Verbotene Vornamen: Wie Kinder nicht heißen dürfen. Eine Mutter schaut beseelt ihr schla­fen­des Neu­ge­bo­re­nes an. pololia, Fotolia

29. Dezember 2016, 10:46 Uhr

Namens­recht Verbotene Vornamen: Wie Kinder nicht heißen dürfen

Für werdende und junge Eltern ist die Namensfindung ein wichtiges Thema. Aber gibt es in Deutschland verbotene Vornamen, die ein Kind nicht tragen darf? Das Namensrecht ist hier nicht eindeutig, aus der Praxis lassen sich aber einige Hinweise ableiten.

Mit dem 360°-Rechtsschutz ist die ganze Familie immer gut abgesichert. >>

Namens­recht: Das Stan­des­amt ent­schei­det

Nach der Geburt eines Kindes müssen die Eltern beim Standesamt die Geburtsurkunde beantragen. Dort wird auch der Vorname beziehungsweise die Vornamen eingetragen. In einigen Fällen kann das Standesamt sich aber weigern, einen bestimmten Namen einzutragen. Zum Beispiel, weil er nicht im Einklang mit dem Kindeswohl zu stehen scheint. Das kann unter anderem bei Namen mit beleidigendem Charakter der Fall sein. Kommt es nicht zu einer Einigung zwischen Standesamt und Eltern, landet der Fall vor Gericht. Auch für die Richter ist die Entscheidung im Namensrecht aber oft schwierig, denn es gibt keine genauen rechtlichen Vorgaben zur Namensgebung. Es existiert auch keine allgemeine Liste, auf der verbotene Vornamen gesammelt sind. Stattdessen kommt das sogenannte Gewohnheitsrecht zur Anwendung und bereits gefällte Urteile dienen als Richtwerte. Maßgeblich sind dabei das Kindeswohl und die Funktion als Vorname.

Verbotene Vornamen ergeben sich aus der Praxis

So muss der Name als Vorname erkennbar sein, um seine Funktion zu erfüllen – eindeutige Nachnamen wie Schröder wurden deshalb schon als Vorname abgelehnt. Für das Kindeswohl ist entscheidend, dass der Name das Kind nicht der Lächerlichkeit preisgibt. So lehnte zum Beispiel das Oberlandesgericht Bremen die Beschwerde eines Elternpaares ab, das sein Kind Waldmeister nennen wollte (AZ 1 W 19/14). Das Gericht vertrat die Auffassung, dass der Name lächerlich wirken könne und außerdem als Bezeichnung einer Pflanze beziehungsweise einer Geschmacksrichtung als Vorname ungeeignet sei. Auch Namen mit starker negativer Konnotation, zum Beispiel Judas oder Störenfried, wurden in der Vergangenheit abgelehnt.

RechtsschutzBei geschlechtsneutralen Vornamen ist es empfehlenswert, einen eindeutigen Zweitnamen zu wählen, um Verwirrung zu vermeiden. Auch hierfür gibt es aber keine gesetzliche Vorschrift, wie ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts zeigt: Indischstämmige Eltern wollten ihre Tochter Kiran nennen, ein Name, der in Indien sowohl für Männer als auch für Frauen verwendet wird.  Das Standesamt bezog sich auf die Dienstanweisung für Standesbeamte, die in solchen Fällen einen eindeutigen Zweitnamen fordert, und lehnte den Namen ab. Das Bundesverfassungsgericht entschied aber, dass er aufgrund der fehlenden gesetzlichen Grundlage für diese Forderung auch einzeln gewählt werden könne (AZ 1 BvR 576/07).

Artikel teilen

Bitte lesen Sie zu dem Inhalt auch unsere Rechtshinweise.

So einfach ist Rechts­schutz

Ein Rechtsstreit, ganz gleich in welchem Bereich, kommt oft unverhofft. Darum hat ADVOCARD mit dem 360°-Rechtsschutz einen besonders leistungsstarken Rundumschutz geschaffen.

Mehr erfahren

Mediation

Vertragen statt klagen: mit Mediation rechtliche Konflikte ohne Gerichts­ver­fahren lösen.

Strei­tatlas

Streit in Berlin? Zoff in München? Der interaktive Atlas zeigt, wo die deutschen Streithähne leben.

ADVOCARD-Service

Kompetente Beratung und professionelle Unterstützung rund um die Uhr.