr: Ist ein Rei­se­rück­tritt möglich?

Eine erhöhte Lawinengefahr im Skigebiet macht Winterurlaubern berechtigte Sorgen. Aber ist auch ein Reiserücktritt aus diesem Grund möglich? Hier kannst du nachlesen, welche Rechte Urlauber haben und was die konkrete Lawinenwarnstufe damit zu tun hat.

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Lawi­nen­ge­fahr: Rei­se­rück­tritt aufgrund höherer Gewalt?

§ 651j Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) regelt die Kündigung eines Reisevertrags wegen höherer Gewalt. Es heißt dort, dass sowohl der Reisende als auch der Reiseveranstalter das Recht haben, den Vertrag zu kündigen, wenn die Reise "infolge bei Vertragsabschluss nicht voraussehbarer höherer Gewalt erheblich erschwert, gefährdet oder beeinträchtigt" wird. Das kann durchaus auch bei Lawinengefahr im Skigebiet gegeben sein. Es muss jedoch in der Regel eine konkrete Gefährdung des Wintersportgebiets vorliegen beziehungsweise der Zielort wegen Straßensperren unerreichbar sein. Andernfalls sind
Urlauber oft auf die Kulanz des Reiseveranstalters oder Hoteliers angewiesen, wenn du dich kurzfristig für einen Reiserücktritt entscheiden.

Das Amtsgericht Viechtach hat in einem entsprechenden Fall zugunsten eines Hotelbetreibers entschieden (AZ 2 C 463/06). Aufgrund von Medienberichten über ein Schneechaos im Skigebiet hatte ein Urlauber seine Buchung kurzfristig storniert. Der Hotelbetreiber verwies jedoch darauf, dass das Hotel selbst nicht betroffen gewesen sei, und dass die meisten Straßen und Zufahrtswege innerhalb kurzer Zeit wieder frei gewesen seien.

Advocard-PrivatrechtsschutzUrteil: Kurz­fris­ti­ge Stor­nie­rung ab Lawi­nen­warn­stu­fe 5

In der Frage, ob ein Reiserücktritt wegen Lawinengefahr möglich ist, spielt laut einem Gerichtsurteil auch die Lawinenwarnstufe eine maßgebliche Rolle. Die Europäische Gefahrenskala für Lawinen unterscheidet insgesamt fünf Warnstufen. Von Stufe 1 (gering) bis Stufe 5 (sehr groß) zeigen sie an, wie hoch die Lawinengefahr in einer bestimmten Region ist. Pistenbetreiber in Wintersportgebieten sind verpflichtet, die aktuelle Lawinenwarnstufe zu beachten und gegebenenfalls notwendige Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen.

Das Amtsgericht Herne-Wanne hat entschieden, dass eine gebuchte Ferienwohnung in einem Wintersportgebiet auch kurzfristig storniert werden darf, wenn für den Reisezeitraum dort Lawinenwarnstufe 5 ausgerufen ist (AZ 2 C 175/99). Laut dieser Warnstufe sind spontan auch in flacherem Gelände große Lawinenabgänge möglich, und es wird empfohlen, auf Skitouren zu verzichten. Die Angst des Urlaubers um Leib und Leben sei aufgrund dieser außergewöhnlich hohen Gefährdung nachvollziehbar, so das Gericht.


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