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12. September 2014, 8:59 Uhr

So läuft alles Arbeits­ver­trag richtig kündigen: Dies sollten Sie beachten

Sie sind unzufrieden mit Ihrem Job oder haben einen neuen in Aussicht? Damit bei der Kündigung alles korrekt abläuft und Sie keine bösen Überraschungen erleben, sollten Sie Ihr Arbeitsverhältnis formal korrekt beenden und gängige Fehler vermeiden. Denn ein arbeitsrechtlicher Streit wegen einer Kündigung vom Arbeitsvertrag kann schnell teuer werden. Die Gebühren bemessen sich dabei am Streitwert (ein Vierteljahresgehalt). Machen Sie sich mit den rechtlichen Bestimmungen vertraut. Denn eine Kündigung ist nur dann wirksam, wenn die Bestimmungen eingehalten wurden.

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Vor der Kündigung das per­sön­li­che Gespräch suchen

Eine Kündigung bezeichnet die einseitige Beendigung eines Arbeitsverhältnisses. Bevor Sie Ihre Stelle rechtsgültig kündigen, sollten Sie das persönliche Gespräch mit Ihrem Arbeitgeber suchen. Erklären Sie am besten Ihre Gründe für diesen Schritt und versuchen Sie, im Guten auseinanderzugehen – unabhängig davon, warum Sie kündigen. So räumen Sie mögliche Probleme in Bezug auf ein zufriedenstellendes Arbeitszeugnis oder Empfehlungen aus dem Weg.

Eine Kündigung muss übrigens nicht unbedingt notwendig sein: Im besten Fall finden Sie und Ihr Arbeitgeber eine Einigung, die den Vertrag aufhebt. So können beide einvernehmlich und ohne die zwingende Erfüllung von Fristen auseinandergehen.

Arbeits­ver­trag kündigen: Auf unmiss­ver­ständ­li­che For­mu­lie­run­gen achten

Wenn Sie Ihren Arbeitsvertrag kündigen möchten, sollten Sie formell deutlich und inhaltlich korrekt vorgehen. Dies bedeutet in Bezug auf die Formalien zunächst, dass Sie Ihre Kündigung schriftlich, auf Papier gedruckt und mit vollem Namen unterschrieben einreichen. E-Mails, SMS oder Faxmitteilungen müssen vom Arbeitgeber nicht akzeptiert werden.

Inhaltlich kommt es in erster Linie auf Klarheit an, sodass es gar nicht erst zu Missverständnissen und damit Streitigkeiten kommen kann. Der Satz „Hiermit kündige ich meinen Arbeitsvertrag zum nächstmöglichen Zeitpunkt“ bietet beispielsweise nahezu keine Grundlage für Missverständnisse. Es kommt bei einer schriftlichen Kündigung weniger auf schöne und mehr auf eindeutige Formulierungen an.

For­ma­li­tä­ten und recht­li­che Bestim­mun­gen

Bedenken Sie, dass in der Regel eine Kündigungsfrist besteht. Die gesetzliche Kündigungsfrist vom Arbeitsvertrag beträgt vier Wochen zum 15. oder zum Ende eines Kalendermonats. Die Probezeit gilt als Ausnahme – hier liegt die Frist bei zwei Wochen. Die gesetzliche Kündigungsfrist verlängert sich mit der Dauer der Anstellung. Gilt allerdings ein Tarifvertrag oder sind im Arbeitsvertrag Regelungen zur Kündigungsfrist festgehalten, müssen diese vorrangig berücksichtigt werden. Sollten Sie eine Kündigung ihres Arbeitsvertrages von Ihrem Arbeitgeber erhalten, handeln sie unverzüglich. Denn man hat nur drei Wochen Zeit, eine Kündigungsschutzklage beim zuständigen Arbeitsgericht einzureichen. Je nach Dauer der Betriebszugehörigkeit verlängert sich die Frist nach den vom BGB festgelegten Bestimmungen.

Aus diesen Gründen ist ein Berufsrechtsschutz sinnvoll! >>

Sind im Zuge der Kündigung vom Arbeitsvertrag die wesentlichen Formalitäten geklärt, kommt oft die Frage nach ausstehendem Jahresurlaub auf. Im Regelfall hängt die Zahl der Resturlaubstage vom Kündigungstermin ab: So haben Arbeitnehmer nur einen anteiligen Urlaubsanspruch, welcher einen Zwölftel des Jahresurlaubs pro Vollbeschäftigungsmonat beträgt. Beenden Angestellte ihr Arbeitsverhältnis jedoch erst in der zweiten Jahreshälfte haben sie nach dem Bundesurlaubsgesetz einen Anspruch auf den vollen Mindesturlaub. Sind im Arbeits- beziehungsweise Tarifvertrag andere Regelungen in Bezug auf die Anzahl der Urlaubstage getroffen, so ändert sich der Urlaubsanspruch entsprechend.

