Nachlassverzeichnis gibt Überblick über das Erbe Maurice Tricatelle, Fotolia

Transparenz bei der Erbverteilung Nachlass­ver­zeichnis: Wann ist es sinnvoll und notwendig?

Ein Nachlass­ver­zeichnis hilft Erben, einen Überblick über den Nachlass zu erhalten, und ist meist dann wichtig, wenn um den Pflichtteil gestritten wird.

Ein Mediator kann bei Unstim­mig­keiten vermitteln. >>

Was ist ein Nachlass­ver­zeichnis?

Ein Nachlass­ver­zeichnis listet das vollständige Vermögen des Erblassers auf und umfasst sowohl Werte als auch Verbind­lich­keiten. Dabei gibt es zwei verschiedene Arten:

• private Auflistung durch den Erben
• notari­elles Nachlass­ver­zeichnis

Jeder mit Anspruch auf einen Pflichtteil am Erbe hat das Recht, bei der Verzeich­nis­er­stellung persönlich anwesend zu sein. Das Nachlass­ge­richt kann im Streitfall die Erstellung eines Nachlass­ver­zeich­nisses anordnen und dafür sogar eine Frist setzen.

Wann muss ein Nachlass­ver­zeichnis erstellt werden?

Das Verzeichnis muss erstellt werden, wenn Personen aus der Erbfolge das verlangen. Besonders häufig kommt das vor, wenn enterbte Personen ihren Pflichtteil erstreiten wollen; das Verzeichnis bildet dann die Berech­nungs­grundlage.

Auch ein Testa­ments­voll­strecker ist im Zuge seiner Aufgabe verpflichtet, ein Nachlass­ver­zeichnis zu erstellen. Bei minder­jäh­rigen Erben wird das Nachlass­ver­zeichnis bis zur Volljäh­rigkeit beim Famili­en­ge­richt hinterlegt.

Warum ist es sinnvoll?

Eine solche Aufstellung ist nicht nur hilfreich, wenn es um den Pflichtteil geht. Auch für Allein­erben kann sich ein Überblick über die Finanzen und Verbind­lich­keiten des Erblassers lohnen: Wenn die Kosten die Werte übersteigen, ist es mitunter sinnvoll, das Erbe auszu­schlagen.

Anspruch auf ein notari­elles Nachlass­ver­zeichnis

Wenn Zweifel an der Aufstellung bestehen, die der Erbe vorlegt, kann ein Notar hinzu­ge­zogen werden, der dann ein notari­elles Nachlass­ver­zeichnis erstellt. Die damit verbun­denen Kosten sind grund­sätzlich vom Erben zu tragen. Der Anspruch auf ein notari­elles Nachlass­ver­zeichnis besteht unabhängig davon, ob der Erbe bereits eine private Auflistung vorgelegt hat.

Was passiert, wenn der Nachlass wertlos ist?

Rechtsschutz

Einen solchen Fall hat das Oberlan­des­ge­richt (OLG) München verhandelt: Die Eltern hatten den Sohn im Zuge eines "Berliner Testa­ments" vom Erbe ausge­schlossen. Nach dem Tod des Vaters wollte der Mann seinen Pflichtteil gegenüber der Mutter geltend machen und verlangte neben der privaten Aufstellung auch ein notari­elles Nachlass­ver­zeichnis. Er bot an, die Notar­kosten nötigen­falls selbst zu tragen. Die Mutter verwei­gerte das notarielle Nachlass­ver­zeichnis, weil der Nachlass insgesamt wertlos sei.

Das Gericht entschied, dass Erben die Kosten einer notari­ellen Aufstellung nicht aus ihrem eigenen Vermögen bestreiten müssen, wenn der Nachlass die Gebühren nicht deckt. Dennoch bleibt der Anspruch von Pflicht­teils­be­rech­tigten unberührt: Wer also um seinen Pflichtteil streitet und bereit ist, die Notar­kosten selbst zu tragen, wird auch ein notari­elles Nachlass­ver­zeichnis erhalten (AZ 6 O 2889/​16). Der Notar muss dann vom Erben beauf­tragt werden.

So einfach ist Rechtsschutz

Ein Rechtsstreit, ganz gleich in welchem Bereich, kommt oft unverhofft. Darum hat ADVOCARD mit dem 360°-Rechtsschutz einen besonders leistungsstarken Rundumschutz geschaffen.

Mehr erfahren