Streit­at­las Eska­la­ti­ons­stu­fen beim Streit auris, Fotolia

16. Dezember 2015, 14:30 Uhr

Streit hat mehrere Stufen Die neun Eska­la­ti­ons­stu­fen eines Streits

Ein Streit kann genau so schnell enden, wie er begonnen hat. Manchmal wird er aber auch immer intensiver und droht zu eskalieren. Zwischen diesen beiden Extremen liegen jedoch noch weitere Stufen. Der österreichische Konfliktforscher Friedrich Glasl hat ein Analysemodell für Konflikte aufgestellt, das genau aufzeigt, welche neun Eskalationsstufen in einem Streit auftreten. Die neun Eskalationsstufen werden hierbei in drei Ebenen aufgeteilt, die den Streit abstufen. Glasl geht hierbei davon aus, dass ungelöste Konflikte zwangsläufig in einer Eskalation enden – ein Streit hat für ihn grundsätzlich eine negative Dynamik. Aber wie erkennen Sie, in welcher Eskalationsstufe Sie sich gerade befinden und viel wichtiger: Wie kann der Streit möglichst schnell beendet werden?

1. Ebene: Win-Win-Situation

In der ersten Stufe beginnt der Konflikt und es werden erste Schuldzuweisungen ausgesprochen. Die Standpunkte der Streitparteien verhärten sich, aber es wird noch nicht über die Gründe des Ärgers gesprochen. Dann folgt in Stufe zwei der erste handfeste Streit und man will den anderen von seinen Argumenten überzeugen. In der letzten der drei Eskalationsstufen in dieser Ebene schalten beide Parteien auf stur und haben keinerlei Empathie mehr für Ihr Gegenüber. In den ersten drei Stufen herrscht eine Win-Win-Situation, das heißt, es kann noch eine Lösung gefunden werden, die für beide Parteien realistisch und annehmbar ist. Sie sollten gemeinsam Spielregeln und Maßnahmen für die weitere Diskussion entwickeln, denn noch geht es um inhaltliche Auseinandersetzungen – in dieser Ebene wird es noch nicht persönlich oder beleidigend.

2. Ebene: Win-Lose-Situation

Stufe vier lässt sich daran erkennen, dass es unsachlich wird. Den Beteiligten ist nun nicht mehr nur daran gelegen ihren Gegner tatsächlich von ihrem Standpunkt zu überzeugen. Jetzt geht es darum, den Konflikt zu gewinnen. Beide Parteien suchen sich Verbündete und Sympathisanten, um zusammen gegen den Streitpartner vorzugehen. In Schritt fünf begeben sich die Streitpartner unter die Gürtellinie. Es werden absurde Unterstellungen erfunden – moralische Glaubwürdigkeit ist nun nicht mehr vorhanden. Im sechsten Schritt werden dann auch Drohungen ausgesprochen, um die eigene Macht zu demonstrieren. Hierbei muss es sich nicht zwangsläufig um realistische Drohungen handeln und es können Sätze wie: „Sonst sprenge ich Dein Haus in die Luft“, fallen. In dieser zweiten Ebene kann nur einer gewinnen. Da es hier nicht mehr um Inhalte und Fakten geht, sondern persönliche Angriffe stattfinden, sollte hier dringend ein Mediator eingeschaltet werden, der die Eskalationsspirale stoppt.

3. Ebene: Lose-Lose-Situation

Ab Schritt sieben rückt der eigentliche Streitauslöser komplett in den Hintergrund. Es geht jetzt nur noch darum, den anderen zu schikanieren und ihn bloßzustellen. Es wird mit unlauteren Mitteln gekämpft: zum Beispiel werden vertrauliche Informationen weitergetragen. Schritt acht geht so weit, dass der Kontrahent vernichtet werden soll und in Schritt neun wird sogar der eigene Untergang mit einkalkuliert – Hauptsache der Gegner leidet ein Quäntchen mehr als man selbst. Wenn die dritte Ebene der Eskalationsstufen in Ebene drei erreicht ist, können beide Parteien nur noch verlieren, denn sie sind so weit von einer Einigung entfernt, wie es nur möglich ist. Um hier eine Deeskalation herbeizuführen, sollten gerichtliche Verfahren eingeleitet werden. Das ist die einzige Möglichkeit, die Beteiligten zu schützen.

Deeskalation durch Selbsthilfe ist nur bis zu einem bestimmten Punkt möglich. Solange es um sachliche und persönliche Differenzen geht, ist die Chance selbst aus dem Konflikt herauszufinden noch gegeben. Wenn es den Beteiligten allerdings nicht mehr um den ursprünglichen Konflikt geht, sondern andere Motive im Vordergrund stehen (ab Stufe drei), ist eine Selbsthilfe nicht mehr möglich.


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