Zusatz­bei­trag der Kran­ken­kas­se: Son­der­kün­di­gungs­recht für Ver­si­cher­te ©istock.com/Lothar Drechsel

16. Dezember 2020, 10:00 Uhr

So geht’s richtig Kran­ken­kas­se: Son­der­kün­di­gungs­recht bei höherem Zusatz­bei­trag?

Zum Jahreswechsel passen viele Krankenkassen ihren sogenannten Zusatzbeitrag an. Steigt er, bedeutet das für Versicherte eine Beitragserhöhung. Dagegen vorgehen kannst du nicht. Wenn dir deine Krankenversicherung zu teuer wird, bleibt dir nur, den Anbieter zu wechseln. Hier erfährst du, wie schnell du aus dem Vertrag kommen kannst.

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Alle Jahre wieder: Das hat es mit dem Zusatz­bei­trag auf sich

Für viele gesetzlich Versicherte gehört der Brief von der Krankenkasse schon fast zur Vorweihnachtszeit dazu: Die Krankenkassen informieren über die Höhe des Zusatzbeitrags im kommenden Jahr. Aber was genau hat es damit eigentlich auf sich?

Die Beiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) setzen sich aus zwei Bestandteilen zusammen:

  1. All­ge­mei­ner Bei­trags­satz: Der all­ge­mei­ne Kran­ken­kas­sen­bei­trag ist gesetz­lich vor­ge­ge­ben und deshalb bei allen Kran­ken­kas­sen gleich. Derzeit liegt er bei 14,6 Prozent vom Brut­to­ein­kom­men des Ver­si­cher­ten. Die Hälfte davon übernimmt der Arbeit­ge­ber, die andere zahlst du als Arbeit­neh­mer selbst. Ausnahme: Bist du als Selbst­stän­di­ger frei­wil­lig in der GKV, musst du den Beitrag voll­stän­dig selbst zahlen.
  2. Zusatz­bei­trag: Weil der all­ge­mei­ne Bei­trags­satz nicht immer ausreicht, um die Kosten zu decken, dürfen die Kran­ken­kas­sen einen Zusatz­bei­trag erheben. Dessen Höhe dürfen sie selbst festlegen. Auch dieser Beitrag wird seit 2019 zur Hälfte vom Arbeit­ge­ber gezahlt. Bei Arbeits­lo­sen­geld-, Sozi­al­hil­fe- und Grund­si­che­rungs­emp­fän­gern übernimmt der jeweilige Träger den Zusatz­bei­trag ebenso wie den all­ge­mei­nen Beitrag komplett.

Da der Zusatzbeitrag sich immer auf die konkrete wirtschaftliche Lage und die tatsächlichen Ausgaben der jeweiligen Krankenkasse bezieht, wird er jährlich neu festgelegt. Und es gibt teilweise deutliche Unterschiede bei der Höhe. Deshalb fallen die Gesamtbeitragssätze bei den Krankenkassen in Deutschland unterschiedlich hoch aus.

Muss ich die Bei­trags­er­hö­hung akzep­tie­ren?

Grundsätzlich ja. Die Krankenkassen dürfen den Zusatzbeitrag nach eigenem Ermessen anpassen. Sie sind allerdings gesetzlich verpflichtet, ihre Versicherten vorab darüber zu informieren.

Spätestens im Monat bevor der höhere Zusatzbeitrag erstmals fällig wird, muss die Krankenkasse dich schriftlich davon in Kenntnis setzen. Dabei muss sie dich auch informieren, dass du aufgrund der Beitragserhöhung ein Sonderkündigungsrecht hast. Zudem muss das Schreiben einen Hinweis auf  die Krankenkassenliste des GKV-Spitzenverbandes enthalten. In dieser Übersicht sind die Zusatzbeiträge aller gesetzlichen Krankenkassen aufgeführt.

Wenn ihr Zusatzbeitrag überdurchschnittlich hoch ausfällt, sind Anbieter zusätzlich verpflichtet, ihren Versicherten zu erklären, dass ein Wechsel in eine günstigere Krankenkasse möglich ist. Maßgeblich dafür ist der durchschnittliche Zusatzbeitragssatz, der jährlich im Herbst vom Bundesgesundheitsministerium für das Folgejahr bekannt gegeben wird. Für 2021 liegt er bei 1,3 Prozent.

Welche Fristen gelten für die Kündigung?

Das Sonderkündigungsrecht gilt vom Erhalt der Ankündigung bis zum Ende des Monats, in dem die Erhöhung des Zusatzbeitrags in Kraft tritt. Bei den meisten Krankenkassen geschieht dies im Januar. Wenn du zu Ende Januar kündigst, endet die Versicherung entsprechend der Kündigungsfrist von zwei Monaten zum 31. März. Bis dahin musst du den höheren Zusatzbeitrag allerdings zahlen. Wenn die Krankenkasse dich nicht vorschriftsmäßig über dein Sonderkündigungsrecht informiert hat, muss sie deine Kündigung auch bei verspätetem Eingang behandeln, als wäre sie rechtzeitig eingegangen.

Solltest du die Frist für das Sonderkündigungsrecht schlichtweg verpasst haben, kannst du deine Krankenversicherung immer noch ordentlich kündigen. In Sachen Kündigungsfrist macht das keinen Unterschied, sie beträgt auch hier zwei Monate. Eine reguläre Kündigung ist allerdings erst nach mindestens 18-monatiger Mitgliedschaft möglich. Bist du erst kurz bei einem Anbieter, ist das Sonderkündigungsrecht daher die einzige Möglichkeit, zeitnah die Krankenkasse zu wechseln.

Eine Ausnahme gilt für freiwillig gesetzlich Versicherte im Krankengeld-Wahltarif: Sie erhalten bei Erhöhung des Zusatzbeitrags kein Sonderkündigungsrecht und können erst kündigen, wenn die Bindungsfrist endet.

Fazit
  • Steigt der Zusatz­bei­trag, haben Mit­glie­der der gesetz­li­chen Kran­ken­kas­sen ein Son­der­kün­di­gungs­recht bis Ende des ersten Monats der Bei­trags­er­hö­hung.
  • Vom Son­der­kün­di­gungs­recht pro­fi­tie­ren primär Ver­si­cher­te, die erst kurz bei ihrer Kran­ken­kas­sen sind. Lang­jäh­ri­ge Mit­glie­der können mit gleicher Frist auch ordent­lich kündigen.
  • Kran­ken­kas­sen müssen bei Erhöhung des Zusatz­bei­trags bestimmte Infor­ma­ti­ons­pflich­ten einhalten.
  • Der höhere Beitrag muss bei Kündigung trotzdem bis Ver­trags­en­de gezahlt werden.
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