Nicht alle voll­jäh­ri­gen Kinder haben in gleichem Maße einen Unter­halts­an­spruch foto­bies­hut­terb, Fotolia

12. Mai 2017, 11:40 Uhr

Eltern in der Pflicht Unterhalt ab 18: Welchen Anspruch haben voll­jäh­ri­ge Kinder?

Der Anspruch auf Unterhalt von den Eltern endet nicht automatisch mit dem 18. Lebensjahr, sofern Kinder noch keine abgeschlossene Berufsausbildung haben. Wann genau volljährige Kinder einen Unterhaltsanspruch haben, hängt von verschiedenen Faktoren wie Wohnsituation und Ausbildungsstand ab. Auch die Berechnung unterscheidet sich beim Unterhalt ab 18 im Vergleich zum Unterhalt von Minderjährigen.

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Unterhalt ab 18 bis zu welchem Lebens­jahr?

Nicht alle volljährigen Kinder haben in gleichem Maße einen Unterhaltsanspruch. Vorrangig müssen Eltern Unterhalt an Kinder unter 21 leisten, die sich noch in einer allgemeinbildenden Schule befinden und bei einem Elternteil wohnen. Unterhaltsrechtlich sind sie Minderjährigen gleichgestellt. Über 21 Jahre alte Kinder sowie Kinder mit eigenem Hausstand, die sich in einer Ausbildung oder im Studium befinden, sind zwar unterhaltsberechtigt, werden aber nachrangig bedacht, wenn der Elternteil Unterhalt an mehrere Kinder zahlen muss. Eine generelle Altersgrenze für die Unterhaltsberechtigung gibt es nicht; entscheidend sind die Bedürftigkeit des Kindes und die Leistungsfähigkeit der Eltern. Den Unterhalt ab 18 müssen beide Eltern gemeinsam tragen, auch wenn das Kind noch im Haushalt eines Elternteiles lebt. Dabei sind beide Eltern barzahlungspflichtig. Das heißt: Sie zahlen direkt Geld an das Kind aus. Heiratet das Kind, hat es keinen Anspruch mehr auf finanzielle Absicherung durch die Eltern.

Pflichten der Kinder

Ab dem 18. Lebensjahr müssen Kinder den Unterhalt von ihren Eltern aktiv einfordern. Kindergeld, BAföG und andere Einkünfte des Kindes werden auf den ermittelten Bedarf angerechnet und mindern so die Höhe des zu zahlenden Unterhalts. Kinder, die Unterhalt von Ihren Eltern fordern, sind verpflichtet, BAföG zu beantragen und zu beziehen, auch wenn es sich dabei um ein Darlehen handelt. Um Unterhalt ab 18 einzufordern, müssen sie gegebenenfalls den Eltern Auskunft über das Einkommen des jeweils anderen Elternteils erteilen.

Höhe und Berech­nung des Unter­halts

Eine Berechnung ist nur möglich, wenn die Einkommen beider Eltern bekannt sind. Das Einkommen eines neuen Ehepartners eines Elternteils kann dabei durchaus relevant werden. Die Nettoeinkommen (abzüglich des Selbstbehaltes) beider Eltern werden zusammengerechnet. Mit der sich ergebenden Summe lässt sich aus der Düsseldorfer Tabelle der Bedarf des Kindes ablesen. Hiervon werden dessen Einkünfte abgezogen. Die übrige Summe teilen die Eltern entsprechend des Einkommens prozentual unter sich auf. Dabei gilt: Kann ein Elternteil nicht zahlen, ist der andere Part nicht verpflichtet, den Unterhalt vollständig allein zu tragen. Jeder bezahlt nur seinen Teil. Außerdem darf der Unterhaltsanspruch aus der gemeinsamen Berechnung nicht höher ausfallen als die Kosten für den alleinigen Unterhaltspflichtigen. Der Bedarf von unterhaltsberechtigten Kindern mit eigenem Hausstand wird pauschal mit 735 Euro festgelegt.

Unterhalt in der Aus­bil­dung

Volljährige, unverheiratete Kinder sind bis zum Ende ihrer Ausbildung unterhaltsberechtigt. Auch ein zwischenzeitlicher Wechsel der Ausbildungsrichtung ändert am Unterhaltsanspruch nichts (AZ 10 WF111/10). Eine Zweitausbildung müssen Eltern nur in Ausnahmefällen mittragen, zum Beispiel wenn das Kind seinen Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben kann. Unter Umständen müssen die Eltern auch noch ein anschließendes Studium finanzieren, wenn das Studium eine sinnvolle Erweiterung der Ausbildung darstellt und zeitnah begonnen wird. Ausbildungsgeld, Fahrtkosten und eine Pauschale von 90 Euro werden vom Wert aus der Düsseldorfer Tabelle abgezogen.

Rechtsschutz

Unterhalt während des Studiums

Der Unterhaltsanspruch besteht nur während der Regelstudienzeit; ein Fachrichtungswechsel binnen der ersten drei Semester ist aber erlaubt. Ein Auslandsstudium müssen die Eltern nicht immer finanzieren. Hier kommt es darauf an, ob der Auslandsaufenthalt erforderlich ist und die Kosten dafür zumutbar sind. Wird das Studium erfolgreich beendet, müssen die Eltern noch bis zu drei Monate weiter Unterhalt zahlen, damit das Kind auch in der Bewerbungsphase abgesichert ist. Eine Promotion hingegen rechtfertigt keinen Unterhaltsanspruch gegenüber den Eltern.

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