Wie­der­ein­stieg nach der Eltern­zeit: Diese Rechte hast du ©istock.com/sturti

25. September 2019, 11:02 Uhr

Darf ich eigent­lich? Wie­der­ein­stieg nach der Eltern­zeit: Diese Rechte hast du

Der Wiedereinstieg in den Job nach der Elternzeit kann einige rechtliche Fragen aufwerfen. Die Weiterbeschäftigung bei deinem Arbeitgeber steht dir zunächst zu – aber unter welchen Bedingungen genau? Hier findest du wichtige Hinweise zu deinen Ansprüchen bei der Rückkehr an den Arbeitsplatz.

Bei Problemen mit dem Arbeitgeber stärken wir dir den Rücken. >>

 

Wei­ter­be­schäf­ti­gung nach der Eltern­zeit: Muss es der alte Arbeits­platz sein?

Generell besteht nach der Elternzeit ein Recht auf Weiterbeschäftigung, die arbeitsvertraglichen Pflichten haben  währenddessen nur geruht. Eltern können also prinzipiell an ihren angestammten Arbeitsplatz zurückkehren.

Gemäß seinem Direktionsrecht kann der Arbeitgeber dir unter Umständen aber auch einen anderen, gleichwertigen Arbeitsplatz zur Verfügung stellen, wenn das den Bestimmungen im Arbeitsvertrag nicht widerspricht. Das gilt auch, wenn dein alter Arbeitsplatz nicht mehr existiert, weil etwa intern umstrukturiert wurde.

Was bedeutet "gleichwertiger Arbeitsplatz"?

  • Der Arbeits­platz, den ein Eltern­teil nach der Eltern­zeit zuge­wie­sen bekommt, darf keine Ver­schlech­te­rung dar­stel­len. Er muss bei­spiels­wei­se der beruf­li­chen Qua­li­fi­ka­ti­on ent­spre­chen und ähnliche Aufgaben beinhal­ten wie der Job vor der Eltern­zeit.
  • Die neue Tätigkeit darf nicht schlech­ter entlohnt sein als die vorherige.

Ein Sachbearbeiter kann also beispielsweise nach der Elternzeit wieder als solcher eingesetzt werden, das ist allerdings auch in einer anderen Abteilung möglich. Entscheidend ist, wie eng der Arbeitsvertrag das Tätigkeitsfeld umschreibt.

Unter Umständen ist nach der Elternzeit sogar eine Versetzung an einen anderen Firmenstandort denkbar, wenn die Stelle dort gleichwertig ist und der Arbeitsvertrag eine Versetzung nicht wirksam ausschließt. Allerdings sind Arbeitgeber angehalten, gerade bei jungen Eltern gut abzuwägen und eine Versetzung nachvollziehbar zu begründen. Hier muss gegebenenfalls auch der Betriebsrat eingeschaltet werden.

 

Verfällt Rest­ur­laub nach der Eltern­zeit?

Du hast noch einen Anspruch auf Resturlaub aus der Zeit vor deiner Elternzeit? Diese Urlaubstage verfallen durch die Elternzeit nicht. Du kannst sie nach der Rückkehr aus der Elternzeit in Anspruch nehmen – entweder im laufenden Jahr oder im Folgejahr.

Den Urlaubsanspruch, der während der Elternzeit entsteht, darf der Arbeitgeber jedoch kürzen. Mehr dazu liest du in diesem Streitlotse-Ratgeber. 

 

Welchen Kün­di­gungs­schutz habe ich nach Ablauf der Eltern­zeit?

Während der Elternzeit besteht gemäß § 18 Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG) grundsätzlich Kündigungschutz. Eine Kündigung kann in diesem Zeitraum nur in besonderen Ausnahmefällen erfolgen, etwa wenn der Arbeitnehmer etwas getan hat, das eine fristlose Kündigung rechtfertigt. Außerdem ist eine behördliche Zustimmung erforderlich.

Nach der Elternzeit wiederum werden Job-Rückkehrer im Hinblick auf den Kündigungsschutz und Kündigungsfristen wieder behandelt wie jeder andere Arbeitnehmer im Betrieb – das heißt: Liegt ein Kündigungsgrund vor, kann der Arbeitgeber auch sofort am ersten Tag nach der Elternzeit die Kündigung aussprechen, die dann nach Ablauf der Kündigungsfrist wirksam wird.

Und was, wenn der Arbeitnehmer noch vor Ablauf der Elternzeit selbst den Job kündigen möchte? 

  • Zum Ende der Eltern­zeit ist die Kündigung mit einer Kün­di­gungs­frist von min­des­tens drei Monaten möglich.
  • Wollen Arbeit­neh­mer bereits während der Eltern­zeit das Unter­neh­men verlassen, ist das nur nach einer ein­ver­nehm­li­chen Ver­ein­ba­rung mit dem Arbeit­ge­ber möglich.

 

Besteht Anspruch auf Teil­zeit­be­schäf­ti­gung nach der Eltern­zeit?

Während der Elternzeit haben Arbeitnehmer unter bestimmten Voraussetzungen das Recht, in Teilzeit zu arbeitenNach der Elternzeit wiederum sieht es anders aus: War der Job vor der Elternzeit eine Vollzeitstelle, so besteht nach der Elternzeit zunächst auch nur wieder Anspruch auf eine solche.

Möchte der zurückkehrende Elternteil aber nun statt Vollzeit lieber Teilzeit arbeiten, dann besteht gemäß § 8 Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) nur unter folgenden Rahmenbedingungen Anspruch darauf:

  • Die Firma muss mehr als 15 Mit­ar­bei­ter haben.Mehr Informationen zum Thema Rechtsschutz
  • Die Probezeit muss vorbei sein.
  • Es dürfen keine betrieb­li­chen Gründe bestehen, die einer Redu­zie­rung der Arbeits­zeit ent­ge­gen­ste­hen.

Sind diese Voraussetzungen erfüllt, dann musst du deinem Arbeitgeber mindestens drei Monate vor der geplanten Rückkehr in den Job mitteilen, dass du nach der Elternzeit in Teilzeit arbeiten möchtest. Falls der Arbeitgeber das ablehnt, muss er es dir spätestens einen Monat vor Arbeitsbeginn schriftlich mitteilen. Tut er das nicht, gilt die Arbeitszeitverringerung als vereinbart.

Eine Alternative zur dauerhaften Teilzeit kann die seit Januar 2019 mögliche Brückenteilzeit sein. Sie macht unter bestimmten Voraussetzungen eine befristete Teilzeit mit Recht auf Rückkehr zur alten Stundenzahl möglich. Mehr zur Brückenteilzeit liest du in diesem Streitlotse-Ratgeber.

 

FAZIT
  • Wer aus der Eltern­zeit zurück­kehrt, hat Anspruch auf einen gleich­wer­ti­gen Arbeits­platz – nicht aber auf exakt denselben Arbeits­platz wie vor der Eltern­zeit.
  • Ansprüche auf Rest­ur­laub, die vor der Eltern­zeit ent­stan­den sind, bleiben erhalten.
  • Der besondere Kün­di­gungs­schutz, der während der Eltern­zeit gilt, entfällt sofort mit Ende der Eltern­zeit.
  • Wenn vor der Eltern­zeit in Vollzeit gear­bei­tet wurde, besteht ein Anspruch auf Teil­zeit­be­schäf­ti­gung nur unter bestimm­ten Umständen.
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