Eine Vater­schaft kann auch über die leib­li­chen Kinder fest­ge­stellt werden Kunstzeug, Fotolia

9. November 2017, 16:00 Uhr

Bei Tod des poten­zi­el­len Vaters Vater­schaft: Gentest-Pflicht für Kinder mut­maß­li­cher Väter

Wie einen Vaterschaftstest durchführen, wenn der vermutete Vater bereits verstorben ist? Auch dessen leibliche Kinder können zu einem Gentest verpflichtet werden, um weitere Vaterschaften zu klären. Das hat das Oberlandesgerichts (OLG) Oldenburg in einem aktuellen Urteil entschieden.

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Genprobe von leib­li­chen Kindern statt Vater­schafts­test

Das Gericht hatte den Fall einer 42-jährigen Frau zu verhandeln, die ihre Abstammung aufklären wollte (AZ 4 UF 106/17). Ein Gentest hatte gezeigt, dass der Ehemann ihrer Mutter nicht ihr leiblicher Vater ist. Er wusste allerdings um einen Seitensprung und vermutetet in dem Mann den leiblichen Vater. Da der Mann jedoch bereits verstorben war, konnte mit ihm kein Vaterschaftstest durchgeführt werden. Daher verpflichtete das zuständige Familiengericht zwei leibliche Söhne des Verstorbenen, einen Gentest durchführen zu lassen, um die biologische Verwandtschaft zu der 42-Jährigen zu klären.

Berech­tig­tes Interesse an der Klärung der eigenen Abstam­mung

Die beiden Brüder verweigerten dies jedoch und riefen stattdessen das OLG Oldenburg an.  Die Verpflichtung zum Gentest sei für sie unzumutbar. Denn die vermeintliche Vaterschaft für die 42-Jährige "sei vollkommen ins Blaue hinein" vermutet.  Zudem habe sich die Frau jahrelang nicht um die Klärung ihrer Abstammung bemüht, argumentierten die Söhne des mutmaßlichen Vaters.

Rechtsschutz

Das sah das OLG jedoch anders und bestätigte die Verpflichtung zum Gentest aus der Vorinstanz. Zum einen gebe es Hinweise, die die Vaterschaft des Verstorben nahelegten – darunter ein Brief des Mannes an die Mutter der Frau. Zudem sei die Klärung der eigenen Abstammung dem Interesse der beiden Söhne, nicht mit der Angelegenheit behelligt zu werden, übergeordnet. So die Begründung des Senats. Das Wissen um die eigene Herkunft sei "von zentraler Bedeutung für die Entfaltung der eigenen Individualität". Den Aufwand für die beiden Söhne des Verstorben bewertete das Gericht angesichts dessen als zumutbar. Die Abgabe einer Probe für einen Gentest würde schließlich nicht viel Zeit in Anspruch nehmen.

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