Alte Frau mit Atemschutzmaske © istock/FG Trade

25. Februar 2021, 10:00 Uhr

Achtung, das wird teuer Die Aus­wir­kun­gen der Corona-Krise auf die Rente

Zahlreiche Unternehmen hatten oder haben immer noch wegen der Corona-Pandemie Kurzarbeit angeordnet. Die Folge: Das Gehalt der Beschäftigten sinkt. Damit verringern sich auch automatisch ihre Beiträge für die Rentenversicherung. Was bedeutet das für das künftige gesetzliche Altersruhegeld? Und hat die allgemein angespannte Wirtschaftslage auch Folgen für die Höhe der bereits laufenden Renten?

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Kurz­ar­beit senkt künftige RentenansprücheMehr Informationen zum Thema Arbeitsrechtsschutz

Weniger Gehalt heute = weniger Rente morgen. Die schlechte Nachricht: An dieser Formel ändert auch die Corona-Pandemie nichts. Bist du von Kurzarbeit betroffen, musst du deshalb mit geringeren Altersbezügen als bisher erwartet rechnen. Die gute Nachricht: Der Verlust hält sich in Grenzen.

Dazu ein Beispiel:

  • Ein ren­ten­ver­si­cher­ter Arbeit­neh­mer hat übli­cher­wei­se ein monat­li­ches Brut­to­ge­halt von rund 3.400 Euro für seine Vollzeitstelle.
  • Ange­nom­men, er wird von seinem Arbeit­ge­ber auf “Kurz­ar­beit Null“ gesetzt, arbeitet also vor­über­ge­hend gar nicht.
  • Trotzdem muss die Firma weiter Ren­ten­bei­trä­ge für ihn einzahlen. Aller­dings nicht in voller Höhe, sondern auf Grundlage von 80 Prozent seines üblichen Gehalts. Das ent­spricht hier 2.720 Euro.

Sechs Monate Arbeit würden den Rentenanspruch dieses Arbeitnehmers normalerweise um 16,63 Euro erhöhen. Mit Kurzarbeit auf der 2.720-Euro-Basis sind es nur 13,30 Euro. Die Rentenkürzung beträgt also nur 3,33 Euro.

Dämpfend wirkt sich weniger Gehalt wegen Kurzarbeit auch auf die betriebliche Altersvorsorge (bAV) aus, weil dadurch die Bemessungsgrundlage geringer ist. In welchem Umfang das geschieht, hängt vom Einzelfall ab. Es sei denn, dein Arbeitgeber überweist vertraglich vereinbarte Festbeträge für dich an die bAV. Dann ändert sich durch die Kurzarbeit nichts an deiner Betriebsrente.

Gesetz­li­che Rente bleibt stabil

Wer bereits in Rente ist, der muss sich um seine Bezüge keine Sorgen machen – trotz Coronavirus. Eine Rentenkürzung ist gesetzlich nicht möglich. So erfolgte auch im Juli 2020 wie geplant die angekündigte Rentenerhöhung um 3,45 Prozent im Westen beziehungsweise um 4,20 Prozent im Osten. Das liegt an der sogenannten „Rentengarantie“. Sie bestimmt, dass die Altersbezüge grundsätzlich nicht sinken dürfen. Deshalb sind Bezieher von gesetzlichem Altersruhegeld momentan nicht direkt von der Corona-Krise betroffen. Aber wahrscheinlich langfristig.

So könnte der wirtschaftliche Einbruch wegen der Pandemie künftig für langsamer ansteigende Renten sorgen. Das liegt unter anderem an der Kurzarbeit. Sie betraf im Januar 2021 noch 2,6 Millionen Beschäftigte in Deutschland, in den Vormonaten lag die Zahl teils bei über 10 Millionen. Dadurch wird die allgemeine Lohnsumme in Deutschland zurückgehen. Und die wiederum ist wesentlich, weil sie – neben anderen Faktoren – die Höhe der Rente bestimmt. Vereinfacht gesagt: Je weniger die Lohnsumme wächst, desto weniger wachsen die mit ihr gekoppelten Renten.

Die Auswirkungen der Corona-Krise auf die Rente

Früh­rent­ner: Hin­zu­ver­dienst­gren­ze bleibt 2021 deutlich erhöht

Gehen Senioren erst mit Beginn ihrer Regelaltersgrenze in Rente, dann dürfen sie die in unbegrenzter Höhe mit Geld aus Nebentätigkeiten aufbessern, ohne dafür Rentenabzüge zu bekommen. Ziehen sie sich jedoch früher aus dem Arbeitsleben zurück und nutzen zum Beispiel die Rente mit 63, dann gilt das nur für einen Zuverdienst von derzeit maximal 6.300 Euro pro Jahr. Nehmen sie mehr als das ein, wird ihnen ein Teil der Rente abgezogen.

Für 2020 jedoch hatte die Bundesregierung diese Regel bereits aufgehoben und den abschlagsfreien Hinzuverdienst deutlich auf 44.590 Euro erhöht. Das entspricht 3.715 Euro pro Monat. Hintergrund war die zu erwartende Lage auf dem Arbeitsmarkt: Wegen Corona-Erkrankungen oder Quarantäne-Anordnungen vieler Beschäftigter wurde mit allgemeinen Personalengpässen gerechnet.

Auch für 2021 gilt eine höhere Hinzuverdienstgrenze, da ein Ende der Pandemie noch nicht abzusehen ist. Rentner vor der Regelaltersgrenze dürfen in 2021 bis zu 46.060 Euro abschlagsfrei dazuverdienen, das entspricht 3.838 Euro monatlich.

Der höhere Hinzuverdienst soll es besonders für Frührentner interessanter machen, verstärkt Nebentätigkeiten zu übernehmen und so die Situation zu entschärfen. Gleichzeitig zahlen sie durch den Hinzuverdienst weitere Beiträge in die Rentenversicherung ein und können dadurch ihre Regelaltersrente erhöhen.

Aktuell ist geplant, die Hinzuverdienstgrenze ab 2022 wieder auf 6.300 Euro pro Jahr zu senken (Stand: Februar 2021).

Fazit
  • Kurz­ar­beit ver­rin­gert die späteren Ren­ten­an­sprü­che betrof­fe­ner Arbeit­neh­mer, aller­dings in relativ geringem Ausmaß.
  • Die Aus­wir­kun­gen auf die Höhe von Betriebs­ren­ten hängt von den ver­trag­li­chen Bedin­gun­gen im Ein­zel­fall ab.
  • Wer bereits eine gesetz­li­che Rente erhält, wird sie weiterhin ohne Abzüge bekommen. Aller­dings könnte sie künftig langsamer ansteigen.
  • Wegen der Corona-Pandemie wurde für Früh­rent­ner die Hin­zu­ver­dienst­gren­ze für 2020 und 2021 erhöht.
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