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10. August 2020, 9:57 Uhr

Darf ich eigent­lich? Urlaub in Corona-Risi­ko­ge­bie­ten: Das droht nach der Rückkehr

Die Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie machen vielen Bundesbürgern einen Strich durch ihre Urlaubspläne. Wer dennoch Reisefieber hat, muss sich auf seinem Trip im In- oder Ausland an viele Regeln halten, um sich nicht mit dem Virus anzustecken. Aber auch nach der Rückkehr läuft derzeit nicht alles wie gewohnt. Besonders für jene, die allen Gefahren zum Trotz in Corona-Risikogebieten unterwegs waren. Worauf du dich bei und nach deiner Ankunft in Deutschland einstellen musst, erfährst du hier.

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Was sind Corona-Risi­ko­ge­bie­te?

Das prüft die Bundesregierung. Stellt sie fest, dass in einem Land oder einer Region ein erhöhtes Risiko für eine Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 besteht, dann setzt sie den Bereich unter anderem auf eine Liste des Robert-Koch-Instituts (RKI). Ob dein Reiseziel dabei ist, erfährst du über die “Informationen zur Ausweisung internationaler Risikogebiete” des Instituts. Außerdem solltest du weiterhin die Reisehinweise und Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes beachten. Wie die Liste des RKI, wird sie fortlaufend aktualisiertMehr Informationen zum Thema Arbeitsrechtsschutz

Pflicht­tests für Urlaubs­rück­keh­rer

Urlaubsrückkehrer aus Corona-Risikogebieten müssen direkt am Ankunftsort einen kostenlosen Test auf das Virus durchführen lassen. Einrichtungen dazu gibt bereits an vielen Schiffs- und Flughäfen sowie in Bahnhöfen und Busbahnhöfen. Bis ein negatives Testergebnis vorliegt, müssen sich Rückkehrer in häusliche Quarantäne begeben. Wer die Testpflicht ablehnt, muss mit einem Bußgeld in Höhe von bis zu 25.000 Euro rechnen.

Außerdem sollten alle Urlaubsrückkehrer die “Regelungen für nach Deutschland Einreisende im Zusammenhang mit dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2” beachten. Aufgestellt hat die Richtlinien das Bundesgesundheitsministerium. Demnach haben sich betreffende Personen “unverzüglich nach der Einreise auf direktem Weg in ihre eigene Häuslichkeit oder eine andere geeignete Unterkunft zu begeben sowie sich für einen Zeitraum von 14 Tagen nach ihrer Einreise ständig dort aufzuhalten”. Kurz gesagt: Sie müssen für zwei Wochen in häusliche Quarantäne (jur. Absonderungspflicht). Es sei denn, sie können einen negativen Corona-Test vorweisen.

Lohn­fort­zah­lung kann gefährdet sein

Ob du in ein Risikogebiet reist, solltest du dir nicht nur wegen einer eventuellen Ansteckung gut überlegen. Denn nimmst du die Infektionsgefahr in einem Risikogebiet bewusst in kauf, kannst du für die Dauer der häuslichen Quarantäne deinen Lohnanspruch verlieren. Das hat das Bundesarbeitsgericht in einem Urteil (AZ 10 AZR 99/14) festgestellt.

Demnach sind Arbeitnehmer sinngemäß verpflichtet, bei ihren Urlaubsplänen auf bekannte Reisewarnungen zu achten. Ignorieren sie das und können deswegen nach ihrer Rückkehr nicht oder erst verspätet arbeiten, darf ihnen ihr Unternehmen für die ausgefallene Zeit das Gehalt verweigern.

Anders sieht das aus, wenn du in einem Land im Urlaub warst, dass vom Robert-Koch-Institut erst nach deinem Antritt als Risikogebiet gelistet wurde. In dem Fall hast du nichts falsch gemacht. Musst du dann in Quarantäne, bekommst du bei einer Erkrankung Entgeltfortzahlung. Auch möglich ist eine finanzielle Ersatzleistung in gleicher Höhe, wenn dich das Gesundheitsamt vorsorglich zur Absonderungspflicht aufgerufen hat.

Tipp: Um mögliche Komplikationen bei Lohn oder Gehalt zu vermeiden, kannst du für die zwei Quarantänewochen vorsichtshalber zusätzlichen Urlaub einreichen.

Situation vorab mit dem Arbeit­ge­ber klären

Damit (überraschende) Komplikationen mit deinem Arbeitgeber erst gar nicht entstehen, solltest du mit ihm vorab deine Reisepläne besprechen. Die gehen ihn zwar im Normalfall nichts an, aber während der Corona-Pandemie ist es sinnvoll, dass du dich mit ihm darüber austauscht.

Das ist auch im Sinne der allgemeinen Fürsorgepflicht, die dein Arbeitgeber gegenüber dir, aber auch gegenüber deinen Kollegen hat. Ähnlich sieht es mit Nachfragen zu dem Ergebnis deines Corona-Tests aus. Rechtlich wasserdicht sind solche Erkundigungen aber nicht, weil es dazu noch keine Urteile gibt.

Im Idealfall stimmen sich Unternehmensführung und Belegschaft über ein gemeinsames Vorgehen nach der Rückkunft aus einem Corona-Risikogebiet oder bei Corona-Verdachtsfällen ab. Das kann beispielsweise eine Home-Office-Regelung betreffen. Zu klären wäre in dem Fall, ob dafür die technischen Voraussetzungen gegebenen sind. Gefordert ist hier im Zweifel der Arbeitgeber.

FAZIT
  • Das RKI ver­öf­fent­licht eine Liste der Risi­ko­ge­bie­te.
  • Für Urlaubs­rück­keh­rer aus Risi­ko­ge­bie­ten besteht eine Test­pflicht auf Corona.
  • Unter­neh­men sollten den Umgang mit Rück­keh­rern vor Rei­se­an­tritt regeln.
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