Eine Stief­kind­ad­op­ti­on entbindet den leib­li­chen Vater von allen Rechten und Pflichten lucky­busi­ness. Fotolia

18. Mai 2017, 16:28 Uhr

Patch­work­fa­mi­len Stief­kind­ad­op­ti­on: Muss leib­li­cher Eltern­teil zustimmen?

Eine Stiefkindadoption kann überlegenswert sein, wenn nach einer Trennung der neue Ehepartner die Mutter- oder Vaterrolle für ein Kind aus einer vorherigen Beziehung übernimmt. So gehören neuer Lebenspartner und Stiefkind auch vor dem Gesetz zueinander. Bei der Adoption eines Stiefkinds müssen allerdings einige Voraussetzungen erfüllt sein.

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Spe­zi­al­fall Stief­kind­ad­op­ti­on

Bei regulären Adoptionen werden ausnahmslos alle rechtlichen Verbindungen zwischen dem Kind und beiden Eltern aufgehoben und vollständig auf die Adoptiveltern übertragen. Bei der Stiefkindadoption sieht das ein wenig anders aus: Lebt zum Beispiel die Mutter in einer neuen Partnerschaft und möchte ihr Ehemann nicht nur im alltäglichen Leben, sondern auch rechtlich die Vaterrolle übernehmen, wird der leibliche Vater bei einer Stiefkindadoption von allen Rechten und Pflichten in Bezug auf sein Kind entbunden. Das schließt auch Erbrechte und Unterhaltspflichten ein. Sie werden vollständig auf den neuen Partner der Mutter übertragen. Der Status der leiblichen Mutter bleibt hingegen gänzlich unberührt.

Vor­aus­set­zun­gen für die Adoption eines Stief­kinds

Grundsätzlich muss der leibliche Elternteil, der von seinen elterlichen Pflichten entbunden werden soll, dem Adoptionsantrag zustimmen. Dann steht einer Adoption des Stiefkinds für gewöhnlich nichts mehr im Weg. In Ausnahmefällen kann das Gericht eine fehlende Zustimmung des leiblichen Vaters oder der leiblichen Mutter ersetzen, und zwar dann, wenn die leiblichen Eltern nicht verheiratet sind und das Sorgerecht nur bei einem Elternteil liegt.  Doch auch wenn das Gericht die Zustimmung des leiblichen Elternteils ersetzt, garantiert dies noch nicht die Bewilligung des Adoptionsantrags. Entscheidend ist, dass dem Kind unverhältnismäßige Nachteile entstehen, wenn es nicht rechtlich mit dem neuen Partner verwandt ist.

Rechtsschutz

Stief­kind­ad­op­ti­on ohne Zustim­mung ist Ein­zel­fall­ent­schei­dung

Was genau als unverhältnismäßiger Nachteil zu werten ist, liegt letztendlich im Ermessen des Gerichtes. Dass der neue Ehemann ohne Adoption im Ernstfall zum Beispiel keine Auskunft im Krankenhaus erhalten würde, sollte dem Kind etwas zustoßen, war zum Beispiel für das Oberlandesgericht (OLG) Oldenburg kein ausreichender Grund (AZ UF 33/17). Dieses Problem ließe sich auch durch eine Bevollmächtigung lösen, so die Argumentation des Richters. Auch fehlender Kontakt oder nicht gezahlter Unterhalt sind keine Garantien für eine Bewilligung. Ist allerdings auch der Aufenthaltsort des betreffenden Elternteils nachweislich nicht zu ermitteln, steigen die Chancen, dass eine Stiefkindadoption auch ohne dessen Zustimmung erlaubt wird.

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