Junges Paar wartet am Flughafen und trägt dabei einen Mund-Nasenschutz. © istock.com/izusek

1. August 2021, 11:00 Uhr

Darf ich eigent­lich? Rei­se­war­nung wegen Corona: Bedeutung und Folgen für Urlauber

Nach wie vor gelten aufgrund der anhaltenden Corona-Pandemie für zahlreiche Länder Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes. Was eine Reisewarnung für geplante Reisen bedeutet und welche rechtlichen Folgen sie hat, erfährst du hier.

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Rei­se­war­nung: Was bedeutet das?

Eine offizielle Reisewarnung des Auswärtigen Amtes ist eine gravierende Maßnahme. Lange Zeit wurde sie hauptsächlich für Kriegs- und Krisengebiete angewendet. Im März 2020 sprach das Auswärtige Amt angesichts der rasanten Verbreitung des Coronavirus erstmals eine weltweite Reisewarnung aus.

Die Reisewarnung ist kein Reiseverbot, aber eine dringende offizielle Empfehlung, Urlaubsreisen in das betreffende Gebiet zu unterlassen. Sie soll Urlauber auf “Gefahr für Leib und Leben” am Urlaubsort hinweisen. Auch wenn du beispielsweise deine im Ausland lebende Familie besuchen möchtest und sich die Reise deshalb wenig touristisch anfühlt, solltest du überdenken, ob dieser Trip zum aktuellen Zeitpunkt unbedingt erforderlich ist.

Neben einer Infektion mit dem Coronavirus besteht in Risikogebieten auch die Gefahr, am Urlaubsort zu stranden: weil etwa Ländergrenzen geschlossen oder Quarantänemaßnahmen ergriffen werden, oder weil der Flug- und Reiseverkehr eingeschränkt wird.

Übrigens: Für Gebiete innerhalb Deutschlands spricht das Auswärtige Amt grundsätzlich keine Reisewarnungen aus, auch dann nicht, wenn sie als Corona-Risikogebiete gelten. Hier sind die jeweils geltenden örtlichen Corona-Vorschriften zu beachten.

Für welche Länder gelten aktuell Rei­se­war­nun­gen?

Gewarnt wird vor „nicht notwendigen, touristischen Reisen“ in Hochrisiko- und Virusvariantengebiete. Derzeit gelten entsprechende Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes für viele Länder und Regionen weltweit, die als Risikogebiete eingestuft sind – teils mit individuellen Hinweisen. 

Was Urlauber in Bezug auf Risikogebiete generell beachten müssen, liest du in diesem Streitlotse-Ratgeber.

Recht­li­che Folgen einer Corona-Rei­se­war­nung: Qua­ran­tä­ne und Ver­si­che­rungs­schutz

Eine Reisewarnung bedeutet, wie oben angesprochen, kein Reiseverbot. Letztlich entscheidet jeder selbst, ob er die Reise antritt. In diesem Fall ist es wichtig, die rechtlichen Folgen zu kennen.

Grundsätzlich sollten sich Reisewillige und Urlauber vor und während der Reise laufend über die Situation in ihrem Urlaubsgebiet informieren, um über Reisewarnungen und sonstige Sicherheitshinweise auf dem Laufenden zu sein. Infos gibt es beim Auswärtigen Amt und bei der Europäischen Union (für Ziele innerhalb der EU).

Wer sich in einem Risikogebiet aufgehalten hat, muss sich vor der Rückreise nach Deutschland über die digitale Einreiseanmeldung anmelden und den weiteren Aufforderungen folgen. Dazu gehört auch die Pflicht, sich auf direktem Weg in häusliche Quarantäne zu begeben. Mehr zum Thema Einreise aus Risikogebieten erfährst du in diesem Streitlotse-Ratgeber.

Eine bestehende Reisewarnung kann bedeuten, dass der Schutz durch deine private Auslandsreisekrankenversicherung oder deine Reiserücktrittsversicherung erlischt, wenn du trotzdem verreist. Das solltest du dringend vorher prüfen.

Kann ich bei einer Rei­se­war­nung meine Pau­schal­rei­se stor­nie­ren?