Tipp: Geben Sie Ihre Kündigung am besten persönlich ab und lassen Sie sich den Empfang schriftlich bestätigen. Relevant für die Kündigungsfrist ist der Eingang des Schreibens. Bei offenen Fragen oder Unsicherheit in Bezug auf Ihre Kündigung, können Sie sich auch an einen Anwalt oder einen anderen Experten wenden.

Bei Arbeitsrechtsfragen sind wir Ihr Partner!Fristlose Kündigung

Die außerordentliche oder fristlose Kündigung bezeichnet die Beendigung des Arbeitsverhältnisses ohne Berücksichtigung der geltenden Kündigungsfrist. Sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber haben dazu das Recht. Voraussetzung ist allerdings immer das Vorliegen eines wichtigen Grundes. Dieser muss so gewichtig sein, dass das Abwarten der vereinbarten Frist für den Kündigenden nicht zumutbar ist. Laut Gesetz muss das Aufheben des Arbeitsvertrages daher bis spätestens zwei Wochen nach dem „Erfahren“ dieses Grundes geschehen. Grundsätzlich gilt, dass Arbeitnehmer durch das Kündigungsschutzgesetz (KSchG) vor ordentlichen Kündigungen ihres Arbeitgebers geschützt sind. Der Abschluss einer Berufs-Rechtsschutzversicherung ist hier sinnvoll.

Aus Sicht des Arbeit­ge­bers

Will der Arbeitgeber einem Mitarbeiter eine fristlose Kündigung aussprechen, müssen dafür mehrere Kriterien und Voraussetzungen erfüllt sein. So sollte beispielsweise ein gravierender Verstoß des Arbeitnehmers gegen die arbeitsvertraglichen Pflichten vorliegen. Mildere Mittel – wie etwa eine Abmahnung (interne Verlinkung) oder die Versetzung des Mitarbeiters – dürfen nicht mehr in Frage kommen. Auch die generelle Zusammenarbeit muss für die Geschäftsleitung ausgeschlossen sein.

Gründe für eine fristlose Kündigung durch den Arbeitgeber können beispielsweise sein:
•    Arbeitsverweigerung
•    grobe Beleidigungen
•    ausländerfeindliche und rassistische Äußerungen
•    strafbare Handlungen während der Arbeitszeit
•    sexuelle Belästigung
•    Selbstbeurlaubung
•    Verstoß gegen ein Wettbewerbsverbot
•    fortwährende Unpünktlichkeit

Inwiefern das Fehlverhalten eines Arbeitnehmers wirklich eine außerordentliche Kündigung rechtfertigt, ist jedoch stets im Einzelfall zu prüfen. Der Arbeitgeber muss die Gründe für eine fristlose Kündigung vor einem Arbeitsgericht im Zweifel beweisen können.

Aus Sicht des Arbeit­neh­mers

Arbeitnehmer haben ebenfalls das Recht zu einer fristlosen Kündigung – aber auch hier muss ein wichtiger Grund vorliegen. So muss zum Beispiel bei unpünktlichen Gehaltszahlungen der Arbeitgeber zunächst abgemahnt werden, bevor eine außerordentliche Kündigung als rechtmäßig gilt.

Mögliche Gründe für eine fristlose Kündigung durch den Arbeitnehmer können sein:
•    Sexuelle Belästigung
•    Arbeitsschutzverletzungen
•    grobe Beleidigungen und Tätlichkeiten
•    erhebliche Gehaltsrückstände durch unpünktliche Gehaltszahlungen

Wem eine fristlose Kündigung angedroht wird, sollte seine Handlungsoptionen frühzeitig bedenken. In Großunternehmen kommt es in vielen Fällen vor der Beendigung des Arbeitsverhältnisses erst zu einer Versetzung an einen anderen Arbeitsplatz. Wehren sich Betroffene gegen diese Versetzung, droht nicht nur die Kündigung – sondern oft auch der Verlust des Abfindungsanspruches.

Sie fühlen Sich im Job ungerecht behandelt? Auch in diesen Fällen hilft ein Berufsrechtsschutz. >>

Ein weiteres, ‚mildes’ Mittel vor der Lösung des Arbeitsvertrages bildet die Änderungskündigung. Hierbei wird der bestehende Vertrag gekündigt und gleichzeitig ein neues Angebot zu geänderten Bedingungen unterbreitet. Sollte Ihnen als Arbeitnehmer ein veränderter Vertrag unterbreitet werden, gehen Sie nicht gleich automatisch darauf ein, sondern lassen Sie sich von einem Experten beraten.

Wird das Angebot zur Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses zu geänderten Bedingungen nicht angenommen, wird aus der Änderungskündigung eine Beendigungskündigung, gegen die ein Kündigungsschutzprozess geführt werden kann.

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