Eltern sollten für den Todesfall vorsorgen drubig-photo, Fotolia

15. Mai 2018, 15:52 Uhr

So geht's richtig Sor­ge­rechts­ver­fü­gung und -vollmacht: Kinder absichern

Ein schönes Thema ist es sicher nicht: die Sorgerechtsverfügung für Kinder. Keine Mutter, kein Vater möchte sich vorstellen, die Kinder nach dem eigenen Tod allein zurückzulassen. Trotzdem sollten Eltern aus Fürsorge für den Fall der Fälle Regelungen treffen.

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Wenn nur ein Eltern­teil stirbt

Haben beide Eltern das gemeinsame Sorgerecht und nur ein Elternteil verstirbt, geht das alleinige Sorgerecht an den verbleibenden Elternteil über – ganz automatisch, ohne Gerichtsentscheid. Das gilt übrigens auch, wenn die Eltern vorher getrennt gelebt haben oder geschieden waren.

Paten werden nicht auto­ma­tisch Vormund

Versterben hingegen beide Elternteile oder ein Alleinerziehender, benötigen Kinder einen Vormund. Wenn dann keine Sorgerechtsverfügung vorliegt, wird dieser vom Familiengericht bestimmt. Der Vormund kann, muss aber nicht, ein naher Verwandter sein.

Viele glauben, in einem solchen Fall würden die Paten zum Vormund bestimmt – das ist aber nicht richtig. Paten haben sich nur verpflichtet, das Kind im christlichen Sinne zu erziehen – eine Sorgerechtsverpflichung im Todesfall der Eltern ist damit nicht verbunden. Die Kinder selbst haben übrigens erst ab einem Alter von 14 Jahren ein Mitspracherecht.

Per­sön­li­che Bindungen der Kinder wichtig

Für das Gericht ist es häufig nicht einfach zu entscheiden, bei wem die Kinder künftig leben sollen. In der Regel wird die Vormundschaft nahen Verwandten der Kinder – Großeltern, Onkel oder Tanten – übertragen, sofern sie bereit und in der Lage sind, die Verantwortung zu übernehmen.

Neben den familiären sind aber auch persönliche Bindungen der Kinder ein wichtiges Kriterium für die Wahl des Vormunds. Deshalb kann das Gericht auch entscheiden, das Sorgerecht nahen Freunden der Familie zu übertragen.

Nur wenn sich unter den Verwandten oder im Freundeskreis keine geeignete oder willige Person finden lässt, wird ein Vormundschaftsverein oder das Jugendamt als Vormund bestellt.

Viele Aspekte spielen bei der Ent­schei­dung eine Rolle

Mit einer Sorgerechtsverfügung bestimmen die Eltern selbst über die weitere Versorgung ihrer Kinder. Sie wissen am besten, zu wem die Kinder eine enge Bindung haben, wo sie sich geborgen fühlen. Auch der Wohnort, die Lebenssituation und das Alter der Kinder sollten bedacht werden. Und schließlich haben Eltern auch eine Vorstellung, wie ihre Kinder erzogen, welche Werte ihnen vermittelt werden sollen.

Sind mehrere Kinder betroffen, spielt auch das eine Rolle bei den Überlegungen: Die Kinder sollten nach dem Verlust der Eltern nicht auch noch die Geschwister verlieren; im Idealfall sollte also eine Person die Vormundschaft für alle Kinder übernehmen. Der finanzielle Aspekt ist ebenfalls wichtig: Kann die Wunschperson die Versorgung überhaupt sicherstellen?

Gerichte entscheiden zum Wohl des Kindes oder der Kinder ©Monkey Business, Fotolia

Gericht ent­schei­det zum Wohle der Kinder

Liegt dem Familiengericht im Notfall eine Sorgerechtsverfügung vor, entscheidet es in der Regel in diesem Sinne. Nur zum Wohle des Kindes darf das Gericht von den Vorgaben der Verfügung abweichen. Denkbar ist etwa, dass die benannte Großmutter inzwischen erkrankt ist und die Vormundschaft daher nicht mehr übernehmen kann.

Vor­ge­hens­wei­se bei einer Sor­ge­rechts­ver­fü­gung

Eltern sollten sich Zeit für die Entscheidung nehmen und sich genau über die nötigen Formalitäten informieren. Folgende Schritte sind dabei wichtig:

  • Person bestimmen: Der mögliche Vormund sollte unter Abwägung aller Aspekte sehr sorg­fäl­tig aus­ge­sucht werden. Sicher­heits­hal­ber sollte auch immer eine Ersatz­per­son benannt werden.
  • Person infor­mie­ren: Bei einer so weit­rei­chen­den Ent­schei­dung hat der Betref­fen­de nicht nur ein Recht auf Vorab­in­for­ma­ti­on, sondern auch auf Bedenk­zeit und Mit­spra­che. Nicht jeder kann und will eine solche Ver­ant­wor­tung über­neh­men.
  • For­ma­li­tä­ten berück­sich­ti­gen: Eine Sor­ge­rechts­ver­fü­gung muss grund­sätz­lich per­sön­lich von Hand geschrie­ben sein, mit Datum versehen und mit Vor- und Zunamen unter­schrie­ben werden. Ein am Computer auf­ge­setz­tes Schreiben ist ungültig, auch wenn es unter­schrie­ben wurde.
  • Auf­find­bar verwahren: Damit die Sor­ge­rechts­ver­fü­gung im Notfall auch vorgelegt und vom Fami­li­en­ge­richt umgesetzt werden kann, muss sie auf­find­bar sein. Es empfiehlt sich, die Erklärung beim Vormund zu hin­ter­le­gen und eine Kopie zu behalten. Denkbar ist auch die Hin­ter­le­gung bei einem Notar oder gegen Gebühr beim zustän­di­gen Nach­lass­ge­richt.
  • Regel­mä­ßi­ge Über­prü­fung: Grund­sätz­lich gilt die Sor­ge­rechts­ver­fü­gung, bis die darin erwähnten Kinder voll­jäh­rig sind – sofern sie nicht vorher wider­ru­fen wurde. Unab­hän­gig davon ist es ratsam, die Verfügung regel­mä­ßig zu über­prü­fen, denn die Lebens­um­stän­de ändern sich. Der aus­ge­wähl­te Vormund ist viel­leicht inzwi­schen erkrankt, die Familie ist umgezogen – es gibt viele Gründe, die eine  Änderung der Verfügung notwendig machen können.

RechtsschutzSor­ge­rechts­voll­macht bei Krankheit der Eltern

Es kann vorkommen, dass Eltern aus gesundheitlichen Gründen nicht (mehr) in der Lage sind, sich angemessen um ihre Kinder zu kümmern. Auch in einem solchen Fall benötigen die Kinder einen Vormund und die Eltern können Vorsorge treffen: mit der Sorgerechtsvollmacht, mit der sie das Sorgerecht einer anderen Person übertragen. Und auch hier gilt: Solange das Kindeswohl nicht gefährdet ist, wird sich das Gericht an den Wunsch der Eltern halten.

Die Sorgerechtsverfügung und die Sorgerechtsvollmacht können sinnvollerweise ohne großen Mehraufwand in einem Dokument kombiniert werden. Auch wenn sich niemand gern mit dieser Situation auseinandersetzt: Zum Wohle der Kinder empfehlen sich Sorgerechtsverfügung und -vollmacht unbedingt.


Bitte lesen Sie zu dem Inhalt auch unsere Rechtshinweise.

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