Rechts­my­thos ent­kräf­tet Gerhard Seybert, Fotolia

19. Dezember 2014, 7:55 Uhr

Rechts­my­thos ent­kräf­tet Einlass zu den eigenen vier Wänden: Frei­fahrt­schein für Vermieter?

Viele glauben an den Rechtsmythos, der Hauseigentümer dürfe sich auch jederzeit Einlass zu seinem Eigentum und damit auch zur Wohnung von Mietern verschaffen. „Tatsächlich glauben viele Vermieter, sie dürften einen Schlüssel für die Wohnung zurückbehalten und von diesem ohne Kenntnis des Mieters auch Gebrauch machen“, erläutert Rechtsanwalt Nikolaus Hantke, Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht in der Kanzlei Dr. Herzog & Kollegen.

Wenn ein Irrglaube zur Dreistigkeit führt, sind wir für Sie da. >>

Grundsätzlich gilt: Wenn Sie eine Wohnung gemietet haben, dürfen Sie auch allein entscheiden, wer wann Einlass erhält. Der Mieter erhält das alleinige Nutzungsrecht und kann damit auch alle vorhandenen Schlüssel verlangen. Hantke betont: „Das Besitzrecht gilt auch gegenüber dem Vermieter. Dieser muss seinen Wunsch auf Einlass in der Regel zunächst schriftlich mitteilen.“

Einlass für Vermieter: die Rechts­la­ge

Die meisten Mieter sind an einem entspannten und guten Verhältnis zu ihrem Vermieter interessiert und gewähren daher lieber Einlass, um einen Streit zu vermeiden. Wenn das Verhältnis mit Ihrem Vermieter gut ist, Sie ihm vertrauen und es Sie nicht stört, können Sie dem Vermieter auch jederzeit Einlass gewähren.

Doch wie sollten Sie vorgehen, wenn sie nicht so locker mit dem Einlass in Ihre vier Wände umgehen wollen? Kommt es zum Beispiel vor, dass sich Ihr Vermieter mit einem eigenen Schlüssel Zutritt verschafft und unangekündigt in der Tür steht, ist es bei den meisten Mietern mit der Akzeptanz vorbei. Selbst wenn der Vermieter über einen Schlüssel verfügt und sich damit ohne Kenntnis und Erlaubnis des Mieters Zutritt zur Wohnung verschafft, ist das Hausfriedensbruch. Der Vermieter würde sich in dem Fall also strafbar machen. Haben Sie diesen Verdacht, suchen Sie zunächst das klärende Gespräch mit dem Vermieter. Machen Sie ihm klar, dass Sie seine spontanen Besuche nicht akzeptieren. Hantke: „Sollte der Vermieter sein Verhalten jedoch nicht ändern, können Sie im äußersten Fall Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs stellen.“

Mögliche Gründe für den Einlass des Ver­mie­ters

In vielen Fällen hat jedoch der Vermieter ein legitimes Interesse, um Einlass in Ihre Wohnung zu bitten. Ein Grund kann zum Beispiel die Kontrolle von Renovierungsarbeiten sein. „Bedenken Sie jedoch bei Sanierungsarbeiten: Sind Sie mit den Maßnahmen nicht einverstanden, sollten Sie den Handwerkern den Einlass in die Wohnung verweigern. Lassen Sie die Arbeiter nämlich herein, wird das als stillschweigendes Einvernehmen gewertet“, erläutert Fachanwalt Hantke.

Ein anderer Grund für den Vermieter, Einlass in die Wohnung zu verlangen, kann eine bevorstehende Wohnungsbesichtigung sein. Hier gilt: Sie müssen rechtzeitig und schriftlich um Erlaubnis gebeten werden. Bei berufstätigen Mietern bedeutet „rechtzeitig“: drei bis vier Tage vorher. Passt Ihnen ein vorgeschlagener Termin nicht, sollten Sie, wenn möglich, schriftlich eine Alternative anbieten.

Geht es um turnusmäßige Besuche wie etwa zum Ablesen des Wasser- oder Stromzählers durch eine Firma, genügt als Ankündigung ein für jeden Mieter deutlich sichtbarer Aushang, zum Beispiel im Hausflur.

Hat der Vermieter den Verdacht, dass ein Mieter ein Tier in seiner Wohnung hält, und dies ausdrücklich durch den Mietvertrag oder die Hausordnung verboten ist, kann er Einlass verlangen. Fachanwalt Hantke sagt: „Doch auch in diesem Fall muss der Vermieter die Zustimmung des Mieters einholen und seinen Besuch vorher ankündigen, bevor er sich Einlass verschaffen darf.“

Einlass berech­tigt: Wann der Vermieter auch ohne Ankün­di­gung eintreten darf

Es gibt allerdings eine Ausnahme, in der sich der Vermieter auch ohne vorherige Absprache Einlass verschaffen darf: bei Gefahr im Verzug. Hantke erläutert: „Besteht offensichtlich eine Gefahr für das Eigentum des Vermieters, darf er sich sofort Einlass verschaffen. Das gilt zum Beispiel, wenn es in Ihrer Wohnung brennt oder ein Wasserrohrbruch vorliegt.“


Bitte lesen Sie zu dem Inhalt auch unsere Rechtshinweise.

So einfach ist Rechts­schutz

Ein Rechtsstreit, ganz gleich in welchem Bereich, kommt oft unverhofft. Darum hat ADVOCARD mit dem 360°-Rechtsschutz einen besonders leistungsstarken Rundumschutz geschaffen.

Mehr erfahren

Mediation

Vertragen statt klagen: mit Mediation rechtliche Konflikte ohne Gerichts­ver­fahren lösen.

Strei­tatlas

Streit in Berlin? Zoff in München? Der interaktive Atlas zeigt, wo die deutschen Streithähne leben.

ADVOCARD-Service

Kompetente Beratung und professionelle Unterstützung rund um die Uhr.