Internet-Trolle pro­vo­zie­ren in Online-Dis­kus­sio­nen, da fällt Ruhig­blei­ben oft schwer Goro­den­koff, Fotolia

17. April 2018, 11:22 Uhr

Durch­at­men Ange­pö­belt: So reagierst du richtig auf Internet-Trolle

Meinungsaustausch und konstruktive Diskussionen beleben das Internet. Leider sind aber auch sogenannte Internet-Trolle unterwegs. In sozialen Netzwerken, Foren und Kommentarspalten provozieren sie durch unsachliche Beiträge und Beleidigungen. Wer sich damit konfrontiert sieht, sollte vor allem eines tun: ruhig bleiben.

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Was sind Internet-Trolle?

Der Begriff wird für Personen verwendet, die im Internet durch unsachliche, negative und meist auch beleidigende Beiträge auffallen. Sie provozieren damit andere Nutzer und erhoffen sich Reaktionen von ihnen. Das Verhalten der Trolle, die auch als Hater bezeichnet werden, geht dabei weit über eine kontroverse Diskussion hinaus. Es stört die Atmosphäre im Forum oder Netzwerk und wirkt oft verletzend auf einzelne Teilnehmer.

Das Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) gibt Betroffenen rechtliche Möglichkeiten, um sich gegen Internet-Trolle zu wehren. Häufig reicht es aber, einige Hinweise zum Umgang mit den Trollen zu beachten. Im besten Fall kannst du ihnen damit den Wind aus den Segeln nehmen.

Internet-Trolle erkennen: Ziele und Stra­te­gi­en der Hater

Wie lässt sich berechtigte Kritik von bloßer Provokation unterscheiden? Das Gute: Trolle entlarven sich meist selbst. Oft schon im ersten Beitrag, spätestens aber nach der zweiten oder dritten Wortmeldung. Hast du den Unruhestifter als solchen erkannt, kannst du entsprechend reagieren. Hier ein paar typische Troll-Verhaltensweisen:

  • Argumente sind oft nur Meinungen: Wis­sen­schaft­li­che Belege gibt es nicht und wenn, dann aus sehr frag­wür­di­gen Quellen.
  • Es wird schnell per­sön­lich: Der Troll ist her­ab­las­send und belei­di­gend. Auch die Androhung von Gewalt ist leider keine Sel­ten­heit.
  • „Ich stelle nur Fragen!“: Die Trolle werfen zwar Fragen auf, inter­es­sie­ren sich aber meist nicht für die Antworten, weil ihre Meinung ohnehin schon feststeht.
  • Zusam­men­hän­ge sind eher Zufall: Internet-Trolle reißen Zitate aus dem Zusam­men­hang, zitieren (absicht­lich) falsch oder stellen unan­ge­mes­se­ne Ver­glei­che an.

Igno­rie­ren oder antworten?

„Don’t feed the troll“ („Trolle nicht füttern!“) ist ein hilfreicher Ratschlag im Umgang mit Internet-Trollen: Bekommen die Hater keine Aufmerksamkeit, sind sie meist schnell verschwunden. Leichter gesagt als getan, denn die beleidigenden Kommentare wirken oft verletzend. Was dann hilft, ist ein bisschen gedanklicher Abstand. Frage dich:

  • Hat der unbe­kann­te Troll wirklich die Mög­lich­keit, mir zu schaden?
  • Wenn ich so einen Kommentar unter einem anderen Beitrag lesen würde: Würde ich dann wirklich schlecht über den Autor des ursprüng­li­chen Beitrags denken? Oder wäre mir nicht eher der Kom­men­ta­tor suspekt?

Aus diesem Winkel betrachtet wird meist schnell klar: Es besteht überhaupt kein Grund, sich zu rechtfertigen; denn der Troll hat gar keinen wirklichen Einfluss. Gerne sagen die lautstarken Hassredner auch Sätze wie: „Man wird doch wohl noch sagen dürfen …“. Jedoch hat freie Meinungsäußerung mit bloßer Provokation nichts zu tun.

Trolle wollen mit Aufmerksamkeit gefüttert werden                                                                                                                          ©momius, Fotolia

Argu­men­ta­ti­ve Lösung: Wenn du schon ant­wor­test …

Falls du doch auf einen Internet-Troll reagieren möchtest, weil du beispielsweise befürchtest, dass er sonst keine Ruhe gibt, oder eine inhaltliche Anmerkungen zu seinem Kommentar loswerden möchtest, helfen dir diese Tipps:

  • Kurz­fas­sen: Lass dich nicht auf eine Dis­kus­si­on ein. „Ich teile deinen Stand­punkt nicht, aber danke für deinen Beitrag.“ ist absolut aus­rei­chend.
  • Links senden: Trolle wollen sich nicht infor­mie­ren. Daher ist eine Antwort wie: „Darüber habe ich auch schon mal was gelesen! Schau mal hier: …“ eine recht elegante Mög­lich­keit, den Troll ver­stum­men zu lassen.
  • Instant-Antwort verlinken: Wenn du immer wieder zum selben Thema ange­gan­gen wirst und eine eigene Webseite hast, poste dort eine vor­ge­fer­tig­te Antwort. Die musst du dann nur noch verlinken, wenn es in den Kom­men­tar­spal­ten mal wieder hässlich wird.

Tech­ni­sche Lösung: Blocken, filtern, löschen

Jedes soziale Netzwerk hat Blockier-Funktionen, die den aggressiven Schreiberling stumm schalten. Das Löschen von Troll-Beiträgen auf der eigenen Seite ist ebenfalls in Ordnung. Wenn du selbst einen Blog betreibst, kannst du die Kommentare auch manuell freischalten, statt sie automatisch auf der Seite anzeigen zu lassen. Dann musst du sie zwar vor dem Freischalten lesen, aber die Eskalationsgefahr sinkt so. Als Forenbetreiber kannst du die Schreibrechte von Usern einschränken oder Wortfilter einbauen.

Recht­li­che Lösung: Vor und nach der Eska­la­ti­on

Seit Januar 2018 gilt das Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG). Betreiber von Online-Plattformen sind seitdem gezwungen, offensichtlich rechtswidrige Inhalte binnen 24 Stunden zu löschen. Rechtlich kritische, aber weniger eindeutige Beiträge müssen binnen sieben Tagen geprüft und dann entfernt werden, falls nötig. Dafür müssen Twitter, Facebook, YouTube und Co. entsprechende Meldefunktionen einbauen. Die kannst du nutzen, auch wenn du nicht selbst betroffen bist.

Das Internet ist kein rechtsfreier Raum – auch wenn der durchschnittliche Internet-Troll das gerne mal vergisst. Geht es nicht nur um unpassendes Ablenken vom Thema, sondern um Dinge wie Beleidigung, Androhung von Gewalt oder Volksverhetzung, ist neben den Meldefunktionen auf der Plattform auch der analoge Rechtsweg eine Option – am besten mit der Hilfe eines erfahrenen Anwalts für Onlinerecht. Mit den oben genannten Tipps kommt es aber im besten Fall gar nicht so weit.


Bitte lesen Sie zu dem Inhalt auch unsere Rechtshinweise.

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