Parken vor Kreu­zun­gen: Droht Abschlepp­ge­fahr? ©iStock.com/Gfed

16. September 2019, 11:00 Uhr

Fake oder Fakt? Parken vor Kreu­zun­gen: Droht Abschlepp­ge­fahr?

Kurz ein Päckchen bei der Post abgeben oder den Wocheneinkauf einladen: Das Parken vor Kreuzungen halten viele für ein Kavaliersdelikt, gerade wenn Parkplätze rar gesät sind. Ist das so oder kann die Polizei den Abschleppwagen rufen, während du direkt an einer Kreuzung parkst und in der Nähe deine Besorgungen erledigst?

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Tabuzone von fünf Metern

Beim Parken vor oder hinter Kreuzungen muss ein Bereich von fünf Metern von den Schnittpunkten der Fahrbahnkanten frei bleiben. Das besagt § 12 Absatz 3 Straßenverkehrsordnung (StVO). Der Hinweis auf die Schnittpunkte ist vor allem dort hilfreich, wo die Ecken der Fahrbahn im Kreuzungsbereich abgerundet sind.

Hintergrund ist die Sicherheit: Die Sicht der Verkehrsteilnehmer und das Abbiegen auf der Kreuzung dürfen nicht behindert werden.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang der Unterschied zwischen Parken und Halten.

  • Wer sein Fahrzeug für einen Zeitraum von unter drei Minuten verlässt und in Sicht­wei­te bleibt, hält. Ent­schei­dend ist: Der Fahr­zeug­hal­ter muss in der Lage sein, sich jederzeit wieder ans Steuer setzen zu können.
  • Wer jedoch sein Fahrzeug verlässt und sich länger als drei Minuten außer Sicht­wei­te aufhält, parkt. Dasselbe gilt, wenn der Fahr­zeug­hal­ter länger als drei Minuten an einer Stelle anhält

Das Parken vor Kreuzungen ist innerhalb der 5-Meter-Zone ausdrücklich nicht gestattet. In Bezug auf das Halten heißt es in diesem Zusammenhang in der StVO nur, dass es "an engen und an unübersichtlichen Straßenstellen" nicht erlaubt ist. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte daher unmittelbar im Kreuzungsbereich auch nicht halten.

 

Wer den Abstand nicht einhält, riskiert ein Ver­war­nungs­geld

Wer beim Parken an Kreuzungen nicht den geforderten Abstand einhält, muss mit einem Verwarnungsgeld von 10 Euro rechnen. Ist es bereits zu einer Behinderung des Straßenverkehrs gekommen, erhöht sich der Betrag auf 15 Euro.

Wenn man drei Stunden oder länger mit zu geringem Abstand vor einer Kreuzung parkt, können die Verwarnungsgelder noch höher ausfallen. Punkte im Verkehrszentralregister in Flensburg gibt es für das Falschparken vor Kreuzungen allerdings nicht.

 

Bei drohender Ver­kehrs­be­hin­de­rung kann abge­schleppt werden

Mehr Informationen zum Thema VerkehrsrechtsschutzJedoch kann das parkende Fahrzeug durchaus aus einem Kreuzungsbereich abgeschleppt werden – vor allem dann, wenn es so ungünstig steht, dass es den Verkehr behindert oder die Sicht
anderer Fahrer deutlich eingeschränkt ist. Das ist fast immer gegeben, wenn ein Fahrzeug in der Fünf-Meter-Zone steht.

Mit einem Urteil aus dem Jahr 2010 hat das Verwaltungsgericht Aachen bestätigt, dass das Abschleppen von Fahrzeugen in solchen Fällen prinzipiell rechtmäßig ist (AZ 6 K 512/08). Im konkreten Fall stand das Fahrzeug nur 1,35 Meter vor den Schnittpunkten der Fahrbahnkanten, außerdem befand sich eine Schule in unmittelbarer Nähe.

Wichtig zu wissen: Wenn das Fahrzeug auf öffentlichem Grund steht, ist es nur den Behörden erlaubt, das Abschleppunternehmen zu beauftragen. Selbst Verkehrsteilnehmer, die von einem zu nah an einer Kreuzung parkenden Fahrzeug behindert werden, sind dann dazu nicht befugt.

 

FAZIT
  • Beim Parken muss aus­rei­chen­der Abstand zu Kreu­zun­gen ein­ge­hal­ten werden: Fünf Meter müssen es min­des­tens sein, gemessen ab dem Schnitt­punkt der Fahr­bahn­kan­ten.
  • Wer das miss­ach­tet, riskiert ein Ver­war­nungs­geld.
  • Behindert das zu nah an einer Kreuzung geparkte Fahrzeug den Verkehr – was häufig der Fall ist –, können Polizei oder Ord­nungs­amt es abschlep­pen lassen.
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