Eine offizielle Reisewarnung des Auswärtigen Amtes ermöglicht üblicherweise die kostenfreie Stornierung von Pauschalreisen in das betroffene Gebiet. Denn eine solche Warnung wird von Gerichten meist als Hinweis auf das Vorliegen höherer Gewalt (genauer: eines unvermeidbaren, außergewöhnlichen Ereignisses) gewertet. Und das rechtfertigt nach dem Pauschalreiserecht eine gebührenfreie Stornierung.

Allerdings könnte es sein, dass dieses Argument nach mittlerweile fast eineinhalb Jahren Pandemie nicht mehr in jedem Fall greift. Reiseveranstalter könnten argumentieren, dass inzwischen jedem Urlauber bewusst sein müsste, dass eine Risikogebiet-Einstufung überall sowie jederzeit eintreten kann – und daher doch Stornogebühren verlangen. In diesem Punkt könnte es zwischen Urlaubern und Reiseveranstaltern durchaus zum Rechtsstreit kommen.

Höchstrichterliche Entscheidungen zur Stornierung wegen einer Corona-Reisewarnung gibt es noch nicht (Stand: August 2021). Am besten klärst du daher noch vor der Buchung mit dem Reiseveranstalter, welche Möglichkeiten er dir für diesen Fall anbietet – vielleicht kann auch eine kostenlose Umbuchung eine Alternative sein.

Leere Liegen an einem Strand

©istock.com/horstgerlach

Du willst deine Reise erst in einigen Monaten antreten? Eine kostenlose Stornierung wegen einer Reisewarnung ist dann jetzt noch nicht möglich. Denn möglicherweise liegen die außergewöhnlichen Umstände zum Reisezeitpunkt nicht mehr vor. Stornierst du trotzdem und zahlst dafür Gebühren, kannst du dir diese zum Zeitpunkt des gebuchten Urlaubs zurückerstatten lassen, wenn die Reisewarnung weiterhin besteht.

Bestand die Reisewarnung bereits bei der Buchung, wird es rechtlich kompliziert, sie als Stornierungsgrund anzugeben. Hier solltest du dich bei Bedarf von einem Anwalt beraten lassen.

Kann ich eine Indi­vi­du­al­rei­se bei Rei­se­war­nung auch kos­ten­frei stor­nie­ren?

Bei Individualreisen, also zum Beispiel auch Ferienhausbuchungen mit eigener Anreise, berechtigt die Reisewarnung allein in der Regel nicht zur kostenfreien Stornierung. Hier kommt es auf die Bedingungen des Reisevertrages oder die AGB des Anbieters an.

Anders sieht es aus, wenn Leistungen tatsächlich abgesagt werden oder etwa die Unterkunft aufgrund von Einreiseverboten nicht erreichbar ist. Nach deutschem Recht kannst du dann die Kosten für die jeweiligen Einzelleistungen, die du nicht in Anspruch nehmen kannst, zurückfordern.

Achtung: Bei einer Buchung im Ausland direkt bei dem dortigen Anbieter kann ausländisches Recht gelten und es können entsprechend andere Regelungen zur Anwendung kommen.

Mehr zum Thema “Urlaubsbuchung in Zeiten von Corona” liest du in diesem Streitlotse-Ratgeber.

Fazit
  • Aktuell gilt weltweit für viele Corona-Risi­ko­ge­bie­te eine Rei­se­war­nung des Aus­wär­ti­gen Amtes. Diese ist kein Rei­se­ver­bot, aber eine dringende Emp­feh­lung.
  • Wer trotz bestehen­der Rei­se­war­nung in ein Corona-Risi­ko­ge­biet verreist, sollte dringend seinen Ver­si­che­rungs­schutz über­prü­fen und muss sich bei der Rückkehr auf eine ver­pflich­ten­de Qua­ran­tä­ne ein­stel­len. Bei der Rückreise aus einem Virus­va­ri­an­ten­ge­biet gelten teilweise strengere Regeln.
  • Ob eine Rei­se­war­nung wegen Corona immer als hin­rei­chen­der Grund für eine kos­ten­lo­se Stor­nie­rung akzep­tiert wird, ist nach fast ein­ein­halb Jahren Pandemie mitt­ler­wei­le fraglich.
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