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10. Juni 2015, 14:08 Uhr

Interview Befris­te­ter Arbeits­ver­trag: Das sollten Sie beachten

Für viele deutsche Arbeitnehmer ist er Realität: ein befristeter Arbeitsvertrag. Dieser aktuelle Trend betrifft insbesondere Frauen, Ausländer und junge Menschen. Die Skepsis gegenüber befristeten Arbeitsverträgen ist groß, doch gibt es wirklich Anlass dazu? Was Sie bei dem Abschluss eines befristeten Arbeitsverhältnisses beachten sollten und welche Rechte Sie als Arbeitnehmer haben, erläutert Anwalt Dr. Gerwin Sonntag von der Kanzlei Bernzen Sonntag im Interview mit dem Streitlotsen.

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Streitlotse: Warum gibt es in Unternehmen überhaupt befristete Arbeitsverträge?

Dr. Gerwin Sonntag: Oft deckt ein befristeter Arbeitsvertrag einen vorübergehenden Bedarf an Mitarbeitern ab, wenn beispielsweise ein fehlender Kollege vertreten wird. Die drei häufigsten Gründe sind Schwangerschaften, Elternzeit oder länger andauernde Krankheiten von Mitarbeitern. Wir sprechen hier von einer Befristung mit einem Sachgrund. Die Befristung eines Arbeitsvertrages für mehr als zwei Jahre ist nämlich immer nur dann rechtens, wenn ein sachlicher Grund vorliegt – das regelt das Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG). In diesem Fall gibt es keine zeitliche Obergrenze, wie lange der Arbeitnehmer für das Unternehmen arbeiten darf.

Bei der Befristung ohne Sachgrund ist das anders. Hier dürfen es maximal zwei Jahren sein. Wenn Sie z.B. für ein Projekt eingestellt sind, das doch länger dauert als zunächst angenommen, kann Ihr Arbeitgeber den Vertrag höchstens drei Mal für eine Zeit von maximal zwei Jahren verlängern. Allerdings darf er diese Verlängerung nur dann vornehmen, wenn die Vertragsbedingungen genau gleich bleiben und er nur die Dauer des Vertrages anpasst. Vereinbaren Sie nach der Verlängerung einen anderen Aufgabenbereich, kommt ein unbefristeter Vertrag zustande.

Nachdem ein befristeter Vertrag ohne Sachgrund ausläuft, kann ein neuer abgeschlossen werden, der aus sachlichem Grund befristet ist. Ohne, dass dabei die Höchstdauer von zwei Jahren beachtet werden muss. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn eine Elternzeitvertretung oder die Mitarbeit an einem klar umrissenen und zeitlich begrenzten besonderen Projekt notwenig wird.

Bei Arbeitsrechtsfragen sind wir Ihr Partner!Streitlotse: Muss ich beim Abschluss eines befristeten Vertrags andere Dinge beachten, als bei einem unbefristeten Vertrag?

Dr. Gerwin Sonntag: Ja, das sollten Sie. Aber zunächst sei einmal gesagt, dass ein befristeter Arbeitsvertrag keinesfalls schlechter ist als ein unbefristeter. Es gilt nur ein paar einfache Dinge zu beachten:

Checken Sie genau, ob in dem Vertrag eine Regelung bezüglich der Kündigungsfrist vermerkt ist. Häufig hat ein unbefristeter Arbeitsvertrag überhaupt keine spezielle Kündigungsfrist, sondern nur die gesetzlich vorgeschriebenen vier Wochen. Doch egal, ob sie den Vertrag kündigen wollen oder nicht, melden Sie sich stets drei Monate bevor der Arbeitsvertrag ausläuft arbeitslos, denn sonst droht Ihnen eine Arbeitslosengeldsperre.

Gehen Sie außerdem sicher, dass Ihr Arbeitgeber die Dauer der Befristung aufführt. Ein Vertrag mit Zweckbefristung gilt beispielsweise nur für die Dauer der Erkrankung eines bestimmten Arbeitsnehmers.

Streitlotse: In welchen Fällen kann ich gegen befristete Verträge rechtlich vorgehen oder klagen?

Dr. Gerwin Sonntag: Beispielsweise bei Formmängeln. Ein befristeter Arbeitsvertrag muss nämlich vor Arbeitsbeginn mit von beiden Seiten unterschrieben werden. Wenn Sie schon vor Vertragsunterzeichnung Ihren Job angefangen haben, ist von selbst ein unbefristetes Arbeitsverhältnis entstanden. Wenn Ihr Arbeitgeber erst dann einen befristeten Vertrag aufsetzen will, stehen Sie weiterhin in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis.

Wenn der Sachgrund des Vertrages nicht ausreichend ist, können Sie auch gegen den Vertrag vorgehen. Das ist beispielsweise der Fall, wenn Sie gar nicht als Vertretung für einen Kollegen oder für ein bestimmtes, zeitlich begrenztes Projekt arbeiten, sondern Sie eine Stelle übernommen haben, die neu besetzt werden musste.

Klage können Sie außerdem einreichen, wenn bei der Verlängerung des Vertrages Fehler gemacht wurden. Sogenannte „Kettenbefristungen“ sind zwar erlaubt, dürfen aber nicht missbraucht werden. Obwohl es keine zeitliche Obergrenze bei befristeten Arbeitsverträgen mit Sachgrund gibt, kann man nach einem vierjährigen Arbeitsverhältnis mit mehr als sechs Verlängerungen von einem Missbrauch der Befristung sprechen. Eine Entfristungsklage müssen Sie jedoch in jedem Fall spätestens drei Wochen nach dem vorgesehenen Vertragsende beim Arbeitsgericht einreichen.

Streitlotse: Hat denn ein befristeter Arbeitsvertrag überhaupt Vorteile für einen Arbeitnehmer?

Dr. Gerwin Sonntag: Ja, durchaus. Oft ist ein befristetes Arbeitsverhältnis die Vorstufe zu einem unbefristeten Vertrag. Sind Sie erst einmal in einem Unternehmen eingearbeitet, sind Sie schnell unersetzlich in Ihrer Abteilung. Ein Tipp: Arbeitgeber kalkulieren oft mit ein, dass Arbeitnehmer nach einem befristeten Verhältnis auf eine Übernahme hoffen und nutzen aus, dass Angestellte Überstunden und geringe Gehälter in Kauf nehmen. Treten Sie im Falle eines Übernahmegesprächs stark auf und argumentieren Sie überzeugend. Und auch, wenn ein befristeter Arbeitsvertrag nicht verlängert wird: Sehen Sie die Zeit im Unternehmen als eine wertvolle Berufserfahrung, die Sie sammeln konnten.

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